{"id":1575,"date":"2024-04-19T12:28:23","date_gmt":"2024-04-19T10:28:23","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/?p=1575"},"modified":"2024-04-19T12:28:23","modified_gmt":"2024-04-19T10:28:23","slug":"yoga-eine-areligioese-lebensweise","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/2024\/04\/19\/yoga-eine-areligioese-lebensweise\/","title":{"rendered":"Yoga &#8211; eine areligi\u00f6se Lebensweise?"},"content":{"rendered":"<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_1575 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_1575')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_1575').socialSharePrivacy({\"txt_help\":\"Wenn Sie diese Felder durch einen Klick aktivieren, werden Informationen an Facebook, Twitter, Flattr, Xing, t3n, LinkedIn, Pinterest oder Google eventuell ins Ausland \\u00fcbertragen und unter Umst\\u00e4nden auch dort gespeichert. 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Wie passt das mit den Aussagen von Yoga-Lehrenden zusammen, die ich immer wieder w\u00e4hrend meiner Ausbildungen zur Yogalehrerin geh\u00f6rt habe?: \u201cYoga ist eine Philosophie, eine Lebensweise, die alle Menschen praktizieren k\u00f6nnen &#8211; unabh\u00e4ngig ihrer Religion.\u201d Stellt das nicht einen Widerspruch zum Ziel der Erleuchtung?<\/p>\n\n\n\n<p>In seinem Ursprung ist die Yoga-Philosophie mit Religion verkn\u00fcpft (vgl. Gro\u00dfmann &amp; R\u00fcbesamen 2015). Im 6. Jahrhundert vor Christus stand Yoga mit religi\u00f6sen Ritualen im Zusammenhang, deren Ziel das Erreichen von Erkenntnis oder auch Erleuchtung war (vgl. ebd.; vgl. Bucar 2022: 150). Dieser Gedanke des Yoga findet sich heute \u201cvor allem in seiner s\u00e4kularisierten Form als \u2018Hingabe an eine h\u00f6here Macht\u2019: Spiritualismus statt Religion\u201d (Gro\u00dfmann &amp; R\u00fcbesamen 2015) wieder. Genauer gesagt wurde die Vedanta Metaphysik in viele Praktiken aufgenommen, die wir heute Yoga nennen. Die Yogatraditionen haben also in dieser Weltanschauung ihren Ursprung. Und eben diese Weltanschauung der Vedanta kann als religi\u00f6s verstanden werden, da in ihrem Zentrum ein heiliges Bewusstsein jenseits der menschlichen Erfahrung steht (vgl. Bucar 2022: 152). Somit sind Aussagen wie \u201cconnect with your energetic source\u201d eigentlich vage Bez\u00fcge auf die Vedanta Metaphysik (vgl. ebd.). Auch K. Pattabhi Jois &#8211; der Begr\u00fcnder des Ashtanga Yoga &#8211; sagte, dass Yoga-Praktizierende Gott in sich erleben w\u00fcrden, ob sie wollen oder nicht (vgl. ebd.: 150).<\/p>\n\n\n\n<p>T.K.V. Desikachar &#8211; Sohn von T. Krishnamacharya, der auch als \u201cVater des modernen Yoga\u201d gilt &#8211; schreibt hingegen im Kommentar zum Yoga S\u00fbtra des Pata\u00f1jali, dass Yoga eindeutig nicht religi\u00f6s sei. Zum einen grenzt er Yoga zum Hinduismus und der dazugeh\u00f6rigen Philosophie (Vedanta) ab, da das Yoga S\u00fbtra zwar Wege f\u00fcr gl\u00e4ubige Menschen aufzeige, aber auch Alternativen anbiete. Zum anderen betont er die gro\u00dfe Offenheit und somit Allgemeing\u00fcltigkeit des Yoga S\u00fbtra, weshalb es viele religi\u00f6se und spirituelle Str\u00f6mungen inspiriert habe, aber nie selbst zu einer Grundlage f\u00fcr eine eigenst\u00e4ndige Religion geworden sei. Auch wenn das Yoga S\u00fbtra heutzutage in Indien h\u00e4ufig aus hinduistischer Sicht betrachtet wird, entspreche dies nicht der eigentlichen Intention (vgl. Desikachar <sup>5<\/sup>2011: 9).