{"id":1750,"date":"2025-01-10T13:01:46","date_gmt":"2025-01-10T12:01:46","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/?p=1750"},"modified":"2025-01-10T13:07:50","modified_gmt":"2025-01-10T12:07:50","slug":"das-leben-feiern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/2025\/01\/10\/das-leben-feiern\/","title":{"rendered":"Das Leben feiern"},"content":{"rendered":"<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_1750 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_1750')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_1750').socialSharePrivacy({\"txt_help\":\"Wenn Sie diese Felder durch einen Klick aktivieren, werden Informationen an Facebook, Twitter, Flattr, Xing, t3n, LinkedIn, Pinterest oder Google eventuell ins Ausland \\u00fcbertragen und unter Umst\\u00e4nden auch dort gespeichert. 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Das geschieht lobend, dankend und jubelnd ebenso wie bittend, klagend und zweifelnd. Denn die Medaille des Lebens hat immer zwei Seiten, eine helle und eine dunkle, eine leichte und eine schwere, eine freundlich antwortende und eine r\u00e4tselhaft widerst\u00e4ndige. Nicht alles f\u00fcgt sich unmittelbar sichtbar ein in den oftmals behaupteten gro\u00dfen Sinnzusammenhang. Br\u00fcche und Risse sind sichtbar, Wunden bleiben zur\u00fcck, das einzelne Leben ist Fragment. Wer anderes behauptet, lebt entweder nicht in dieser Welt oder macht leere Heilsversprechen, die der erfahrbaren Realit\u00e4t nicht standhalten k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Ambivalenz unseres je individuell gelebten Lebens zwischen Freude und Trauer, Angst und Hoffnung wird insbesondere in Zeiten des Jahreswechsels bewusst. Viele nehmen sich die Zeit, um das Auf und Ab des vergangenen Jahres zu reflektieren, um erwartungsvoll oder auch besorgt auf das vorauszublicken, was kommen mag. Leben l\u00e4sst sich nur in dieser Zweiseitigkeit begreifen, alles andere w\u00e4re naiv. Und doch \u2013 oder gerade deshalb feiern Religionen immer wieder das Leben, und zwar aus ihrer je eigenen Hoffnung auf Heilwerden und Vollendung heraus. Gibt es eine Welt, in der alle Risse und Wunden geheilt werden und in der alles Fragmentarische ganz werden kann? Mindestens die Bibel und der Koran erz\u00e4hlen davon auf vielf\u00e4ltige Weise.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Ambivalenz des Lebens, das Feiern des Lebens und auch die fragile Hoffnung auf besseres Leben werden besonders in den diversen gepr\u00e4gten Zeiten der religi\u00f6sen Festkalender offenkundig und unmittelbar erfahrbar. Gerade erst liegt das j\u00fcdische Chanukkafest ebenso hinter uns wie der christliche Weihnachtsfestkreis, der aus katholischer Sicht am Sonntag nach dem sogenannten Dreik\u00f6nigstag endet. Das an Chanukka erinnerte und gefeierte Lichtwunder w\u00e4hrend der Wiedereinweihung des zweiten Jerusalemer Tempels holt die Hoffnung auf \u00dcberwindung von Unterdr\u00fcckung und Fremdbestimmung in die Gegenwart: jeden Tag etwas mehr mit der Entz\u00fcndung einer weiteren Kerze auf der Chanukkia, acht Tage lang. Die weihnachtliche Frohbotschaft \u00fcber die g\u00f6ttliche Menschwerdung k\u00f6nnen Christinnen und Christen nicht erz\u00e4hlen, ohne zugleich auch die lebensbedrohlichen Umst\u00e4nde dieser Geburt zwischen Flucht und Armut zu erw\u00e4hnen. Hier wie dort geh\u00f6ren Licht und Schatten zusammen. Die Bedrohtheit allen Lebens wird auch am k\u00fcrzlich gefeierten Dreik\u00f6nigstag deutlich. Die in der Weihnachtsgeschichte des Matth\u00e4usevangeliums erw\u00e4hnten Sterndeuter kommen nach Betlehem, um das Leben mit reichhaltigen Gastgeschenken zu feiern und um die Erscheinung (Epiphanie) des lebensbejahenden Gottes in den Niederungen dieser Welt zu bezeugen. Auch das geschieht unter den Bedrohungen von Macht und Herrschaft durch K\u00f6nig Herodes und den biblisch erw\u00e4hnten Kindermord von Betlehem. Der in katholischen Gemeinden gepflegte Brauch der Sternsinger, die Anfang Januar von Haus zu Haus gehen und einen Segen sprechen, ist Symbol f\u00fcr das Leben. Das h\u00e4usliche Leben wird unter die geglaubte Anwesenheit Gottes gestellt, es wird wertgesch\u00e4tzt und gefeiert.<\/p>\n\n\n\n<p>In einer zunehmend s\u00e4kularer werdenden Gesellschaft m\u00f6gen solche Rituale wie das in vielen St\u00e4dten gepflegte \u00f6ffentliche Entz\u00fcnden der Kerzen an der Chanukkia oder das Durch-die-Stra\u00dfen-Ziehen der Sternsinger hier und da auf Irritation, Verwunderung und Ablehnung sto\u00dfen. Zudem wird das pers\u00f6nliche Bekenntnis durch das allzu weltliche Handeln in den religi\u00f6sen Institutionen immer wieder kr\u00e4ftig auf die Probe gestellt. Es braucht Mut und Vertrauen, um sich auf das Angebot eines religi\u00f6sen Lebensstils einzulassen, nach innen und au\u00dfen. Und es braucht eine Naivit\u00e4t zweiten Grades, die trotz Kritik und allem Nicht-mehr-Glauben-K\u00f6nnen dennoch unmittelbar hoffen kann: auf ein friedvolles Leben und auf einen lebenswerten Frieden im Gro\u00dfen und Kleinen. Juden, Christen und Muslime feiern das Leben gerade trotz seiner nichtfeierlichen Abgr\u00fcnde, die uns jedes Jahr begegnen und herausfordern. Aber sie tun es, zeiten\u00fcberdauernd und religions\u00fcbergreifend, als \u201egef\u00e4hrliche Erinnerung\u201c (J. B. Metz) an einen menschenfreundlichen Gott mit vielen Namen, den Lebensspendenden, Bewahrer und Schutzherr allen Lebens.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"679\" src=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2025\/01\/Im-Alive-1024x679.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-1751\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2025\/01\/Im-Alive-1024x679.png 1024w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2025\/01\/Im-Alive-300x199.png 300w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2025\/01\/Im-Alive-768x510.png 768w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2025\/01\/Im-Alive-452x300.png 452w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2025\/01\/Im-Alive.png 1382w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Tony Cragg: I\u02bcm alive (Wuppertal-Barmen 2005, Edelstahl)<\/strong> <\/p>\n\n\n\n<p>Bildquelle: <a href=\"https:\/\/skulpturen.kulturraum.nrw\/wuppertal\/tony-cragg\/im-alive.html\">https:\/\/skulpturen.kulturraum.nrw\/wuppertal\/tony-cragg\/im-alive.html<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-blue-color has-text-color has-link-color wp-elements-aeef2a01453cfff2adddba8271e92e6d\">Prof. Dr. Jan Woppowa ist Professor im Bereich Religionsdidaktik am Institut f\u00fcr Katholische Theologie der Universit\u00e4t Paderborn.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Religionen feiern das Leben. 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