{"id":1869,"date":"2025-08-01T12:15:06","date_gmt":"2025-08-01T10:15:06","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/?p=1869"},"modified":"2025-08-01T15:03:51","modified_gmt":"2025-08-01T13:03:51","slug":"so-habe-ich-gehoert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/2025\/08\/01\/so-habe-ich-gehoert\/","title":{"rendered":"\u201eSo habe ich geh\u00f6rt \u2026\u201c"},"content":{"rendered":"<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_1869 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_1869')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_1869').socialSharePrivacy({\"txt_help\":\"Wenn Sie diese Felder durch einen Klick aktivieren, werden Informationen an Facebook, Twitter, Flattr, Xing, t3n, LinkedIn, Pinterest oder Google eventuell ins Ausland \\u00fcbertragen und unter Umst\\u00e4nden auch dort gespeichert. 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Was wir dann aber h\u00f6ren, ist eine ganz andere Geschichte als die, die man uns hier erz\u00e4hlt hat. Wir h\u00f6ren von \u00c4onen mal \u00c4onen mal den Sand des Ganges z\u00e4hlende Buddhas, und von unendlich zahlreichen und weiten Buddhal\u00e4ndern, aus denen sie zusammenkommen. Wir h\u00f6ren nicht nur von <em>einem<\/em> Himmel, sondern von etlichen, in denen unterschiedliche Wesen leben. Wir h\u00f6ren aber nicht nur von Himmeln, sondern auch von H\u00f6llen. Von kalten und hei\u00dfen. Von weiten und fernen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das viele H\u00f6ren von Dingen kann verwirren. Was soll man denn glauben, wenn man so viele unterschiedliche Erz\u00e4hlungen h\u00f6rt? Am letzten Samstag war ich mit einer Gruppe von Studierenden im Tempel des EKO-Hauses in D\u00fcsseldorf. Er geh\u00f6rt zum Zweig des <em>Jodo<\/em>&#8211;<em>Shinshu<\/em>, auch <em>Reine-Land-Buddhismus<\/em> genannt. Wir begannen mit einem Ritus im Tempel \u2013 und genau da passierte es. Alles wurde pl\u00f6tzlich fremd. Ein Priester erz\u00e4hlte etwas von einem Buddha Amida, einem Buddha des <em>unermesslichen Lichtes<\/em>, der ein Reines Land im Westen gegr\u00fcndet hat, in das alle hineingeboren werden, die zehnmal vertrauensvoll seinen Namen ausrufen. Sind Buddhisten nicht die, die stundenlang still vor einer wei\u00dfen Wand sitzen? Auch solche haben wir an diesem Tag noch gesehen. Aber auch sie haben zun\u00e4chst auch gebetet, bevor sie sich hingesetzt haben. F\u00fcr den Schutz der Menschen in der Stadt und das Heil aller Wesen im Samsara. Zu wem haben sie gebetet? Zu unterschiedlichen G\u00f6ttern und Wesen. Das ist wieder eine andere Geschichte.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch gab es nur Geschichten an diesem Tag? Tats\u00e4chlich fand auch eine Begegnung statt. Wir konnten uns sehr lange mit einem Priester austauschen und pl\u00f6tzlich wurde etwas pr\u00e4sent. Eine Lebendigkeit, die erlebbar wird, wenn Menschen einander begegnen, die nicht nur etwas geh\u00f6rt, sondern auch etwas durchlebt haben. Genau hier wurde deutlich, was an der Praxis der Komparativen Theologie anders ist. Ja, <em>so haben wir geh\u00f6rt<\/em> an diesem Tag. Wir haben aber auch gesehen und miterlebt \u2013 und ich glaube, auch verstanden. Nicht alles. Aber in der Begegnung wurde etwas zug\u00e4nglich, das in den Texten verborgen bleibt.