{"id":1578,"date":"2024-04-26T14:41:15","date_gmt":"2024-04-26T12:41:15","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/?p=1578"},"modified":"2024-05-03T10:30:45","modified_gmt":"2024-05-03T08:30:45","slug":"was-ist-eigentlich-ableismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/2024\/04\/26\/was-ist-eigentlich-ableismus\/","title":{"rendered":"Was ist eigentlich Ableismus?"},"content":{"rendered":"<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_1578 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_1578')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_1578').socialSharePrivacy({\"txt_help\":\"Wenn Sie diese Felder durch einen Klick aktivieren, werden Informationen an Facebook, Twitter, Flattr, Xing, t3n, LinkedIn, Pinterest oder Google eventuell ins Ausland \\u00fcbertragen und unter Umst\\u00e4nden auch dort gespeichert. 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Ableismus \u2013 ein Begriff, der noch kaum bekannt ist, den aber alle kennen sollten; ein Begriff, der irritiert und oft Fragen aufwirft. Brauchen wir noch mehr Anglizismen, fragen die einen. Die anderen nuscheln, was man denn da noch sagen darf. Und wieder andere sind froh, dass dieser Begriff sie sprachf\u00e4hig macht und sie damit behinderungsbezogene Ungleichserfahrungen benennen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ableismus geht auf das englische \u201eto be able\u201c (f\u00e4hig sein) zur\u00fcck und meint die Orientierung an einer nichtbehinderten Norm. \u00c4hnlich wie andere -ismen ist Ableismus durchdrungen von Macht und Herrschaftsverh\u00e4ltnissen. Er orientiert sich an dem Ideal eines leistungsf\u00e4higen, autonomen, nichtbehinderten Subjekts und bewertet behinderte Menschen als weniger wert oder unf\u00e4hig. Er wirkt sich aus in Klischees und Generalisierungen, wenn z.B. der Rollstuhl die erste Assoziation ist<a href=\"#_ftn1\" id=\"_ftnref1\">[1]<\/a>, obwohl die Gruppe der behinderten Menschen h\u00f6chst heterogen ist. Behinderung kann sichtbar oder unsichtbar sein, ist in den wenigsten F\u00e4llen angeboren, sondern wird meist im Laufe des Lebens erworben. Die Aussicht, eines Tages dieser Gruppe anzugeh\u00f6ren, die ca. 10% der Bev\u00f6lkerung in Deutschland ausmacht, ist gar nicht so unwahrscheinlich. Und vielleicht ist genau dies der Grund f\u00fcr den ableistischen Abgrenzungsmechanismus und die krampfhaft konstruierte Binarit\u00e4t zwischen Behinderung und Nichtbehinderung (, die alltagssprachlich oft mit \u201eNormalit\u00e4t\u201c verwechselt wird)?<\/p>\n\n\n\n<p>Im Gegensatz zur \u201eBehindertenfeindlichkeit\u201c kann sich Ableismus nicht nur in einer ab-, sondern auch aufwertenden Intention zeigen, z.B. verdeckt als gut gemeintes Kompliment: in der Bewunderung, wie held*innenhaft jemand trotz der Behinderung das Leben meistert, in unpassenden und ungefragten Hilfeleistungen oder in der Aussage \u201eirgendwie sind wir doch alle behindert\u201c. Ableismus zeigt sich in dem Reden \u00fcber, aber nicht mit Behinderten, darin, dass Nichtbehinderung vorausgesetzt, Behinderung jedoch nicht mitgedacht wird und in der fehlenden (medialen) Repr\u00e4sentation. Oder k\u00f6nnen Sie ohne Umschweife drei behinderte Menschen aus der \u00d6ffentlichkeit nennen?<\/p>\n\n\n\n<p>Ableismus betrifft uns alle. Wir sind ableistisch sozialisiert, egal, ob wir mit oder ohne Behinderung leben, haben ableistische Denkmuster internalisiert und leben bzw. erfahren Ableismus auf zwischenmenschlicher, struktureller und ja, auch auf transzendentaler bzw. theologischer Ebene. Ableismus aufzudecken, zu benennen und zu verlernen, ist nicht zuletzt auch eine theologische Herausforderung, der es sich zu stellen gilt.