{"id":1780,"date":"2025-02-28T22:20:14","date_gmt":"2025-02-28T21:20:14","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/?p=1780"},"modified":"2025-02-28T22:20:14","modified_gmt":"2025-02-28T21:20:14","slug":"weder-noch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/2025\/02\/28\/weder-noch\/","title":{"rendered":"Weder \u2013 Noch"},"content":{"rendered":"<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_1780 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_1780')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_1780').socialSharePrivacy({\"txt_help\":\"Wenn Sie diese Felder durch einen Klick aktivieren, werden Informationen an Facebook, Twitter, Flattr, Xing, t3n, LinkedIn, Pinterest oder Google eventuell ins Ausland \\u00fcbertragen und unter Umst\\u00e4nden auch dort gespeichert. N\\u00e4heres erfahren Sie durch einen Klick auf das <em>i<\\\/em>.\",\"settings_perma\":\"Dauerhaft aktivieren und Daten\\u00fcber-tragung zustimmen:\",\"info_link\":\"http:\\\/\\\/www.heise.de\\\/ct\\\/artikel\\\/2-Klicks-fuer-mehr-Datenschutz-1333879.html\",\"uri\":\"https:\\\/\\\/blogs.uni-paderborn.de\\\/zekkblog\\\/2025\\\/02\\\/28\\\/weder-noch\\\/\",\"post_id\":1780,\"post_title_referrer_track\":\"Weder+%E2%80%93+Noch\",\"display_infobox\":\"on\"});}});\n\/* ]]> *\/<\/script><\/div>\n<p>Wichtige Wahlen haben stattgefunden, in den USA, in Deutschland. Ihre Ergebnisse werden Konsequenzen haben \u2013 im Inneren wie im \u00c4u\u00dferen. Die Weltordnung, wie wir sie in Deutschland und Europa seit 80 (1945) bzw. 35 (1990) Jahren kennen, ist in Aufl\u00f6sung begriffen. Die M\u00e4chtigen, gegen die der gro\u00dfe Rest der Welt wenig auszurichten vermag, setzen auf Durchsetzung ihrer Macht ohne R\u00fccksicht auf Verluste. Und wir in Deutschland, in Europa scheinen nun zum Rest der Welt zu geh\u00f6ren, denn es scheint v\u00f6llig offen, ob wir noch zu den M\u00e4chtigen z\u00e4hlen oder nicht. Die Logik des Milit\u00e4rischen verbindet sich mit der Logik der Finanzen und der Logik der Ausbeutung unserer Ressourcen. Die Macht scheint sich auf wenige M\u00e4nner zu konzentrieren, die mit ihren gekr\u00e4nkten Eitelkeiten in infantiler Dummheit und R\u00fccksichtslosigkeit diesen Planeten in Haft zu nehmen scheinen. Das gr\u00f6\u00dfte Problem, das wir vor uns haben, die Bew\u00e4ltigung der Folgen des Klimawandels, wird str\u00e4flich ignoriert, ja schlimmer noch: Es gibt Bestrebungen, dieses Problem zu versch\u00e4rfen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Dietrich Bonhoeffer, der vor 80 Jahren am 9. April 1945 seinen Widerstand mit dem Leben bezahlte, notierte an der Wende zum Jahr 1943 in einem pers\u00f6nlichen Rechenschaftsbericht \u201eNach zehn Jahren\u201c angesichts seiner Erfahrungen mit dem Nationalsozialismus: \u201eDummheit ist ein gef\u00e4hrlicherer Feind des Guten als Bosheit. Gegen das B\u00f6se l\u00e4\u00dft sich protestieren, es l\u00e4\u00dft sich blo\u00dfstellen, es l\u00e4\u00dft sich notfalls mit Gewalt verhindern, das B\u00f6se tr\u00e4gt immer den Keim der Selbstzersetzung in sich, indem es mindestens ein Unbehagen im Menschen zur\u00fcckl\u00e4\u00dft. Gegen die Dummheit sind wir wehrlos. Weder mit Protesten noch mit Gewalt l\u00e4\u00dft sich hier etwas ausrichten; Gr\u00fcnde verfangen nicht; Tatsachen, die dem eigenen Vorurteil widersprechen, brauchen einfach nicht geglaubt zu werden \u2013 in solchen F\u00e4llen wird der Dumme sogar kritisch, und wenn sie unausweichlich sind, k\u00f6nnen sie einfach als nichtssagende Einzelf\u00e4lle beiseite geschoben