{"id":1832,"date":"2025-06-13T22:58:56","date_gmt":"2025-06-13T20:58:56","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/?p=1832"},"modified":"2025-06-13T22:58:56","modified_gmt":"2025-06-13T20:58:56","slug":"bildung-und-interreligioeser-dialog","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/2025\/06\/13\/bildung-und-interreligioeser-dialog\/","title":{"rendered":"Bildung und interreligi\u00f6ser Dialog"},"content":{"rendered":"<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_1832 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_1832')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_1832').socialSharePrivacy({\"txt_help\":\"Wenn Sie diese Felder durch einen Klick aktivieren, werden Informationen an Facebook, Twitter, Flattr, Xing, t3n, LinkedIn, Pinterest oder Google eventuell ins Ausland \\u00fcbertragen und unter Umst\\u00e4nden auch dort gespeichert. 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Karl Ernst Nipkow bestreitet dies \u2013 zumindest f\u00fcr den Bereich der Religionsp\u00e4dagogik \u2013 wenn er schreibt: \u201eDass man in der Religionsp\u00e4dagogik vom \u201ainterreligi\u00f6sem Lernen\u2018 und vom \u201aDialog\u2018 h\u00e4ufig synonym spricht, verschleift einen Unterschied.\u201c<a href=\"#_ftn1\" id=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Dieses Statement von Nipkow ist ein Anlass, der Frage nach dem Verh\u00e4ltnis von interreligi\u00f6sem Dialog und interreligi\u00f6sem Lernen nachzugehen \u2013 und damit der Frage, ob es beim interreligi\u00f6sen Dialog um Bildung geht.<\/p>\n\n\n\n<p>Bildung ist in die DNA von evangelisch-lutherischen Christ*innen eingeschrieben. Martin Luther hat sich mit Vehemenz f\u00fcr Bildung eingesetzt. Ihm lag in besonderem Ma\u00dfe die \u00f6ffentliche Bildung am Herzen, die allen B\u00fcrger*innen offenstehen sollte. In seiner kleinen Schrift an die Ratsherren in jeder deutschen Stadt appellierte er 1524 an die weltliche Obrigkeit, staatliche Schulen zu errichten, um f\u00fcr eine gute Ausbildung der Bev\u00f6lkerung zu sorgen. Er rief auch dazu auf, \u00f6ffentliche Bibliotheken zu gr\u00fcnden, um Menschen aller Schichten Zugang zu B\u00fcchern und breitem Wissen zu vermitteln. Die protestantische Gemeinde in Halle an der Saale nahm sich den Aufruf zu Herzen und gr\u00fcndete 1552 die heute \u00e4lteste erhaltene evangelische <a href=\"http:\/\/www.nwzonline.de\/organisation\/gemeindebibliothek\">Gemeindebibliothek<\/a>. Die Reformation und Luthers Aufruf zur Gr\u00fcndung von Schulen und Bibliotheken f\u00fchrten zu einer regelrechten Bildungsoffensive in Deutschland.<\/p>\n\n\n\n<p>Dabei ging es Luther keineswegs um ausschlie\u00dflich religi\u00f6se Bildung. So schrieb er, bevor er seine Familie gegr\u00fcndet hatte: Wenn er eigene Kinder h\u00e4tte, m\u00fcssten diese nicht nur die Sprachen und Naturwissenschaften erlernen, sondern umfassend gebildet werden, zum Beispiel in Musik und Kunst, damit sie sp\u00e4ter jeden Beruf ergreifen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Luther machte sich f\u00fcr Bildungsgerechtigkeit stark; gem\u00e4\u00df seiner Auffassung sollten alle lesen und schreiben k\u00f6nnen, unabh\u00e4ngig von Herkunft oder Geschlecht. Dank der Reformatoren, vor allem Luther und Melanchthon, entstand eine Bildungsbewegung und es kam zu zahlreichen Schulgr\u00fcndungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Satz, dass Bildung in die DNA von evangelisch-lutherischen Christ*innen eingeschrieben ist, l\u00e4sst sich reformationsgeschichtlich somit gut begr\u00fcnden. Jedoch wirft der Begriff Bildung viele Fragen auf. Godwin L\u00e4mmermann weist zu Recht darauf hin, dass eine allgemein anerkannte Definition des Bildungsbegriffes nicht existiert: \u201eBildung ist nach Sache und Begriff plural konstituiert: Begrifflich entzieht sie sich jeder eindeutigen definitorischen Bannung, inhaltlich ist Bildung \u2013 sowohl als Ziel wie auch als Weg \u2013 offen und damit plural strukturiert.