{"id":1556,"date":"2024-03-22T02:22:11","date_gmt":"2024-03-22T01:22:11","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/?p=1556"},"modified":"2024-03-22T21:54:45","modified_gmt":"2024-03-22T20:54:45","slug":"god-taxes-and-societies-exploring-intersections-of-religion-and-taxation-in-history","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/2024\/03\/22\/god-taxes-and-societies-exploring-intersections-of-religion-and-taxation-in-history\/","title":{"rendered":"God, Taxes, and Societies: Exploring Intersections of Religion and Taxation in History"},"content":{"rendered":"<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_1556 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_1556')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_1556').socialSharePrivacy({\"txt_help\":\"Wenn Sie diese Felder durch einen Klick aktivieren, werden Informationen an Facebook, Twitter, Flattr, Xing, t3n, LinkedIn, Pinterest oder Google eventuell ins Ausland \\u00fcbertragen und unter Umst\\u00e4nden auch dort gespeichert. 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Nicht selten stehen sie in Verbindung mit religi\u00f6s gepr\u00e4gten \u00dcberlegungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Um diese Antworten zu ergr\u00fcnden und einen Vergleich der Herangehensweise unterschiedlicher Religionen zu diesen Fragen anzuregen, luden Prof. Korinna Sch\u00f6nh\u00e4rl (Historisches Institut Paderborn) und Prof. Idris Nassery (PIIT Paderborn) zum 29.2.\/1.3.2024 zu der Konferenz unter dem Titel \u201eGod, Taxes, and Societies: Exploring Intersections of Religion and Taxation in History\u201c ein.<\/p>\n\n\n\n<p>In der gleichzeitig historisch anmutenden und modernen Atmosph\u00e4re des ehemaligen Kapuzinerklosters \u201eLiborianum\u201c in Paderborn trafen sich Experten zu den drei gro\u00dfen monotheistischen Religionen und dem Buddhismus, um zu diesem Austausch beizutragen.<\/p>\n\n\n\n<p>Fabio Rambelli (UC Santa Barbara) stellte die Steuer- und Abgabenkultur an buddhistischen Tempeln im vormodernen Japan vor. Diese zeitweise auch weltliche Herrschaft aus\u00fcbenden Tempel erhielten \u201eOpfergaben\u201c in Form von Naturalien, Arbeitsdiensten und Geldspenden. Diese waren keinem bestimmten Zweck zugewiesen, die Kultur des Gebens stand im Vordergrund, empfangenen G\u00fcter wurden in gutes Karma \u201aumgewandelt\u2018. Eine Verweigerung von Abgaben hingegen w\u00fcrde, so glaubte man, schlechtes Karma, Missernten, Fl\u00fcche und Krankheiten verursachen. So funktionierte dieses System auf freiwilliger Basis, und ohne festgelegte Abgabeh\u00f6hen oder Sanktionen.<\/p>\n\n\n\n<p>Anschlie\u00dfend f\u00fchrte Elisa Klaphek in die dem Talmud zu entnehmenden Normen des j\u00fcdischen Glaubens zum Thema Steuern ein. Neben dem allgemeinen Grundsatz \u201eDina de-malchuta dina\u201c (Hebr. \u201eDas Gesetz des Staates ist das Gesetz\u201c), der zum Einhalten geltenden (auch Steuer-) Rechts, verpflichtet, bietet der Talmud Normen f\u00fcr Steuern und Abgaben in einer j\u00fcdischen Gemeinschaft. Steuern sind hier zweckgebunden \u2013 nur wer von den Leistungen profitiert, muss auch zahlen. Zu einigen Abgaben, wie z. B. zentral umverteilten Almosen, werden nur wohlhabende Personen herangezogen. Steuern zu zahlen wurde als Privileg, nicht als Belastung empfunden, es machte die Zahler zu vollwertigen B\u00fcrgern.<\/p>\n\n\n\n<p>Erg\u00e4nzt wurde dieser erste Block durch einen Vortrag \u00fcber die Gmach, eine einzigartige Wohlfahrtsorganisation ultraorthodoxer Gesellschaften in Israel, die Gegenst\u00e4nde und Geld als Leihgabe annimmt und weiterverleiht.<\/p>\n\n\n\n<p><a>Im zweiten Block, \u00fcber das Christentum, stellte J\u00f6rg Althammer (Katholische Universit\u00e4t Ingolstadt) eine auf OECD &#8211; Daten basierte empirische Untersuchung zu Konfession und dem Wohlfahrtsstaat des 20. Jahrhunderts vor. Ihm zufolge bauen r\u00f6misch-katholisch gepr\u00e4gte Staaten umfangreiche, auf Geldzahlungen basierende Wohlfahrtssysteme auf, w\u00e4hrend sich in freikirchlich gepr\u00e4gte Staaten (USA) die Wohlfahrt auf geringere Sachleistungen st\u00fctzt.<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Allen Calhoun (Emory University Atlanta) thematisierte im Anschluss die Sichtweise protestantischer Theologen des (fr\u00fchen) 20. Jahrhunderts, wie Reinhold Niebuhr und Karl Barth auf das Thema Steuern: sie pl\u00e4dieren f\u00fcr eine faire Besteuerung, die B\u00fcrger entsprechend ihrer Belastbarkeit besteuert. Damit wenden sie sich gegen die in Katholizismus zu findende Verkn\u00fcpfung von Steuer und Absolution.