{"id":1218,"date":"2023-02-03T08:20:50","date_gmt":"2023-02-03T07:20:50","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/?p=1218"},"modified":"2023-02-03T08:22:19","modified_gmt":"2023-02-03T07:22:19","slug":"wenn-die-worte-waffen-sind","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/2023\/02\/03\/wenn-die-worte-waffen-sind\/","title":{"rendered":"Wenn die Worte Waffen sind"},"content":{"rendered":"<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_1218 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_1218')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_1218').socialSharePrivacy({\"txt_help\":\"Wenn Sie diese Felder durch einen Klick aktivieren, werden Informationen an Facebook, Twitter, Flattr, Xing, t3n, LinkedIn, Pinterest oder Google eventuell ins Ausland \\u00fcbertragen und unter Umst\\u00e4nden auch dort gespeichert. 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Kurz gesagt sie bringen die Welt (Un)ordnung nicht offensichtlich aus dem Gleichgewicht.&nbsp;Ich beziehe mich auf Beleidigungen, Erniedrigungen, Spott zwischen Menschen, auf jene Ausdr\u00fccke, die ma\u00dflos sein k\u00f6nnen, die eine bestimmte Person betreffen und die Beziehungen zwischen Individuen beeintr\u00e4chtigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Mischna&nbsp;Bava Metzia 4:10&nbsp;(2 Jh. u.Z.) erw\u00e4hnt, dass ein Betrug (<em>Honaa<\/em>) in einer kommerziellen Transaktion vergleichbar&nbsp;mit einer Beleidigung durch Worte (auf Hebr\u00e4isch auch&nbsp;<em>Honaa<\/em>) ist.&nbsp;Der babylonische Talmud setzt diese Diskussion in Baba Metzia 58b zu diesem Thema fort und konzentriert sich dabei ausdr\u00fccklich auf die Folgen einer Kr\u00e4nkung im Vergleich mit anderen Straftaten. Eine Kr\u00e4nkung\/ Beleidigung, laut Talmud, ist eine sch\u00e4ndliche Tat, die mit einer f\u00fcr den rabbinischen Kodex extremen Strafen geahndet wird, n\u00e4mlich das Verbot des Eintritts in die kommende Welt (<em>Olam haba<\/em>).<\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt keine Reue f\u00fcr das Ausma\u00df der Tat.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Person zu beleidigen ist ein Angriff auf den K\u00f6rper, sie gleicht einer Tat \u201edes Blutvergie\u00dfens\u201c (w\u00e4hrend ein Betrug das Finanzielle, aber nicht das K\u00f6rperlich-Emotionale betrifft). Eine Beleidigung ist ein schwerwiegenderes Verbrechen als Ehebruch mit einer verheirateten Frau, so argumentiert der Talmud. Wenn man die Beleidigung \u00f6ffentlich ausspricht erh\u00f6ht sich die Schwere der Tat noch mehr. Eine besondere Form w\u00e4re es, eine Person wiederholt mit Spitznamen anzusprechen, da dies nach alter Definition, vergleichbar mit unserem heutigen Mobbing ist.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Viele Jahrhunderte sp\u00e4ter widmete sich der Chatam Sofer (1762-1869) in einer ganzen Abhandlung dem Lashon hara, (schwatzen, tratschen, l\u00e4stern). Siebenhundert Seiten mit detaillierten Gedanken dar\u00fcber, wie sch\u00e4dlich, unumkehrbar und zerst\u00f6rerisch das Reden \u00fcber andere f\u00fcr die Protagonisten&nbsp;und&nbsp;letztlich f\u00fcr die Gesellschaft als Ganzes sein kann. Der Text unterstreicht die negative Rolle, nicht nur von denjenigen, die das L\u00e4stern initiieren, sondern auch von denjenigen, die ihnen zuh\u00f6ren und sie fortsetzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Wert des ausgesprochenen Wortes, das Lernen und die Kontrolle dar\u00fcber, wie es d<s>ie<\/s>&nbsp;die oben erw\u00e4hnten Texte vorschlagen, bem\u00fchen sich somit, ein Leben in einer kleinen Gesellschaft, in der Gemeinschaft und in der Familie zu regeln.