{"id":158,"date":"2020-02-14T14:22:04","date_gmt":"2020-02-14T13:22:04","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/?p=158"},"modified":"2021-11-26T08:51:18","modified_gmt":"2021-11-26T07:51:18","slug":"durch-die-blume-gesagt-liebeserklaerung-ab-39-euro","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/2020\/02\/14\/durch-die-blume-gesagt-liebeserklaerung-ab-39-euro\/","title":{"rendered":"Durch die Blume gesagt: \u201eLiebeserkl\u00e4rung ab 39 Euro\u201c"},"content":{"rendered":"<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_158 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_158')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_158').socialSharePrivacy({\"txt_help\":\"Wenn Sie diese Felder durch einen Klick aktivieren, werden Informationen an Facebook, Twitter, Flattr, Xing, t3n, LinkedIn, Pinterest oder Google eventuell ins Ausland \\u00fcbertragen und unter Umst\\u00e4nden auch dort gespeichert. 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Februar gilt in vielen L\u00e4ndern als Tag der Liebenden. \u00dcber den Ursprung des Valentinstags gibt es unterschiedliche Theorien, von denen jedoch keine als bewiesen gilt. M\u00f6glicherweise geht dieser Tag auf Valentin von Terni zur\u00fcck, der Kranke geheilt und sie so vom Christentum \u00fcberzeugt habe. Vielleicht war aber auch Valentin von Rom gemeint, der entgegen des kaiserlichen Verbots Paare christlich getraut haben soll. Wom\u00f6glich handelt es sich sogar um dieselbe Person. Wahrscheinlich ist, dass beide aufgrund o.g. Aktivit\u00e4ten den M\u00e4rtyrertod starben. Weitere Erkl\u00e4rungen setzen u.a. bei heidnischen Br\u00e4uchen im antiken Rom an, wie etwa der Ehrung der Ehe- und Familieng\u00f6ttin Juno oder dem Fruchtbarkeitsfest Lupercalia, da beides auf Mitte Februar datiert ist. Auch eine Kombination mehrerer Theorien ist denkbar. Insgesamt bleibt die Causa Valentin ungekl\u00e4rt, aber wen sollte das im postfaktischen Zeitalter noch st\u00f6ren? Die Geschenkeindustrie jedenfalls nicht.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2020\/02\/flowers-260897_1920-1024x682.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-160\" width=\"352\" height=\"235\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schaufenster und Supermarktregale sind in rosa und rot getaucht, Werbungen versprechen exklusive Valentinstagsangebote und \u00fcberhaupt scheinen erstaunlich viele Menschen daran interessiert zu sein, dass ja niemand diesen Tag vergisst. Solch eine kollektive Erinnerungshilfe w\u00fcrde ich mir manchmal f\u00fcr Arzttermine und Abgabefristen w\u00fcnschen. Die Reaktionen auf den Valentinstag sind jedenfalls vielf\u00e4ltiger als sein kommerzielles Farbspektrum: Die einen freuen sich auf ein traditionelles romantisches Abendessen, andere hoffen auf eine \u00dcberraschung. Wieder andere sind traurig, weil sie diesen Tag mit niemandem feiern k\u00f6nnen und bei manchen f\u00fchrt die schamlose Vermarktung von Liebe zu Unbehagen im Rachenraum. Schlie\u00dflich gibt es noch jene, die sich von einer Diskrepanz zwischen eigenen und Erwartungen anderer an diesen Tag verunsichert f\u00fchlen und solche, die sie sich von gesellschaftlichen Konventionen nicht beeindrucken lassen. Egal welche dieser und anderer m\u00f6glicher Reaktionen eintritt, sie drehen sich letztendlich alle um das Zelebrieren einer Kommerzialisierung des tiefsten zwischenmenschlichen Gef\u00fchls, das diese Welt zu bieten hat. Da darf man sich ruhig mal emp\u00f6ren.