{"id":1571,"date":"2024-04-05T16:21:33","date_gmt":"2024-04-05T14:21:33","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/?p=1571"},"modified":"2024-04-05T16:21:33","modified_gmt":"2024-04-05T14:21:33","slug":"zeugniskraempfe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/2024\/04\/05\/zeugniskraempfe\/","title":{"rendered":"Zeugniskr\u00e4mpfe"},"content":{"rendered":"<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_1571 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_1571')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_1571').socialSharePrivacy({\"txt_help\":\"Wenn Sie diese Felder durch einen Klick aktivieren, werden Informationen an Facebook, Twitter, Flattr, Xing, t3n, LinkedIn, Pinterest oder Google eventuell ins Ausland \\u00fcbertragen und unter Umst\\u00e4nden auch dort gespeichert. 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Schnell zeigte sich, dass es kein Plausch \u00fcber das Wetter werden w\u00fcrde: Mein Gegen\u00fcber war unterwegs zur Nachlassverwaltung ihres vor wenigen Tagen verstorbenen Bruders. Sie berichtete kurz von seinem Leben, von gemeinsamen Zeiten, auch vom Tod ihres Mannes vor einigen Jahren und vom bedr\u00fcckenden Gef\u00fchl, die letzte dieser Generation in ihrer Familie zu sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich hatte den dringenden Wunsch, ihr etwas Gutes zu sagen, ihr gegen\u00fcber auszudr\u00fccken, dass weder ihr Bruder noch sie in ihren Sorgen vergessen ist. In der \u00d6ffentlichkeit des Zuges aber zu sagen \u201eIch bete f\u00fcr Sie\u201c fiel mir unendlich schwer. Woher kommt eigentlich dieser Zeugniskrampf? Warum ist es f\u00fcr viele so schwierig geworden, etwa in einem Segen oder Gebet zu bekennen, was wir glauben? Warum sch\u00e4mt man sich daf\u00fcr, anderen \u00f6ffentlich etwas Gutes zu w\u00fcnschen?<\/p>\n\n\n\n<p>Scham, so meinte der franz\u00f6sische Philosoph Jean-Paul Sartre, ist die emotionale Erkenntnis, f\u00fcr andere ein Objekt zu sein. Wenn wir uns sch\u00e4men, sehen wir uns aus den Augen der anderen und machen uns selbst \u00fcber uns lustig oder urteilen \u00fcber unser Handeln \u2013 oft bevor wir \u00fcberhaupt gehandelt haben. Die Sorge davor also, dass andere sich \u00fcber mich lustig machen k\u00f6nnten, h\u00e4tte mich beinahe daran gehindert, mich jemandem in einer Lebenskrise zuzuwenden. Mir ist daran noch einmal deutlich geworden, wie zentral es f\u00fcr den Glauben ist, dass er \u00f6ffentlich, gerade in den kleinen Momenten des Alltags, zur Sprache gebracht wird. Nicht um besonders fromm zu sein, sondern damit die Scham nicht gegen unseren guten Willen anderen gegen\u00fcber gewinnt. Was anderes aber ist ein Gebet f\u00fcr andere als Ausdruck unseres guten Willens? Was k\u00f6nnte selbst jemanden, der nicht an Gott glaubt, in einer existenziellen Krise daran st\u00f6ren, wenn man zu ihm sagt: \u201aIch denke an Dich, ich bete f\u00fcr Dich, ich will Dir Gutes!\u2018 \u2013 und wie unglaubw\u00fcrdig wird der Glaube an einen guten Grund des Lebens, wenn man sich des Guten sch\u00e4mt.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe mich schlussendlich durchringen k\u00f6nnen, meinem Gegen\u00fcber zu sagen, dass ich f\u00fcr sie und ihren Bruder beten werde. Ich kann zumindest sagen, dass sie alles andere als emp\u00f6rt war. Und dass sich schr\u00e4g gegen\u00fcber jemand irritiert umgedreht hat, war mir offen gesagt beim Aussteigen ziemlich egal. \u00a0<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"641\" src=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2024\/04\/train-6931531_1280-1024x641.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1572\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2024\/04\/train-6931531_1280-1024x641.jpg 1024w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2024\/04\/train-6931531_1280-300x188.jpg 300w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2024\/04\/train-6931531_1280-768x481.jpg 768w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2024\/04\/train-6931531_1280-479x300.jpg 479w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2024\/04\/train-6931531_1280.jpg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-blue-color has-text-color has-link-color wp-elements-fec9c78a074136f277ed23a267bcd139\">Prof. Dr. Aaron Langenfeld (*1985), Dr. theol. habil., ist Lehrstuhlinhaber f\u00fcr Fundamentaltheologie und vergleichende Religionswissenschaft an der Theologischen Fakult\u00e4t Paderborn.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor einiger Zeit sa\u00df ich im Zug einer elegant gekleideten \u00e4lteren Dame gegen\u00fcber. 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