{"id":1545,"date":"2024-03-01T08:30:58","date_gmt":"2024-03-01T07:30:58","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/?p=1545"},"modified":"2024-03-01T08:30:58","modified_gmt":"2024-03-01T07:30:58","slug":"ambivalente-verhaeltnisse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/2024\/03\/01\/ambivalente-verhaeltnisse\/","title":{"rendered":"Ambivalente Verh\u00e4ltnisse"},"content":{"rendered":"<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_1545 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_1545')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_1545').socialSharePrivacy({\"txt_help\":\"Wenn Sie diese Felder durch einen Klick aktivieren, werden Informationen an Facebook, Twitter, Flattr, Xing, t3n, LinkedIn, Pinterest oder Google eventuell ins Ausland \\u00fcbertragen und unter Umst\\u00e4nden auch dort gespeichert. 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In beunruhigender Weise haben sich seitdem aber auch gesellschaftliche Dynamiken ver\u00e4ndert und in der Mitte der Gesellschaften Europas und Nordamerikas wieder einmal offenkundig werden lassen, was nie verschwunden war und sich immer wieder als h\u00e4ssliche Fratze zeigt. Es ist deshalb gut, richtig und wichtig, dass es Menschen und Organisationen gibt, die gegen jede Form des Antisemitismus aufstehen, komme er von rechts oder links, aus sogenannten migrantischen Milieus oder aus einer wie auch immer gearteten sogenannten b\u00fcrgerlichen Mitte der Gesellschaft.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch religi\u00f6ser Antisemitismus und theologischer Antijudaismus geh\u00f6ren dazu. Letzteren haben die christlichen Kirchen im Laufe der Jahrhunderte geschaffen, transportiert, gepflegt. Erst die Schrecken der Schoa haben zur Umkehr gezwungen, so dass wir heute \u2013 nach der katholischen Konzilserkl\u00e4rung <em>Nostra Aetate<\/em> (1965) oder dem evangelischen <em>Rheinischen Synodalbeschluss<\/em> (1980) \u2013 auf zahlreiche Grundsatzerkl\u00e4rungen christlich-j\u00fcdischer Verst\u00e4ndigung, auf Dialoginitiativen, auch auf kirchliche Schuldbekenntnisse und Verurteilungen jeglichen Antisemitismus blicken d\u00fcrfen. Denn Christ:in zu sein oder christliche Theologie zu treiben ist nur im Angesicht des Judentums m\u00f6glich. Anders geht es nicht. Christ:in zu sein oder christlich-theologisch zu denken bleibt immer auf das Judentum als Wurzel des Christentums (R\u00f6m 11,18) und auf j\u00fcdische Gott-Rede und j\u00fcdisches Gott-Denken verwiesen, denn \u201eunwiderruflich sind Gnade und Berufung, die Gott gew\u00e4hrt\u201c (R\u00f6m 11,29). Sich dieses Grundaxioms im eigenen Selbstverst\u00e4ndnis bewusst zu sein, selbstkritisch und stets erneuerungsbereit, ist theologischer Auftrag und bleibt zugleich eine reale Herausforderung.<\/p>\n\n\n\n<p>So \u00fcberrascht und irritiert es, dass sich Papst Franziskus einen Tag nach 10\/7 in seinem Angelusgebet um den Frieden in Nahost sorgt und von jedem Krieg als Niederlage spricht, das aber ganz ohne eine eindeutige Benennung und Verurteilung der barbarischen Gewalt der Hamas tun kann. Wochen und Monate danach mangelt es an entschiedener Klarheit und Positionalit\u00e4t der katholischen Kirchenspitze, so dass sich Mitte November 2023 sogar mehr als 400 j\u00fcdische Gelehrte und Rabbiner in einem offenen Brief an Franziskus gewandt und um ein belastbares Zeichen p\u00e4pstlicher Solidarit\u00e4t mit Israel und dem Judentum gebeten haben, einschlie\u00dflich einer unmissverst\u00e4ndlichen Verurteilung des vernichtenden Terrors.