{"id":1256,"date":"2023-03-31T13:09:37","date_gmt":"2023-03-31T11:09:37","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/?p=1256"},"modified":"2023-03-31T13:09:37","modified_gmt":"2023-03-31T11:09:37","slug":"maria-und-kind-auf-reisen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/2023\/03\/31\/maria-und-kind-auf-reisen\/","title":{"rendered":"Maria und Kind&#8230; auf Reisen"},"content":{"rendered":"<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_1256 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_1256')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_1256').socialSharePrivacy({\"txt_help\":\"Wenn Sie diese Felder durch einen Klick aktivieren, werden Informationen an Facebook, Twitter, Flattr, Xing, t3n, LinkedIn, Pinterest oder Google eventuell ins Ausland \\u00fcbertragen und unter Umst\\u00e4nden auch dort gespeichert. 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Ein Gef\u00fchl des Stolzes, dass sie zur Mutter Gottes geworden ist, und das in ihrem Alter? Vielleicht sind ihre schweren Augenlider aber auch ein Zeichen daf\u00fcr, dass sie wie jede Mutter eines Kleinkindes \u00fcberm\u00fcdet ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Marienaltar aus dem Naumburger Dom, der jetzt im Di\u00f6zesanmuseum Paderborn zu sehen ist, wurde von Michael Triegel geschaffen. Oder vielleicht sagt man besser: komplettiert. Denn der 1968 in Erfurt geborene Leipziger Maler hat mit seiner Mitteltafel einen besch\u00e4digten mittelalterlichen Altar wieder vervollst\u00e4ndigt. Die Fl\u00fcgeltafeln mit Heiligenfiguren und einer Darstellung des Stifters stammen von Lucas Cranach dem \u00c4lteren. 1517-1519 wurde der urspr\u00fcngliche Marienaltar f\u00fcr den Naumburger Dom geschaffen, nach der bilderst\u00fcrmerischen Zerst\u00f6rung 1541 jedoch wieder abgebaut. Der Westchor in Naumburg mit seinen ber\u00fchmten Stifterfiguren war dann bis zum Juli 2022 im Zentrum leer.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In vielerlei Hinsicht ist der alte\/neue Marienaltar ein Kind seiner Zeit, wirkt stilgerecht und doch modern, regt zur Diskussion an. Zu sehen sind mehr Frauen als M\u00e4nner, eher ungew\u00f6hnlich f\u00fcr solche Darstellungen. Keine Engelchen umschweben Maria und ihr Kind, sondern musizierende und lachende M\u00e4dchen stehen um sie herum. Eines h\u00e4lt ein Banner in die H\u00f6he:\u00a0\u201eMagnificat\u201c, als ob sie die Betrachter genau dazu, zum fr\u00f6hlichen Lobpreisen, einladen will. Die Erwachsenen der\u00a0\u201eSacra Conversazione\u201c\u00a0im Hintergrund sind eine Mischung aus Heiligen und Personen der Gegenwart. Petrus wird mit Base-Cap dargestellt, f\u00fcr ihn stand ein Obdachloser in Rom Modell. Paulus erscheint als nachdenklich blickender weiser Rabbiner. Der evangelische Theologe Dietrich Bonhoeffer, der von den Nationalso- zialisten get\u00f6tet wurde, ist deutlich zu erkennen. Ein Kind am Bildrand hat dunkle Haut. F\u00fcr die Mutter der Maria, Anna, empfand der Maler das Abbild seiner Ehefrau nach, f\u00fcr Maria lie\u00df er sich von seiner Tochter inspirieren. Als der Altar wieder neu eingeweiht wur- de, standen der Landesbischof der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, Friedrich Kramer, und sein katholischer Magdeburger Kollege, Bischof Gerhard Feige, gemeinsam im Westchor. Ein Zeichen der Hoffnung auf ein \u00f6kumenisches Miteinander sollte das sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Cranach, der bekannte deutsche K\u00fcnstler der Fr\u00fchen Neuzeit, zusammen mit Triegel, einem renommierten Vertreter der Neuen Leipziger Schule &#8230; das k\u00f6nnte doch eine wunderbare Kombination sein, die Tradition und Gegenwart gelungen verbindet. Das Erzbistum Paderborn spricht von einem\u00a0\u201eepochalen k\u00fcnstlerischen Br\u00fcckenschlag\u201c, der da gelungen ist. Und doch l\u00f6ste dieses Kunstwerk einen Streit aus.