{"id":117,"date":"2020-01-11T16:03:18","date_gmt":"2020-01-11T15:03:18","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/?p=117"},"modified":"2021-11-26T08:52:03","modified_gmt":"2021-11-26T07:52:03","slug":"der-andere-bund","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/2020\/01\/11\/der-andere-bund\/","title":{"rendered":"Der &#8218;andere&#8216; Bund"},"content":{"rendered":"<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_117 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_117')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_117').socialSharePrivacy({\"txt_help\":\"Wenn Sie diese Felder durch einen Klick aktivieren, werden Informationen an Facebook, Twitter, Flattr, Xing, t3n, LinkedIn, Pinterest oder Google eventuell ins Ausland \\u00fcbertragen und unter Umst\\u00e4nden auch dort gespeichert. N\\u00e4heres erfahren Sie durch einen Klick auf das <em>i<\\\/em>.\",\"settings_perma\":\"Dauerhaft aktivieren und Daten\\u00fcber-tragung zustimmen:\",\"info_link\":\"http:\\\/\\\/www.heise.de\\\/ct\\\/artikel\\\/2-Klicks-fuer-mehr-Datenschutz-1333879.html\",\"uri\":\"https:\\\/\\\/blogs.uni-paderborn.de\\\/zekkblog\\\/2020\\\/01\\\/11\\\/der-andere-bund\\\/\",\"post_id\":117,\"post_title_referrer_track\":\"Der+%26%238218%3Bandere%26%238216%3B+Bund\",\"display_infobox\":\"on\"});}});\n\/* ]]> *\/<\/script><\/div>\n<p>Bundestheologie ist ein ausgezeichnetes Feld f\u00fcr die komparative Theologie, um das jeweils andere Verst\u00e4ndnis vom biblischen Bund zwischen Gott und den Menschen im Judentum, Christentum und Islam zu erhellen. Im Wintersemester 2019\/20 diskutierte ich unter dem Titel <em>Der andere Bund \u2013 eine zwischen Juden und Christen bleibende Frage<\/em> mit drei Professor*innen aus der katholischen und evangelischen Theologie \u00fcber die Frage, ob Juden und Christen exakt denselben Bund f\u00fcr sich reklamieren k\u00f6nnen, der ihre jeweilige religi\u00f6se Tradition begr\u00fcndet \u2013 oder ob heute eine Theologie des religi\u00f6sen Pluralismus vonn\u00f6ten ist, der zufolge Gott den Bund unter wandelnden gesellschaftlichen Realit\u00e4ten und mit verschiedenen Adressaten immer wieder neu und anders errichtet.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Zentrum dieser Podiumsdiskussion stand zun\u00e4chst die allgemein kritisierte These des ehemaligen Papstes Benedikt XVI. vom nie gek\u00fcndigten Bund Gottes mit den Juden (Aufsatz in <em>Communio<\/em>, Juli 2018). Gegen\u00fcber der bekannten Kritik einer &#8218;Substitutionstheorie&#8216; in neuem Gewande, erhellte mein Kollege Prof. Klaus von Stosch, die Zweischneidigkeit von Benedikts These. Sie sei auch als ein Fortschritt anzusehen, weil sie die viel zu lange vorherrschende Vorstellung zur\u00fcckweist, wonach der &#8218;alte Bund&#8216; Gottes mit den Juden durch einen &#8217;neuen Bund&#8216; mit den Christen abgel\u00f6st (substituiert) worden sei. Die Zweischneidigkeit dieser These liege allerdings darin, dass sich Christen nunmehr als Mitglieder desselben Bundes mit den Juden betrachten k\u00f6nnen, zugleich aber die Deutungshoheit behalten wollen.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend es einerseits hilfreich war, die zumeist nur kritisch rezipierten \u00c4u\u00dferungen des Papstes auch einmal in ihrem positiven Gehalt zu w\u00fcrdigen, wurde zugleich das theologische Problem klar. Allein schon das zahlenm\u00e4\u00dfige \u00dcbergewicht der Christen gegen\u00fcber den Juden auf der Welt \u2013 das sich auf dem Podium in vier (!) Professor*innen, einschlie\u00dflich des Moderators auf der christlichen Seite, gegen\u00fcber mir als einziger j\u00fcdischen Theologin ausdr\u00fcckte \u2013 stand f\u00fcr mich die These vom ungek\u00fcndigten Bundes zun\u00e4chst einmal in dem kritisch zu beleuchtenden Machtgef\u00e4lle des Christentums als Mehrheitsreligion mit tradiertem Dominanzanspruch, gegen\u00fcber der j\u00fcdischen Minderheit, die jahrhundertelang f\u00fcr das das \u00dcberleben ihrer religi\u00f6sen Identit\u00e4t k\u00e4mpfen musste. Benedikts Ausf\u00fchrungen zum ungek\u00fcndigten Bundes setzen den Versuch der religi\u00f6sen Vereinnahmung, ohne die j\u00fcdische Ansicht vom Bund ernst zu nehmen, fort.