{"id":1916,"date":"2025-10-31T12:16:46","date_gmt":"2025-10-31T11:16:46","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/?p=1916"},"modified":"2025-10-31T12:16:46","modified_gmt":"2025-10-31T11:16:46","slug":"zum-schreiben-mit-der-hand","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/2025\/10\/31\/zum-schreiben-mit-der-hand\/","title":{"rendered":"Zum Schreiben mit der Hand"},"content":{"rendered":"<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_1916 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_1916')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_1916').socialSharePrivacy({\"txt_help\":\"Wenn Sie diese Felder durch einen Klick aktivieren, werden Informationen an Facebook, Twitter, Flattr, Xing, t3n, LinkedIn, Pinterest oder Google eventuell ins Ausland \\u00fcbertragen und unter Umst\\u00e4nden auch dort gespeichert. 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Hier l\u00e4sst Mann die von ihm entworfene Figur des italienischen Humanisten und Literaten Lodovico Settembrini die \u00dcberzeugung verk\u00fcnden, dass ein sch\u00f6ner Schreibstil sch\u00f6ne Gedanken hervorbringe und auch zu einem sch\u00f6nen Handeln f\u00fchre. Thomas Mann w\u00fcrdigt an dieser Stelle seines <em>Zauberbergs<\/em> die Verbindung von Denken und Handeln als eine zivilisatorische Kulturleistung, die sich im geschriebenen Wort verdichtet und eine humanistische Geisteshaltung begr\u00fcndet.<\/p>\n\n\n\n<p>Dass Schreiben eine Kulturtechnik sei, wird derzeit gerne betont, vor allem in der Auseinandersetzung mit neuen KI-Tools. Lange Zeit bestand der eigentliche Schreibakt dabei aber ausschlie\u00dflich im Schreiben mit der Hand. Schreiben als Kulturtechnik ist historisch gesehen also die meiste Zeit \u00fcber eine gewesen, die per Hand vollzogen wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Beim Schreiben mit der Hand, das rufen uns gerade heute wieder Studien ins Bewusstsein, werden zahlreiche Muskeln und Gelenke aktiviert, die in Einklang gebracht werden m\u00fcssen. Das Schreiben mit der Hand ist anstrengend, das merkt man nicht nur an den H\u00e4nden, sondern auch mental, denn der Schreibprozess erfordert vor allem eines: Konzentration.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn man den Schreibakt somit als einen Prozess versteht, in dem Geist und K\u00f6rper in Einklang gebracht werden, um daraus etwas zu (Er)schaffen, dann hat er nat\u00fcrlich auch in den Vorstellungswelten religi\u00f6ser Literatur einen festen Platz. So wird im Koran das Schreibrohr (<em>qalam<\/em>) bei der Vermittlung des g\u00f6ttlichen Wissens an den Menschen hervorgehoben (Koran\u202f96:4). Hier manifestiert sich im Schreibakt nichts Geringeres als die Weitergabe g\u00f6ttlichen Wissens an den Menschen. Im Neuen Testament bezeichnet Paulus im 2.\u202fKorintherbrief den Menschen als einen Brief, der jedoch nicht mit Tinte geschrieben ist, sondern mit dem Geist Gottes.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Vorstellung eines g\u00f6ttlichen Schreibakts entwirft auch der islamische Gelehrte Abu Hamid al-Ghazali (gest. 1111) in seinem Werk <em>Die Wiederbelebung der Wissenschaften der Religion<\/em>. Darin wird in einer Parabel davon berichtet, wie jemand angesichts eines mit Tinte beschriebenen Papiers nach dessen Urheber fragt. Die Tinte verweist auf das Schreibrohr, welches auf die Hand des Schreibers als Urheber hindeutet. Nach Befragung weiterer Stationen \u2013 des Willens, des Wissens, des Verstandes, des Herzens und schlie\u00dflich des \u201ag\u00f6ttlichen Schreibrohrs\u2018 \u2013 erkennt die Person, dass allein Gott der eigentliche Schreiber ist und damit Urheber allen Handelns und Seins.<\/p>\n\n\n\n<p>Heute, wo das laute Wort immer mehr Raum f\u00fcr sich beansprucht, ist eine flammende Verteidigung des geschriebenen Wortes, wie man sie im <em>Zauberberg<\/em> finden kann, ein \u00e4sthetischer Genuss und eine geistige Erbauung. F\u00fcr solche Textstellen sollte man Thomas Mann gerade heute wieder lesen und f\u00fcr sich entdecken.<\/p>\n\n\n\n<p>Angesichts der M\u00f6glichkeiten, die der rasante Aufschwung von KI-Tools derzeit mit sich bringt, erscheint es vielleicht naiv, im eigenen Schreibakt eine Kulturleistung zu sehen. Wenn jedoch die F\u00e4higkeit zu einer sch\u00f6nen Handschrift zu einer antiquierten Liebhaberei wird, kann dann nicht auch die heilsgeschichtliche Relevanz eines g\u00f6ttlichen Schreibrohrs zu einer nicht mehr zu entziffernden Hieroglyphe f\u00fcr sp\u00e4tere Generationen werden?<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"819\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2025\/10\/Buch-u.-Stift-819x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1917\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2025\/10\/Buch-u.-Stift-819x1024.jpg 819w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2025\/10\/Buch-u.-Stift-240x300.jpg 240w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2025\/10\/Buch-u.-Stift-768x960.jpg 768w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2025\/10\/Buch-u.-Stift-1229x1536.jpg 1229w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2025\/10\/Buch-u.-Stift.jpg 1440w\" sizes=\"auto, (max-width: 819px) 100vw, 819px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-blue-color has-text-color has-link-color wp-elements-0311becad7577d1e6522c9acc13b7197\">Dr. Stephan Kokew ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bereich Koranwissenschaften am Paderborner Institut f\u00fcr Islamische Theologie der Universit\u00e4t Paderborn.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Reflexion \u00fcber eine Kulturleistung In diesem Sommer j\u00e4hrte sich der Geburtstag von Thomas Mann zum 150. 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