{"id":1447,"date":"2023-11-10T09:54:46","date_gmt":"2023-11-10T08:54:46","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/?p=1447"},"modified":"2023-11-10T10:02:22","modified_gmt":"2023-11-10T09:02:22","slug":"ich-glaube-an-lehrkraefte-und-die-sprache-ueber-den-eigenen-glauben-im-klassenzimmer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/2023\/11\/10\/ich-glaube-an-lehrkraefte-und-die-sprache-ueber-den-eigenen-glauben-im-klassenzimmer\/","title":{"rendered":"\u201eIch glaube an \u2026\u201c Lehrkr\u00e4fte und die Sprache \u00fcber den eigenen Glauben im Klassenzimmer"},"content":{"rendered":"<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_1447 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_1447')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_1447').socialSharePrivacy({\"txt_help\":\"Wenn Sie diese Felder durch einen Klick aktivieren, werden Informationen an Facebook, Twitter, Flattr, Xing, t3n, LinkedIn, Pinterest oder Google eventuell ins Ausland \\u00fcbertragen und unter Umst\\u00e4nden auch dort gespeichert. 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Auf die obenstehende Frage, welche mir eine Sch\u00fclerin im Religionsunterricht stellt, habe ich erst einmal keine richtige Antwort. Nicht, weil ich keinen Glauben habe oder die religi\u00f6sen Inhalte des Unterrichts nicht vertreten kann, sondern, weil ich im Studium bisher nicht gelernt habe, wie man vor und mit anderen Menschen \u00fcber seinen Glauben sprechen kann. Ich bin \u00fcberfordert mit der Situation und kann keine richtige und vor allem zufriedenstellende Antwort geben, woraufhin Gel\u00e4chter ausbricht.<br>Mittlerweile habe ich mein Studium abgeschlossen und arbeite als wissenschaftlicher<br>Mitarbeiter der Religionsdidaktik an der Universit\u00e4t Paderborn. Die Situation hat mich w\u00e4hrend meines ganzen Studiums nicht mehr losgelassen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eBin ich hier \u00fcberhaupt richtig, wenn ich noch nicht mal \u00fcber das sprechen kann, woran ich glaube?&#8220; \u201eKann ich so \u00fcberhaupt eine richtige Religionslehrkraft werden?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Inzwischen verhalte ich mich ge\u00fcbt und selbstbewusst \u2013 wahrscheinlich auch, weil ich mir noch klarer \u00fcber meinen Glauben geworden bin \u2013 im sprachlichen Umgang mit meinem Glauben und dessen Vollzug. Damals fehlte mir jedoch noch die richtige Sprache, um dar\u00fcber mit anderen ins Gespr\u00e4ch zu kommen.<br>\u201eGibt es \u00fcberhaupt die eine Sprache, um mit anderen, besonders mit Sch\u00fcler*innen, ins<br>Gespr\u00e4ch \u00fcber den pers\u00f6nlichen Glauben zu kommen?\u201c<br>Mittlerweile habe ich meine eigene Sprache gefunden und kann ohne Probleme meinen<br>Glauben artikulieren und vollziehen. Wenn mich jedoch andere Personen nach meinem Glauben fragen, gerade wenn sie meinen Glauben infrage stellen, sehe ich mich manchmal noch in die Situation aus dem Eignungs- und Orientierungspraktikum zur\u00fcckversetzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich frage mich, ob es anderen angehenden Religionslehrkr\u00e4ften, egal ob im oder nach dem Studium, genauso geht. Von Religionslehrkr\u00e4ften wird im besonderen Ma\u00dfe sowohl von der Kirche als auch im Bildungsplan gefordert, ihren Glauben und ihren Glaubensvollzug authentisch im Religionsunterricht zu bezeugen. Was f\u00fcr mich im katholischen Religionsunterricht schon als gro\u00dfe Herausforderung und auch \u00dcberforderung wahrgenommen wurde, wird vor dem Hintergrund einer immer pluraler und heterogener werdenden Gesellschaft und Ph\u00e4nomenen wie Individualisierung und S\u00e4kularisierung, welche auch immer mehr im Religionsunterricht an Pr\u00e4senz gewinnen, noch einmal zu einer schwierigeren Anforderung. Ich habe im Studium keine Sprachkompetenz erlernen d\u00fcrfen, die mich dazu bef\u00e4higt, \u00fcber meinen Glauben zu sprechen und mich authentisch zu positionieren. Gerade im Umgang mit Sch\u00fcler<em>innen braucht es jedoch eine besondere Sensibilit\u00e4t, seinen Glauben zu artikulieren. Sch\u00fcler<\/em>innen erhalten gerade durch den bezeugten gelebten Glauben der Lehrperson Zugang zu einem existentiellen erfahrungsbezogenem Glaubensvollzug, wodurch auf vorbildhafte Art und Weise der Umgang mit Pluralit\u00e4t, die eigene Standpunktbildung und die Orientierung in einer pluralen Gesellschaft erlernt werden kann.