<\/p>\n\n\n\n<p>Im dritten und abschlie\u00dfenden Vortrag dieses Blocks verglich Korinna Sch\u00f6nh\u00e4rl die moralischen Normen dreier katholischer Gelehrter der 1940er und 1950er Jahre aus dem franquistischen Spanien, den USA und Westdeutschland. In diesem Zeitraum ver\u00e4nderte sich die Haltung der katholischen Kirche langsam weg vom Guthei\u00dfen der Steuerhinterziehung, hin zu einer Anerkennung eines staatlichen Rechts auf Steuererhebung zum Zwecke der Wohlfahrt. Steuern wurden unterschiedlich verstanden: als zwingende patriotische Pflicht (USA) oder als Gesellschaftsvertrag (Nell-Breuning), der im Falle von Unzufriedenheit demokratisch ver\u00e4ndert werden konnte, oder als lediglich im Falle fairer Steuern verpflichtend (Joaqu\u00edn Aspiazu). Zur\u00fcckzuf\u00fchren sind die Unterschiede auf andere Ausgangspositionen: in Deutschland empfing die kath. Kirche Steuern, w\u00e4hrend sie in Spanien Steuern zahlen musste. Der Vergleich hat gezeigt, dass \u00d6konomie und soziale Zust\u00e4nde auch in der religi\u00f6sen Moral vom Thema Steuern nicht zu trennen sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Der dritte Block der Konferenz widmete sich der islamischen Welt. Idris Nasseri sprach \u00fcber die Sichtweise islamischer Gelehrter auf die Steuerhinterziehung. Zakat, eine Abgabe, die Muslime f\u00fcr die Versorgung von Bed\u00fcrftigen entrichten m\u00fcssen, f\u00fcr sich zu behalten, w\u00e4re ein Verbrechen gegen die Gesellschaft. Veruntreut ein Herrscher jedoch die eingenommenen Gelder, forderten manche Gelehrte politisches Aktivwerden, andere eine stille Steuerverweigerung, wieder andere riefen zu Treuebruch und Umsiedelung auf. Einig waren sich alle darin, dass die ggf. einbehaltene Zakat den Bed\u00fcrftigen auf anderem Wege zugef\u00fchrt werden muss.<\/p>\n\n\n\n<p>Daran schloss sich der Vortrag von Emanuel Sch\u00e4ublin (ETH Z\u00fcrich) an, der in einer Feldstudie in Nablus (Pal\u00e4stina) beobachtet hat, wie Zakat dort ohne Beteiligung der als korrupt empfundenen Regierung von relativ wohlst\u00e4ndischen Familien an \u00e4rmere Familien gegeben wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Schlie\u00dflich folgte der Vortrag von Antonis Hadjikyriacou (Panteion University Athen) \u00fcber das Steuersystem im Osmanischen Reich, das er als gleichzeitig islamisch und weltlich beschreibt, gepr\u00e4gt von der Dialektik zwischen Siyasa (sultanischem Gesetz) und Islamischer Jurisprudenz, legitimiert sowohl durch ihre Notwendigkeit zum Bewahren von Ordnung und Wohlstand, als auch durch religi\u00f6se Gebote (Zakat, Dschizya). Dabei ging man \u00fcber die Zeit von \u00f6rtlich angepassten Kopfsteuern auf Pauschalbesteuerung, Steuerpacht und Land-\/Verm\u00f6genssteuer \u00fcber, die gleicherma\u00dfen in nicht-islamischen Reichsteilen erhoben wurden.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Konferenz zeigte die Vielfalt sowohl in der Legitimation von Steuern und Abgaben als auch im Umgang mit Steuerhinterziehung auf. Zwei Konzepte tauchen jedoch \u00fcber die Zeit und unterschiedliche Religionen hinweg immer wieder auf: Einerseits die Gabe eines Wohlhabenden an einen Armen aus spirituellem Eigennutzen, sei es mit Blick auf das Jenseits oder zur Verbesserung des Karma, und andererseits die Notwendigkeit von Abgaben zum Zwecke einer ausgeglichenen Gesellschaft. Dass geistliche Normenlehren, angepasst an gesellschaftliche und soziale Umst\u00e4nde, von der Antike bis ins 20. Jahrhundert stets mit der Steuerlegitimation einher gehen, belegt die Bedeutung von Religion f\u00fcr die Steuergeschichte.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcber den folgenden Link finden Sie weitere Einblicke in die Konferenz: <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=BhUmj7cyxfY\">https:\/\/youtu.be\/BhUmj7cyxfY?si=amvBH7zTxlh3X8SL<\/a><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"827\" src=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2024\/03\/God-and-Taxes-Gruppenfoto-1024x827.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1558\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2024\/03\/God-and-Taxes-Gruppenfoto-1024x827.jpg 1024w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2024\/03\/God-and-Taxes-Gruppenfoto-300x242.jpg 300w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2024\/03\/God-and-Taxes-Gruppenfoto-768x621.jpg 768w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2024\/03\/God-and-Taxes-Gruppenfoto-371x300.jpg 371w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2024\/03\/God-and-Taxes-Gruppenfoto.jpg 1510w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-blue-color has-text-color has-link-color wp-elements-8055756c7ed407ba444f62091542badc\">Kara Kuebart ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut f\u00fcr Geschichtswissenschaft im Bereich Verfassungs-, Sozial- und Wirtschaftsgeschichte an der Universit\u00e4t Bonn.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was motiviert Menschen, ihre Steuern ehrlich und fair zu zahlen? 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