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dass das Christkind seit Jahrzehnten amerikanische Erfrischungsgetr\u00e4nke bewirbt, m\u00f6gen mittlerweile viele stillschweigend hingenommen haben, und auch, dass sich immer mehr Menschen am Reformationstag verkleiden und K\u00fcrbisse schnitzen, mag nur noch eine protestantische Schnittmenge st\u00f6ren, aber seit einigen Jahren macht der Kapitalismus nicht einmal mehr vor der Liebe Halt. Ein komplexer, vielschichtiger Begriff, der seit Jahrhunderten interdisziplin\u00e4r diskutiert wird, findet an diesem Tag Ausdruck in Pralinenschachteln, Blumenstr\u00e4u\u00dfen, Drogerieartikeln und Erlebnisgutscheinen. Das mag nun sehr pathetisch klingen, aber lassen Sie mich ganz unverbl\u00fcmt fragen: Ist dieser blinde Umgang mit Liebe angesichts der aktuellen Weltlage angemessen? Ich meine nein. Ich meine, es ist Zeit, die Vase voller verwelkter Bl\u00fcten des Patriarchats beiseite zu stellen und die rosarote Brille abzusetzen. Denn auch wenn die gekaufte Liebeserkl\u00e4rung so praktisch erscheint: Was ist mit Menschen, die ihre Liebe zueinander nicht \u00f6ffentlich zeigen k\u00f6nnen, weil sie sich damit zur Zielscheibe verbaler und k\u00f6rperlicher Anfeindungen oder sogar Strafverfolgung machten? Was ist mit Menschen, die ihre Liebe nicht miteinander teilen k\u00f6nnen, weil Grenz\u00fcberg\u00e4nge oder Gef\u00e4ngnismauern sie trennen? Was ist mit Verwitweten, Verlassenen und ungl\u00fccklich Verliebten? Sie alle und weitere scheinen in dieser Rechnung nicht vorzukommen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nun ist&nbsp;<em>Whataboutism<\/em>&nbsp;zwar nicht die eleganteste Argumentationsstrategie, aber ich pl\u00e4diere ja auch nicht f\u00fcr die Abschaffung des Valentinstags, sondern lediglich f\u00fcr eine Erweiterung der Zielgruppe. Angebote einiger Kirchen, die auch Singles, homosexuelle, nichtbin\u00e4re und unverheiratete Paare zu Segnungsgottesdiensten anl\u00e4sslich des Valentinstags einladen, sind ein guter Anfang. Aber auch jenseits von Gottesh\u00e4usern und Religionen kann man sich Gedanken machen und aktiv werden. Vielleicht sollte die Herausforderung am Valentinstag nicht (nur) darin bestehen, das beste Geschenk zu machen, sondern (auch) den Menschen mit Liebe zu begegnen, die es am wenigsten erwarten, bei denen es uns am schwersten f\u00e4llt und bei denen wir nicht die \u00fcbrigen 321 Tage dieses Jahres Gelegenheit dazu haben. Nicht immer sind die dominierenden Stimmen diejenigen, deren Melodie wir singen sollten. Deshalb ist es umso wichtiger, sorgf\u00e4ltig hinzuh\u00f6ren und selbst den richtigen Ton zu treffen. Und wer k\u00f6nnte besser darin einstimmen als Valentin von Terni oder Valentin von Rom, ob wir ihnen nun den Valentinstag zu verdanken haben oder nicht!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right has-blue-color has-text-color wp-block-paragraph\">Rebecca Meier ist wissenschaftliche Mitarbeiterin Institut f\u00fcr Evangelische Theologie der Universit\u00e4t Paderborn.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das \u00dcberreichen eines Blumenstrau\u00dfes, das letzte Woche in Th\u00fcringen noch zum Symbolakt der Verachtung wurde, d\u00fcrfte heute in vielen Haushalten Gegenteiliges bedeuten: Eine Liebeserkl\u00e4rung \u2013 und das bei Fleurop bereits ab 39 Euro laut Website! Der 14. 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