<a href=\"#_ftn2\" id=\"_ftnref2\">[2]<\/a> Wird Behinderung nicht nur als eine Heterogenit\u00e4tsdimension wertsch\u00e4tzend und differenzsensibel betrachtet, sondern ebenso im Zusammenhang mit Ableismus und Ableismuskritik ernstgenommen, kann und wird dies in verschiedensten Bereichen selbstkritische Reflexions- und Transformationsprozesse ansto\u00dfen. Und vielleicht tr\u00e4gt das dann dazu bei, dass Menschen mit Behinderung nicht nur als Forschungsobjekte oder Adressat*innen barmherziger N\u00e4chstenliebe, sondern vielmehr als theologische Subjekte auftreten, auf die frei von Ableismus \u201ebehindert\u201c als ein Attribut neben vielen anderen zutrifft.<a href=\"#_ftn3\" id=\"_ftnref3\">[3]<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref1\" id=\"_ftn1\">[1]<\/a> Das Bild des symbolischen \u201eRollifahrers\u201c ist h\u00e4ufig die erste Assoziation, die Menschen mit dem Thema Behinderung verkn\u00fcpfen. Bewusst wurde es hier als Provokation gew\u00e4hlt, um eigene Behinderungsbilder zu hinterfragen.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref2\" id=\"_ftn2\">[2]<\/a> Als m\u00f6gliche Startpunkte f\u00fcr die Entwicklung einer ableismuskritischen nennt Marie Hecke zwei theologische Inhaltsfelder, die h\u00e4ufig im Zusammenhang mit Behinderung stehen: 1. Die \u201e\u00dcberwindung\u201c von Behinderung in eschatologischen Texten oder die Auslegung neutestamentlicher Heilungswunder als Normalisierungsgeschichten. Vgl. Hecke, Marie: Ableismuskritische Theologie, in: Glossar des Genderportals der Kirchlichen Hochschule Wuppertal. <a href=\"https:\/\/gender.kiho-wuppertal.de\/ableismuskritische-theologie\/\">https:\/\/gender.kiho-wuppertal.de\/ableismuskritische-theologie\/<\/a> , 03.03.2023.(Stand: 24.04.2024).<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref3\" id=\"_ftn3\">[3]<\/a> Das 2023 gegr\u00fcndete Netzwerk Dis\/Ability und Theologie bietet Wissenschaftler*innen, die an der Schnittstelle von Theologie und Disability Studies arbeiten, Vernetzungs- und Austauschm\u00f6glichkeiten. Aus den jeweiligen Theologien und ihren theologischen Disziplinen heraus zeigt sich die Perspektivenvielfalt auch in den individuellen K\u00f6rpererfahrungen, d.h. als Ally oder als Forschende mit sichtbarer oder unsichtbarer Behinderung, egal ob diese benannt werden oder nicht. Wer Interesse an der Aufnahme in den Netzwerkverteiler hat, melde sich bitte bei Dr. Marie Hecke (marie.Hecke@kiho-wuppertal.de) oder Anna Neumann (anna.neumann@upb.de).<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"682\" src=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2024\/04\/handicap-parking-3865315_1280-1024x682.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1579\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2024\/04\/handicap-parking-3865315_1280-1024x682.jpg 1024w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2024\/04\/handicap-parking-3865315_1280-300x200.jpg 300w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2024\/04\/handicap-parking-3865315_1280-768x512.jpg 768w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2024\/04\/handicap-parking-3865315_1280-450x300.jpg 450w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2024\/04\/handicap-parking-3865315_1280.jpg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-blue-color has-text-color has-link-color wp-elements-ad08f4515b591edcf508c9fe5f4616d7\">Anna Neumann ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut f\u00fcr Evangelische Theologie an der Universit\u00e4t Paderborn im Bereich Religionsp\u00e4dagogik.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eBist du behindert?!\u201c schallt es \u00fcber den Schulhof. 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