{"id":1542,"date":"2024-02-23T11:46:30","date_gmt":"2024-02-23T10:46:30","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/?p=1542"},"modified":"2024-02-23T12:16:51","modified_gmt":"2024-02-23T11:16:51","slug":"genesis-1-27-und-das-binaere-geschlechterverstaendnis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/2024\/02\/23\/genesis-1-27-und-das-binaere-geschlechterverstaendnis\/","title":{"rendered":"Genesis 1, 27 und das bin\u00e4re Geschlechterverst\u00e4ndnis"},"content":{"rendered":"<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_1542 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_1542')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_1542').socialSharePrivacy({\"txt_help\":\"Wenn Sie diese Felder durch einen Klick aktivieren, werden Informationen an Facebook, Twitter, Flattr, Xing, t3n, LinkedIn, Pinterest oder Google eventuell ins Ausland \\u00fcbertragen und unter Umst\\u00e4nden auch dort gespeichert. N\\u00e4heres erfahren Sie durch einen Klick auf das <em>i<\\\/em>.\",\"settings_perma\":\"Dauerhaft aktivieren und Daten\\u00fcber-tragung zustimmen:\",\"info_link\":\"http:\\\/\\\/www.heise.de\\\/ct\\\/artikel\\\/2-Klicks-fuer-mehr-Datenschutz-1333879.html\",\"uri\":\"https:\\\/\\\/blogs.uni-paderborn.de\\\/zekkblog\\\/2024\\\/02\\\/23\\\/genesis-1-27-und-das-binaere-geschlechterverstaendnis\\\/\",\"post_id\":1542,\"post_title_referrer_track\":\"Genesis+1%2C+27+und+das+bin%C3%A4re+Geschlechterverst%C3%A4ndnis\",\"display_infobox\":\"on\"});}});\n\/* ]]> *\/<\/script><\/div>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Viele Menschen, die ein bin\u00e4res Geschlechterverst\u00e4ndnis vertreten, begr\u00fcnden dies mit einem Satz aus dem ersten Kapitel der Bibel: \u201e\u2026 und schuf sie als Mann und Frau\u201c (Genesis 1, 27c, in der revidierten Luther\u00fcbersetzung von 2017). Um zu pr\u00fcfen, ob diese Begr\u00fcndung stichhaltig ist, ist es unerl\u00e4sslich, diesen Satz im Kontext des gesamten Verses 27 in den Blick zu nehmen: \u201eUnd Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau.\u201c Wird die Aussage, Gott habe \u201esie als Mann und Frau\u201c geschaffen, im Kontext des 27. Verses gelesen, wird deutlich, dass sich das Akkusativobjekt \u201esie\u201c auf das Akkusativobjekt des ersten Satzes in diesem Vers bezieht: \u201eden Menschen\u201c. Bemerkenswert ist an dieser Stelle der Numeruswechsel: Das \u201esie\u201c, im Hebr\u00e4ischen die nota accusativi \u05d0\u05ea mit dem Suffix der dritten Person Maskulinum (in diesem Fall: Communis) Plural, bezieht sich auf das Akkusativobjekt \u05d0\u05ea<sup>&#8211;<\/sup>\u05d4\u05d0\u05d3\u05dd, das im Singular steht. Dieser scheinbare Widerspruch ist dadurch zu erkl\u00e4ren, dass das hebr\u00e4ische Nomen \u05d0\u05d3\u05dd nicht nur den einzelnen Menschen bezeichnen kann, sondern auch die Gattung Mensch. Diese Gattung hat er erschaffen; in Vers 27a begegnet das Verb \u05d1\u05e8\u05d0, das bereits im ersten Vers der Hebr\u00e4ischen Bibel Verwendung findet. Und \u00fcber die Menschen, die Angeh\u00f6rigen der Gattung Mensch, wird gesagt, dass Gott sie \u2013 um es mit den Worten der Luther\u00fcbersetzung zu sagen \u2013 \u201eals Mann und Frau\u201c geschaffen hat. Aber wird diese \u00dcbersetzung dem hebr\u00e4ischen Text gerecht? Dort hei\u00dft es: \u05d6\u05db\u05e8 \u05d5\u05e0\u05e7\u05d1\u05d4 \u05d1\u05e8\u05d0 \u05d0\u05ea\u05dd, was die Bedeutung hat: \u201eM\u00e4nnlich und weiblich erschuf er sie\u201c. So ist dieser hebr\u00e4ische Satz auch in der Einheits\u00fcbersetzung von 2016 wiedergegeben. Er kann auf zweierlei Weise verstanden werden, einerseits in einem bin\u00e4ren Sinn: Gott schuf die Gattung Mensch m\u00e4nnlich und weiblich, d.h. in Form von M\u00e4nnern und Frauen. Das w\u00fcrde der Luther\u00fcbersetzung entsprechen (\u201eund schuf sie als Mann und Frau\u201c). Andererseits kann er jedoch auch so verstanden werden, dass Gott jeden einzelnen Menschen m\u00e4nnlich und weiblich geschaffen hat, also mit m\u00e4nnlichen und weiblichen Anteilen. Diese beiden \u00dcbersetzungsm\u00f6glichkeiten sind dadurch gegeben, dass das hebr\u00e4ische Nomen \u05d0\u05d3\u05dd sowohl die Gattung Mensch als auch den einzelnen Menschen bezeichnen kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Welcher \u00dcbersetzungsm\u00f6glichkeit geb\u00fchrt der Vorrang? Hinsichtlich dieser Frage ist von Bedeutung, dass die zuletzt genannte M\u00f6glichkeit ungleich umfassender ist, denn alle Menschen \u2013 M\u00e4nner und Frauen sowie Menschen, die sich in diesen