{"id":1384,"date":"2023-08-25T10:46:23","date_gmt":"2023-08-25T08:46:23","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/?p=1384"},"modified":"2023-08-25T10:46:23","modified_gmt":"2023-08-25T08:46:23","slug":"zwischen-woken-vibes-und-weihrauchdueften-meine-suche-nach-einer-interkulturellen-identitaet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/2023\/08\/25\/zwischen-woken-vibes-und-weihrauchdueften-meine-suche-nach-einer-interkulturellen-identitaet\/","title":{"rendered":"Zwischen woken Vibes und Weihrauchd\u00fcften: Meine Suche nach einer interkulturellen Identit\u00e4t"},"content":{"rendered":"<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_1384 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_1384')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_1384').socialSharePrivacy({\"txt_help\":\"Wenn Sie diese Felder durch einen Klick aktivieren, werden Informationen an Facebook, Twitter, Flattr, Xing, t3n, LinkedIn, Pinterest oder Google eventuell ins Ausland \\u00fcbertragen und unter Umst\\u00e4nden auch dort gespeichert. 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Wir setzen uns sensibel und meistens selbstkritisch mit Themen wie Rassismus, Sexismus, queeren K\u00e4mpfen und Klimawandel auseinander, hinterfragen und kritisieren Gendernormen mit einem un\u00fcbersehbaren Gendersternchen, k\u00e4mpfen f\u00fcr die Normalisierung von Mental Health-Themen und streben eine befreite Sicht auf Sexualit\u00e4t an. Gepierct und t\u00e4towiert, mit einer Heirat h\u00f6chstens aus steuerlichen Gr\u00fcnden im Hinterkopf, streben wir nach Jobs in Teilzeit, tragen stolz Secondhand-Kleidung und f\u00fcllen unseren Insta-Feed mit inszenierten Fotos des letzten Urlaubs, die ja so viel mehr sind als Schnappsch\u00fcsse. Klassenordnungen? Diese enth\u00fcllen sich uns wohl am deutlichsten, wenn wir vor der \u00fcberteuerten Vielfalt an Tickets der Deutschen Bahn stehen. Und w\u00e4hrend wir unsere Tattoos in veganen Secondhand-Caf\u00e9s sitzend zur Schau tragen, fragen wir uns manchmal mit einem Augenzwinkern, ob wir die Avantgarde der Individualit\u00e4t oder einfach nur Fans von nachhaltigem Koffein-Konsum sind. Inmitten dieser ironischen Verflechtung aus hedonistischem Lebensstil, kritischer Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Normen und beruflichen Perspektiven wird mir zunehmend bewusst, dass mein Arbeitsverh\u00e4ltnis als wissenschaftliche Mitarbeiterin in der katholischen Religionsp\u00e4dagogik nicht mehr nur eine allt\u00e4gliche Verantwortung darstellt, sondern zunehmend zum Katalysator f\u00fcr tiefgreifende Diskussionen \u00fcber Vorurteile und Annahmen in meiner so geliebten \u201awoken\u2018<a href=\"#_ftn1\" id=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Bubble wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Nicht erst seit meinem Umzug nach Berlin stelle ich fest, dass mein Arbeitsverh\u00e4ltnis bei vielen meiner woken Peers zu hochgezogenen Augenbrauen f\u00fchrt: \u201eMoment mal? Du? Katholisch? Ich h\u00e4tte erwartet, dass du in deinem Rucksack einen Haufen feministischer Theorie herumtr\u00e4gst und nicht die Bibel.