{"id":1388,"date":"2023-09-01T09:51:26","date_gmt":"2023-09-01T07:51:26","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/?p=1388"},"modified":"2023-09-01T09:51:26","modified_gmt":"2023-09-01T07:51:26","slug":"apokalypse-ueberall","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/2023\/09\/01\/apokalypse-ueberall\/","title":{"rendered":"\u201eApokalypse\u201c \u00fcberall?"},"content":{"rendered":"<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_1388 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_1388')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_1388').socialSharePrivacy({\"txt_help\":\"Wenn Sie diese Felder durch einen Klick aktivieren, werden Informationen an Facebook, Twitter, Flattr, Xing, t3n, LinkedIn, Pinterest oder Google eventuell ins Ausland \\u00fcbertragen und unter Umst\\u00e4nden auch dort gespeichert. N\\u00e4heres erfahren Sie durch einen Klick auf das <em>i<\\\/em>.\",\"settings_perma\":\"Dauerhaft aktivieren und Daten\\u00fcber-tragung zustimmen:\",\"info_link\":\"http:\\\/\\\/www.heise.de\\\/ct\\\/artikel\\\/2-Klicks-fuer-mehr-Datenschutz-1333879.html\",\"uri\":\"https:\\\/\\\/blogs.uni-paderborn.de\\\/zekkblog\\\/2023\\\/09\\\/01\\\/apokalypse-ueberall\\\/\",\"post_id\":1388,\"post_title_referrer_track\":\"%E2%80%9EApokalypse%E2%80%9C+%C3%BCberall%3F\",\"display_infobox\":\"on\"});}});\n\/* ]]> *\/<\/script><\/div>\n<p>Der Begriff \u201eApokalypse\u201c ist gerade in aller Munde. Klimaschutz, Kriege wie der in der Ukraine, Verbrenner vs. Elektroautos, Erdbeben, Chemieunf\u00e4lle, \u00dcberschwemmungen &#8211; alle diese Themen werden in den Medien und auch im modernen Sprachgebrauch als \u201eapokalyptisch\u201c bezeichnet. Und auch meine nicht wissenschaftliche und stichprobenhafte Suche bei der Online-Ausgabe des <em>Spiegel <\/em>ergab ein \u00e4hnliches Bild. W\u00e4hrend der <em>Spiegel <\/em>in den letzten Jahrzehnten das Wort \u201eApokalypse\u201c durchschnittlich 20-22 pro Jahr nutzte, erschien das Substantiv schon 105 Mal im letzten Jahr. Das Adjektiv \u201eapokalyptisch\u201c wurde in der Vergangenheit durchschnittlich 5-6 Mal pro Jahr beim <em>Spiegel <\/em>benutzt, im letzten Jahr jedoch 16 Mal.<\/p>\n\n\n\n<p>Zuf\u00e4llig begegnete mir ein Ausdruck mittelalterlichen apokalyptischen Denkens im Sommerurlaub in Rouen in der Normandie. Die dortige Kathedrale stehe auf dem Haus des R\u00f6mers Praecordius, hei\u00dft es, der es f\u00fcr die ersten Gottesdienste der Christen zur Verf\u00fcgung stellte. Im vierten und f\u00fcnften Jahrhundert wurde dort ein Vorg\u00e4ngerbau errichtet, von dem man einige wenige Spuren gefunden hat. Die romanische Kathedrale wurde dann in Anwesenheit von William the Conqueror im Jahr 1063 geweiht, die heutige Kathedrale am Anfang des 13. Jahrhunderts im gotischen Stil neu errichtet. An einem ihrer Portale, dem \u201ePortail des Libraires\u201c aus dem sp\u00e4ten 13. Jahrhundert, sieht man mittig oben am Tympanum eine wahrhaft apokalyptische Szene: das letzte Gericht, Gr\u00e4ber \u00f6ffnen sich, Tote werden quicklebendig. An den Seitenstreben des Portals schweift der Blick zu kleineren Darstellungen. Oben findet man hin und wieder Szenen, die dem Genesisbuch zugeordnet werden k\u00f6nnen, wie eine Darstellung von Adam und Eva, die von Gott Kleidung und Arbeitsger\u00e4te gereicht bekommen. Weiter unten und direkt auf Blickh\u00f6he aber tummeln sich Mischwesen und Phantasietiere wie ein Ziegenbock, der mit Menschenhand eine Glocke l\u00e4utet, oder ein Schwein, das ein Streichinstrument spielt. Kunstvoll in die Steine einer gotischen Kathedrale gehauen, konservieren diese Bilder die apokalyptische Vorstellungskraft der Handwerker, die im Mittelalter hier t\u00e4tig waren.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Mittelalter scheint eine Zeit gewesen zu sein, in der apokalyptische Ideen in gro\u00dfer Mode waren. Nicht nur steinerne Zeugen wie die Kathedrale von Rouen beweisen das, sondern auch schriftliche Zeugnisse aus j\u00fcdischer und christlicher Tradition, die bis heute erhalten sind. Dort liest man von Visionen eines gemeinsamen Mahles mit Gott oder einer Wiederer\u00f6ffnung des Paradieses oder einem Gericht, das Gerechte und Ungerechte voneinander trennt und nur Erstere \u00fcberleben l\u00e4sst. Historische Dokumente sprechen von apokalyptischen Predigern, die das Ende der Welt voraussagten, von ekstatisch tanzenden Menschengruppen, die durch Mitteleuropa zogen, von Messiassen, die vor den Toren Roms um Anh\u00e4nger buhlten.