<\/p>\n\n\n\n<p>Die Frage, ob Yoga generell religi\u00f6s ist, ist somit nicht einfach zu beantworten. Aus diesem Grund unterscheidet Liz Bucar <em>Devotional Yoga<\/em> und <em>Respite Yoga<\/em>, wobei sie <em>Devotional Yoga<\/em> \u00fcber gewisse Glaubens\u00fcberzeugungen wie Kosmologie und Metaphysik, die Einbeziehung von ethischen Leitlinien der Yamas und Niyamas und intensive Asanas, Pranayama-Techniken und Meditationsformen definiert. Dieser Art des Yoga schreibt sie eine eindeutige Religiosit\u00e4t zu (vgl. Bucar 2022: 147). <em>Respite Yoga<\/em> unterscheidet sich hiervon vor allem durch eine ausbleibende Notwendigkeit, gewissen \u00dcberzeugungen zu folgen. Der Fokus liegt eher auf der physischen Asana-Praxis, wobei trotzdem pseudo-liturgische Elemente &#8211; wie das \u201cNamaste\u201d zu Beginn und zum Abschluss einer Stunde &#8211; eingebracht werden. Respite Yoga sei somit die Aneignung (=<em>appropriation<\/em>) von <em>Devotional Yoga<\/em> (vgl. ebd.: 147-148). Trotz des Versuches, sich von Religion abzugrenzen, bedient sich Yoga (auch <em>Respite Yoga<\/em>) eindeutig religi\u00f6s kodierter Sprache. Beispiele hierf\u00fcr sind: \u201cErleuchtung\u201d, \u201csich mit Energie verbinden\u201d, \u201cBrahman\u201d, \u201cShiva\u201d, \u201cKrishna\u201d, \u201cdas G\u00f6ttliche\u201d im Allgemeinen (vgl. ebd.: 168). Die gleichzeitige Betonung, dass Yoga nicht religi\u00f6s sei, und die Menge an religi\u00f6sen Inhalten k\u00f6nnen wie ein Widerspruch wirken (vgl. ebd.). Doch dies kann auf die Einbettung in einen neuen kulturellen Kontext zur\u00fcckgef\u00fchrt werden. Kurz gesagt haben Elemente wie K\u00f6rperhaltungen, Atemarbeit und Meditation im USA-amerikanischen Raum Anklang gefunden; andere Aspekte jedoch nicht, die dann auch nicht mehr Teil der Vermarktung waren (vgl. ebd.: 174).<\/p>\n\n\n\n<p>Heutiges Yoga l\u00e4sst sich laut Liz Bucar auch wie folgt zusammenfassen: \u201cthe result of the interaction of multiple South Asian traditions, nationalism, imperialism, capitalism, and globalization\u201d (ebd.: 150). Sie betont hierbei, dass es falsch sei zu sagen, dass Yoga hinduistisch ist, genauso sei es aber auch falsch zu sagen, dass Yoga nichts mit dem Hinduismus oder anderen \u00f6stlichen religi\u00f6sen Praktiken zu tun hat (vgl. ebd.).<\/p>\n\n\n\n<p>Bucar folgert aus ihren \u00dcberlegungen, dass die indische Kultur, Philosophie und religi\u00f6se Praxis im modernen <em>Respite Yoga<\/em> nicht angeeignet werden, sondern es sich vielmehr um eine koloniale Vorstellung von diesen Dingen handelt (vgl. ebd.: 184). Kritische Aspekte sind beispielsweise die Vermarktung unter dem Gesichtspunkt der individuellen Gesundheit auf Kosten der Ausbeutung anderer (vgl. ebd.: 197) und die Verwendung von urspr\u00fcnglich religi\u00f6sen Elementen wie dem Sanskrit (vgl. ebd.: 164), was nicht zuletzt mit der politischen Konstruktion einer hinduistisch gepr\u00e4gten indischen nationalen Identit\u00e4t in Verbindung steht, die die Muslime des Landes ausschlie\u00dft (vgl. ebd.: 185-186).