{"id":1613,"date":"2024-06-21T13:04:39","date_gmt":"2024-06-21T11:04:39","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/?p=1613"},"modified":"2024-06-21T13:04:39","modified_gmt":"2024-06-21T11:04:39","slug":"mitgemeint-doch-nicht-mitgedacht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/2024\/06\/21\/mitgemeint-doch-nicht-mitgedacht\/","title":{"rendered":"Mitgemeint, doch nicht mitgedacht?"},"content":{"rendered":"<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_1613 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_1613')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_1613').socialSharePrivacy({\"txt_help\":\"Wenn Sie diese Felder durch einen Klick aktivieren, werden Informationen an Facebook, Twitter, Flattr, Xing, t3n, LinkedIn, Pinterest oder Google eventuell ins Ausland \\u00fcbertragen und unter Umst\\u00e4nden auch dort gespeichert. 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Diese in den Quellen eindeutig zu belegen, ist oft gar nicht einfach, da m\u00e4nnliche Sprachformen \u2013 als generisches Maskulinum \u2013 den Blick auf mitgemeinte Frauen verstellen. Damit werden aber auf M\u00e4nner zentrierte Textwelten entworfen, die wiederum in der Rezeption die Exklusion von Frauen argumentativ untermauern. Grammatikalisch m\u00e4nnliche Formen haben nicht Wirklichkeit abgebildet, sondern geschaffen und in der realen Praxis jahrtausendelang zum Ausschluss von Frauen gef\u00fchrt (und tun dies teilweise noch immer).<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist das Verdienst kritischer exegetischer Rekonstruktionsarbeit, die in den Texten durchaus belegte inklusive Wirklichkeit aus dieser Unsichtbarkeit zu holen. Beispielsweise ergibt sich in der neutestamentlichen Briefliteratur aus beil\u00e4ufigen Gr\u00fc\u00dfen des Paulus an Mitarbeiterinnen ein partizipatives Bild von Diakoninnen, Gemeindeleiterinnen und Apostelinnen. Dabei verbirgt sich aber die leitende Funktion von Phoebe etwa als \u201eDiakonin\u201c (bezeichnet mit der m\u00e4nnlichen Singularform <em>diakonos <\/em>in R\u00f6m 16,1) h\u00e4ufig hinter einer unspezifischen \u00dcbersetzung als \u201eDienerin\u201c oder verbalen Umschreibungen. Bei Junia, die in R\u00f6m 16,7 als \u201eausgezeichnet unter den Aposteln (und Apostelinnen)\u201c bezeichnet wird, musste die jahrhundertelange Geschlechtsumwandlung zu einem Junias erst wieder r\u00fcckg\u00e4ngig gemacht werden. Hier haben aus m\u00e4nnerzentrierten Textwelten generierte Vorstellungen und Denkmuster sogar zu korrigierenden Texteingriffen gef\u00fchrt: eine Frau als Apostel*in? Das kann nicht sein \u2013 das Apostelamt ist M\u00e4nnern vorbehalten. Doch offenbar war es das nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>In den g\u00e4ngigen \u00dcbersetzungen der entsprechenden Pluralformen von Leitungsbezeichnungen werden Frauen jedoch auch heute weithin nicht sichtbar. Auch in Vortr\u00e4gen und Publikationen, die das generische Maskulinum verwenden, wird, auch wenn Frauen mitgemeint, aber nicht genannt sind, deren Teilhabe verdunkelt. Dies ist aber nicht harmlos im Sinne von <em>harmless, <\/em>keinen Schaden verursachend: Denn indem Sprache Realit\u00e4ten schafft, hat diese Unsichtbarmachung nach wie vor reale Konsequenzen. Angesto\u00dfen durch das Engagement von Frauen- und Geschlechterforschung ist es gelungen, mit Kreativit\u00e4t inklusive, geschlechtersensible Sprachformen zu entwickeln, welche Menschen einbeziehen und nicht diskriminierend ausgrenzen. Nicht nur in der Geschichte, sondern auch in der Gegenwart geht es um die Frage von (Un-)Sichtbarkeit und (Nicht-)Beteiligung. Doch es ist ein fragiler Erfolg, wie aktuelle amtliche \u201eGenderverbote\u201c zeigen.<a href=\"#_ftn1\" id=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Diese m\u00fcssen sich wie Exklusionsstrategien der Geschichte auf damit verfolgte Machtpolitiken befragen lassen. Die geforderte Klarheit ist mit dem generischen Maskulinum nicht gegeben. Sprachverbote gerade an Bildungsinstitutionen behindern den Auftrag zur Vermittlung von Menschenrechtsbildung und kritischem Denken und versto\u00dfen grunds\u00e4tzlich gegen die Freiheit von Wissenschaft, Forschung und Lehre.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref1\" id=\"_ftn1\">[1]<\/a> Mehrere Bundesl\u00e4nder wie Bayern oder Hessen haben in den letzten Monaten Verbote zum Gebrauch geschlechtergerechter Sprache an Schulen, Hochschulen und in \u00f6ffentlich-rechtlichen Medien verordnet bzw. angek\u00fcndigt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2024\/06\/diversity-7921759_1280-1-1024x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1616\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2024\/06\/diversity-7921759_1280-1-1024x1024.jpg 1024w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2024\/06\/diversity-7921759_1280-1-300x300.jpg 300w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2024\/06\/diversity-7921759_1280-1-150x150.jpg 150w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2024\/06\/diversity-7921759_1280-1-768x768.jpg 768w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2024\/06\/diversity-7921759_1280-1.jpg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-blue-color has-text-color has-link-color wp-elements-11ace9f48bb2c98e4f2f8e26c3bcf3f5\">Prof. Dr. Andrea Taschl-Erber verantwortet den Bereich Biblische Theologie am Institut f\u00fcr Katholische Theologie an der Universit\u00e4t Paderborn.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(Un-)Sichtbarkeit und (Nicht-)Beteiligung durch Sprache Vor kurzem war ich zu einer Tagung eingeladen, bei der das Thema \u201ePartizipation und Leitung in der fr\u00fchen Kirche\u201c diskutiert wurde. 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