{"id":1793,"date":"2025-03-21T15:12:07","date_gmt":"2025-03-21T14:12:07","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/?p=1793"},"modified":"2025-03-21T16:01:11","modified_gmt":"2025-03-21T15:01:11","slug":"ploetzliches-weinen-im-beton-kurze-gedanken-zu-popmusikalischen-be-ruehrungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/2025\/03\/21\/ploetzliches-weinen-im-beton-kurze-gedanken-zu-popmusikalischen-be-ruehrungen\/","title":{"rendered":"Pl\u00f6tzliches Weinen im Beton \u2013 kurze Gedanken zu popmusikalischen Be-R\u00fchrungen"},"content":{"rendered":"<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_1793 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_1793')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_1793').socialSharePrivacy({\"txt_help\":\"Wenn Sie diese Felder durch einen Klick aktivieren, werden Informationen an Facebook, Twitter, Flattr, Xing, t3n, LinkedIn, Pinterest oder Google eventuell ins Ausland \\u00fcbertragen und unter Umst\\u00e4nden auch dort gespeichert. 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Da \u00fcberrascht es umso deutlicher, wenn wir pl\u00f6tzlich in zwar vorgeplanten, dennoch letztlich von Zuf\u00e4llen, Stimmungen und Begebenheiten abh\u00e4ngigen Ereignissen wie etwa popmusikalischen Performances und hier vor allem Live-Auftritten unvermutet stark be- oder ger\u00fchrt werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Pop wird hier verstanden nicht als Genre, das historisch oftmals im Volksmund unterkomplex und wenig divers als \u201aweiblich\u2018, \u201aseicht\u2018, \u201aeing\u00e4ngig\u2018 oder \u201ak\u00fcnstlich\u2018 versus Rock als \u201am\u00e4nnlich\u2018, \u201ahart\u2018, \u201ahandgemacht\u2018 oder \u201aecht\u2018 bezeichnet wurde, sondern als popul\u00e4re Musikkultur(en) in G\u00e4nze, die niedrigschwellig funktionieren und Vergn\u00fcgen evozieren, bei genauerem Hinh\u00f6ren, -sehen, -f\u00fchlen und manchmal auch -riechen und -schmecken gleichwohl sehr komplex oder doppelb\u00f6dig werden k\u00f6nnen, f\u00fcr Mengen von Publika, Fans, Journalist*innen und Wissenschaftler*innen gleicherma\u00dfen. Derart kommunikativ und sozial provozieren diese Kulturen eben \u201akult\u00fcrlich\u2018 mitunter starke Emotionen \u2013 mal hochgeplant, mal unerkl\u00e4rlich. Und k\u00f6nnen so durch alle Genres und Szenen hindurch Trost spenden, G\u00e4nseh\u00e4ute erzeugen f\u00fcr die eine in Form von Playlists zur Stimmungsregulation, f\u00fcr den anderen eben durch die heimische analoge oder digitale Sammlung, f\u00fcr dritte zuvorderst im Live-Konzert mit seinen Zuf\u00e4llen, Improvisationen, Unw\u00e4gbarkeiten und daraus resultierenden \u00dcberraschungen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als im letzten Jahr am 2. Juni etwa die britische S\u00e4ngerin und Musikerin Beth Gibbons (u.a. Portishead) ihr einziges Deutschlandkonzert in der Berliner Uber Eats-Halle vor etwa 3000 Menschen gab, verfielen die allermeisten von ihnen in kathartisches Schluchzen, Weinen oder zumindest Schlucken. Freilich kongeniale, vielk\u00f6pfige Band, Performance, Setting, eigentlich fast alles, bis auf die Musik und vor allem Gibbons\u2018 Stimme, waren vermeintlich unspektakul\u00e4r; auch die eher zur\u00fcckhaltend-n\u00fcchterne Halle. Doch schon beim ersten Song und im Verlauf des gesamten, durchaus komprimierten Konzerts wurde praktisch alles gesungen und bewirkt, was das Publikum vielleicht geahnt, aber in dieser Intensit\u00e4t denn doch nicht erwartet h\u00e4tte: \u201eThe burden of life\u2026 Just won\u2019t leave us alone\u201c, sang Gibbons tieftraurig und auch br\u00fcchig im Song \u201eBurden of Life\u201c. Pl\u00f6tzlich waren um eine\/n herum tats\u00e4chlich Schniefen, Schluchzen, Schlucken und glasige Augen zu erkennen. Eine Art Erl\u00f6sung \u2013 manche berichteten auch vom Erlebnis, als seien sie auf einem befreienden Raumschiff gewesen, machte sich breit und tief, nicht nur im gro\u00dfen Block der Stehenden. Zahlreiche Gespr\u00e4che nach dem Konzert, journalistische Rezensionen und Artikel schienen sich einig: Hier war etwas durch und durch Be-r\u00fchrendes geschehen, \u00dcberw\u00e4ltigung wurde erfahren an einem zun\u00e4chst nur scheinbar eben durchaus gew\u00f6hnlichen Konzertabend: \u201eDa weinen die ersten schon\u201c, titelte \u201eDie Zeit\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00c4hnlich (und doch ganz anders) zog der australische ehemalige Post Punk- und Swamp Blues-S\u00e4nger, Autor und K\u00fcnstler Nick Cave sein Publikum von 13000 Menschen in der Oberhausener Rudolf-Weber-Arena im Centro am 24. September in seinen Bann. Auch hier schien vieles vorab bestenfalls f\u00fcr die ganz treuen Fans klar. Aber dass eine derart ungem\u00fctliche riesige Konzert- und Event-Halle von dem ehemaligen Punk und Junkie Cave und seiner Band The Bad Seeds inklusive Gospel-S\u00e4ngerinnen