<\/p>\n\n\n\n<p>Um der \u201eApokalyptik\u201c auf den Grund zu gehen, muss man aber noch weiter zur\u00fcckschauen. Namensgeberin f\u00fcr den Begriff ist das letzte Buch des Neuen Testaments, die Offenbarung des Johannes, entstanden wahrscheinlich am Ende des ersten Jahrhunderts unserer Zeit. Offenbaren, griechisch <em>apokalypto<\/em>, bedeutet: \u201edas Verborgene sichtbar machen\u201c. In der Offenbarung will der Seher Johannes das ihm offenbarte Wissen an die christlichen Gemeinden weitergeben. Damals verfolgte der r\u00f6mische Staat die fr\u00fchen Christen, sodass diese f\u00fcrchteten, ihre Gemeinde und ihre Welt w\u00fcrde verschwinden. Und auch die j\u00fcdischen Gemeinden hatten in diesen Jahrhunderten und davor \u00e4hnliche Katastrophen erlebt. Im Jahr 70 unserer Zeit zerst\u00f6rten die R\u00f6mer ihr zentrales Heiligtum, den Tempel von Jerusalem. Vorher erlebten J\u00fcdinnen und Juden Exil und Diaspora. Offenbartes (apokalyptisches) Gedankengut, die dramatische Sprache des Kampfes zwischen Gut und B\u00f6se, versprach den Unterdr\u00fcckten und Bedrohten damals Abhilfe. Gott w\u00fcrde am Ende siegen, so die Hoffnung im fr\u00fchen Judentum und fr\u00fchen Christentum, Und mehr noch: Gott hatte den Konflikt schon vorausgesehen und lenkt die Geschichte, glaubte man. Wenn diese Welt, die nicht mehr zu verbessern ist, endet, beginnt eine neue: die Kommende Welt, wie man in der j\u00fcdischen Tradition sagte, das Reich Gottes, wie es das Neue Testament nennt.<\/p>\n\n\n\n<p>Und das ist der gro\u00dfe Unterschied zwischen den Urspr\u00fcngen apokalyptischen Denkens und dem inflation\u00e4ren Gebrauch des Begriffes im heutigen Sprachgebrauch. Heute steht \u201eApokalyptik\u201c allein f\u00fcr das Ende der Welt, fr\u00fcher aber stand es f\u00fcr das Ende der Welt, das dem Neuanfang mit Gott vorausgeht.<\/p>\n\n\n\n<p>Einer frommen Legende nach wurde Martin Luther einmal gefragt, was er denn vom Weltuntergang halte. Er habe geantwortet: \u201eWenn ich w\u00fcsste, dass morgen die Welt unterginge, w\u00fcrde ich heute noch ein Apfelb\u00e4umchen pflanzen.\u201c Selbst wenn diese sch\u00f6ne Legende nicht historisch verortbar ist, zeigt sie uns einen einen Menschen des 16. Jahrhunderts, der dachte wie die fr\u00fchen Apokalyptiker. Das Ende mag vielleicht kommen, aber niemand wei\u00df, wann das geschehen wird. Und der Neuanfang ist schon von Gott geplant.<\/p>\n\n\n\n<p>Allerdings kann man mit dieser fr\u00fchen und eigentlichen Bedeutung des Begriffs \u201eApokalyptik\u201c heute keine Klicks in den Online-Ausgaben der Zeitungen generieren&#8230;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"472\" src=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2023\/09\/Design-ohne-Titel-1-1024x472.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-1389\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2023\/09\/Design-ohne-Titel-1-1024x472.png 1024w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2023\/09\/Design-ohne-Titel-1-300x138.png 300w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2023\/09\/Design-ohne-Titel-1-768x354.png 768w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2023\/09\/Design-ohne-Titel-1-1536x707.png 1536w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2023\/09\/Design-ohne-Titel-1-500x230.png 500w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2023\/09\/Design-ohne-Titel-1.png 2000w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Bild: privat<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"has-blue-color has-text-color\">Claudia D. Bergmann ist Professurvertreterin f\u00fcr Evangelische Theologie mit dem Schwerpunkt Biblische Exegese und Theologie an der Universit\u00e4t Paderborn.<\/p>\n\n\n\n<p>#Apocalypse #Endederwelt #Neuanfang #Spiegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Begriff \u201eApokalypse\u201c ist gerade in aller Munde. Klimaschutz, Kriege wie der in der Ukraine, Verbrenner vs. Elektroautos, Erdbeben, Chemieunf\u00e4lle, \u00dcberschwemmungen &#8211; alle diese Themen werden in den Medien und auch im modernen Sprachgebrauch als \u201eapokalyptisch\u201c bezeichnet. Und auch meine &hellip; <a href=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/2023\/09\/01\/apokalypse-ueberall\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":9271,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-1388","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1388","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/9271"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1388"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1388\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1390,"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1388\/revisions\/1390"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1388"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1388"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1388"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}