{"id":1345,"date":"2023-06-30T11:04:57","date_gmt":"2023-06-30T09:04:57","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/?p=1345"},"modified":"2023-06-30T11:17:55","modified_gmt":"2023-06-30T09:17:55","slug":"nicht-normal","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/2023\/06\/30\/nicht-normal\/","title":{"rendered":"Nicht normal"},"content":{"rendered":"<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_1345 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_1345')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_1345').socialSharePrivacy({\"txt_help\":\"Wenn Sie diese Felder durch einen Klick aktivieren, werden Informationen an Facebook, Twitter, Flattr, Xing, t3n, LinkedIn, Pinterest oder Google eventuell ins Ausland \\u00fcbertragen und unter Umst\\u00e4nden auch dort gespeichert. 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Dass Ressourcen nicht unendlich sind, wusste ich nat\u00fcrlich immer irgendwie (oder zumindest kommt es mir jetzt so vor). Aber erst jetzt, im Angesicht bereits im Juni verbrannter Gr\u00fcnfl\u00e4chen, d\u00e4mmert mir, was endliche Lebensgrundlagen existentiell f\u00fcr mich und meine Familie bedeuten.<\/p>\n\n\n\n<p>Ebenso d\u00e4mmert mir, dass das st\u00e4ndig wiederholte Mantra kapitalistischer Gesellschaften, es m\u00f6ge schnellstm\u00f6glich wieder normal werden, an der Wirklichkeit schlicht vorbeil\u00e4uft. Das Normale von gestern kommt nicht aus ohne ein geh\u00f6riges Ma\u00df an Realit\u00e4tsverweigerung \u2013 auch und vor allem, weil zunehmend klar wird, dass es aus Gr\u00fcnden sozialer und \u00f6kologischer Gerechtigkeit ein anderes Normal braucht. Das gute ist nicht automatisch auch das richtige Leben. Wer aber einmal ernsthaft versucht hat, sein Leben nicht am eigenen Gl\u00fcck, sondern am moralisch Richtigen auszurichten, der wird an zwei Erfahrungen nicht vorbeigekommen sein: Erstens, Gutes tun macht das eigene Leben nicht unbedingt besser. Und zweitens \u2013 noch deutlich frustrierender \u2013 scheint die Welt durch das eigene Handeln \u00fcberhaupt nicht besser zu werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch religi\u00f6se Menschen stecken nat\u00fcrlich in diesem Dilemma, die Welt verbessern zu wollen und an den Grenzen der eigenen M\u00f6glichkeiten und dem Widerstand der Welt zu scheitern. Den christlichen Glauben unterscheidet aber von Utopien an dieser Stelle ein ziemlich harter Realismus: Weder wirst Du die Welt retten, noch Deine eigene Gl\u00fcckseligkeit sichern k\u00f6nnen. Das ist die <em>conditio humana<\/em>, das menschliche <em>Normal<\/em>. Die Frage ist, ob Du <em>glaubst<\/em>, dass es trotzdem sinnvoll und richtig ist, f\u00fcr die Welt und die Menschen zu tun, was Dir m\u00f6glich ist. \u2013 Ob Du glaubst, dass es nicht gleichg\u00fcltig ist, dem Leiden Deiner N\u00e4chsten in Liebe und Freundschaft oder in Egoisums und Zynismus zu begegnen. Christlicher oder sogar religi\u00f6ser Glaube \u00fcberhaupt hat mit einer Stabilisierung dieser Spannung aus anthropologischem Realismus und existentiellem Optimismus zu tun. Er artikuliert das Vertrauen, dass der Einsatz f\u00fcr das Gute (trotz allem) nicht sinnlos ist. Der Glaube kann so entdeckt werden als Ressource f\u00fcr ein Handeln, das nicht vor dem neuen Normal fl\u00fcchten, sondern es zum Guten ver\u00e4ndern will. Ein so verstandener Glaube hat auch s\u00e4kularen Gesellschaften bleibend etwas zu sagen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1007\" height=\"505\" src=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2023\/06\/Screenshot-295.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-1346\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2023\/06\/Screenshot-295.png 1007w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2023\/06\/Screenshot-295-300x150.png 300w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2023\/06\/Screenshot-295-768x385.png 768w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2023\/06\/Screenshot-295-500x251.png 500w\" sizes=\"auto, (max-width: 1007px) 100vw, 1007px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Bild von Pixabay<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"has-blue-color has-text-color\">Prof. Dr. Aaron Langenfeld ist Lehrstuhlinhaber f\u00fcr Fundamentaltheologie und vergleichende Religionswissenschaft an der Theologischen Fakult\u00e4t Paderborn.<\/p>\n\n\n\n<p>#Glaube #Realit\u00e4t #\u00d6kologie #Krisen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich bin 1985 geboren und kann mich aus heutiger Sicht an keinen Mangel erinnern. 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