{"id":1484,"date":"2023-12-15T11:02:51","date_gmt":"2023-12-15T10:02:51","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/?p=1484"},"modified":"2023-12-15T11:02:51","modified_gmt":"2023-12-15T10:02:51","slug":"winter-der-widersprueche","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/2023\/12\/15\/winter-der-widersprueche\/","title":{"rendered":"Winter der Widerspr\u00fcche"},"content":{"rendered":"<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_1484 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_1484')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_1484').socialSharePrivacy({\"txt_help\":\"Wenn Sie diese Felder durch einen Klick aktivieren, werden Informationen an Facebook, Twitter, Flattr, Xing, t3n, LinkedIn, Pinterest oder Google eventuell ins Ausland \\u00fcbertragen und unter Umst\\u00e4nden auch dort gespeichert. 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Anders als in den letzten Jahren, f\u00fchlt sich f\u00fcr mich dieser Dezember anders an: Die Leuchten der Stra\u00dfen scheinen weniger strahlend, die fr\u00f6hliche Stimmung weniger greifbar. Es wirkt, als ob die Helligkeit den Glanz verloren hat, als ob Freude und W\u00e4rme nur noch fl\u00fcchtige Schatten in diesen langen Dezembern\u00e4chten sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Nachrichten und die Social-Media-Posts erz\u00e4hlen seit 66 Tagen st\u00e4ndig von aktuellen Geschehnissen im Nahen Osten. Es ist ein weiteres Kapitel in der traurigen Chronik menschlichen Versagens und es wirft seinen Schatten auf meine Wahrnehmung dieser vorweihnachtlichen Zeit, die ich als Muslim und \u201eAu\u00dfenseiter\u201c beobachte. In mir regt sich ein innerer Konflikt, eine bitters\u00fc\u00dfe Melodie, die jedem sch\u00f6nen Erlebnis eine Note des Leids beif\u00fcgt. Die Bilder der letzten 66 Tage vermischen sich in meinem Kopf mit den leuchtenden Weihnachtsm\u00e4rkten. Es scheint, als w\u00fcrde die Welt versuchen, ihre Trauer hinter einer Fassade aus Lichtern und Liedern zu verbergen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eMehr als 7000 get\u00f6tete Kinder\u201c\u2013 eine schlichte, n\u00fcchterne Zeile in den Nachrichten, die doch eine unaussprechliche Trag\u00f6die birgt. Und mich l\u00e4sst dabei ein Gedanke nicht los: wie viele hunderte kleine Tr\u00e4ume, die nie Wirklichkeit werden, m\u00f6gen wohl hinter diesem \u201emehr als\u201c verborgen sein? Tr\u00e4ume, die es nicht mal geschafft haben in die Statistik des kurzen Nachrichtenberichtes als einzelne Zahlen aufgenommen zu werden. Die aufgerundete Zahl selbst ist so gro\u00df und so ungreifbar, dass es selbst die Hoffnung fern und unwirklich erscheinen l\u00e4sst. Der Frieden, den wir uns alle erhoffen, scheint weiter entfernt denn je. Wir runden die Zahlen auf, sprechen von mehr als 17 000 Opfern, und vergessen dabei allzu leicht, dass hinter jeder dieser Zahl ein einzigartiges Leben stand, voller Tr\u00e4ume und M\u00f6glichkeiten. Ich frage mich, wie wir inmitten dieser Dunkelheit noch Licht finden k\u00f6nnen. Die Realit\u00e4t erscheint manchmal zu hart, zu unbarmherzig und so, dass man gar nicht hinschauen m\u00f6chte. Doch vielleicht liegt genau darin unsere Herausforderung: nicht wegzuschauen, sondern hinzuschauen. Die Geschichten hinter den Zahlen zu erkennen, einige Gesichter hinter den Statistiken zu sehen.<\/p>\n\n\n\n<p>So habe ich durch das Hinschauen des Leidens dieser Menschen etwas Kraftvolles wiederentdeckt: ihre uneingeschr\u00e4nkte Hingabe und den tiefen Glauben an Gott. Selbst inmitten des unfassbaren Leidens und Verlustes ihrer Familienangeh\u00f6rigen und Kinder, wiederholen die Verungl\u00fcckten: \u201ezu All\u0101h geh\u00f6ren wir, zu Ihm kehren wir zur\u00fcck.\u201c (Q 2:156) In dieser schlichten Ergebenheit liegt eine St\u00e4rke, die weit \u00fcber das Verst\u00e4ndnis des allt\u00e4glichen Lebens hinausgeht und gr\u00f6\u00dfer ist als der tiefste Schmerz. In gr\u00f6\u00dfter Not und in tiefster Trauer finde ich eine beeindruckende Kraft und Zuversicht, die auch mir einen Weg weisen: \u201eund wer auf All\u0101h vertraut, f\u00fcr den ist Er sein Gen\u00fcge\u201c (Q 65:3).<\/p>\n\n\n\n<p>In dem Erkennen dieser Glaubenskraft \u2013 da beginne ich mein eigenes \u201eLeid\u201c in einem anderen Licht zu sehen: jedes \u201eProblem\u201c, das ich zu haben glaubte, jede meine Sorge und mein ganzer Kummer schrumpfen und verlieren an Bedeutung in diesem neuen Kontext. Sie erscheinen nun so unbedeutend, \u00fcberwindbar und klein, dass ich sie kaum noch ernst nehme. Im Lichte dieser unermesslichen Lebensgr\u00f6\u00dfe verblassen meine Sorgen, \u00fcbertroffen von einer Kraft, die gr\u00f6\u00dfer ist als die kleinen St\u00fcrme meines eigenen Daseins. Und daf\u00fcr danke ich ihnen, und bete zu Gott f\u00fcr den Frieden.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"819\" src=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2023\/12\/christmas-2059698_1280-1024x819.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1485\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2023\/12\/christmas-2059698_1280-1024x819.jpg 1024w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2023\/12\/christmas-2059698_1280-300x240.jpg 300w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2023\/12\/christmas-2059698_1280-768x614.jpg 768w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2023\/12\/christmas-2059698_1280-375x300.jpg 375w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2023\/12\/christmas-2059698_1280.jpg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>#DezemberGedanken #Glaube #Leid #NahostKonflikt #Kontext<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-blue-color has-text-color has-link-color wp-elements-b124a875848da2605b0c7f202801903d\">Ahmed Husi\u0107 ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bereich der islamischen systematischen Theologie am Paderborner Institut f\u00fcr Islamische Theologie der Universit\u00e4t Paderborn.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist Mitte Dezember. 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