{"id":1233,"date":"2023-02-24T09:37:59","date_gmt":"2023-02-24T08:37:59","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/?p=1233"},"modified":"2023-02-24T09:39:38","modified_gmt":"2023-02-24T08:39:38","slug":"krisen-und-ohnmacht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/2023\/02\/24\/krisen-und-ohnmacht\/","title":{"rendered":"Krisen und Ohnmacht"},"content":{"rendered":"<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_1233 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_1233')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_1233').socialSharePrivacy({\"txt_help\":\"Wenn Sie diese Felder durch einen Klick aktivieren, werden Informationen an Facebook, Twitter, Flattr, Xing, t3n, LinkedIn, Pinterest oder Google eventuell ins Ausland \\u00fcbertragen und unter Umst\\u00e4nden auch dort gespeichert. 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Auf dem Sperrbildschirm meines Smartphones erreichen mich \u00fcber Pushnachrichten die Bilder brennender W\u00e4lder, zerbombter H\u00e4user, hungernder Menschen, Razzien und Menschen auf der Flucht. Best\u00e4tigt wird dieses Bild davon, dass ich seit einiger Zeit \u00fcberall lese, dass wir in Krisenzeiten leben: \u201eVon einer Krise in die N\u00e4chste\u201c, \u201eFastnacht in Krisenzeiten\u201c, \u201eGeld f\u00fcr Bildung in Krisenzeiten\u201c, \u201eVorsorge in Krisenzeiten\u201c usw.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei vielen von uns l\u00f6st die best\u00e4ndige Flut an schlechten Nachrichten Gef\u00fchle der Machtlosigkeit und Ohnmacht aus, denn sie \u00fcberschreiten unseren direkten Einfluss- und Handlungsbereich. Krisen f\u00fchren uns vor Augen, wie komplex unsere globalisierte Welt ist, wie viele Akteur*innen in den Krisen mitspielen und wie sich einige Krisen wie der Klimawandel durch strukturelle Faktoren wie eine kapitalistische und auf Konsum ausgerichtete Grundordnung scheinbar verselbstst\u00e4ndigt haben. Dabei verst\u00e4rkt soziale und strukturelle Ungleichheit f\u00fcr viele das Gef\u00fchl der Ohnmacht und Machtlosigkeit. Menschen sind nicht alle im gleichen Ma\u00dfe von Krisen betroffen und lassen sich auch nicht im gleichen Ma\u00dfe von ihnen betreffen. Die ungleiche Betroffenheit kann u.a. mit strukturellen Ungleichheitsverh\u00e4ltnissen und gesellschaftlichen Exklusionsmechanismen zusammengedacht werden und anschlie\u00dfend sind Sexismus, Rassismus, Ableismus, Queerfeindlichkeit, Klassismus, aber auch die massive globale Ungleichheit als eigene Krisen zu verstehen; als Krisen f\u00fcr die jeweils Schlechtergestellten. Ungleichheitsverh\u00e4ltnisse und Krisen sind ineinander verwoben, werden durch sie ausgel\u00f6st oder l\u00f6sen sie aus.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ich beobachte in meinem sozialen Umfeld zahlreiche Wege des Umgangs mit Krisen. Im Bewusstsein, dass Einzelne die Welt nicht retten k\u00f6nnen und unser individueller Einfluss vielleicht so gering ist wie nie, werden Personen aktiv: Viele junge Menschen setzen sich f\u00fcr Klimagerechtigkeit und -schutz ein, BIPoCs und ihre Allys gehen gegen strukturellen und institutionellen Rassismus auf die Stra\u00dfe, Wissenschaftler*innen analysieren Fragen von Bildungsgerechtigkeit, die \u00e4lteren Generationen bilden sich zum Thema Queerness, viele Menschen spenden Geld, v.a. Frauen erheben ihre Stimme f\u00fcr Geschlechtergerechtigkeit in der katholischen Kirche. Menschen zeigen politisches und soziales Engagement, selbst wenn ihnen ganz bewusst ist, dass sie als Einzelperson keine gro\u00dfe Revolution ausl\u00f6sen werden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ich glaube, dass diese Strategien eine Funktion haben, die \u00fcber den Wunsch von Ver\u00e4nderung und Verbesserung des Status quo hinausgeht. F\u00fcr den*die Einzelne*n, mich eingeschlossen, sind sie wichtige Strategien, das Ohnmachtsgef\u00fchl, den Kontrollverlust, die