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch die Texte selbst berichten immer wieder von Begegnungen. So trifft der Gelehrte Sch\u00fcler Subhuti den Bodhisattva Avalokite\u015bvara. Er bittet ihn um Erl\u00e4uterung der komplizierten Philosophie der buddhistischen Tradition. Dieser ent-t\u00e4uscht ihn zun\u00e4chst im wahrsten Sinne des Wortes. Alles, was er bisher geh\u00f6rt hat, existiert nicht auf die Weise, wie er es sich vorgestellt hat. Das ist zun\u00e4chst deprimierend. Wof\u00fcr hat Subhuti das denn alles gelernt? Die Antwort ist einfach: um es alles zu vergessen. Vergiss, was du geh\u00f6rt hast, und begegne dem, was ist. Befrei dich von den Bildern in deinem Kopf, die dir eher den Blick auf die Wirklichkeit verstellen, als dass sie ihn erm\u00f6glichen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn wir einmal genau in unser Leben schauen, dann passiert uns genau dieses Muster st\u00e4ndig. Irgendjemand hat ein Bild von uns. Er oder sie <em>hat etwas geh\u00f6rt<\/em>. Nichts von dem Bild entspricht dem, was wir wirklich sind. Auch da kann eine ehrliche Begegnung f\u00fcr eine heilsame Ent-T\u00e4uschung sorgen. Manchmal aber auch f\u00fcr mehr Frustration. Was aber passiert ist etwas Wesentliches: Wir begegnen im anderen einem uneinholbaren Geheimnis, dem wir uns nicht einfach so bem\u00e4chtigen d\u00fcrfen. Das passiert uns in der Begegnung der Kulturen, aber auch in der einfachen, zwischenmenschlichen Begegnung im Alltag.<\/p>\n\n\n\n<p>Pl\u00f6tzlich erleben wir, dass das Gebot, dass Gott dem Menschen sich selbst gegen\u00fcber gegeben hat, nicht nur gegen\u00fcber Gott, sondern auch gegen\u00fcber allen Menschen und Kulturen gelten sollte: <em>Du sollst Dir kein Bild von mir machen<\/em>. Was w\u00fcrde passieren, wenn wir diesem Gebot in unseren Allt\u00e4glichen Begegnungen etwas mehr folgen w\u00fcrden? Dass ist ein hoher Anspruch und in Teilen, vor allem in zwischenmenschlichen Beziehungen, unglaublich anstrengend. Gleichzeitig ist es aber, wenn man mich fragt, die wertvollste Haltung, die man im Leben einnehmen kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Folgt man dieser Spur er\u00f6ffnet sich uns n\u00e4mlich eine neue Weite der Wirklichkeit, die uns verborgen bleibt, wenn wir an unseren Bildern h\u00e4ngen bleiben. In der Begegnung zwischen den Kulturen, den Religionen, aber vor allem den Menschen liegt etwas Wunderbares. Die Dinge werden erst durch die Menschen, die sie durchleben, erlebbar und verstehbar. In der Tiefe verstanden \u00f6ffnen sie uns aber immer wieder neu f\u00fcr das Geheimnis, das der oder die andere im Wesentlichen ist. Das wurde mir an diesem Samstag deutlich. Ich freue mich schon auf das n\u00e4chste Mal. Bis dahin bleibt mir nur die Haltung: \u201eSo habe ich geh\u00f6rt \u2026\u201c, \u201eSo habe ich gesehen \u2026\u201c und \u201eSo habe ich es erlebt \u2026\u201c und doch nicht ganz verstanden.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"399\" height=\"607\" src=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2025\/08\/Bild1.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-1870\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2025\/08\/Bild1.png 399w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2025\/08\/Bild1-197x300.png 197w\" sizes=\"auto, (max-width: 399px) 100vw, 399px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-blue-color has-text-color has-link-color wp-elements-dfeb2f186ddfba4eb37130be2960aaf7\">Dr. Daniel Rumel ist Lehrbeauftragter des ZeKK der Universit\u00e4t Paderborn.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcber den Buddhismus haben wir hier in Deutschland schon so einiges geh\u00f6rt. 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