{"id":1469,"date":"2023-12-01T10:14:52","date_gmt":"2023-12-01T09:14:52","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/?p=1469"},"modified":"2023-12-01T11:28:09","modified_gmt":"2023-12-01T10:28:09","slug":"bald-kommt-bald-kommt-immanuel-kritische-besinnliche-anfragen-zur-christlichen-selbstwahrnehmung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/2023\/12\/01\/bald-kommt-bald-kommt-immanuel-kritische-besinnliche-anfragen-zur-christlichen-selbstwahrnehmung\/","title":{"rendered":"\u201cbald kommt, bald kommt Immanuel\u201d: Kritische &amp; besinnliche Anfragen zur christlichen Selbstwahrnehmung"},"content":{"rendered":"<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_1469 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_1469')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_1469').socialSharePrivacy({\"txt_help\":\"Wenn Sie diese Felder durch einen Klick aktivieren, werden Informationen an Facebook, Twitter, Flattr, Xing, t3n, LinkedIn, Pinterest oder Google eventuell ins Ausland \\u00fcbertragen und unter Umst\\u00e4nden auch dort gespeichert. 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Emmanuel shall come to thee, O Israel. &nbsp;<\/td><td>Im Gotteslob O komm, o komm, Immanuel, nach dir sehnt sich dein Israel! In S\u00fcnd und Elend weinen wir und flehn, und flehn hinauf zu dir. Freu dich, freu dich, o Israel, bald kommt, bald kommt Immanuel &nbsp;<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><figcaption class=\"wp-element-caption\">\u00dcbersetzung &#8222;O komm, O komm Immanuel&#8220;<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>\u201eO komm, O komm Immanuel\u201c ist eins der beliebtesten Adventslieder im amerikanischen und europ\u00e4ischen Raum. Bekanntlich birgt der Text auch einige Herausforderungen im Hinblick auf seine Darstellung des Judentums. Kurz vor Beginn der Adventszeit in diesem Jahr kam in meiner Kirchengemeinde die Frage auf, ob wir den Gemeindemitgliedern vor dem Gottesdienst ein Handout geben wollen, mit einer kurzen Erl\u00e4uterung im Hinblick auf den anti-j\u00fcdischen Ton von \u201cO komm, O komm, Immanuel.\u201d Der Hintergrund des Liedes wurde bereits mehrfach diskutiert. Wie Mary Boys in <em>Has God Only One Blessing<\/em>? zeigt, weist das Lied in seiner g\u00e4ngigen Form supersessionistische Z\u00fcge auf. Israel ist gefangen und muss von Immanuel gerettet werden. Das Kommen Immanuels wird in Jesaja 7:14 f\u00fcr die Verteidigung Jerusalems vorhergesagt. Matth\u00e4us interpretiert dann die Prophezeiung so, dass sie sich auf Jesus bezieht: Jesus ist derjenige, der das gefangene Israel retten kann. Israel soll sich dann freuen, dass Immanuel (im christlichen Lesen dann Jesus) die Rettung f\u00fcr Israel ist (Mt 1:23).<a href=\"#_ftn1\" id=\"_ftnref1\">[1]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Diese Information ist hilfreich im Hinblick auf die christliche Selbstwahrnehmung im \u00f6ffentlichen Gebet. Das, was wir beten und singen wird zu dem, was wir glauben. Die Gemeindemitglieder in dem Gottesdienstgremium meiner Gemeinde waren geteilter Meinung \u00fcber eine Handreichung. Auf der einen Seite wurde argumentiert, dass Weihnachten nun einmal triumphalistisch sei und man jetzt nicht die sch\u00f6nen Weihnachtslieder \u201cweg-cancellen\u201d k\u00f6nne. Manche meinten sogar, dass die Advents-und Weihnachtszeit eher einen besinnlichen Ton einschlagen solle. Auf der anderen Seite wurde argumentiert, dass es wichtig sei, sich der eigenen Interpretationsgeschichte bewusst zu bleiben oder sogar aufzuh\u00f6ren, solche Lieder zu singen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wo