\u201c Als w\u00e4re ihnen der Messias selbst erschienen, schaut manch eine*r fast panisch, wenn er*sie bemerkt, dass sich eine katholische Himmelsdetektivin in den eigenen Reihen befindet. In diesen erstaunten Gesichtern scheinen meistens nicht blo\u00dfe Neugierde und Interesse auf, sondern Vorurteile und Ablehnung. Ich frage mich zunehmend, wieso ich nicht beides in meinen Rucksack werfen kann. Aber Schwarzsein, Jungsein, Frausein, Wokesein &#8211; all das scheint wohl nicht so recht in das verstaubte Klischee einer Katholikin zu passen. In diesen Erfahrungen spiegelt sich zum einen ein verzerrtes Bild von Theologie und zum anderen eine gesellschaftliche Realit\u00e4t wider, denn Religiosit\u00e4t, und in verst\u00e4rkter Weise Katholizit\u00e4t, wird gerne mit dem Gegenteil von Vernunft und mit Konservatismus gleichgesetzt, als ob der konservative Fl\u00fcgel der Herren in den Klerikerreihen nicht schon genug im Rampenlicht steht.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Rahmen meiner Auseinandersetzung mit machtkritischer Forschung wird mir zunehmend bewusst, dass diese vorherrschenden Bilder von Katholischsein in enger Verkn\u00fcpfung mit von Macht durchdrungenen Selbst- und Fremdrepr\u00e4sentationen im Diskurs stehen. Innerhalb der durch den Diskurs gesetzten Rahmenbedingungen wird deutlich, dass auch in den institutionellen katholischen Hierarchien konservative Ausrichtungen eine sp\u00fcrbare Machtposition innehaben, wodurch sie das Narrativ eines konservativen Katholizismus in signifikanter Weise mitgestalten. Dieses Machtgef\u00fcge wirkt gleichzeitig als Motor f\u00fcr die Marginalisierung abweichender katholischer Identit\u00e4ten, was zu einem vermeintlich einheitlichen und konservativen Bild des Katholizismus f\u00fchrt. Hier wird die immense Wirkmacht des Diskurses deutlich, der nicht nur passiv widerspiegelt, sondern aktiv Realit\u00e4ten konstruiert und formt. Dieser komplexe Zusammenhang ist es, der die erstaunten Reaktionen meiner Peer-Group hervorruft. Angesichts dieser vielschichtigen Dynamik dr\u00e4ngt sich die Frage auf: Welche Darstellungen des Katholizismus dominieren in diesem Szenario, und welche Perspektiven sind marginalisiert? Eine Suche nach Repr\u00e4sentationen von jungen, nicht-<em>wei\u00dfen<\/em>, queeren und behinderten Personen, die sich als katholisch verstehen, sowie nach \u201awoken\u2018 katholischen Weltzug\u00e4ngen, w\u00fcrde sich meines Erachtens nicht nur zugunsten des christlichen \u201aLiebe deinen N\u00e4chsten wie dich selbst\u2018 lohnen, sondern k\u00f6nnte dem Katholizismus auch eine Prise neuer W\u00fcrze verleihen. Oder ist die Suche zwecklos, weil die Woken ihre Kirchenmitgliedschaften bereits abgegeben haben wie die Vorstellung von einer bin\u00e4ren Geschlechterordnung?<\/p>\n\n\n\n<p>Eine nicht zu vernachl\u00e4ssigende Perspektive in diesem Kontext ist, dass sich gerade f\u00fcr uns weniger repr\u00e4sentierten Katholik*innen das Bekenntnis zum Katholischsein als besonders herausfordernd gestaltet. Der Konflikt zwischen Aufrechterhaltung unserer Identit\u00e4t und den ausgrenzenden Praktiken der kirchlichen Institution, stellt uns vor die gro\u00dfe Herausforderung, innerhalb der katholischen Gemeinschaft \u00fcberhaupt unseren Platz zu finden. Dieser Platz will dann noch vor der eigenen kritischen Selbstbetrachtung und vor den hochgezogenen Augenbrauen gerechtfertigt werden. Und meistens f\u00fchlt sich das f\u00fcr mich so an, als ob ich zwischen woken Vibes und Weihrauchd\u00fcften stecke und versuche, im Dunst aus emanzipatorischer Energie und Heiligkeit den Ausgang aus diesem interkulturellen Labyrinth zu finden.