{"id":1980,"date":"2026-03-06T13:40:04","date_gmt":"2026-03-06T12:40:04","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/?p=1980"},"modified":"2026-03-06T13:40:04","modified_gmt":"2026-03-06T12:40:04","slug":"eine-kur-fuer-philosophinnen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/2026\/03\/06\/eine-kur-fuer-philosophinnen\/","title":{"rendered":"Eine Kur f\u00fcr Philosoph*innen"},"content":{"rendered":"<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_1980 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_1980')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_1980').socialSharePrivacy({\"txt_help\":\"Wenn Sie diese Felder durch einen Klick aktivieren, werden Informationen an Facebook, Twitter, Flattr, Xing, t3n, LinkedIn, Pinterest oder Google eventuell ins Ausland \\u00fcbertragen und unter Umst\\u00e4nden auch dort gespeichert. 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Karl Joseph Hieronymus Windischmann war ein begeisterter Leser Hegels \u2013 1807 hatte er eine enthusiastische Rezension der <em>Ph\u00e4nomenologie des Geistes<\/em> geschrieben; 1818 wurde er Philosophieprofessor in Bonn. F\u00fcr Windischmann ist die <em>Ph\u00e4nomenologie des Geistes<\/em> eine Art selbsttherapeutisches Buch, \u201cdas Elementarbuch der Befreiung der Menschen\u201d. In seinem Brief an Hegel vom 27.04.1810 erz\u00e4hlt er Hegel zuerst davon, dass es sich seit geraumer Zeit in einem beunruhigenden psychischen Zustand befindet: \u201cmeine dr\u00fcckende Lage wird mir zum Fels auf der Brust [\u2026] alles, was ich getrieben und geschrieben, ekelt mich an\u201d&nbsp; dann weist er selbst auf den Weg hin, durch den eine Genesung erfolgen k\u00f6nnte: \u201cdieses leidige Wesen <em>muss<\/em> ich los werden und ich kann es nicht gr\u00fcndlicher, als wenn ich alles andere mit Macht wegschleudernd mich allein wieder der Wissenschaft hingebe und aufs neue das System der Wissenschaft studiere\u201d. Mit \u201cWissenschaft\u201d und das \u201cSystem der Wissenschaft\u201d ist der Inhalt der <em>Ph\u00e4nomenologie des Geistes<\/em> gemeint \u2013 dazu schreibt Windischmann: \u201cDas Studium Ihres Systems der Wissenschaft hat mich \u00fcberzeugt, da\u00df dieses Werk einst, wann die Zeit des Verst\u00e4ndnisses kommt, als das <em>Elementarbuch der Befreiung des Menschen<\/em> angesehen werden wird\u201d. Also ist das, was Windischmann meint, wenn er \u201cBefreiung der Menschen\u201d schreibt, die Heilung der geistigen Krankheit, die durch das Studium der (Hegelschen) Philosophie und Wissenschaft zustande kommt.<\/p>\n\n\n\n<p>Wollten wir diese Selbstdiagnose Windischmann verallgemeinern und ihr folgen, m\u00fcssten wir, um von unseren psychischen St\u00f6rungen zu genesen, Hegel studieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Hegels Antwort an Windischmann und seine empfohlene Selbsttherapie ist leicht anders und subtiler. Hegel berichtet, dass er selbst \u201cein paar Jahre an dieser Hypochondrie bis zur Entkr\u00e4ftigung gelitten\u201d hatte, dass alle Menschen in ihrem Leben \u201cden n\u00e4chtlichen Punkt der Kontraktion ihrer Wesen\u201d erleben. \u201cFahren Sie getrost fort; die Wissenschaft, die Sie in dieses Labyrinth des Gem\u00fcts gef\u00fchrt, ist allein f\u00e4hig, Sie herauszuleiten und zu heilen\u201d.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Philosophie ist also f\u00fcr Hegel zugleich Ursache der Krankheit und Weg zu deren Heilung. Die von Hegel empfohlene Selbsttherapie ist also keine Therapie f\u00fcr normale Menschen, sondern f\u00fcr Philosoph*innen. Es geht um die Art der Genesung geistiger Krankheiten, die von der Philosophie selbst verursacht wurden und nur uns Philosoph*innen betreffen. Es geht dabei um die geistige Erdr\u00fcckung, das Labyrinth des Gem\u00fcts, Steckenbleibens und sich im Kreise drehen in labyrinthischen G\u00e4ngen, die durch das Scheitern bei der Denkarbeit verursacht und nur durch das Weitermachen bei der philosophischen Arbeit geheilt werden.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2026\/03\/BloKK-Ficara.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1981\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2026\/03\/BloKK-Ficara.jpeg 1024w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2026\/03\/BloKK-Ficara-300x200.jpeg 300w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2026\/03\/BloKK-Ficara-768x512.jpeg 768w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2026\/03\/BloKK-Ficara-450x300.jpeg 450w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-blue-color has-text-color has-link-color wp-elements-4f5b22059c3013778a08e02753f2f28a\">Apl. Prof. Dr. Elena Ficara ist Au\u00dferplanm\u00e4\u00dfige Professorin im Fach Philosophie am Institut f\u00fcr Humanwissenschaften der Universit\u00e4t Paderborn.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In seiner beeindruckend detailreichen Hegel Biographie erinnert Klaus Vieweg an einen Brief Hegels an Windischmann vom 27.05.1810, in dem wir so etwas wie \u201edie von Hegel empfohlene Selbsttherapie f\u00fcr Philosoph*innen\u201c finden k\u00f6nnen. 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