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Domstifter, die Michael Triegel beauftragt hatten, und ICOMOS, eine Organisation, die das UNESCO World Heritage Council ber\u00e4t und \u00fcber die Einhaltung der Weltkulturerbe-Kriterien wacht, k\u00f6nnen sich nicht \u00fcber den Verbleib des Altars einigen. Das Retabel sei zu modern, zu gro\u00df, die Sichtachsen gest\u00f6rt, und \u00fcberhaupt k\u00f6nnte der Altar ja \u00fcberall hingestellt werden, nur nicht in den Westchor, dar\u00fcber ist man sich bei ICOMOS einig. Die Bef\u00fcrworterinnen und Bef\u00fcrworter dagegen fragen: Sind Kirchen Museen oder lebendige Orte des Glaubens? Viele Gemeindemitglieder in Naumburg freuen sich \u00fcber den Zuspruch der Touristen und dar\u00fcber, dass in ihrer traditionsreichen Kirche auch Neues wachsen kann. Der leere Westchor mit den Stifterfiguren ist ein wunderbares Kunstwerk. Aber mit dem Altar versehen, bekommt er ein funktionierende Mitte. Alle Stifterfiguren an den W\u00e4n- den schauen dort hin. Warum w\u00e4re das so, wenn sie nicht auf etwas blicken w\u00fcrden?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Mehrzahl der 70.000 Besucherinnen und Besucher, die den Altar in Naumburg erlebt hatten, waren begeistert. Michael Triegels Werk bescherte der Kirche einen Besucherrekord. Viele berichten durchaus emotional, dass sie lange vor dem Altarbild gesessen haben, sich von der leuchtenden und schon von Weitem sichtbaren Maria in den Bann gezogen f\u00fchlten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Seit 2018 ist der Naumburger Dom Weltkulturerbe. Nun ist dieser renommierte Status m\u00f6glicherweise gef\u00e4hrdet. F\u00fcr das Entziehen des Weltkulturerbetitels gibt es auch einen Pr\u00e4zedenzfall. 2004 wurde das Dresdner Elbtal als Kulturlandschaft mit dem Welterbe-Titel geehrt, als aber eine neue Br\u00fccke gebaut wurde, entschied die UNESCO 2009, Dresden den Titel wieder abzuerkennen. In Naumburg f\u00fcrchtet man nun, dass das auch dort geschehen k\u00f6nnte. Und so wurde der Marienaltar am Nikolaustag 2022 wieder abgebaut und verschickt. Erste Station Paderborn. In\u2019s Museum. Vielleicht beruhigt das die Stimmung, erhofft man sich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was tun mit diesen gegens\u00e4tzlichen und emotional aufgeladenen Diskussionen? Die Vereinigten Domstifter und die Landeskirche unterst\u00fctzen den Verbleib des Altars in Naumburg. Landesbischof Friedrich Kramer \u00e4u\u00dferte sich folgenderma\u00dfen exklusiv f\u00fcr diesen Blog-Beitrag:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eDiese Projekt ist gro\u00dfartig, weil es eine historische Wunde markiert. Der Altar wurde im reformatorischen Eifer zerst\u00f6rt und sollte wieder vervollst\u00e4ndigt werden. Dadurch ist ein interessantes modernes Bild entstanden, gemalt von einem K\u00fcnstler, der es mit einem hohen Wissen um Bildsprache und Symbolik gestaltete. Der Altar ist dadurch wieder hergestellt, die \u00c4nderung aber auch markiert. Die heilige Welt um Maria besteht aus Menschen aus unserem Umfeld, das macht es f\u00fcr mich auch