<br>Aber wie soll ich diesen Zugang herstellen, wenn ich w\u00e4hrend meines Studiums nicht gelernt habe, wie ich \u00fcber meinen eigenen Glauben spreche? Wo von Sch\u00fcler<em>innen im Unterricht gefordert wird, einen eigenen Standpunkt in religi\u00f6sen Fragen zu entwickeln, wird dies von Lehrkr\u00e4ften bereits vorausgesetzt. Doch wie kann ich von meinen Sch\u00fcler<\/em>innen verlangen, Position zu beziehen, wenn ich selber im Studium nicht gelernt habe, wie so etwas geht?<\/p>\n\n\n\n<p>Die Positionalit\u00e4t der Lehrperson empfinde ich als einen wichtigen Faktor im Religionsunterricht, um das Innere einer Religion, n\u00e4mlich den existentiellen Glaubensvollzug, kennenzulernen. Gerade \u00fcber die Positionalit\u00e4t der Lehrperson kann \u00fcber rein religionskundliches Wissen hinausgegangen werden, um Sch\u00fcler*innen eine Orientierungs-, Handlungs- und Dialogf\u00e4higkeit im Hinblick auf religi\u00f6se Fragestellungen und vor dem Hintergrund einer pluralen Gesellschaft zu vermitteln.<br>Die Situation des Praktikums war f\u00fcr mich ein Ausl\u00f6ser, sich intensiver mit dem eigenen<br>Glauben und der F\u00e4higkeit, dar\u00fcber zu sprechen, auseinanderzusetzen. Nicht jede angehende Religionslehrkraft erf\u00e4hrt solche Ausl\u00f6ser und nicht jede angehende Religionslehrkraft ist nur aufgrund ihrer\/seiner Pers\u00f6nlichkeit in der Lage, frei und vor jeder Person Rede und Antwort zu ihrem\/seinen Glauben zu stehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Man stellt sich dann nur vor, dass sich eine Religionslehrkraft, welche auch nicht gelernt hat, den eigenen Glauben vor Sch\u00fcler*innen zu bezeugen, in der gleichen Situation wie ich befindet. Nur, dass es diesmal keine Praktikumssituation, sondern eine richtige Unterrichtssituation nach dem Referendariat sein k\u00f6nnte. Um angehende Religionslehrkr\u00e4fte davor zu bewahren und eine Sprachkompetenz bez\u00fcglich des eigenen Glaubens an die Hand zu geben, braucht es w\u00e4hrend des Studiums Erfahrungsr\u00e4ume, in denen gelernt wird, sich mit dem eigenen Glauben auseinanderzusetzen und dar\u00fcber ins Gespr\u00e4ch zu kommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Damit Religionslehrkr\u00e4fte nach dem Studium nicht schwei\u00dfgebadet in den Religionsunterricht gehen und vor die Frage gestellt werden: \u201eWoran glauben Sie eigentlich?\u201c<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"685\" src=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2023\/11\/Screenshot-327-1024x685.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-1448\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2023\/11\/Screenshot-327-1024x685.png 1024w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2023\/11\/Screenshot-327-300x201.png 300w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2023\/11\/Screenshot-327-768x514.png 768w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2023\/11\/Screenshot-327-448x300.png 448w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2023\/11\/Screenshot-327.png 1046w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-blue-color has-text-color\">Jonas H\u00fcster ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut f\u00fcr Katholische Theologie der Universit\u00e4t Paderborn im Bereich Religionsdidaktik.<\/p>\n\n\n\n<p>#pers\u00f6nlicherGlaube #Religionsunterricht #Religionslehrkraft #Studium<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eSie glauben aber nicht wirklich an den ganzen Quatsch, den Sie unterrichten, oder?\u201c Ich, damals 19 Jahre alt, befinde mich gerade in meinem Eignungs- und Orientierungspraktikum. 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