{"id":1722,"date":"2024-11-16T11:56:51","date_gmt":"2024-11-16T10:56:51","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/?p=1722"},"modified":"2024-11-16T11:56:51","modified_gmt":"2024-11-16T10:56:51","slug":"verschwundene-hoffnung-gedanken-zur-transformation-der-apokalyptik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/2024\/11\/16\/verschwundene-hoffnung-gedanken-zur-transformation-der-apokalyptik\/","title":{"rendered":"Verschwundene Hoffnung? \u2013 Gedanken zur Transformation der Apokalyptik"},"content":{"rendered":"<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_1722 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_1722')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_1722').socialSharePrivacy({\"txt_help\":\"Wenn Sie diese Felder durch einen Klick aktivieren, werden Informationen an Facebook, Twitter, Flattr, Xing, t3n, LinkedIn, Pinterest oder Google eventuell ins Ausland \\u00fcbertragen und unter Umst\\u00e4nden auch dort gespeichert. 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Ein kurzer Einblick in die Bl\u00fctezeit der Apokalyptik am Beispiel der Johannesapokalypse sowie ein Vergleich mit der gegenw\u00e4rtigen Verwendung sollen dies verdeutlichen.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch was genau ist eine \u201eApokalypse\u201c? Der Begriff \u201eApokalypse\u201c stammt urspr\u00fcnglich aus dem Griechischen (\u1f00\u03c0\u03bf\u03ba\u03ac\u03bb\u03c5\u03c8\u03b9\u03c2\/<em>apokalypsis<\/em>) und bedeutet \u201eOffenbarung\u201c oder \u201eEnth\u00fcllung\u201c. Als die Apokalypse schlechthin pr\u00e4gte das erste Wort der Offenbarung des Johannes \u2013 die einzige Apokalypse im neutestamentlichen Kanon \u2013 eine ganze literarische Gattung (zur apokalyptischen Literatur z\u00e4hlen z.B. auch die Kapitel 7-12 des Buches Daniel des Alten Testaments sowie die apokryphen Apokalypsen, bspw. das \u00c4thiopische Henochbuch (1 Hen), die Apokalypse des Baruch (2 Bar) oder das 4. Buch Esra (4 Esr)). Im biblischen Sinn bezeichnet der Begriff vor allem die Offenbarung g\u00f6ttlicher Geheimnisse \u2013 insbesondere im Hinblick auf zuk\u00fcnftige Ereignisse, dem Ende der gegenw\u00e4rtigen Welt, dem Kommen des g\u00f6ttlichen Reiches und der Parusie (der Wiederkunft Christi). So werden im biblischen Buch der Offenbarung (auch \u201eApokalypse des Johannes\u201c genannt) eindrucksvolle Visionen vom g\u00f6ttlichen Gericht (vgl. Offb 14-18) und von der Entstehung einer neuen, gerechten Welt geschildert (vgl. Offb 20-21). Zentral in diesen Darstellungen ist der Gedanke der Hoffnung: Den Schwachen wird hier die Aussicht auf g\u00f6ttliche Rettung und Erl\u00f6sung nach einer Zeit der Bedr\u00e4ngnis und Pr\u00fcfung verhei\u00dfen. Durch die Verk\u00fcndigung g\u00f6ttlichen Eingreifens und das Versprechen eines endg\u00fcltigen Endes des B\u00f6sen (im Fall der Johannesapokalypse das als Babylon chiffrierte Rom; vgl. Offb 17-18) soll die Johannesapokalypse tr\u00f6sten und zum Ausharren ermutigen. In genau dieser bedrohlichen Situation sollen die Menschen auf die Wiederkehr Christi warten und in Gottes Wirken vertrauen. So steht nicht prim\u00e4r das Ende der Welt im Fokus, sondern die Schaffung einer neuen, heilen Welt (so auch die Klimax in Offb 20-22). Durch diese subversive Kontrastwelt, in der Gott \u00fcber das mit d\u00e4monischen M\u00e4chten gleichgesetzte politisch unterdr\u00fcckerische Rom siegt (vgl. bes. Offb 13), wird eine Heterotopie geschaffen, in der die Schwachen die Siegenden sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Wirkm\u00e4chtig waren in der Rezeptionsgeschichte aber v.a. die Bilder des g\u00f6ttlichen Gerichts, die sich in den drei Siebenerreihen offenbarten: Die sieben Siegel (Offb 6,1-8,1), die sieben Posaunen (Offb 8,2-9,21; 11,15-19) und die sieben Schalen (Offb 15,1-16,21). Unser heutiges Verst\u00e4ndnis von Apokalypsen wurde stark auf eben diesen zerst\u00f6rerischen Aspekt reduziert und h\u00e4ufig mit Katastrophen und dem finalen Weltuntergang gleichgesetzt. Der Begriff verweist meist auf destruktive Szenarien wie gro\u00dffl\u00e4chige Naturkatastrophen, Kriege, Klimakatastrophen oder andere existenzbedrohende Ereignisse.