noch einmal besonders interessant. Wir haben den Altar in Gebrauch genommen und haben das gro\u00df \u00f6kumenisch gefeiert. Wir finden, dieser Altar ist ein liturgischer Gebrauchsgegenstand und hoffen, dass es bald wieder eine M\u00f6glichkeit gibt, den Altar liturgisch zu nutzen, nat\u00fcrlich ohne das UNESCO-Weltkulturerbe des Doms zu gef\u00e4hrden. Ich finde: Das Zentrum des Naumburger Doms ist wieder hergestellt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wohin der nun wieder vollst\u00e4ndige Cranach-Triegel-Marienaltar geh\u00f6rt, ist auch in seiner weiteren Bildsprache unverkennbar: in den Naumburger Dom. Die R\u00fcckseite der Mitteltafel zeigt den auferstandenen Christus Victor, wie er in der Architektur des Naumburger Doms auf die Betrachterin zugeht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nun ist der Altar aber erst einmal unterwegs. Wohin soll die Reise gehen? Vielleicht k\u00f6nnte man auch diese Frage in den Blick der jungen Mutter Gottes hineininterpretieren. Trotzdem: Willkommen in Paderborn, Maria mit dem Kind!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Naumburger Altar ist noch bis zum 11. Juni 2023 im Di\u00f6zesanmuseum Paderborn zu sehen. Das Museum hat Di-So von 10-18 Uhr ge\u00f6ffnet. Studierende der Universit\u00e4t Pader- born haben mit dem Kulturticket freien Eintritt. Ansonsten kostet die Karte 4,00 Euro.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2023\/03\/Marienaltar-Westchor-Naumburger-Dom-nah\u00a9-Vereinigte-Domstifter-Foto-Falko-Matte-Bildrecht-VG-Bildkunst-Bo-nn-2022-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1259\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2023\/03\/Marienaltar-Westchor-Naumburger-Dom-nah\u00a9-Vereinigte-Domstifter-Foto-Falko-Matte-Bildrecht-VG-Bildkunst-Bo-nn-2022-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2023\/03\/Marienaltar-Westchor-Naumburger-Dom-nah\u00a9-Vereinigte-Domstifter-Foto-Falko-Matte-Bildrecht-VG-Bildkunst-Bo-nn-2022-300x200.jpg 300w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2023\/03\/Marienaltar-Westchor-Naumburger-Dom-nah\u00a9-Vereinigte-Domstifter-Foto-Falko-Matte-Bildrecht-VG-Bildkunst-Bo-nn-2022-768x512.jpg 768w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2023\/03\/Marienaltar-Westchor-Naumburger-Dom-nah\u00a9-Vereinigte-Domstifter-Foto-Falko-Matte-Bildrecht-VG-Bildkunst-Bo-nn-2022-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2023\/03\/Marienaltar-Westchor-Naumburger-Dom-nah\u00a9-Vereinigte-Domstifter-Foto-Falko-Matte-Bildrecht-VG-Bildkunst-Bo-nn-2022-2048x1365.jpg 2048w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2023\/03\/Marienaltar-Westchor-Naumburger-Dom-nah\u00a9-Vereinigte-Domstifter-Foto-Falko-Matte-Bildrecht-VG-Bildkunst-Bo-nn-2022-450x300.jpg 450w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><em>\u00a9 Vereinigte Domstifter,\u00a0<\/em><em>Foto: Falko Matte ;\u00a0 Bildrecht VG-Bildkunst Bonn 2022<\/em>.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-blue-color has-text-color wp-block-paragraph\">PD Dr. Claudia Bergmann ist Professurvertreterin f\u00fcr Evangelische Theologie mit dem Schwerpunkt Biblische Exegese und Theologie an der Universit\u00e4t Paderborn.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">#Naumburg #Dom #Paderborn #Altar #Cranach #Maria #Kunst #Triegel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Da sitzt sie nun, die Maria, und blickt die Betrachterin an. 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