<\/p>\n\n\n\n<p>Yogalehrer:in zu sein bedeutet also, andere durch religi\u00f6se Aneignung zu f\u00fchren (vgl. ebd.: 201) und die Aussage, dass es sich um eine areligi\u00f6se Lebenspraxis f\u00fcr alle handle, ist meiner Ansicht nach damit eindeutig zu kurz gedacht. Vor dem erl\u00e4uterten Hintergrund erachte ich es als \u00e4u\u00dferst wichtig, meine Yogapraxis und den Unterricht, den ich gebe, zu reflektieren, indem ich mir beispielsweise die folgenden Fragen stelle, die Rina Deshpande vorschl\u00e4gt:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>\u201cDo I really understand the history of the yoga practice I\u2019m so freely allowed to practice today that was once ridiculed and prohibited by colonists in India?\u201d<\/li>\n\n\n\n<li>\u201cAs I continue to learn, am I comfortable with the practices and purchases I\u2019m choosing to make, or should I make some changes?\u201d<\/li>\n\n\n\n<li>\u201cDoes the practice I live promote peace and integrity for all?\u201d<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>(Deshpande 2019)<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Quellen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Bucar, Liz (2022), \u201cRespite Yoga\u201d, in: <em>Stealing My Religion. Not Just Any Cultural Appropriation<\/em>, Cambridge (Massachusetts)\/London: Harvard University Press, 145-202.<\/p>\n\n\n\n<p>Deshpande, Rina, (2019), \u201cWhat\u2019s the Difference Between Cultural Appropriation and Cultural Appreciation?\u201d, in: <em>Yoga Journal<\/em>, URL: www.yogajournal.com\/yoga-101\/yoga-cultural-appropriation-appreciation\/ (26.11.2022).<\/p>\n\n\n\n<p>Desikachar, T.K.V. (<sup>5<\/sup>2011), <em>\u00dcber Freiheit und Meditation. Das Yoga S\u00fbtra des Pata\u00f1jali. Eine Einf\u00fchrung<\/em>, Petersberg: Via Nova.<\/p>\n\n\n\n<p>Gro\u00dfmann, Katharina \/ R\u00fcbesamen, Kristin (2015), \u201cDie Geschichte des Yoga\u201d, in: <em>Yoga Easy<\/em>, URL: www.yogaeasy.de\/artikel\/Die-Geschichte-des-Yoga (01.11.2022).<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"645\" height=\"796\" src=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2024\/04\/IMG_3164.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-1576\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2024\/04\/IMG_3164.png 645w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2024\/04\/IMG_3164-243x300.png 243w\" sizes=\"auto, (max-width: 645px) 100vw, 645px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-blue-color has-text-color has-link-color wp-elements-1d8b26bf4d204fd68cec6c71ac4f5af9\">Stefanie M\u00fchlb\u00e4cher ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut f\u00fcr Romanistik und Mitarbeiterin der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung beim Zentrum f\u00fcr Sprachenlehre.<\/p>\n\n\n\n<p>#Yoga #Religi\u00f6sit\u00e4t #Aneignung<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Yoga bedeutet K\u00f6rper, Geist und Seele in Einklang zu bringen und in den Schriften des Yoga &#8211; wie dem Yoga S\u00fbtra des Pata\u00f1jali &#8211; liest man, dass das Ziel von Yoga die Erleuchtung ist (vgl. 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