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Veranstaltung schloss zugleich an das von mir gehaltene Seminar <em>Judentum als politische Theologie<\/em> an. Darin nahm die Bedeutung des Bundes eine zentrale Rolle ein. F\u00fcr die Studierenden war die j\u00fcdische Auslegungsgeschichte der in der Tora beschriebenen Bundesschl\u00fcsse etwas ganz Neues. Intensiv analysierten sie mit mir verschiedene Kapitel des Pentateuchs auf ihr Bundesverst\u00e4ndnis hin \u2013 zum Beispiel die als gesondertes &#8218;Bundesbuch&#8216; bezeichneten Kapitel 21-25 im 2. Buch Mose, oder der als Oppositionen von Segen und Fl\u00fcchen dargestellte Bundesschluss in den Kapiteln 29-30 im 5. Buch Mose. Die j\u00fcdische Theologie der Bundesschl\u00fcsse f\u00fchrt in jeweils eigene Ausgestaltungen g\u00f6ttlichen Rechts. Als Gesetzeskataloge enthalten sie konkrete Inhalte, die jeweils eine eigene emanzipatorische Richtung aufweisen \u2013 etwa die Freilassung der Sklaven alle sieben Jahre oder die Umwandlung des Talionsprinzips in ein System des Schadensersatzes oder der Durchbruch spezieller Frauenrechte in einem grunds\u00e4tzlich patriarchalischen System.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die j\u00fcdische Theologie hat kein Problem damit, dass Gott in unterschiedlichen gesellschaftlichen Wirklichkeiten verschiedene B\u00fcnde geschlossen hat. Vor dem gro\u00dfen Bundesschluss am Sinai gab es in der Tora schon B\u00fcnde mit Adam, mit Noah und der Sch\u00f6pfung, und mit Abraham. Sind sie der immer selbe Bund, lediglich mit unterschiedlichen Formulierungen? Oder sind es eigene, f\u00fcr sich stehende und unabh\u00e4ngig auszudeutende B\u00fcnde?&nbsp;In der Diskussion vertrat ich die Haltung, dass wir uns um die Chance einer Theologie religi\u00f6sen Pluralismus bringen, wenn wir die Gehalte der jeweiligen B\u00fcnde zu einem einzigen gro\u00dfen Bund verwischen. Prof. Angelika Strotmann kn\u00fcpfte an Norbert Lohfinks Vorschlag von &#8218;einem Bund, jedoch zwei Wegen&#8216; (Judentum und Christentum) an. Prof. Helga Kuhlmanns Ausf\u00fchrungen brachten wiederum die Vorstellung von einem &#8218;Bund Jakobs&#8216; ins Spiel, also das von einem Bund Gottes mit dem Vater der zw\u00f6lf israelitischen St\u00e4mme. Letzterer bietet einen auch f\u00fcr mich interessanten Impuls, der zu einer Theologie eines pluralistischen Bundes f\u00fchren k\u00f6nnte. In einem &#8218;Bund Jakobs&#8216; k\u00f6nnten sich vielleicht die verschiedenen religi\u00f6sen Traditionen in der Nachfolge der verschiedenen St\u00e4mme verstehen, die aus Jakob hervorgegangen sind. Wichtig bleibt jedenfalls die M\u00f6glichkeit der Andersheit und damit erst Eigenheit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right has-blue-color has-text-color\">Prof. Dr. Elisa Klapheck ist Rabbinerin in Frankfurt und Professorin f\u00fcr J\u00fcdische Studien an der Universit\u00e4t Paderborn.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bundestheologie ist ein ausgezeichnetes Feld f\u00fcr die komparative Theologie, um das jeweils andere Verst\u00e4ndnis vom biblischen Bund zwischen Gott und den Menschen im Judentum, Christentum und Islam zu erhellen. Im Wintersemester 2019\/20 diskutierte ich unter dem Titel Der andere Bund &hellip; <a href=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/2020\/01\/11\/der-andere-bund\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":8594,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-117","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/117","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/8594"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=117"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/117\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":856,"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/117\/revisions\/856"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=117"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=117"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=117"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}