{"id":1488,"date":"2023-12-22T10:31:38","date_gmt":"2023-12-22T09:31:38","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/?p=1488"},"modified":"2023-12-22T10:31:38","modified_gmt":"2023-12-22T09:31:38","slug":"es-begab-sich-aber-zu-der-zeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/2023\/12\/22\/es-begab-sich-aber-zu-der-zeit\/","title":{"rendered":"Es begab sich aber zu der Zeit\u2026"},"content":{"rendered":"<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_1488 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_1488')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_1488').socialSharePrivacy({\"txt_help\":\"Wenn Sie diese Felder durch einen Klick aktivieren, werden Informationen an Facebook, Twitter, Flattr, Xing, t3n, LinkedIn, Pinterest oder Google eventuell ins Ausland \\u00fcbertragen und unter Umst\\u00e4nden auch dort gespeichert. 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Ganz besonders gilt das f\u00fcr die ber\u00fchmte Fassung der Lutherbibel: \u201eEs begab sich aber zu der Zeit\u2026\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>P\u00fcnktlich zu Weihnachten beklagen Jahr f\u00fcr Jahr Theologinnen oder Kirchenvertreter, dass das Fest zur blo\u00dfen Folklore verkommen sei, dass Tannenb\u00e4ume, Gl\u00fchwein und Festessen nicht mehr viel mit der christlichen Botschaft zu tun haben. Ich will keine Gegenrede halten, bin aber skeptisch, ob die Diagnose zutrifft. Jedenfalls schimmert die Weihnachtserz\u00e4hlung vom Kind in der Krippe auch in manchem Lied noch durch, das \u00fcber den Weihnachtsmarkt donnert. Und auch die Originale, Krippenspiel und Christmette, d\u00fcrften, wenn auch bei sinkendem Trend, noch immer die meistbesuchten Gottesdienste im Jahr sein. Kein Vergleich jedenfalls zu Ostern oder Pfingsten.<\/p>\n\n\n\n<p>Das wird viele Gr\u00fcnde haben. Die Geschichte, die erz\u00e4hlt wird, k\u00f6nnte einer davon sein. Sie kann auch dort noch ber\u00fchren oder staunend geh\u00f6rt werden, wo sie nicht religi\u00f6s gefeiert wird. Der Schriftsteller <em>Chinua Achebe<\/em> hat in seinem Essay <em>The Truth of Fiction<\/em> zwei Arten von Fiktionen unterschieden, die er als <em>beneficent<\/em> und <em>malignant<\/em> bezeichnet.<a href=\"#_ftn1\" id=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Letztere sind gewaltvolle Formen von Aberglauben, die wir etwa f\u00fcr die Fiktion nutzen, dass manche Menschen mehr wert seien als andere. Erstere lassen uns im besten Sinne die Welt neu sehen und etwas erfahren, indem wir uns mit den Figuren der Erz\u00e4hlung identifizieren und die Wirklichkeit durch ihre Augen wahrnehmen. F\u00fcr manche, die weihnachtsbegeistert, aber nicht christlich gl\u00e4ubig sind, k\u00f6nnte die Weihnachtsgeschichte eine solche <em>beneficent fiction<\/em> sein. Wenn sie diese Funktion erf\u00fcllen kann, sollte man dar\u00fcber nicht vorschnell klagen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ist Weihnachten also \u201anur\u2018 eine gute Story? <em>Achebe<\/em> erinnert zwar daran, dass auch eine solche einen nicht zu vernachl\u00e4ssigenden Wert haben kann. Von solcher Literatur gelte: \u201eIt does not enslave; it liberates the mind of man.\u201c<a href=\"#_ftn2\" id=\"_ftnref2\">[2]<\/a> Dass die Geschichte mit <em>der<\/em> Geschichte zu tun hat, wird gl\u00e4ubigen Menschen allerdings wichtig sein, auch wenn sie in der Erz\u00e4hlung des Lukasevangeliums die literarische Stilisierung erkennen. Auch die Liturgie der Weihnachtsnacht erinnert auf ihre Art daran. Das Martyrologium Romanum reiht die Geburt Jesu in eine Reihe konkreter Zeitangaben ein: 752 Jahre nach der Gr\u00fcndung Roms, im 42. Jahr der Regierungszeit des Augustus.<a href=\"#_ftn3\" id=\"_ftnref3\">[3]<\/a> Zumindest die Botschaft ist klar: hier geschieht etwas Konkretes in Raum und Zeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Nicht nur hat die <em>story<\/em> mit <em>history<\/em> zu tun, sie ist auch nicht die einzige Form, von Weihnachten zu sprechen. Nach der Geschichte der Heiligen Nacht klingt die Sprache des Evangeliums vom Weihnachtsmorgen geradezu nach abstrakter Spekulation: \u201eUnd das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt\u2026\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Weihnachten ohne diese Geschichte w\u00e4re nicht Weihnachten, auch wenn die Geschichte sofort nach einer Deutung verlangt. Der Glaube braucht diese Geschichten, er ist von ihnen \u00fcberhaupt nicht strikt trennbar. Wie die Theologie mit ihnen umgehen, sie \u00fcbersetzen und reflektieren soll, ist eine Frage, die hier exemplarisch auftaucht. Ganz grunds\u00e4tzlich und nicht nur f\u00fcr die christliche Reflexion gilt, dass Sprache, die unterschiedlichen Genres, in denen wir uns verst\u00e4ndigen, eng mit unserer Theologie verwoben ist. Wer ins neue Jahr mit \u00dcberlegungen zu diesem Thema starten m\u00f6chte, hat <em>hier<\/em> die Gelegenheit dazu. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref1\" id=\"_ftn1\">[1]<\/a> Achebe, Chinua: The Truth of Fiction, in: Ders.: Hopes and Impediments. Selected Essays, New York 1989, 138-153, hier 143.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref2\" id=\"_ftn2\">[2]<\/a> Ebd., 153.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref3\" id=\"_ftn3\">[3]<\/a> Vgl. den Text online: https:\/\/www.theol.uni-freiburg.de\/disciplinae\/lmk\/Intern\/martyrologium-neue-fassung.pdf.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"816\" src=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2023\/12\/christmas-1010749_1280-1024x816.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1490\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2023\/12\/christmas-1010749_1280-1024x816.jpg 1024w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2023\/12\/christmas-1010749_1280-300x239.jpg 300w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2023\/12\/christmas-1010749_1280-768x612.jpg 768w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2023\/12\/christmas-1010749_1280-376x300.jpg 376w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2023\/12\/christmas-1010749_1280.jpg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>#Weihnachten #Story #Sprache #Weihnachtsgeschichte<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-blue-color has-text-color has-link-color wp-elements-0c9f04eca6548f545e31a20fc20afd11\">Dr. Lukas Wiesenh\u00fctter ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der katholisch-theologischen Fakult\u00e4t der Universit\u00e4t Bonn.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Zentrum der Feiertage, die nun anstehen, steht eine Geschichte. 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