<a href=\"#_ftn1\" id=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Die Antwort kam sp\u00e4t, Anfang Februar 2024 \u2013 und hinterl\u00e4sst Fragen. Sicherlich, es gab eine Solidarit\u00e4tsbekundung, aber mit Leerstellen. Der Salzburger Fundamentaltheologe Gregor Maria Hoff spricht dabei von einer \u201esemantischen Entsch\u00e4rfung des Hamas-Terrors\u201c und von \u201esprachpolitischer Entdifferenzierung\u201c<a href=\"#_ftn2\" id=\"_ftnref2\">[2]<\/a>, was auf eine Sprache schlie\u00dfen l\u00e4sst, die die n\u00f6tige Klarheit und auch ein deutliches Bekenntnis zur besonderen Bindung der Kirche ans Judentum vermissen l\u00e4sst. Die Frage ist: Warum? Auch angesichts der wegweisenden offiziellen katholischen und j\u00fcdischen Dialogpapiere der letzten Jahre aus Anlass des 50-j\u00e4hrigen Bestehens der Konzilserkl\u00e4rung bleiben Fragen, die gestellt werden m\u00fcssen. Das Bild des Umgangs mit 10\/7 seitens der r\u00f6mischen Kirche bleibt ambivalent.<\/p>\n\n\n\n<p>Ganz anders, weil unmittelbar und in der Sprache klar und eindeutig erfolgt, erscheinen einige Stellungnahmen aus dem deutschen Kontext, so beispielweise der Vorsitzende der bisch\u00f6flichen Kommission f\u00fcr die religi\u00f6sen Beziehungen zum Judentum, Bischof Ulrich Neymeyr: \u201eJetzt ist die Stunde der Solidarit\u00e4t mit Israel. \u2026 Ich habe aber kein Verst\u00e4ndnis f\u00fcr Solidarit\u00e4tsbekundungen mit der Hamas, die in Gaza eine brutale Diktatur errichtet hat. Unertr\u00e4glich ist es, wenn auf unseren Stra\u00dfen \u00fcber die Ermordung unschuldiger Menschen gejubelt und Hass gegen J\u00fcdinnen und Juden propagiert wird. Das d\u00fcrfen wir nicht tolerieren.\u201c<a href=\"#_ftn3\" id=\"_ftnref3\">[3]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Im Blick auf die barbarische Vernichtung von Menschen aus purem Hass, im Blick auf Antisemitismus oder Diskriminierung von Minderheiten braucht es Klarheit. Es darf kein \u201eJa, aber \u2026\u201c, kein Verst\u00e4ndnis (schon gar keinen Jubel) und keine Toleranz geben. Das schlie\u00dft nicht aus, sich um alle Opfer von Krieg und Gewalt gleich welcher Herkunft zu sorgen und dort Kritik zu \u00fcben, wo Pflichten und Regeln der Humanit\u00e4t verletzt werden. Das alles gebietet die Menschlichkeit und der Glaube an den einen Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, der auch der Gott Muhammads und der Gott Jesu ist.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref1\" id=\"_ftn1\">[1]<\/a> https:\/\/www.jcrelations.net\/statements\/statement\/an-open-letter-to-his-holiness-pope-francis.html<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref2\" id=\"_ftn2\">[2]<\/a> https:\/\/www.herder.de\/communio\/gesellschaft\/zu-den-leerstellen-im-brief-des-papstes-an-die-juden-wer-juden-angreift-greift-auch-uns-an\/<\/p>\n\n\n\n<p><a id=\"_ftn3\" href=\"#_ftnref3\">[3]<\/a> https:\/\/www.katholisch.de\/artikel\/47792-bischof-neymeyr-jetzt-ist-die-stunde-der-solidaritaet-mit-israel<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"540\" src=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2024\/03\/Abstract-art-britto-qb140_1-3.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1546\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2024\/03\/Abstract-art-britto-qb140_1-3.jpg 1000w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2024\/03\/Abstract-art-britto-qb140_1-3-300x162.jpg 300w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2024\/03\/Abstract-art-britto-qb140_1-3-768x415.jpg 768w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2024\/03\/Abstract-art-britto-qb140_1-3-500x270.jpg 500w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Foto: <a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/w\/index.php?title=User:GalleryBritto&amp;action=edit&amp;redlink=1\">GalleryBritto<\/a> <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-blue-color has-text-color has-link-color wp-elements-3dc0b169f738adedf1789bb01a3a67d5\">Dr. Jan Woppowa ist Professor f\u00fcr Religionsdidaktik am Institut f\u00fcr Katholische Theologie an der Universit\u00e4t Paderborn und Berater der bisch\u00f6flichen Unterkommission f\u00fcr die religi\u00f6sen Beziehungen zum Judentum.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der 7. 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