{"id":1674,"date":"2024-09-20T14:56:48","date_gmt":"2024-09-20T12:56:48","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/?p=1674"},"modified":"2024-10-07T00:20:28","modified_gmt":"2024-10-06T22:20:28","slug":"my-body-my-choice-raise-your-voice","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/2024\/09\/20\/my-body-my-choice-raise-your-voice\/","title":{"rendered":"\u201cMy body, my choice \u2013 raise your voice\u201d"},"content":{"rendered":"<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_1674 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_1674')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_1674').socialSharePrivacy({\"txt_help\":\"Wenn Sie diese Felder durch einen Klick aktivieren, werden Informationen an Facebook, Twitter, Flattr, Xing, t3n, LinkedIn, Pinterest oder Google eventuell ins Ausland \\u00fcbertragen und unter Umst\\u00e4nden auch dort gespeichert. 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Am 21.9. um 13 Uhr auf der Deutzer Werft\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Entschieden und frustriert schlie\u00dfe ich den Beitrag der Instagram-Seite <em>koelnermarschfuerdasleben<\/em>, der mit den obenstehenden S\u00e4tzen untertitelt wird.&nbsp;Nur wenige Sekunden zuvor wurde mir zuerst von dem Account des&nbsp;<em>B\u00fcndnis ProChoice&nbsp;<\/em>aus K\u00f6ln, das sich offen gegen den&nbsp;<em>Marsch f\u00fcr das Leben<\/em>&nbsp;positioniert, der Beitrag zur Gegendemonstration angezeigt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Organisiert wird der sog.&nbsp;<em>Marsch f\u00fcr das Leben<\/em>&nbsp;vom&nbsp;<em>Bundesverband Lebensrecht e.V<\/em>., der u.a. durch christliche Fundamentalist*innen, aber auch durch Vertreter*innen rechter Ideologien (u.a. Vertreter*innen der AfD) unterst\u00fctzt wird. Beim&nbsp;<em>Marsch f\u00fcr das Leben<\/em>&nbsp;verstehen sich die Anh\u00e4nger*innen als Lebenssch\u00fctzer*innen des Embryos. Sie verurteilen Abtreibungen und sehen diese als Mord an.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Nach dem Schlie\u00dfen des Beitrages tauchen in meiner Erinnerung die Bilder des letzten Jahres auf:&nbsp;Vor knapp anderthalb Jahren bin ich nach K\u00f6ln gezogen und habe seitdem ziemlich viele Menschen auf die Stra\u00dfen gehen sehen, um f\u00fcr sich und ihre \u00dcberzeugungen einzustehen.&nbsp;   Bei dem&nbsp;<em>Marsch f\u00fcr das Leben<\/em>&nbsp;habe ich mich wohl aber mit Abstand am unwohlsten gef\u00fchlt.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich steige gerade aus der Bahn am Heumarkt, als mir drei Jugendliche (sch\u00e4tzungsweise zwischen 12\u201316 Jahre alt) eine Rose anbieten. Dass sie damit f\u00fcr die Kundgebung werben wollen, begreife ich erst mit etwas Verz\u00f6gerung. In meiner eigenen Studienzeit habe ich mich in einem Seminar ziemlich intensiv mit dem\u00a0<em>Bundesverband Lebensrecht<\/em>auseinandergesetzt, habe mir Argumentationsstrukturen angeschaut und analysiert, wie Religion in diesem Kontext instrumentalisiert wird. Dass ich aber \u2013 als allererstes \u2013 auf dieser Kundgebung mit Menschen in Kontakt trete, die nicht einmal vollj\u00e4hrig sind, habe ich tats\u00e4chlich nicht erwartet.\u00a0 Ich lehne die Rose dankend ab und bahne mir meinen Weg durch die Menschenmassen \u2013 Ziel ist die Gegendemonstration. Auf dem Heumarkt haben sich inzwischen einige Menschen versammelt. Ganz vorne steht eine B\u00fchne: Ein Banner vom\u00a0<em>Bundesverband Lebensrecht<\/em>\u00a0macht deutlich, dass hier die Bef\u00fcrworter*innen des\u00a0<em>Marsch f\u00fcr das Leben<\/em>\u00a0stehen. Schon hier bemerke ich, dass diese Menge zu einem entscheidenden Gro\u00dfteil aus m\u00e4nnlich gelesenen Personen besteht \u2013 also aus den Menschen, die im Kontext einer Abtreibungsdebatte eigentlich eine untergeordnete Rolle spielen sollten. Mittendrin befindet sich ein Stand der CDL, den sog. Christdemokraten f\u00fcr das Leben. Hinter dieser Gruppe stehen zwei Reihen von Polizist*innen, die m\u00f6gliche Ausschreitungen verhindern sollen. Wie sich sp\u00e4ter noch zeigt, sind diese hier vorprogrammiert: Das Thema spaltet die Massen.\u00a0 Direkt hinter ihnen beginnt die Gegendemonstration: Hier befinden sich Personen \u2013 prim\u00e4r weiblich gelesene Menschen \u2013 mit selbstgemalten Schildern, Bannern, sowie Gruppierungen mit Trommeln, die die folgenden Schlachtrufe rhythmisch begleiten. W\u00e4hrend die Anh\u00e4nger*innen des\u00a0<em>Marsch f\u00fcr das Leben\u00a0<\/em>sich gegen Abtreibungen einsetzen, k\u00e4mpfen die Menschen hier f\u00fcr das Recht auf weibliche Selbstbestimmung. F\u00fcr mich selbst ist es keine Frage, dass ich mich hier \u2013 in der Gruppe der Menschen, die \u201eProChoice\u201c sind \u2013 an der richtigen Stelle befinde. Im Laufe der folgenden Minuten wird es aber auch hier noch Momente geben, in denen ich mich unwohl f\u00fchle und mich zu keinem Zeitpunkt offen als studierte Theologin zu erkennen geben w\u00fcrde.