finden wir eine Balance zwischen kritischer Reflexion unserer eigenen antij\u00fcdischen Interpretationen und einer besinnlichen adventlichen Stimmung? Wie kann ein Reflektionsgrad geschaffen werden mit dem kein Werteverlust des Advents einhergeht aber die problematische Geschichte auch nicht unangetastet bleibt? Es gibt sicherlich verschiedene Optionen au\u00dferhalb der zwei genannten Extremen. Eine M\u00f6glichkeit ist eine Andacht in Form des in den USA beliebten \u201eLessons &amp; Carols\u201c zu gestalten, in der dann auf verschiedene Lieder, die gesungen werden, eingegangen werden kann. Diese Umsetzung w\u00fcrde allerdings die and\u00e4chtige Stimmung beeintr\u00e4chtigen. Eine andere M\u00f6glichkeit ist, das Lied mit neuen Worten zu dichten, die die supersessionistischen Z\u00fcge umgehen. Mary Boys legt z.B. eine amerikanische Alternative vor. Das evangelische Gesangbuch weist auch ein Beispiel auf, in der der gesamte Text ver\u00e4ndert wurde und somit die gesamte Emmanuel-Sprache umgeht (EG 19: \u201eO komm, o komm,du Morgenstern.\u201c) Der Nachteil eines alternativen Textes oder einer Umschreibung ist allerdings, dass die kritischen Punkte in der Geschichte denjenigen, die das Lied singen, verborgen bleiben.<\/p>\n\n\n\n<p>In einer Zeit voller interreligi\u00f6ser Anspannungen ist es unumgehbar, dass auch au\u00dferhalb der wissenschaftlichen Sph\u00e4re eine gewisse Reflektionsgrundlage geschaffen wird, in der sich Christ*innen mit ihrer eigenen Rezeptionsgeschichte anderer religi\u00f6sen Traditionen auseinandersetzen. Man muss sich dann allerdings auch die Frage stellen, wie weit man gehen kann, ohne das zu erodieren, was das Eigene so eigen macht.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<p><a id=\"_ftn1\" href=\"#_ftnref1\">[1]<\/a> Siehe Boys, Mary C. <em>Has God Only One Blessing? Judaism as a Source of Christian Self-Understanding<\/em>. Mahwah, NJ: Paulist Press, 2000. Alternativ kann der Kommentar auch hier eingesehen werden: <a href=\"https:\/\/www.bc.edu\/content\/dam\/files\/research_sites\/cjl\/texts\/cjrelations\/resources\/education\/OCE_commentary.htm\">https:\/\/www.bc.edu\/content\/dam\/files\/research_sites\/cjl\/texts\/cjrelations\/resources\/education\/OCE_commentary.htm<\/a><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"674\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2023\/11\/sheet-music-8398449_1280-674x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1470\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2023\/11\/sheet-music-8398449_1280-674x1024.jpg 674w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2023\/11\/sheet-music-8398449_1280-198x300.jpg 198w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2023\/11\/sheet-music-8398449_1280-768x1166.jpg 768w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2023\/11\/sheet-music-8398449_1280.jpg 843w\" sizes=\"auto, (max-width: 674px) 100vw, 674px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-blue-color has-text-color\">Domenik Ackermann ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentrum f\u00fcr Komparative Theologie und Kulturwissenschaften der Universit\u00e4t Paderborn im Rahmen des Verbundprojekts zum Transfer Komparativer Theologie in die Gesellschaft.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>#Adventslieder #ChristlicheSelbstwahrnehmung #Reflexion<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Englisch Deutsch (Gotteslob) O come, O come, Emmanuel, And ransom captive Israel, That mourns in lonely exile here, Until the Son of God appear: Rejoice! 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