<\/p>\n\n\n\n<p>Gl\u00fccklicherweise haben sich bisher alle Personen, dessen hochgezogene Augenbrauen ich bestaunen durfte, schnell davon \u00fcberzeugen lassen, dass mein Katholischsein kein Hindernis f\u00fcr eine Freundschaft oder auch einfach ein nettes Gespr\u00e4ch sein muss. Den Titel eines \u201apositiven katholischen Einzelfalls\u2018 in meiner Bubble mit Stolz zu tragen? Da muss ich passen. Und apropos Christ*insein ohne christliche Gemeinschaft \u2013 w\u00e4re das nicht sowas wie Selfie ohne Filter? In meiner Bubble hingegen erlebe ich eine andere Form der Verbundenheit: ein Netz aus Solidarit\u00e4t und gemeinsamem Engagement f\u00fcr Gleichberechtigung in Kombination mit einem gemeinschaftlichen Ausbrechen aus Arbeitsstress und Verpflichtungen. In dieser Dynamik, die zwischen progressiven K\u00e4mpfen und wohldosierten hedonistischen Fluchten hin und her schwankt, wird f\u00fcr mich eine Art Spiritualit\u00e4t erfahrbar, die wie ein modernes Spiegelbild traditioneller Weisheiten wirkt. Diese Spiritualit\u00e4t offenbart sich mir nicht mehr nur in traditionellen Ritualen, sondern auch in unseren K\u00e4mpfen, unserer Empathie und unserem Streben nach einem gerechteren Miteinander.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend ich zwischen woken Vibes und Weihrauchd\u00fcften jongliere, f\u00fchlt sich meine Suche nach einer interkulturellen Identit\u00e4t an wie eine unendliche Debatte \u00fcber Gendersternchen. Bin ich jetzt Undercover-Katholikin der Woke-Revolution oder eine fromme Wokeologin? Vielleicht brauche ich einfach einen Regenbogen-Rosenkranz.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<p><a id=\"_ftn1\" href=\"#_ftnref1\">[1]<\/a> \u201eWoke\u201c bedeutet im Englischen so viel wie \u201eaufgeweckt\u201c, \u201ewachsam\u201c. Im \u00f6ffentlichen Diskurs wird er oft verwendet, um Personen innerhalb dieses bestimmten sozialen Milieus zu kritisieren, die durch Moralismus, unreflektierte Privilegien und distanziertes Eigenlob auffallen. Ich m\u00f6chte jedoch darauf hinweisen, dass ich die hier beschriebene Gruppe nicht im Sinne einer selbstbezogenen und moralisierenden Haltung als \u201ewoke\u201c verstehe. Vielmehr wird der Begriff ironisch als Selbstbezeichnung verwendet, die eine gewisse Haltung der Wachheit und Bewusstheit f\u00fcr gesellschaftliche Ungleichheit verk\u00f6rpert, die sicherlich aber auch mit blinden Flecken einhergeht.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"723\" src=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2023\/08\/colour-1885352_1280-1024x723.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1385\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2023\/08\/colour-1885352_1280-1024x723.jpg 1024w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2023\/08\/colour-1885352_1280-300x212.jpg 300w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2023\/08\/colour-1885352_1280-768x542.jpg 768w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2023\/08\/colour-1885352_1280-425x300.jpg 425w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2023\/08\/colour-1885352_1280.jpg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-blue-color has-text-color\">Hannah Drath ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut f\u00fcr Katholische Theologie der Universit\u00e4t Paderborn.<\/p>\n\n\n\n<p>#Woke #Katholisch #Diskursmacht #Identit\u00e4t #Interkulturalit\u00e4t<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit ich vor zweieinhalb Jahren den Schritt gewagt habe von Paderborn nach Berlin zu ziehen, kann ich zufrieden feststellen, mich in sozialen R\u00e4umen aufzuhalten, die den Charakter eines Safer Spaces annehmen k\u00f6nnen. 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