\u201c<a href=\"#_ftn2\" id=\"_ftnref2\">[2]<\/a> Dieser Befund erfordert eine Verst\u00e4ndigung \u00fcber die inhaltliche F\u00fcllung des Begriffs Bildung. Bei dem Versuch einer solchen Verst\u00e4ndigung kann sich der Gedanke des lebenslangen Lernens in der P\u00e4dagogik und somit auch in der Religionsp\u00e4dagogik als hilfreich erweisen. Was hei\u00dft das jedoch konkret \u2013 wie kann ein lebenslanges Lernen Gestalt annehmen? Auf diese Frage gibt es unterschiedliche Antworten. Eine zielt auf die Haltung ab, in der Menschen einander begegnen. In dem Mischna-Traktat Pirqe Awot wird im ersten Satz des vierten Kapitels das ber\u00fchmte Dictum von Ben Soma \u00fcberliefert: \u05d0\u05b5\u05d9\u05d6\u05b6\u05d4\u05d5\u05bc \u05d7\u05b8\u05db\u05b8\u05dd, \u05d4\u05b7\u05dc\u05bc\u05d5\u05b9\u05de\u05b5\u05d3 \u05de\u05b4\u05db\u05b8\u05bc\u05dc \u05d0\u05b8\u05d3\u05b8\u05dd \u2013 Wer ist weise? Wer von jedem Menschen lernt. Dies ist eine Definition von Weisheit, die dem Dialog wichtige Impulse zu vermitteln vermag. In j\u00fcdischen Kontexten gilt im Allgemeinen nicht als die bzw. der als Kl\u00fcgste bzw. Kl\u00fcgster, wer die kl\u00fcgste Antwort zu geben wei\u00df, sondern wer die kl\u00fcgste Frage zu stellen wei\u00df \u2013 denn die gew\u00e4hrleistet, dass das Gespr\u00e4ch fortgef\u00fchrt wird und somit die Grundlage f\u00fcr weiteres gegenseitiges Lernen gegeben ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Ort des Lernens ist dementsprechend die Gemeinschaft. Bezogen auf den interreligi\u00f6sen Dialog ist Gemeinschaft zum einen die Gemeinschaft derjenigen, die sich im Dialog engagieren, und zum anderen auch die Gemeinschaft mit Gott, wenn die Gegenwart Gottes im Dialog vorausgesetzt wird. Unter dieser Voraussetzung ist Gott Teil der Lerngemeinschaft. Dieser Gedanke mag auf den ersten Blick recht anthropomorph anmuten, aber vielleicht realisiert sich ja gerade in der F\u00e4higkeit, voneinander zu lernen, das, was im Rahmen christlich-theologischer Anthropologie recht vollmundig als \u201eGottesebenbildlichkeit\u201c bezeichnet wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Somit geht es beim interreligi\u00f6sen Dialog um Bildung. Die F\u00e4higkeit, immer wieder aufs Neue zu lernen und Neues zu lernen, konstituiert den Menschen und ist nicht zuletzt f\u00fcr die Gestaltung des interreligi\u00f6sen Dialogs von Bedeutung.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"683\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2025\/06\/ChatGPT-Image-13.-Juni-2025-22_56_28-683x1024.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-1833\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2025\/06\/ChatGPT-Image-13.-Juni-2025-22_56_28-683x1024.png 683w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2025\/06\/ChatGPT-Image-13.-Juni-2025-22_56_28-200x300.png 200w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2025\/06\/ChatGPT-Image-13.-Juni-2025-22_56_28-768x1152.png 768w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2025\/06\/ChatGPT-Image-13.-Juni-2025-22_56_28.png 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 683px) 100vw, 683px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-blue-color has-text-color has-link-color wp-elements-1e6ec0ccbd12bb215eda5b5fb1ebe7e4\">PD Dr. Hans-Christoph Go\u00dfmann ist Privatdozent an der Universit\u00e4t Paderborn im Bereich Religionsp\u00e4dagogik \/ Praktische Theologie am Evangelischen Institut.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref1\" id=\"_ftn1\">[1]<\/a> K.E. Nipkow, Ziele interreligi\u00f6sen Lernens als mehrdimensionales Problem, in: P. Schreiner; U. Sieg; V. Elsenbast (Hgg.), Handbuch Interreligi\u00f6ses Lernen. Eine Ver\u00f6ffentlichung des Comenius-Institut, G\u00fctersloh 2005, S. 362-380, hier S. 375.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref2\" id=\"_ftn2\">[2]<\/a> G. L\u00e4mmermann, Rezension zu: U. Pohl-Patalong (Hg.in), Religi\u00f6se Bildung im Plural. Konzeptionen und Perspektiven, in: Pastoraltheologie 93, 2004, S. 59.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im interreligi\u00f6sen Dialog kann immer wieder Neues gelernt werden \u2013 \u00fcber die jeweils andere Religion, aber auch \u00fcber die eigene. Hat dieser Dialog somit seinen Ort im Bereich der Bildung? 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