&nbsp;&nbsp;Es h\u00f6rt sich so leicht an kontrollieren zu k\u00f6nnen, was aus dem eigenen Mund kommt, aber der Alltag beweist, dass es wohl doch scheinbar einer der am wenigsten kontrollierbaren Handlungen ist.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eDa bildete der Ewige, Gott den Menschen aus Staub von dem Erdboden. Und blies in seine Nase den Hauch des Lebens, und es ward der Mensch zu einem Leben-Atmenden\u201c (Gen. 2:7)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Der biblische Text Gen. 2, 7 beschreibt hier die Erschaffung des Menschen als&nbsp;<em>Nefesh haia<\/em>, Leben-Atmenden.&nbsp;Raschi (11. Jh. u.Z.) erkl\u00e4rt diesen Vers so, dass die Erschaffung des Menschen n\u00f6tig war, um das irdische Verh\u00e4ltnis und das g\u00f6ttliche Verh\u00e4ltnis der Sch\u00f6pfung auszugleichen. W\u00e4hrend die Sch\u00f6pfung des Himmels, der fliegenden Tiere und der Sterne aus den himmlischen Bereichen stammen, entstehen die Erde, die Meere und die Tiere aus dem irdischen Bereich. Der H\u00f6hepunkt der Sch\u00f6pfung ist der Mensch, der die Qualit\u00e4ten beider R\u00e4ume in sich vereint. Die Exegeten interpretieren \u201eden Hauch des Lebens\u201c (<em>Nefesch<\/em>) als die menschliche Seele, die durch Sprache zum Ausdruck kommt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Aber wie kann man dann diese G\u00f6ttlichkeit der Seele mit \u00fcblen und zerst\u00f6rerischen Worten verunglimpfen?&nbsp;J\u00fcdische Quellen f\u00fchren aus, dass die Kommunikation&nbsp;<em>zwischen<\/em>&nbsp;und&nbsp;<em>\u00fcber<\/em>&nbsp;andere eine Grundlage f\u00fcr den sozialen Frieden ist.&nbsp;Diese Sprache, vielleicht eine der zug\u00e4nglichsten Ressourcen, muss geschult, erzogen und kontrolliert werden, um den Anderen nicht zu verletzen. Kleine Notl\u00fcgen k\u00f6nnen sogar akzeptiert werden, wenn sie dazu beitragen, eine Beziehung zu befrieden (wie es der Fall bei Aharon ist, von dem Hillel sagt, dass er &#8222;den Frieden liebt und ihm nachjagt&#8220;.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Das Predigen oder die Lehre einer sorgf\u00e4ltigen Ausdrucksweise k\u00f6nnte eine der ersten M\u00f6glichkeiten sein, um unwiederbringliche Trag\u00f6dien zu vermeiden.&nbsp;In der sch\u00f6nen und naiven Anziehungskraft dieser Lehre liegt vielleicht das Geheimnis, wenn nicht f\u00fcr den Weltfrieden, so doch f\u00fcr ein friedlicheres Zusammenleben.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2023\/02\/painting-g7400ecfa6_1920-1024x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1219\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2023\/02\/painting-g7400ecfa6_1920-1024x1024.jpg 1024w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2023\/02\/painting-g7400ecfa6_1920-300x300.jpg 300w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2023\/02\/painting-g7400ecfa6_1920-150x150.jpg 150w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2023\/02\/painting-g7400ecfa6_1920-768x768.jpg 768w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2023\/02\/painting-g7400ecfa6_1920-1536x1536.jpg 1536w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2023\/02\/painting-g7400ecfa6_1920.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-blue-color has-text-color\">Liliana Furman ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Pnina Nav\u00e8 Levinson Seminar f\u00fcr J\u00fcdische Studien der Universit\u00e4t Paderborn.<\/p>\n\n\n\n<p>#Mobbing #L\u00e4stern #Beleidigung #Miteinander #Zusammenleben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Zeiten von Kriegen in unserer N\u00e4he und in der Ferne scheint es weniger wichtig zu sein, einige Konflikte oder Spannungen zu erw\u00e4hnen, die auf den ersten Blick nicht gef\u00e4hrlich erscheinen. 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