\u00a0 Die Plakate der einzelnen Gruppierungen k\u00f6nnten nicht unterschiedlicher sein. Die Anh\u00e4nger*innen des\u00a0<em>Marsch f\u00fcr das Leben<\/em>\u00a0setzen dabei prim\u00e4r auf emotionalisierende Sprache und Bilder. \u201eJedes Kind will leben!\u201c oder auch \u201eNo children, no future!\u201c steht es wei\u00df auf gr\u00fcn auf den Plakaten der Abtreibungsgegner*innen. Zwischen den Plakaten finden sich aber auch wei\u00dfe Kreuze, die die abgetriebenen F\u00f6ten repr\u00e4sentieren sollen, sowie weitere Schilder mit christlicher Symbolik, die somit suggerieren, dass die Kirche ganzheitlich diese Kundgebung unterst\u00fctzt. Auch der Stand der CDL, der\u00a0Christdemokraten, untermalt diese Vermutung.\u00a0 Und so ist es nicht unverst\u00e4ndlich, dass die Teilnehmer*innen der Gegendemonstration wiederholt auch gegen die Kirche hetzen. Neben Plakaten mit Titeln wie \u201eMy Body, my Choice\u201c oder \u201eOb Kinder oder keine, bestimmen wir alleine\u201c demonstrieren einige Schilder eben auch, wie die Kirche im Allgemeinen als religi\u00f6ses Feindbild wahrgenommen wird. \u201eF\u00fcr ein Paradies auf Erden, Fundamentalist*innen in die H\u00f6lle!\u201c oder \u201eH\u00e4tte Maria abgetrieben, w\u00e4rt ihr uns erspart geblieben!\u201c, hei\u00dft es so auf einigen Bannern, die mir dann noch zunehmend zusetzen. Beim Lesen dieser Schilder wird mir klar, dass ich mich zu keinem Zeitpunkt hier gerne als gl\u00e4ubige Christin zu erkennen geben w\u00fcrde \u2013 und das,\u00a0obwohlich es besser wei\u00df: Obwohl ich wei\u00df, dass die Position der EKD nicht die der fundamentalistischen Abtreibungsgegner*innen ist; obwohl ich wei\u00df, dass Menschen, wie die Anh\u00e4nger*innen des\u00a0<em>Bundesverband Lebensrecht<\/em>die christliche Religion instrumentalisieren und obwohl ich wei\u00df, dass ich nicht weiter von den politischen und religi\u00f6sen Ideologien der rechten Vertreter*innen, die auch den\u00a0<em>Marsch f\u00fcr das Leben<\/em>\u00a0unterst\u00fctzen, entfernt sein k\u00f6nnte.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Und so stehe ich in der Menschenmenge mit der absoluten Gewissheit, dass ich hier auf der Seite der&nbsp;<em>ProChoice-Bewegung<\/em>, die sich f\u00fcr weibliche Selbstbestimmung einsetzt und somit genau den feministischen Werten entspricht, die ich selbst durchweg vertrete, richtig stehe und f\u00fchle mich trotzdem ein wenig fremd. Erst im Nachhinein begreife ich, dass ich mich nicht nur fremd f\u00fchle, sondern vielleicht auch ein wenig verlassen und entt\u00e4uscht. Entt\u00e4uscht von&nbsp;<em>meiner<\/em>Kirche, die mir R\u00fcckhalt bieten sollte und von der ich mir an dieser Stelle gew\u00fcnscht h\u00e4tte, dass sie sich st\u00e4rker und lauter von dem abgrenzt, was nur wenige Meter vor mir passiert.                                                                                                                                       In meiner Welt ist Feminismus und Theologie nicht nur miteinander vereinbar, sondern sogar zwingend zusammen zu denken. Jetzt merke ich aber, dass das f\u00fcr die Allgemeinheit hier gerade nicht m\u00f6glich ist. Und so stehe ich hier, unerkannt als gl\u00e4ubige Christin und stimme eben trotzdem \u2013 oder eher genau deswegen \u2013 ein, wenn gesungen wird \u201eMy body, my choice, raise your voice\u201c.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"683\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2024\/09\/Unbenannt-683x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1675\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2024\/09\/Unbenannt-683x1024.jpg 683w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2024\/09\/Unbenannt-200x300.jpg 200w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2024\/09\/Unbenannt-768x1152.jpg 768w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2024\/09\/Unbenannt.jpg 880w\" sizes=\"auto, (max-width: 683px) 100vw, 683px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Foto von Brett Sayles von Pexels: <a href=\"https:\/\/www.pexels.com\/de-de\/foto\/frauen-usa-schon-hubsch-12747250\/\">https:\/\/www.pexels.com\/de-de\/foto\/frauen-usa-schon-hubsch-12747250\/<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-blue-color has-text-color has-link-color wp-elements-3443e88ca188b4ec4e2b9922f464fe88\">Alicia Mielke promoviert am Institut f\u00fcr Evangelische Theologie der Universit\u00e4t Paderborn und ist dort als Lehrbeauftragte t\u00e4tig. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eAm 21.09 ist es endlich wieder so weit. 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