{"id":1680,"date":"2024-09-27T06:21:29","date_gmt":"2024-09-27T04:21:29","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/?p=1680"},"modified":"2024-09-27T06:21:29","modified_gmt":"2024-09-27T04:21:29","slug":"multikulti-in-der-antike","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/2024\/09\/27\/multikulti-in-der-antike\/","title":{"rendered":"\u201eMultikulti\u201c in der Antike"},"content":{"rendered":"<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_1680 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_1680')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_1680').socialSharePrivacy({\"txt_help\":\"Wenn Sie diese Felder durch einen Klick aktivieren, werden Informationen an Facebook, Twitter, Flattr, Xing, t3n, LinkedIn, Pinterest oder Google eventuell ins Ausland \\u00fcbertragen und unter Umst\\u00e4nden auch dort gespeichert. N\\u00e4heres erfahren Sie durch einen Klick auf das <em>i<\\\/em>.\",\"settings_perma\":\"Dauerhaft aktivieren und Daten\\u00fcber-tragung zustimmen:\",\"info_link\":\"http:\\\/\\\/www.heise.de\\\/ct\\\/artikel\\\/2-Klicks-fuer-mehr-Datenschutz-1333879.html\",\"uri\":\"https:\\\/\\\/blogs.uni-paderborn.de\\\/zekkblog\\\/2024\\\/09\\\/27\\\/multikulti-in-der-antike\\\/\",\"post_id\":1680,\"post_title_referrer_track\":\"%E2%80%9EMultikulti%E2%80%9C+in+der+Antike\",\"display_infobox\":\"on\"});}});\n\/* ]]> *\/<\/script><\/div>\n<p>Wer in den Wochen vor der Wahl in Th\u00fcringen oder Sachsen unterwegs war, konnte auf den Wahlplakaten einer Partei den Slogan \u201eSchluss mit Multikulti\u201c lesen. Vorausgesetzt wurde von den Machern dieser Plakate, dass die multikulturelle Gesellschaft eine neuartige Erfindung sei, vielleicht sogar etwas, was man mit dem Schimpfwort \u201ewoke\u201c betiteln kann, und das deshalb abzuschaffen ist. Zur\u00fcck zum Alten, w\u00fcrden Vertreter:innen dieser Partei wohl propagieren, und die vermeintlich neuartige multikulturelle Gesellschaft gerne wieder abwickeln.                        Als die Studierenden des Instituts f\u00fcr Evangelische Theologie im August die Museumsinsel in Berlin besuchten und sich auf die Spuren der Bibel und der Religionen im alten Orient begaben, stellten sie u.a. fest, dass \u201eMultikulti\u201c keinesfalls eine neuartige Erfindung ist.         Zum Kontext: Die antiken V\u00f6lker im Mittelmeer-Raum und weiter \u00f6stlich bis nach Persien standen \u00fcber Jahrtausende in regelm\u00e4\u00dfigem Austausch. Selten ging es um kulturelles Interesse am Anderen, stattdessen meist um politische Vorherrschaft und gewinnbringenden Handel. Regelm\u00e4\u00dfig bekriegten sich die Hochkulturen der Hethiter, Assyrer, Babylonien, Perser, Griechen, R\u00f6mer und \u00c4gyptern, in unterschiedlichen Kombinationen, jedoch meist auf dem Gebiet des heutigen Israel\/Pal\u00e4stina. Der sogenannte Fruchtbare Halbmond, ein sichelf\u00f6rmiges geographisches Gebiet mit dem Nil im Westen, der Levante im Zentrum und den Zwillingsfl\u00fcssen Euphrat und Tigris im Osten, war nicht nur vielbetretener Handelsweg, sondern auch der Schauplatz zahlreicher grausamer Vernichtungsfeldz\u00fcge. Und trotz aller Konflikte fand im Fruchtbaren Halbmond religi\u00f6ser und kultureller Austausch statt, und zwar in einem Umfang, der aus heutiger Sicht erstaunt.                                                                                             Das beste Beispiel daf\u00fcr: die Flussinsel Elephantine. Sie ist nur 1,2 Kilometer lang und 400 Meter breit, befand sich aber ideal gelegen auf dem g\u00fcnstigsten und sichersten Handelsweg \u00c4gyptens, dem Nil, und im Grenzland zu den s\u00fcdlicher gelegenen afrikanischen Nachbarn. Auf ihr lebten unterschiedliche Bev\u00f6lkerungsgruppen zusammen: Menschen aus \u00c4gypten, Nubien, Syrien, \u00c4thiopien, den hellenistischen und r\u00f6mischen Weltreichen, aus Makedonien, Assyrien und Kush, dazu Aram\u00e4er und Jud\u00e4erinnen, Caspier und Araberinnen. Die kleine Insel Elephantine gab diesen Menschen ein kosmopolitisches Zuhause. Sprachen, Kulturen und Religionen mischten sich, die Welten des gro\u00dfen Fruchtbaren Halbmonds und lokale Traditionen existierten nebeneinander.                                                                                     Ein gro\u00dfes europ\u00e4isches Forschungsprojekt (ERC Grant\u00a0<a href=\"https:\/\/www.smb.museum\/museen-einrichtungen\/aegyptisches-museum-und-papyrussammlung\/sammeln-forschen\/forschung\/erc-projekt-elephantine-lokalisierung-von-4000-jahren-kulturgeschichte-texte-und-schriften-der-insel-elephantine-in-aegypten\/\">\u201eLocalizing 4000 Years of Cultural History. Texts and Scripts from Elephantine Island in Egypt\u201c<\/a>) in Zusammenarbeit mit dem \u00c4gyptischen Ministerium f\u00fcr Tourismus und Antiken hat nun tausende Texte und viele andere Funde aus Elephantine, die in 60 Sammlungen in 24 L\u00e4ndern verstreut waren, ausgewertet, erstmalig digitalisiert und f\u00fcr alle \u00f6ffentlich gemacht. Die bearbeitete Zeitspanne umfasst Zeugnisse aus dem dritten Jahrtausend vor unserer Zeit bis zum Ende des ersten Jahrtausends unserer Zeit. Die Ausstellung \u201eElephantine, Insel der Jahrtausende\u201c ist, passend zu ihrem Thema, dreisprachig beschriftet: in arabischer, englischer und deutscher Sprache. Geruchstationen lassen orientalische D\u00fcfte durch den Ausstellungsraum schweben, vieles kann ber\u00fchrt und ertastet werden, ein \u00e4gyptischer DJ interpretiert Elephantine noch einmal auf ganz andere Weise. Die interdisziplin\u00e4re Zusammenarbeit mit Mathematiker:innen und Physiker:innen erm\u00f6glichte es, geschlossene Papyri und Papyrusp\u00e4ckchen \u201evirtuell\u201c zu entbl\u00e4ttern und lesbar zu machen.