{"id":1174,"date":"2022-12-09T08:56:41","date_gmt":"2022-12-09T07:56:41","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/?p=1174"},"modified":"2022-12-09T08:56:41","modified_gmt":"2022-12-09T07:56:41","slug":"wozu-dialektik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/2022\/12\/09\/wozu-dialektik\/","title":{"rendered":"Wozu Dialektik?"},"content":{"rendered":"<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_1174 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_1174')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_1174').socialSharePrivacy({\"txt_help\":\"Wenn Sie diese Felder durch einen Klick aktivieren, werden Informationen an Facebook, Twitter, Flattr, Xing, t3n, LinkedIn, Pinterest oder Google eventuell ins Ausland \\u00fcbertragen und unter Umst\\u00e4nden auch dort gespeichert. 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Zum Beispiel nehmen wir (wie es Parmenides im homonymen Platonischen Dialog tut) die Idee des&nbsp;Einen&nbsp;und betrachten Sokrates: Sokrates ist&nbsp;eins&nbsp;(er ist&nbsp;ein&nbsp;Mensch mit&nbsp;einem&nbsp;Namen,&nbsp;einem&nbsp;K\u00f6rper) und ist zugleich aber nicht eins (sein K\u00f6rper besteht aus&nbsp;vielen&nbsp;Teilen, au\u00dferdem vollzieht er&nbsp;viele&nbsp;Handlungen, hatte&nbsp;viele&nbsp;verschiedene Eigenschaften in den&nbsp;vielen&nbsp;verschiedenen Stadien seines Lebens). D.h.&nbsp;Einheit&nbsp;und&nbsp;Vielheit&nbsp;scheinen ineinander \u00fcberzugehen, wenn sie an dem konkreten Fall des Sokrates betrachtet werden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Daher stellt sich die Frage: Sollen wir diese Begriffe (Einheit, Vielheit, Gerechtigkeit usw.) beseitigen, und z.B. einfach davon ausgehen, dass es sie nicht gibt, und dass sie f\u00fcr uns nicht interessant sind? Wie Parmenides im homonymen Platonischen Dialog sagt, k\u00f6nnen wir das nicht tun, weil diese Begriffe uns wieder einfangen: Sie bilden die Grundlage unseres Miteinander-Seins und Sprechens. Sobald wir den Mund aufmachen, um etwas zu sagen, setzen wir sie voraus und werden von ihnen begleitet. Betrachten wir z.B. den Begriff der&nbsp;Wahrheit.&nbsp;Nehmen wir an, dass wir sagen:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDie Wahrheit existiert nicht\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie Aristoteles im IV. Buch der&nbsp;<em>Metaphysik<\/em>&nbsp;schreibt, wenn wir behaupten, dass&nbsp;Wahrheit&nbsp;nicht existiert, dann erheben wir damit den Anspruch, dass das, was wir sagen, wahr ist. Obwohl wir versuchen, die Wahrheit zu beseitigen, f\u00e4ngt sie uns wieder ein. Oder betrachten wir den Begriff der&nbsp;Existenz. Nehmen wir an, dass jemand behauptet:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eNichts existiert\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn wir sagen: \u201enichts existiert\u201c dann muss es doch etwas geben (zumindest muss es den Satz, den wir \u00e4u\u00dfern, geben und wir m\u00fcssen als diejenigen, die den Satz \u00e4u\u00dfern, existieren, um diesen Satz zu \u00e4u\u00dfern).&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Wie sollen wir dann mit diesen Grundbegriffen\/Ideen umgehen? Die Tradition der Dialektik sagt uns, dass wir den Widerspruch als Instrument auffassen sollen, um die Wahrheit \u00fcber die Ideen zu finden und um \u00fcber die Ideen zu denken und all das zu finden, was es \u00fcber eine Idee zu sagen gibt. Der Widerspruch (die krankheitserregende Natur der Idee) wird zur Methode des Umgangs mit der Idee (die Medizin).<\/p>\n\n\n\n<p>Dialektik als der methodisch und programmatisch eingesetzter Widerspruch hilft uns daher, die Wahrheit \u00fcber die Grundbegriffe und Ideen zu finden, die unser Leben und unser Handeln leiten \u2014 d.h. auch, sie hilft uns, Streitigkeiten zu l\u00f6sen, die wir mit den Menschen haben, mit denen wir sprechen und leben und die aufgrund der Unklarheit bez\u00fcglich dieser Grundbedingungen unserer Existenz entstehen. Dialektik hilft uns, um philosophisch zu arbeiten, d.h. um nach der Natur der Grundbegriffe wie das Gute, die Freiheit, die Gerechtigkeit, die Wahrheit zu fragen, Texte dar\u00fcber zu schreiben, Vortr\u00e4ge dar\u00fcber zu halten. Da die Grundbegriffe und Ideen sehr m\u00e4chtig sind, da sie die Grundlage unseres Denkens und Lebens und unsere Beweggr\u00fcnde ausmachen, ist die Kenntnis \u00fcber sie die Macht, die wir haben, um nicht von ihnen blind gef\u00fchrt zu werden, sondern um sie bewusst einzusetzen, wenn wir sie brauchen. Dialektik hilft uns dazu.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"682\" src=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2022\/12\/yes-973983_1280-1024x682.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1175\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2022\/12\/yes-973983_1280-1024x682.jpg 1024w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2022\/12\/yes-973983_1280-300x200.jpg 300w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2022\/12\/yes-973983_1280-768x512.jpg 768w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2022\/12\/yes-973983_1280-450x300.jpg 450w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2022\/12\/yes-973983_1280.jpg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-blue-color has-text-color\">PD Dr. Elena Ficara ist Privatdozentin f\u00fcr Philosophie und Bildung an der Universit\u00e4t Paderborn.<\/p>\n\n\n\n<p>#Dialektik #Philosophie #Leben #Aristoteles #Platon #Hegel #Wahrheit #Existenz<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der antiken Tradition des Nachdenkens \u00fcber Dialektik, die von Hegel revitalisiert worden und systematisch in seinem philosophischen Werk angewendet worden ist, ist die Dialektik eng mit der These verkn\u00fcpft, dass es einige seltsame Begriffe (die Ideen) gibt, die unser &hellip; <a href=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/2022\/12\/09\/wozu-dialektik\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":8966,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-1174","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1174","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/8966"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1174"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1174\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1179,"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1174\/revisions\/1179"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1174"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1174"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1174"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}