{"id":1828,"date":"2025-06-06T09:57:44","date_gmt":"2025-06-06T07:57:44","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/?p=1828"},"modified":"2025-06-06T09:57:44","modified_gmt":"2025-06-06T07:57:44","slug":"wer-lehren-will-muss-lernen-und-sich-selbst-aushalten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/2025\/06\/06\/wer-lehren-will-muss-lernen-und-sich-selbst-aushalten\/","title":{"rendered":"Wer lehren will, muss lernen \u2013 und sich selbst aushalten"},"content":{"rendered":"<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_1828 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_1828')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_1828').socialSharePrivacy({\"txt_help\":\"Wenn Sie diese Felder durch einen Klick aktivieren, werden Informationen an Facebook, Twitter, Flattr, Xing, t3n, LinkedIn, Pinterest oder Google eventuell ins Ausland \\u00fcbertragen und unter Umst\\u00e4nden auch dort gespeichert. 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Denn die Frage nach dem eigenen Rollenverst\u00e4ndnis stellt sich nicht nur einmal, zu Beginn der akademischen Laufbahn, sondern immer wieder, zwischen den Zeilen einer Seminarsitzung oder in einer konstruktiven Diskussion mit kritischen Studierenden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So stellt sich weniger die Frage, <em>ob<\/em> reflektiert wird, sondern <em>wie bewusst<\/em> und <em>wie dauerhaft<\/em> dies geschieht. Die Professionalisierung von Lehrpersonen, gerade im Fachbereich Religion, ist auf eine fortlaufende Selbstkl\u00e4rung angewiesen. Reflexion, das zeigen uns kompetenzorientierte Modelle religionsp\u00e4dagogischer Lehrer*innenbildung, ist nicht Beiwerk, sondern Herzst\u00fcck professionellen Handelns. Die Lehrperson wird nicht (nur) als Wissensvermittelnde gedacht, sondern als reflektierende, dialogoffene, zugleich selbstverortete und stets lernende Pers\u00f6nlichkeit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In dieser Rolle zu stehen, bedeutet auch, sich in Spannungen auszuhalten: zwischen N\u00e4he und Distanz, zwischen dem Anspruch theologischer Tiefe und der Notwendigkeit didaktischer Zug\u00e4nglichkeit, zwischen fachlicher Autorit\u00e4t und pers\u00f6nlicher Lernbereitschaft. In diesen Spannungen entstehen Reibungsfl\u00e4chen. Und wie es eine erfahrene Kollegin einmal formulierte: <em>\u201eReibung ist gut. Wo Reibung entsteht, gibt es neue Energien.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Solche Momente sind nicht angenehm, aber fruchtbar. In ihnen bildet sich das berufliche Selbstverst\u00e4ndnis aus. Was lief gut? Was ist zu \u00fcberdenken? Und: Was sagt diese Situation \u00fcber mein theologisches wie p\u00e4dagogisches Profil aus? Solche Fragen markieren einen Denkprozess, der die Fachpersonalisierung mit der Pers\u00f6nlichkeitsentwicklung verbindet. Ein zentrales Anliegen der Religionsp\u00e4dagogik.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Haltung, sich stets auch als Lernende zu begreifen, ist dabei nicht allein p\u00e4dagogisch motiviert, sie ist zutiefst islamtheologisch verankert. Der Status des Lernens und Lehrens ist eng verkn\u00fcpft mit dem Ethos der <em>Am\u0101na<\/em>. Jenem anvertrauten Gut, das mit jedem Erkenntnisgewinn auch eine sittliche Verpflichtung mit sich bringt. Wissen wird dabei nicht als Besitzstand verstanden, sondern als Gabe, die auch den Charakter formt. Lehren wird in diesem theologischen Horizont zu einem wechselseitigen Prozess, in dem sich das Subjekt stets auch selbst belehrt: durch die Begrenztheit des eigenen Wissens, durch die R\u00fcckfragen der Lernenden und durch die feinen Korrekturen, die das gemeinsame Ringen um Wahrheit erm\u00f6glicht. In diesem Sinn ist die Lehrperson nicht nur \u00dcbermittlende von Inhalten, sondern eine Existenz im st\u00e4ndigen Lernen vor Gott. Ein Dienst, der weder abgeschlossen noch autoritativ, sondern stets relational, vorl\u00e4ufig und gottesdienstlich zu begreifen ist. Was religionsp\u00e4dagogisch reflektiert wird, spiegelt sich auch in psychologischen Theorien des Lernens wider. So beschreibt das Konzept des <em>Growth Mindset<\/em>, gepr\u00e4gt von Carol Dweck, die Haltung, F\u00e4higkeiten und Kompetenzen nicht als statisch, sondern als entwickelbar zu betrachten. Diese Denkweise findet sich in \u00fcberraschender N\u00e4he zur islamischen Vorstellung von lebenslangem Lernen, das in zahlreichen Hadithen als durchgehende spirituelle und ethische Pflicht beschrieben wird. Der Mensch wird dabei nicht als fertiges Wesen, sondern als kontinuierlich Suchender verstanden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So l\u00e4sst sich die eigene Rolle in der Lehre wohl nie endg\u00fcltig bestimmen. Sie entsteht im Tun, ver\u00e4ndert sich im Widerspruch, gewinnt Sch\u00e4rfe durch Erfahrung und bleibt zugleich offen. Der Weg zur professionellen Lehrer*innenidentit\u00e4t f\u00fchrt nicht zur Klarheit im Sinne von Eindeutigkeit, sondern zu einem Bewusstheit im Sinne von Transparenz gegen\u00fcber sich selbst.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Lehren hei\u00dft also auch immer lernen. Und wer lehren will, muss auch lernen, sich selbst auszuhalten \u2013 in der Spannung zwischen Anspruch und Wirklichkeit, zwischen \u00dcberzeugung und Korrektur, zwischen Bild und Spiegel.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schr\u00f6der, K. (2007). Professionalisierung im Lehrerberuf: Kompetenzentwicklung zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Beltz.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Terhart, E. (2011). Lehrerprofessionalit\u00e4t: Was ist das? In E. Terhart, H. Bennewitz &amp; M. Rothland (Hrsg.), Handbuch der Forschung zum Lehrerberuf (S. 207\u2013232). Waxmann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vgl. Al-Bukhari, \u1e62a\u1e25\u012b\u1e25 al-Bukh\u0101r\u012b, Hadith Nr.\u202f71; sowie die Sammlung von Imam al-Nawawi, Riy\u0101\u1e0d a\u1e63-\u1e62\u0101li\u1e25\u012bn, Kapitel \u201eWissenssuche\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dweck, C. S. (2006). Mindset: The New Psychology of Success. Random House<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2025\/06\/BILD_BLOKK_Y.Bas_.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-1829\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2025\/06\/BILD_BLOKK_Y.Bas_.png 1024w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2025\/06\/BILD_BLOKK_Y.Bas_-300x300.png 300w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2025\/06\/BILD_BLOKK_Y.Bas_-150x150.png 150w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2025\/06\/BILD_BLOKK_Y.Bas_-768x768.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-blue-color has-text-color has-link-color wp-elements-67860d2b2b53cce34b416b20e96a673e wp-block-paragraph\">Yasemin Bas ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Paderborner Institut f\u00fcr Islamische Theologie im Bereich Islamische Religionsp\u00e4dagogik und ihre Fachdidaktik.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer lehrt, tritt nicht nur vor eine Gruppe von Lernenden, er oder sie tritt auch immer ein St\u00fcck weit vor sich selbst. 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