{"id":1856,"date":"2025-07-18T10:58:34","date_gmt":"2025-07-18T08:58:34","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/?p=1856"},"modified":"2025-07-18T10:58:34","modified_gmt":"2025-07-18T08:58:34","slug":"mehr-als-noten-wenn-leistung-nicht-das-letzte-wort-hat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/2025\/07\/18\/mehr-als-noten-wenn-leistung-nicht-das-letzte-wort-hat\/","title":{"rendered":"Mehr als Noten: wenn Leistung nicht das letzte Wort hat"},"content":{"rendered":"<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_1856 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_1856')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_1856').socialSharePrivacy({\"txt_help\":\"Wenn Sie diese Felder durch einen Klick aktivieren, werden Informationen an Facebook, Twitter, Flattr, Xing, t3n, LinkedIn, Pinterest oder Google eventuell ins Ausland \\u00fcbertragen und unter Umst\\u00e4nden auch dort gespeichert. 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Viele Kinder und Jugendliche erleben in der Schule nicht nur einen Raum, in dem Lernen und Entwicklung stattfindet, sondern auch Leistungsdruck, Vergleich und die Angst vor dem Scheitern. Zeugnisse sollen Leistungen abbilden, aber oft bewerten sie mehr: den Menschen dahinter.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Konzept des Growth Mindset nach Carol Dweck<a href=\"#_ftn1\" id=\"_ftnref1\">[1]<\/a> kann helfen, das Spannungsfeld rund um Schulnoten und Zeugnisse zu dekonstruieren und gerade in Kombination mit religi\u00f6ser Bildung zu einem reflektierten und differenzierten Umgang damit beitragen. Es geht davon aus, dass F\u00e4higkeiten und Intelligenz nicht angeboren und statisch, sondern durch Lernbereitschaft, Anstrengung und Ausdauer entwickelbar sind. Fehler werden dabei als Helfer und Chance zur Weiterentwicklung angesehen und geh\u00f6ren zum nat\u00fcrlichen Entwicklungsprozess. In der Schule ist die Realit\u00e4t jedoch oft eine andere: Noten werden als vollendete Tatsache und als Ausdruck des eigenen Wertes verstanden. Fehler scheinen der Beweis f\u00fcr Unzul\u00e4nglichkeiten zu sein. Sie zeigen: ich bin nicht gut genug, ich kann nichts, ich bin ein hoffnungsloser Fall.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Spannend ist: es gibt einige Gemeinsamkeiten zwischen religi\u00f6ser Bildung und dem Growth Mindset. Religi\u00f6se Traditionen erz\u00e4hlen \u00c4hnliches, egal ob im Judentum, Christentum oder Islam: Der Mensch ist kein fertiges Produkt, sondern ein Wesen auf dem Weg. Fehler sind dabei keine Niederlagen, sondern Stationen im Prozess des Werdens. Biblische Figuren wie Mose, David oder Petrus zeigen, dass Fehler und Scheitern zum menschlichen Leben dazugeh\u00f6ren und gerade daraus Neues entstehen kann. Nach christlichem Verst\u00e4ndnis ist jeder Mensch ein Ebenbild Gottes, unabh\u00e4ngig von F\u00e4higkeiten und Leistung besitzt jeder Mensch W\u00fcrde und Wert. Die Annahme und Liebe Gottes gilt bedingungs- und voraussetzungslos und kann und muss nicht verdient oder erarbeitet werden. So entsteht ein Raum, in dem Leistung nicht das letzte Wort hat, sondern Wachstum, Gnade und W\u00fcrde im Mittelpunkt stehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der Schule kann religi\u00f6se Bildung durch Impulse zur Selbstannahme und -reflexion (z.B. durch Psalm 139), durch biblische Vorbilder (s.o.) oder Kritik an der Leistungsgesellschaft (insbesondere unter Ber\u00fccksichtigung von Inklusion) ein Gegengewicht zum st\u00e4ndigen Leisten und Bewerten bieten. Sie erinnert daran, dass Lebenswege keine linearen Erfolgsgeschichten, sondern als ein Prozess mit Br\u00fcchen und Heilung zu verstehen sind. Sie schafft R\u00e4ume, in denen Kinder und Jugendliche sich nicht \u00fcber Noten definieren, sondern die Geschichten dahinter sehen und sich jenseits von Leistungserwartungen erleben und entfalten d\u00fcrfen. Lernen ist mehr als das, was sich in Zahlen ausdr\u00fccken l\u00e4sst, Sch\u00fcler*innen sind mehr als ihre Noten und vielleicht brauchen wir genau das:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Bildungsideal, das Mut macht, Fehler zu machen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Menschenbild, das nicht bei Leistung und Noten stehen bleibt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und eine Hoffnung, die sagt: Du darfst wachsen &#8211; ein Leben lang.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2025\/07\/zeugnis-8282323_1280-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1857\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2025\/07\/zeugnis-8282323_1280-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2025\/07\/zeugnis-8282323_1280-300x200.jpg 300w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2025\/07\/zeugnis-8282323_1280-768x512.jpg 768w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2025\/07\/zeugnis-8282323_1280-450x300.jpg 450w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2025\/07\/zeugnis-8282323_1280.jpg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-blue-color has-text-color has-link-color wp-elements-087ae3fb2947515aea388512308fe6a2 wp-block-paragraph\">Dr. Anna Neumann wurde an der Universit\u00e4t Paderborn im Fach Ev. Theologie promoviert. Sie ist Mitgr\u00fcnderin des Netzwerkes Dis\/Ability und Theologie und inzwischen als Post-Doc und Lehrkraft f\u00fcr besondere Aufgaben in der Lehramtsausbildung der Abteilung Theologie und Diakoniewissenschaft an der Universit\u00e4t Bielefeld t\u00e4tig.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#_ftnref1\" id=\"_ftn1\">[1]<\/a> Vgl. Dweck, Carol: Mindset: The New Psychology od Success, New York 2006. Deutsche Ausgabe: Dweck, Carol: Selbstbild. Wie unser Denken Erfolge oder Niederlangen bewirkt, M\u00fcnchen 7. Auflage 2017.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kurz bevor es in die Sommerferien geht, erleben Sch\u00fcler*innen einen Moment, der gemischte Gef\u00fchle hervorruft: es gibt Zeugnisse. W\u00e4hrend es die einen voller Stolz und Freude pr\u00e4sentieren, zeigt sich bei Anderen Frustration, Entt\u00e4uschung, Unsicherheit oder Angst. 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