beiden Geschlechtern nicht wiederfinden \u2013 k\u00f6nnen sowohl m\u00e4nnliche als auch weibliche Anteile in sich haben. Die zuerst genannte M\u00f6glichkeit nimmt demgegen\u00fcber lediglich Menschen in den Blick, die sich eindeutig als M\u00e4nner und Frauen verstehen, andere dagegen nicht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zu Kl\u00e4rung der Frage, welcher dieser beiden Verstehens- und \u00dcbersetzungsm\u00f6glichkeiten der Vorzug zu geben ist, ist der erste Satz des 27. Verses hinzuzuziehen: \u201eUnd Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn\u201c (gem\u00e4\u00df der Luther\u00fcbersetzung; in der Einheits\u00fcbersetzung lautet die \u00dcbersetzung: \u201eGott erschuf den Menschen als sein Bild, als Bild Gottes erschuf er ihn\u201c). Eine Aussage \u00fcber den von Gott geschaffenen Menschen enth\u00e4lt somit auch eine implizite Aussage \u00fcber Gott, denn als dessen Bild (\u05e6\u05dc\u05dd) ist der Mensch erschaffen. Bei Aussagen \u00fcber Gott gilt es zu vermeiden, dass er menschlichen Vorstellungen angepasst wird, da die letztlich immer begrenzt sind. Wenn \u2013 ausgehend von der Erkenntnis \u201edeus semper maior\u201c \u2013 Gott immer gr\u00f6\u00dfer ist als jede menschliche Vorstellung von ihm, dann darf eine von Menschen formulierte theologische Aussage ihn in keiner Weise begrenzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Suchen wir auf der Grundlage dessen eine Antwort auf die Frage, wie der Satz zu verstehen ist, dass Gott den Menschen m\u00e4nnlich und weiblich (\u05d6\u05db\u05e8 \u05d5\u05e0\u05e7\u05d1\u05d4) erschaffen hat, und ber\u00fccksichtigen wir dabei, dass damit nicht nur eine explizite Aussage \u00fcber den Menschen gemacht wird, sondern auch eine implizite \u00fcber Gott, ist der umfassenderen Verstehens- und damit auch \u00dcbersetzungsm\u00f6glichkeit der Vorzug zu geben. Der Satz ist somit so zu verstehen, dass jeder Mensch m\u00e4nnlich und weiblich erschaffen ist und somit m\u00e4nnliche und weibliche Anteile hat. Denn dies gilt f\u00fcr alle Menschen \u2013 f\u00fcr die, die sich eindeutig als Mann oder Frau verstehen, wie auch f\u00fcr andere.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gott hat die Menschen in dieser Vielfalt geschaffen und ihnen seinen Segen gegeben. Und so beginnt der folgende Vers mit den Worten: \u201eUnd Gott segnete sie\u201c (Vers 28a).<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"934\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2024\/02\/IMG-20230409-WA0001.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1543\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2024\/02\/IMG-20230409-WA0001.jpg 934w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2024\/02\/IMG-20230409-WA0001-274x300.jpg 274w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2024\/02\/IMG-20230409-WA0001-768x842.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 934px) 100vw, 934px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Foto: Dr. Michael Arretz<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-blue-color has-text-color has-link-color wp-elements-4a346b51efa8a900a77bfe6983269c0e wp-block-paragraph\">PD Dr. Hans-Christoph Go\u00dfmann ist Privatdozent an der Universit\u00e4t Paderborn im Bereich Religionsp\u00e4dagogik\/ Praktische Theologie am Evangelischen Institut.\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Viele Menschen, die ein bin\u00e4res Geschlechterverst\u00e4ndnis vertreten, begr\u00fcnden dies mit einem Satz aus dem ersten Kapitel der Bibel: \u201e\u2026 und schuf sie als Mann und Frau\u201c (Genesis 1, 27c, in der revidierten Luther\u00fcbersetzung von 2017). Um zu pr\u00fcfen, ob diese &hellip; <a href=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/2024\/02\/23\/genesis-1-27-und-das-binaere-geschlechterverstaendnis\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":9271,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-1542","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1542","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/9271"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1542"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1542\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1544,"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1542\/revisions\/1544"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1542"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1542"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1542"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}