gewisserma\u00dfen egalisiert und zum beinahe religi\u00f6sen Akt transformierte (\u201eLook at me now, I\u2019am transforming\u201c, singt Cave etwa im Song \u201eJubilee Street\u201c), \u00fcberraschte und \u00fcberw\u00e4ltigte dann doch sehr. Hier beinahe drei Stunden lang verwandelte Cave auch durch seine Persona die Beton-Halle in einen Club, indem er sein Konzert fast schon un-heimlich heimlich werden lie\u00df, auch in den oberen Sitzreihen. Beim Herausgehen aus der Halle waren vielf\u00e4ltige, ruhig-aufgeregte Unterhaltungen zu erhaschen, die sich um Trost, \u00dcberw\u00e4ltigung oder einfach nur starke Emotionalit\u00e4t und Caves Performance drehten: \u201eEleganter Surfer auf der Pathoswelle\u201c, titelte der \u201eGeneral-Anzeiger\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Alles schien f\u00fcr einen Moment von ca. 80 Minuten bei Beth Gibbons (Jahrgang 1965) und ca. zweieinhalb Stunden Bei Nick Cave (Jahrgang 1957) au\u00dferallt\u00e4glich, be-r\u00fchrend und fast transzendent. Und das, ganz nebenbei, bei zumeist sehr erfahrenen Stars, Fans und Publika, die zeigen, dass Pop schon lange nicht mehr nur eine Jugendkultur, sondern eine intergenerationelle Trostkultur sein kann. Ich bin mir sicher, wir alle haben eine Beth Gibbons oder einen Nick Cave \u201abei und f\u00fcr uns\u2018. Erst im anschlie\u00dfenden Nahverkehrs- oder Parkhausgep\u00f6bel wutb\u00fcrglicher Stumpfheit und Aggression verflogen Trost, Gemeinschaft, Be-R\u00fchrung und Ekstase, aber nur vor\u00fcbergehend\u2026<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" data-id=\"1794\" src=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2025\/03\/Schnappschuss-Smartphone-Mond-ueber-Spiekeroog-by-CJ-1024x768.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1794\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2025\/03\/Schnappschuss-Smartphone-Mond-ueber-Spiekeroog-by-CJ-1024x768.jpeg 1024w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2025\/03\/Schnappschuss-Smartphone-Mond-ueber-Spiekeroog-by-CJ-300x225.jpeg 300w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2025\/03\/Schnappschuss-Smartphone-Mond-ueber-Spiekeroog-by-CJ-768x576.jpeg 768w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2025\/03\/Schnappschuss-Smartphone-Mond-ueber-Spiekeroog-by-CJ-1536x1152.jpeg 1536w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2025\/03\/Schnappschuss-Smartphone-Mond-ueber-Spiekeroog-by-CJ-2048x1536.jpeg 2048w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2025\/03\/Schnappschuss-Smartphone-Mond-ueber-Spiekeroog-by-CJ-400x300.jpeg 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n<\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Foto: CJ, Mond \u00fcber Spiekeroog <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-blue-color has-text-color has-link-color wp-elements-78577bda6d01fe68188536d5bc606221 wp-block-paragraph\">Prof. Dr. Christoph Jacke ist Professor f\u00fcr Theorie, \u00c4sthetik und Geschichte der Popul\u00e4ren Musik im Fach Musik an der Fakult\u00e4t f\u00fcr Kulturwissenschaften der Universit\u00e4t Paderborn. Dort leitet er den Studiengang &#8222;Popul\u00e4re Musik und Medien&#8220; (BA\/MA). Zudem ist er stellvertrender Sprecher des Instituts f\u00fcr Kunst, Musik, Textil und des Fachs Musik sowie stellvertretender Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Direktor und Vorstandsmitglied des &#8222;C:POP &#8211; Transdisciplinary Research Center for Popular Music Cultures and Creative Economies&#8220;. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In wahrlich in jeder Hinsicht bewegten und bewegenden Zeiten zwischen Unentschlossenheiten, Pseudo-Alternativlosigkeiten, Kontingenz-Overloads, Hyperrealit\u00e4ten, Medientechnik-Overkill, Ungleichheiten, Weltkrisen, Fundamentalismen, Radikalismen, Populismen, Ver:Achtsamkeiten \u2013 so der Titel unserer Ringveranstaltung vom C:POP im gerade ablaufenden Wintersemester, Link: https:\/\/kw.uni-paderborn.de\/cpop\/aufgaben-aktivitaeten-1&nbsp; \u2013 werden wir mal mehr, &hellip; <a href=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/2025\/03\/21\/ploetzliches-weinen-im-beton-kurze-gedanken-zu-popmusikalischen-be-ruehrungen\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":9432,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-1793","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1793","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/9432"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1793"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1793\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1797,"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1793\/revisions\/1797"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1793"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1793"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1793"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}