{"id":1734,"date":"2024-12-06T14:06:13","date_gmt":"2024-12-06T13:06:13","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/?p=1734"},"modified":"2024-12-06T14:06:13","modified_gmt":"2024-12-06T13:06:13","slug":"thanksgiving-oder-die-frage-nach-der-dankbarkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/2024\/12\/06\/thanksgiving-oder-die-frage-nach-der-dankbarkeit\/","title":{"rendered":"Thanksgiving oder die Frage nach der Dankbarkeit"},"content":{"rendered":"<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_1734 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_1734')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_1734').socialSharePrivacy({\"txt_help\":\"Wenn Sie diese Felder durch einen Klick aktivieren, werden Informationen an Facebook, Twitter, Flattr, Xing, t3n, LinkedIn, Pinterest oder Google eventuell ins Ausland \\u00fcbertragen und unter Umst\\u00e4nden auch dort gespeichert. 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Der Tisch ist festlich gedeckt, mit Kerzen, Granat\u00e4pfeln und K\u00fcrbissen dekoriert.<\/p>\n\n\n\n<p>Als der gebratene Truthahn auf den Tisch kommt, begleitet von einer Vielzahl von Beilagen \u2013 S\u00fc\u00dfkartoffeln, gr\u00fcnen Bohnen, Rosenkohl, Kartoffelbrei und Salaten \u2013 beginnen wir, ins Gespr\u00e4ch zu kommen. An diesem Abend versammelt sich bei unserer Gastgeberin keine Familie im traditionellen Sinne, sondern ihre \u201eMenschheitsfamilie\u201c. Die G\u00e4ste sind ebenso vielf\u00e4ltig wie die Speisen auf dem Tisch, mit verschiedenen religi\u00f6sen und kulturellen Hintergr\u00fcnden.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Gastgeberin erkl\u00e4rt uns die Bedeutung von Thanksgiving, das in den USA als das wichtigste Familienfest gefeiert wird \u2013 oft noch bedeutsamer als Weihnachten. Der Ursprung des Festes gehe auf die Gastfreundschaft der indigenen V\u00f6lker zur\u00fcck, die ihre Nahrungsmittel mit den ersten europ\u00e4ischen Siedlern teilten und ihnen so das \u00dcberleben sicherten. Doch die Geschichte habe eine dunkle Kehrseite, die oft ignoriert wird: die europ\u00e4ische Kolonialisierung, die Vertreibung und brutale Ermordung der indigenen Bev\u00f6lkerung.<\/p>\n\n\n\n<p>Aus einer machtkritischen Perspektive betrachtet, bleibt das Fest problematisch. Es erinnert zwar an die Gastfreundschaft der Ureinwohner, blendet aber aus, dass dieselben Menschen sp\u00e4ter systematisch ihrer Lebensgrundlagen beraubt wurden. Schnell sind wir uns am Tisch einig: Eine Erinnerungskultur ist notwendig \u2013 eine, die historische Ungerechtigkeiten wie Kolonialisierung und die Ausrottung der indigenen Bev\u00f6lkerung ehrlich aufarbeitet.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch der Blick bleibt nicht nur auf die Vereinigten Staaten gerichtet. Rassismus und Diskriminierung pr\u00e4gen nicht nur deren Geschichte und Gegenwart, sondern sind auch tief in den Strukturen unserer eigenen Gesellschaft verankert. Wie gehen wir in Deutschland damit um? Antimuslimischer Rassismus, antisemitische Angriffe oder die Ausgrenzung von Menschen mit Migrationshintergrund \u2013 all dies sind keine Einzelf\u00e4lle, sondern Ausdruck systemischer Probleme.<\/p>\n\n\n\n<p>Statistiken best\u00e4tigen diese Wahrnehmung: Der aktuelle FRA-Bericht \u201eBeing Muslim in the EU\u201c zeigt, dass 68 % der Muslim*innen in Deutschland Diskriminierung oder Bel\u00e4stigung erfahren \u2013 damit liegt Deutschland in Europa an zweiter Stelle hinter \u00d6sterreich. Gleichzeitig warnte der Vorsitzende des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, k\u00fcrzlich davor, dass eine Regierungsbeteiligung extremistischer Parteien das Leben von J\u00fcd*innen in Deutschland unm\u00f6glich machen k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist immer leichter, solche Probleme zu benennen, als sie zu l\u00f6sen. Doch genau hier liegt die Herausforderung: Was k\u00f6nnen wir tun, um Diskriminierung und Rassismus nachhaltig zu bek\u00e4mpfen? Einerseits geht es darum, strukturelle Barrieren abzubauen \u2013 von ungleichen Bildungschancen bis hin zur Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt. Andererseits brauchen wir einen Wandel in der gesellschaftlichen Haltung.<\/p>\n\n\n\n<p>Das beginnt im Kleinen: in der Sprache, die wir verwenden, und in der Art, wie wir miteinander umgehen. Es erfordert, dass wir uns fragen, ob wir aktiv zu einer Gesellschaft beitragen, in der sich jeder Mensch zugeh\u00f6rig f\u00fchlen kann. Was bewegt die Menschen, die Diskriminierung erfahren? Was k\u00f6nnen wir von ihren Geschichten lernen? Und wie k\u00f6nnen wir sicherstellen, dass Diskriminierung nicht nur angeprangert, sondern tats\u00e4chlich abgebaut wird?<\/p>\n\n\n\n<p>Thanksgiving hat mich auch dazu gebracht, \u00fcber meine eigenen Privilegien nachzudenken. Es ist leicht, dankbar zu sein, wenn man nicht st\u00e4ndig mit Vorurteilen konfrontiert wird oder sich f\u00fcr seine Identit\u00e4t rechtfertigen muss. Aber was bedeutet Dankbarkeit f\u00fcr jene, die in einer Welt leben, die sie aufgrund ihrer Religion, Hautfarbe oder Herkunft abwertet?<\/p>\n\n\n\n<p>Vielleicht m\u00fcssen wir Dankbarkeit neu denken \u2013 nicht nur als ein Gef\u00fchl, sondern als Verpflichtung. Dankbarkeit sollte uns ermutigen, Verantwortung zu \u00fcbernehmen: f\u00fcr eine gerechtere Gesellschaft, in der jeder Mensch die gleichen Chancen und Rechte hat.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2024\/12\/festive-cornucopia-assortment-with-delicious-foods-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1735\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2024\/12\/festive-cornucopia-assortment-with-delicious-foods-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2024\/12\/festive-cornucopia-assortment-with-delicious-foods-300x200.jpg 300w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2024\/12\/festive-cornucopia-assortment-with-delicious-foods-768x512.jpg 768w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2024\/12\/festive-cornucopia-assortment-with-delicious-foods-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2024\/12\/festive-cornucopia-assortment-with-delicious-foods-2048x1365.jpg 2048w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2024\/12\/festive-cornucopia-assortment-with-delicious-foods-450x300.jpg 450w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-blue-color has-text-color has-link-color wp-elements-0c8414583525c7eda0bd002d77922a86\">Jun.-Prof. Dr. Naciye Kamcili-Yildiz ist Professorin im Bereich Islamische Religionslehre am Paderborner Institut f\u00fcr Islamische Theologie.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Haust\u00fcr ist bereits ge\u00f6ffnet, und ich gehe die Diele entlang. 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