werden. Dabei ist der Dumme im Unterschied zum B\u00f6sen restlos mit sich selbst zufrieden, ja, er wird sogar gef\u00e4hrlich, indem er leicht gereizt zum Angriff \u00fcbergeht. Daher ist dem Dummen gegen\u00fcber mehr Vorsicht geboten als gegen\u00fcber dem B\u00f6sen. [\u2026] Bei genauerem Zusehen zeigt sich, da\u00df jede starke \u00e4u\u00dfere Machtentfaltung, sei sie politischer oder religi\u00f6ser Art einen gro\u00dfen Teil der Menschen mit Dummheit schl\u00e4gt. [\u2026] Das Wort der Bibel, da\u00df die Furcht Gottes der Anfang der Weisheit sei (Spr\u00fcche 1, 7), sagt, da\u00df die innere Befreiung des Menschen zum verantwortlichen Leben vor Gott die einzige wirkliche \u00dcberwindung der Dummheit ist.\u201c (Widerstand und Ergebung, Dietrich Bonhoeffer Werke 8, 26-28)<\/p>\n\n\n\n<p>Welche Rolle spielen wir in dieser Lage als Menschen, die Theologie treiben, die von unterschiedlichen Bekenntnissen gespeist sind, die von unterschiedlichen Religionen und Konfessionen herkommen, die ja auch allesamt keine monolithischen Bl\u00f6cke sind. Besch\u00e4mt m\u00fcssen wir feststellen, dass unsere Religionen und Konfessionen allesamt auch ihren Anteil an dieser bedrohlichen Entwicklung haben. Ich kann dabei nur auf meine Konfession verweisen, wenn ich z.B. an die m\u00e4chtigen, von Wei\u00dfen dominierten Megachurches in den USA denke, auf deren Stimmen sich der jetzige US-amerikanische Pr\u00e4sident schon immer hat verlassen k\u00f6nnen. Ich sehe nicht, wie es theologisch verantwortet werden kann, sie noch zum Christentum rechnen \u2013 auch wenn sie hunderttausendmal Dschiesas im Munde f\u00fchren. Mich \u00fcberkommt theologischer Ekel, wie Rassismus, Sexismus, Klassismus hier durch vermeintlich Christliches sch\u00f6ngeredet wird. Wer solche \u201eFreunde\u201c oder \u201eBr\u00fcder\u201c hat, braucht keine Feinde mehr!<\/p>\n\n\n\n<p>Die Auseinandersetzung mit diesen sich christlich nennenden Theologien ist notwendig und muss um der Wahrheit willen in aller Sch\u00e4rfe gef\u00fchrt werden, aber die damit verbundene Emp\u00f6rung \u00fcber die daran glaubenden Menschen hilft noch keinen Schritt weiter. Was also kann helfen? Woher kommen Hoffnung, Kraft, Mut, Witz, Beherztheit, Durchhalteverm\u00f6gen, Leidenschaft und Leidensf\u00e4higkeit, vielleicht sogar Widerstand?<\/p>\n\n\n\n<p>Der Kirchentag in Hannover vom 30. April bis 4. Mai 2025 hat die Losung: mutig \u2013 stark \u2013 beherzt. Er tritt an, diese kritische Weltlage zu besprechen und Mut zu machen, Glauben zu st\u00e4rken und beherztes Handeln zu inspirieren. Der Kirchentag bietet allen Menschen eine Plattform, die sich angesichts gegenw\u00e4rtiger Machtdemonstrationen jenseits aller menschlichen Machtanspr\u00fcche aus religi\u00f6sen und zivilgesellschaftlichen Beweggr\u00fcnden um eine menschenfreundliche Zukunftsgestaltung dieser Welt bem\u00fchen. Der biblische Text f\u00fcr den Schlussgottesdienst geh\u00f6rt f\u00fcr mich zu den wichtigsten Texten der Bibel, die mich Christsein lassen und benennt das, was mich hoffen, leben, lieben, glauben, atmen l\u00e4sst in einem gro\u00dfen Weder \u2013 Noch. Hier spricht der Apostel Paulus ein hymnisches Bekenntnis, das ich in der eigens f\u00fcr den Kirchentag 2025 angefertigten \u00dcbersetzung zitiere:<\/p>\n\n\n\n<p>Denn ich bin felsenfest \u00fcberzeugt:&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Weder Tod noch Leben,&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>weder himmlische noch staatliche M\u00e4chte,&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>weder