\u00a0                                                                                                                     Besonders interessant: Die Forscher:innen fanden Dokumente in zehn verschiedenen altorientalischen Sprachen und Belege daf\u00fcr, dass die Menschen auf Elephantine nicht etwa getrennt in ihren Kiezen lebten, sondern sich auch untereinander kannten, sch\u00e4tzten und sich miteinander verst\u00e4ndigen wollten. So nennt ein Ehevertrag aus der Perserzeit (etwa 433-403 v.u.Z.) die Namen von Zeugen der Eheschlie\u00dfung, die aram\u00e4ischen, jud\u00e4ischen und \u00e4gyptischen Ursprungs sind. Ein anderer Text in aram\u00e4ischer Sprache wurde mit demotischen Schriftzeichen aus der \u00e4gyptischen Kultur niedergeschrieben. Er beinhaltet eine biblischen Psalm und einen alt\u00e4gyptischen Totentext und vereint so nicht nur Sprachen, sondern auch Konzepte aus zwei unterschiedliche Religionen.                                                                   Pluralit\u00e4t und Vielfalt also. \u201eMultikulti\u201c in der Antike. Ganz selbstverst\u00e4ndlich nebeneinander und wahrscheinlich zum Nutzen aller. Dass \u201eMultikulti\u201c auch damals nicht immer eine leichte Angelegenheit war, zeigen Schreib\u00fcbungen von Kindern auf Tonscherben. Ungelenk werden dort die fremdem Schriftzeichen niedergeschrieben und Begriffe in der fremden Sprache wieder und wieder ge\u00fcbt. \u201eMultikulti\u201c mag es schon in der Antike gegeben haben, aber mit ein wenig M\u00fche ist es schon verbunden. M\u00fche, die sich lohnte und lohnt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Ausstellung ist noch bis zum 27.10.2024 in der James-Simon-Galerie und im Neuen Museum auf der Museumsinsel in Berlin zu sehen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2024\/09\/IMG_2246-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1681\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2024\/09\/IMG_2246-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2024\/09\/IMG_2246-300x225.jpg 300w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2024\/09\/IMG_2246-768x576.jpg 768w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2024\/09\/IMG_2246-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2024\/09\/IMG_2246-400x300.jpg 400w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2024\/09\/IMG_2246.jpg 2016w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"640\" height=\"480\" src=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2024\/09\/IMG_2244.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1682\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2024\/09\/IMG_2244.jpg 640w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2024\/09\/IMG_2244-300x225.jpg 300w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2024\/09\/IMG_2244-400x300.jpg 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-blue-color has-text-color has-link-color wp-elements-4d1ddf1ec0041f566aa4894d457f379d\">Prof. Dr. Claudia Dorit Bergmann ist Universit\u00e4tsprofessorin f\u00fcr Evangelische Theologie mit dem Schwerpunkt Biblische Exegese und Theologie an der Universit\u00e4t Paderborn. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer in den Wochen vor der Wahl in Th\u00fcringen oder Sachsen unterwegs war, konnte auf den Wahlplakaten einer Partei den Slogan \u201eSchluss mit Multikulti\u201c lesen. Vorausgesetzt wurde von den Machern dieser Plakate, dass die multikulturelle Gesellschaft eine neuartige Erfindung sei, &hellip; <a href=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/2024\/09\/27\/multikulti-in-der-antike\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":9432,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-1680","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1680","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/9432"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1680"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1680\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1683,"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1680\/revisions\/1683"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1680"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1680"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1680"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}