{"id":1742,"date":"2024-12-20T17:12:12","date_gmt":"2024-12-20T16:12:12","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/?p=1742"},"modified":"2024-12-20T17:12:12","modified_gmt":"2024-12-20T16:12:12","slug":"alle-jubeljahre-wieder","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/2024\/12\/20\/alle-jubeljahre-wieder\/","title":{"rendered":"Alle Jubeljahre wieder"},"content":{"rendered":"<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_1742 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_1742')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_1742').socialSharePrivacy({\"txt_help\":\"Wenn Sie diese Felder durch einen Klick aktivieren, werden Informationen an Facebook, Twitter, Flattr, Xing, t3n, LinkedIn, Pinterest oder Google eventuell ins Ausland \\u00fcbertragen und unter Umst\\u00e4nden auch dort gespeichert. 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Alle 50 Jahre soll es nach Lev 25,8-55 einen Schuldenerlass f\u00fcr alle Israeliten geben und so erkl\u00e4rt sich auch besser die Verkn\u00fcpfung zwischen einem Huftier und \u00fcberschw\u00e4nglicher Freude.<\/p>\n\n\n\n<p>Weiterer Funfact: Aus diesem Jubeljahr entstand in der Kirche sp\u00e4testens ab dem Jahr 1300 die Tradition des Heiligen Jahres bzw. Jubeljahres, welches inzwischen alle 25 Jahre in der katholischen Kirche gefeiert wird. Das Highlight ist auch hier \u00e4hnlich wie beim j\u00fcdischen Vorbild: Katholische Menschen k\u00f6nnen unter bestimmten Voraussetzungen einen vollst\u00e4ndigen S\u00fcndenablass bekommen. An Heiligabend 2024 wird von Papst Franziskus das heilige Jahr 2025 er\u00f6ffnet, das Motto lautet dieses Mal \u201ePilger der Hoffnung\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Neben besonderen Festen und Zeiten ist Pilgern eines jener Rituale, welches in vielen Religionen vorkommt, gerade auch in den abrahamischen Religionen. Zeit und Ressourcen auf sich zu nehmen, um zu einem besonderen Ort zu gelangen, um sich dort ein \u201eMehr\u201c an Gnade oder ein N\u00e4her-Sein an Gott zu erhoffen, eint anscheinend viele Gl\u00e4ubige. F\u00fcr Viele ist auch das Pilgern an sich ein spirituelles Erlebnis, weswegen sich insbesondere der Jakobsweg einer gro\u00dfen Beliebtheit erfreut. Das \u201eMehr\u201c wird dort sogar von religionsfernen Menschen gefunden, die den Jakobsweg als Auszeit, Ruhephase und Zu-Sich-Selbst-Kommen erfahren \u2013 ohne die religi\u00f6se Konnotation so sp\u00fcren zu m\u00fcssen wie katholische Gl\u00e4ubige am Grab des Apostels Jakobus. Einige dieser Pilgerinnen und Pilger k\u00f6nnen zudem ein au\u00dfergew\u00f6hnliches heiliges Jahr erleben, wenn der Festtag des Apostels Jakobus auf einen Sonntag f\u00e4llt. Auch daf\u00fcr gibt es einen Ablass, wenn bestimmte Rituale befolgt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Damit enden die interreligi\u00f6sen Verkn\u00fcpfungen wieder gr\u00f6\u00dftenteils. Selbst das j\u00fcdische Erlassjahr wird heute in der j\u00fcdischen Tradition anders gefeiert und hat nicht mehr jenen vollst\u00e4ndigen, fl\u00e4chendeckenden Erlass-Charakter. Auch der Islam hat ein anderes S\u00fcndenverst\u00e4ndnis und im Umgang mit Abl\u00e4ssen in der Kirche hat sich diese in der Reformation sogar selbst entzweit. Noch heute habe ich den Eindruck, dass durch den Ablasshandel der Ablass selbst als eine seltsame und negativ konnotierte katholische Eigenart angesehen wird, zum Teil sogar innerhalb der katholischen Kirche. Das hat vermutlich auch mit der Beichtpraxis zu tun, die ebenso umstritten ist. Dieses Fass m\u00f6chte ich hier aber nicht noch \u00f6ffnen.<\/p>\n\n\n\n<p>So kritikw\u00fcrdig und fremdartig die Ablass- und Bu\u00dfpraxis der katholischen Kirche auch sein mag, kann sie im Kern doch als eine erhebliche Entlastung angesehen werden. Der Umgang mit S\u00fcnde und Schuld ist in den Religionen und teils eben auch in den Konfessionen unterschiedlich, aber klar ist den meisten Gl\u00e4ubigen: Menschen machen Fehler. Zu Gott, der fehlerlos ist, m\u00fcsste man also auch nur dann kommen k\u00f6nnen, wenn diese Fehler in irgendeiner Form wirkungslos geworden sind. Dies geschieht katholisch gesehen durch Bu\u00dfe, fromme Werke und eben auch Wallfahrten. In letzter Instanz geschieht es durch das <em>ignis purgatorio<\/em>, das reinigende Feuer. Das Fegefeuer, wieder so eine katholische Eigenart. Es wirkt tats\u00e4chlich altbacken und brutal, aber was dabei oft vergessen wird: Das Fegefeuer bedeutet die Aufnahme in den Himmel! Das Feuer soll die S\u00fcnden verbrennen und so reinigend wirken. Hier liegt vielleicht das Problem, wenn die Vorstellung herrscht, der ganze Mensch verbrenneim Fegefeuer. Das w\u00e4re aber ein h\u00f6llisches Szenario und katholischerseits muss man sich ganz sch\u00f6n anstrengen, um in die H\u00f6lle zu gelangen. Hans Urs von Balthasar spricht 1987 in diesem Zusammenhang von der Hoffnung, dass die H\u00f6lle leer sei. Auch moderne Theologinnen und Theologen bevorzugen die Vorstellung der Reinigung, um mit sich selbst und mit Gott ins Reine zu kommen vor einer endg\u00fcltigen Vereinigung mit diesem.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein direkterer oder schnellerer Weg zu Gott: So m\u00f6gen Abl\u00e4sse in der katholischen Kirche und damit auch das Heilige Jahr 2025 als Gro\u00dfereignis und Freudenereignis vielleicht besser verstanden werden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Zu guter Letzt glauben Christinnen und Christen sowieso daran, dass sp\u00e4testens durch Jesus Christus alle Menschen zu Gott gelangen k\u00f6nnen. In diesem Sinne frohe Weihnachten an alle Feiernden, ruhige Festtage und ein gutes neues Jahr!<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"682\" src=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2024\/12\/jakobsweg-6568841_1280-1024x682.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1743\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2024\/12\/jakobsweg-6568841_1280-1024x682.jpg 1024w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2024\/12\/jakobsweg-6568841_1280-300x200.jpg 300w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2024\/12\/jakobsweg-6568841_1280-768x512.jpg 768w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2024\/12\/jakobsweg-6568841_1280-450x300.jpg 450w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2024\/12\/jakobsweg-6568841_1280.jpg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-blue-color has-text-color has-link-color wp-elements-2b7fb8e7f7cf0146d5090774f641a441\">Benedikt K\u00f6rner ist Referent f\u00fcr den interreligi\u00f6sen Dialog am Erzbistum Paderborn.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Funfact: Das deutsche Wort \u201eJubel\u201c stammt vom Hebr\u00e4ischen \u201e\u05d9\u05d5\u05d1\u05dc\u201c und bedeutet urspr\u00fcnglich Widder. 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