Machtlosigkeit, die Krisen ausl\u00f6sen, auszuhalten. Im Moment des Aktivismus, des Ehrenamts, des Einsatzes f\u00fcr uns selbst und andere, erlangen wir unsere Agency zur\u00fcck, die die Krise uns nimmt. Ohnmacht kann durch Aktivit\u00e4t ein produktives Potenzial entfalten, kann uns Wege er\u00f6ffnen, ein Gesp\u00fcr f\u00fcr die Krisen im Nahbereich sowie f\u00fcr das Potenzial aus diesen eine nachhaltige Ver\u00e4nderung herbeizuf\u00fchren, zu entwickeln. In diesem Moment kann aus Ohnmacht Macht, aus Passivit\u00e4t Aktivit\u00e4t und aus Akzeptanz Kritik werden. Vor allem besch\u00e4ftigt mich die Frage, ob die Welt nicht schon immer in Krisenzeiten war. Ist nicht die Menschheitsgeschichte eine einzige Krise?&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Und trotz Aktivismus und Engagement bleibt immer ein Rest, der sich unserer individuellen Kontrolle&nbsp;entzieht. Religi\u00f6se Menschen verweisen in diesem Rest auf Gott, auf etwas H\u00f6heres, dessen Gr\u00f6\u00dfe und Transzendenz unzug\u00e4nglich f\u00fcr uns bleibt. F\u00fcr mich bleibt v.a. die Hoffnung auf etwas Gr\u00f6\u00dferes, das im direkten Gegensatz zu meinem Krisenerleben steht und darauf, dass ich das bleibende Gef\u00fchl der Machtlosigkeit annehmen kann, denn ich als Mensch bin nicht daf\u00fcr bestimmt, alle Z\u00fcgel in der Hand zu halten. Krisenzeiten in einer globalisierten Welt bedeuten nicht nur die M\u00f6glichkeit zur nachhaltigen Ver\u00e4nderung, sondern auch die Notwendigkeit,&nbsp;<em>Survival Strategies<\/em>&nbsp;im Gewahrsein eines Ohnmachtempfindens zu entwickeln.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"860\" src=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2023\/02\/protest-g14ef3e078_1920-1024x860.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1234\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2023\/02\/protest-g14ef3e078_1920-1024x860.jpg 1024w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2023\/02\/protest-g14ef3e078_1920-300x252.jpg 300w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2023\/02\/protest-g14ef3e078_1920-768x645.jpg 768w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2023\/02\/protest-g14ef3e078_1920-1536x1290.jpg 1536w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2023\/02\/protest-g14ef3e078_1920-357x300.jpg 357w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2023\/02\/protest-g14ef3e078_1920.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-blue-color has-text-color\">Hannah Drath ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Fachbereich f\u00fcr Katholische Religionsdidaktik an der Universit\u00e4t Paderborn.<\/p>\n\n\n\n<p>#Aktivismus #Krisen #Ohnmacht #Diskriminierung<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erdbeben in Syrien und der T\u00fcrkei, Massenproteste und Hinrichtung von Demonstrierenden im Iran, Krieg in der Ukraine, Inflation, Hungerkrise in Ostafrika, Pandemien, Missbrauchsf\u00e4lle und der Umgang damit in den Kirchen, Fluchtbewegungen, Wohnungsnot und Wohnungslosigkeit, Pandemien, der wachsende Nationalismus in Europa, &hellip; <a href=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/2023\/02\/24\/krisen-und-ohnmacht\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":8966,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-1233","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1233","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/8966"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1233"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1233\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1237,"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1233\/revisions\/1237"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1233"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1233"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1233"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}