Gegenwart noch Zukunft,&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>auch keine Gewalten,&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>weder Hohes noch Tiefes noch irgendein anderes Gesch\u00f6pf&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>werden uns jemals trennen von Gottes Liebe,&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>die im Machtbereich des Messias Jesus lebendig ist. (R\u00f6merbrief 8,38-39)<\/p>\n\n\n\n<p>Darauf vertraue ich und hoffe zugleich auf Vertrauensbildung der Theologien als religionsp\u00e4dagogische Kernkompetenz im Horizont dieses Bekenntnisses. Der von Paulus bekannte Machtbereich des Messias Jesus benennt und bekennt dabei den christlichen Zugang zur Liebe Gottes, der andere Zug\u00e4nge zur Liebe Gottes keineswegs ausschlie\u00dft. Vielleicht w\u00e4re dies die vornehmste Aufgabe der Theologien, sich gegenseitig die Zug\u00e4nge zur Liebe Gottes zu zeigen und sich dabei wechselseitig zuzutrauen, Vertrauen in diese Liebe Gottes bilden und diese Bildungsaufgabe frohgemut und beherzt angehen zu k\u00f6nnen und zu wollen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2025\/02\/sharepic_39-kirchentag_msb-02-1-1024x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1781\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2025\/02\/sharepic_39-kirchentag_msb-02-1-1024x1024.jpg 1024w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2025\/02\/sharepic_39-kirchentag_msb-02-1-300x300.jpg 300w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2025\/02\/sharepic_39-kirchentag_msb-02-1-150x150.jpg 150w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2025\/02\/sharepic_39-kirchentag_msb-02-1-768x768.jpg 768w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2025\/02\/sharepic_39-kirchentag_msb-02-1.jpg 1080w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Foto: Deutscher Evangelischer Kirchentag 2025,\u00a0<a href=\"https:\/\/www.kirchentag.de\/\">www.kirchentag.de<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-blue-color has-text-color has-link-color wp-elements-c7086fdacd1cd4bac4e0762897a7b814\">Prof. Dr. Harald Schroeter-Wittke ist Professor f\u00fcr Didaktik der Evangelische Religionslehre mit Kirchengeschichte am Institut f\u00fcr Evangelische Theologie der Fakult\u00e4t f\u00fcr Kulturwissenschaften an der Universit\u00e4t Paderborn. Zudem ist er Mitglied im Pr\u00e4sidium des Deutschen Evangelischen Kirchentags.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wichtige Wahlen haben stattgefunden, in den USA, in Deutschland. Ihre Ergebnisse werden Konsequenzen haben \u2013 im Inneren wie im \u00c4u\u00dferen. Die Weltordnung, wie wir sie in Deutschland und Europa seit 80 (1945) bzw. 35 (1990) Jahren kennen, ist in Aufl\u00f6sung &hellip; <a href=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/2025\/02\/28\/weder-noch\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":9432,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-1780","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1780","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/9432"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1780"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1780\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1782,"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1780\/revisions\/1782"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1780"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1780"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1780"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}