{"id":1206,"date":"2023-01-20T08:50:40","date_gmt":"2023-01-20T07:50:40","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/?p=1206"},"modified":"2023-01-20T08:50:40","modified_gmt":"2023-01-20T07:50:40","slug":"zur-bedeutung-der-kyniker-fuer-gegenwart-und-zukunft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/2023\/01\/20\/zur-bedeutung-der-kyniker-fuer-gegenwart-und-zukunft\/","title":{"rendered":"Zur Bedeutung der Kyniker f\u00fcr Gegenwart und Zukunft"},"content":{"rendered":"<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_1206 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_1206')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_1206').socialSharePrivacy({\"txt_help\":\"Wenn Sie diese Felder durch einen Klick aktivieren, werden Informationen an Facebook, Twitter, Flattr, Xing, t3n, LinkedIn, Pinterest oder Google eventuell ins Ausland \\u00fcbertragen und unter Umst\\u00e4nden auch dort gespeichert. 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Der Name leitet sich entweder vom griechischen Wort \u201ekyon\u201c ab, was \u201eHund\u201c bedeutet, oder vom Gymnaseion Kynosarges, wo der erste Kyniker, Antisthenes von Athen (ca. 445-365 v. Chr.), sich mit seinen Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern traf. Gegenw\u00e4rtig wird haupts\u00e4chlich der Begriff des Zynischen mit den Kynikern assoziiert; kaum wahrgenommen wird hingegen das Potenzial der kynischen Philosophie f\u00fcr die Gegenwart und die Zukunft.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die sich zuspitzende Klimakrise zeigt, dass zivilisatorische Annehmlichkeiten nicht nur auf ungerechte Weise errungen und verteilt werden, sondern es erweisen sich auch vermeintliche G\u00fcter als \u00dcbel. Deshalb ist die kynische radikale Zivilisationskritik wichtig: Die Kyniker lehnten alle zivilisatorischen Errungenschaften, Werte, Normen, G\u00fcter und Institutionen ab und lie\u00dfen nur moralische Normen im strengen sokratischen Sinne gelten. \u201eSittlichkeit gen\u00fcgt vollkommen zum Gl\u00fcck\u201c (DL, 6, 11), ist der zentrale kynische Grundsatz.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eMein Verm\u00f6gen ist nicht mein Eigentum. Verwandte, Hausgenossen, Freunde, Ansehen, gewohnte \u00d6rtlichkeiten, Besch\u00e4ftigung: all das sind fremde Dinge\u201c (Epiktet, dissert. 3, 24, 67). Hipparchia von Maroneia (geb. um 340 v. Chr.) und Krates von Theben (ca. 365-285 v. Chr.) gaben den Reichtum, in den sie jeweils geboren worden waren, auf, um Kyniker zu werden, und sie feierten ihre Hochzeit, nackt, mitten am Tag auf dem Marktplatz in Athen, ohne Geschenke, ohne G\u00e4ste, ohne Festmahl, nur auf die Hochzeitsnacht reduziert. Die Kunde von dieser Aktion ging nat\u00fcrlich viral. Mehr als 300 Jahre sp\u00e4ter, in Rom, waren Hipparchia und Krates noch so bekannt, dass man sie als Wandgem\u00e4lde verewigte.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"737\" src=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2023\/01\/Crates_and_Hipparchia_Villa_Farnesina.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1207\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2023\/01\/Crates_and_Hipparchia_Villa_Farnesina.jpg 1024w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2023\/01\/Crates_and_Hipparchia_Villa_Farnesina-300x216.jpg 300w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2023\/01\/Crates_and_Hipparchia_Villa_Farnesina-768x553.jpg 768w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2023\/01\/Crates_and_Hipparchia_Villa_Farnesina-417x300.jpg 417w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Quelle: https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hipparchia#\/media\/Datei:Crates_and_Hipparchia_Villa_Farnesina.jpg<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eWas ist nun dein? \u2013 Der Gebrauch meiner Gedanken. Diesen habe ich [\u2026] ungehindert und ungezwungen. Niemand kann mich davon abhalten, niemand mich n\u00f6tigen, sie anders zu gebrauchen, als ich will\u201c (Epiktet, dissert. 3, 24, 67).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Ansicht, dass Nationalstaaten \u201eAuslaufmodelle\u201c seien, findet heute zunehmend Zustimmung. Den Kynikern zufolge sind Staaten, Grenzen und allein die Vorstellung, dass ein Mensch \u00fcber einen anderen Menschen herrscht, generell abzulehnen. \u201eDie einzig richtige Staatsordnung ist die Weltordnung\u201c (DL 6, 72).&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was wir uns gegenw\u00e4rtig durch Quotierungen oder Gleichstellungsprogramme m\u00fchsam abzuringen versuchen, war f\u00fcr die Kyniker selbstverst\u00e4ndlich. \u201eDie Sittlichkeit des Mannes und der Frau ist dieselbe\u201c (DL 6, 12), Kindern geb\u00fchrt derselbe Respekt wie Erwachsenen, jegliche Klassenunterschiede sind falsch. Diogenes von Sinope (ca. 413-323 v. Chr.) bat nicht nur Alexander, den Gro\u00dfen, darum, er m\u00f6ge ihm aus der Sonne gehen (DL 6, 38), sondern er war auch ein bei Kindern wie Eltern beliebter Erzieher (vgl. DL 6, 31-32) und erkannte Kinder als Lehrer an (vgl. DL 6, 37).&nbsp;Wie allen Menschen und auch den Tieren, die den Menschen Vorbilder in der naturgem\u00e4\u00dfen Lebensweise sind, geb\u00fchrt der Gesamtheit des Seienden den Kynikern zufolge unterschiedslos Respekt, \u201e[a]lles ist voll von Gott\u201c (DL 6, 37).&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Literatur:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diogenes Laertius:&nbsp;<em>Leben und Meinungen ber\u00fchmter Philosophen<\/em>. Ungek\u00fcrzte Sonderausgabe, \u00fcbersetzt und erl\u00e4utert von Otto Apelt, unter Mitarbeit von Hans G\u00fcnter Zekl und mit einem Vorwort versehen von Klaus Reich, Hamburg, 1998.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Epiktet:&nbsp;<em>Dissertationes. Das Buch vom Gegl\u00fcckten Leben<\/em>, \u00fcbersetzt von Karl Conz, \u00fcberarbeitet von Kai Kilian, K\u00f6ln, 2006.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-blue-color has-text-color wp-block-paragraph\">Dr. Daniela Zumpf ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Didaktik der Philosophie an der Universit\u00e4t Paderborn und zust\u00e4ndig f\u00fcr das Praxissemester im Fach Philosophie.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">#Kynismus #Tugend #Gleichheit #Weltb\u00fcrgertum #Pantheismus #Philosophie<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Sokrates gingen verschiedene philosophische Str\u00f6mungen aus, die bekannteste und einflussreichste begr\u00fcndete Platon. Zu den weniger bekannten \u201ekleinen Sokratikern\u201c z\u00e4hlt die Gruppe der Kynikerinnen und Kyniker. 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