<\/p>\n\n\n\n<p>Denkt man an apokalyptische Filmproduktionen, st\u00f6\u00dft man direkt auf den Kriegsfilm <em>Apocalypse Now<\/em> (1979), bei dem sich der Titel auf die Grundstimmung des Films und die verheerenden Auswirkungen des Vietnamkriegs bezieht. Aber auch die Zombie-Apokalypse ist l\u00e4ngst zu einem gepr\u00e4gten Motiv der Literaturwelt geworden, welchem sich u.a. die 2010 erschienene US-Serie <em>The Walking Dead <\/em>bedient, in der die Gesellschaft unter dem Ansturm eines globalen Zombievirus zusammenbricht. Auch der post-apokalyptische Film \u201eI Am Legend\u201c (2008) greift das Motiv der Zombie-Apokalypse auf, indem der Protagonist (gespielt von Will Smith) als einer der letzten \u00fcberlebenden Menschen die Verantwortung daf\u00fcr tr\u00e4gt, ein Heilmittel gegen das Zombievirus zu finden bzw. dieses an die \u00dcberlebenden zu \u00fcbergeben. Der Kampf um das \u00dcberleben der Menschheit wird zum Hauptanliegen der erz\u00e4hlten Welt. Ein g\u00f6ttlicher Heilsplan, wie er f\u00fcr j\u00fcdisch-christliche Apokalypsen ausschlaggebend ist, fehlt g\u00e4nzlich. Das Ende wird hier als Folge unkontrollierter und oft chaotischer Ereignisse dargestellt, die durch menschliche Fehlentscheidungen oder Naturkatastrophen ausgel\u00f6st werden. Der Weltuntergang erscheint als unausweichlich, ohne die Aussicht auf ein g\u00f6ttliches Eingreifen oder eine letzte Rettung. Oder anders ausgedr\u00fcckt: W\u00e4hrend die Dystopie in Hollywoodfilmen auf die Apokalypse folgt, ist die Dystopie in der religi\u00f6sen Apokalyptik bereits gelebte Gegenwart. W\u00e4hrend moderne Apokalypsen in erster Linie Furcht und Schrecken erzeugen, vermitteln biblische Apokalypsen in besonderem Ma\u00dfe Hoffnung. Es geht um die \u00dcberwindung der jetzigen als ungerecht empfundenen Welt und um die g\u00f6ttliche Zusage einer besseren, gerechten Welt, wie ein Blick in Offb 21,4 zeigt:<\/p>\n\n\n\n<p>Er [Gott] wird alle Tr\u00e4nen von ihren Augen abwischen: Der Tod wird nicht mehr sein, keine Trauer, keine Klage, keine M\u00fchsal. Denn was fr\u00fcher war, ist vergangen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"905\" height=\"905\" src=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2024\/11\/Blokk-Daniel.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-1723\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2024\/11\/Blokk-Daniel.png 905w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2024\/11\/Blokk-Daniel-300x300.png 300w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2024\/11\/Blokk-Daniel-150x150.png 150w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2024\/11\/Blokk-Daniel-768x768.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 905px) 100vw, 905px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Das Bild wurde am 10.11.2024 mit dem Programm https:\/\/designer.microsoft.com\/image-creator KI-erstellt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-blue-color has-text-color has-link-color wp-elements-2d0cda6dc9c39ec4e6085417d4a34b0e\">Daniel Wiebe ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut f\u00fcr Katholische Theologie im Fachbereich Biblische Theologie (Neues Testament) an der Universit\u00e4t Paderborn.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bei den Recherchen zu meiner Dissertation zur Johannesapokalypse sto\u00dfe ich immer wieder auf verschiedene Vorstellungen vom Begriff \u201eApokalypse\u201c. 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