{"id":1059,"date":"2022-07-29T12:57:57","date_gmt":"2022-07-29T10:57:57","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/?p=1059"},"modified":"2022-07-29T12:57:57","modified_gmt":"2022-07-29T10:57:57","slug":"religion-unterrichten-vorsicht-hochspannung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/2022\/07\/29\/religion-unterrichten-vorsicht-hochspannung\/","title":{"rendered":"<strong>Religion unterrichten: Vorsicht, Hochspannung!<\/strong>"},"content":{"rendered":"<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_1059 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_1059')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_1059').socialSharePrivacy({\"txt_help\":\"Wenn Sie diese Felder durch einen Klick aktivieren, werden Informationen an Facebook, Twitter, Flattr, Xing, t3n, LinkedIn, Pinterest oder Google eventuell ins Ausland \\u00fcbertragen und unter Umst\\u00e4nden auch dort gespeichert. 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Damit sind an (angehende) Religionslehrerinnen und Religionslehrer keine geringen Herausforderungen gestellt. Denn nicht zuletzt aus Sicht der beteiligten Institutionen bzw. Religionsgemeinschaften, die den schulischen Religionsunterricht inhaltlich mitverantworten und Lehrkr\u00e4fte offiziell beauftragen, werden nicht selten (zu) hohe Erwartungen aufgerufen. Insbesondere in kooperativen Modellen mit konfessionell oder religi\u00f6s gemischten Lerngruppen wird oftmals von den Religionslehrkr\u00e4ften gefordert, ihr religi\u00f6ses bzw. konfessionelles Bewusstsein zu sch\u00e4rfen, um dem erteilten Unterricht ein entsprechendes Profil geben zu k\u00f6nnen. Aber: Um welches Profil soll es dabei eigentlich gehen?<\/p>\n\n\n\n<p>Religionslehrerinnen und Religionslehrer agieren in einer&nbsp;<em>Spannung<\/em>&nbsp;zwischen individueller Religiosit\u00e4t und institutioneller Identit\u00e4t. Zudem steht diese Spannung inmitten der Herausforderung der religi\u00f6s-weltanschaulichen Heterogenit\u00e4t von Lerngruppen. Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler mit verschiedenen religi\u00f6sen bzw. konfessionellen Bindungen und immer mehr auch mit konfessionslosen oder nichtreligi\u00f6sen Hintergr\u00fcnden fordern Lehrkr\u00e4fte in ihrer Unterrichtsgestaltung heraus \u2013 auch in einem formal bekenntnisgebundenen katholischen, evangelischen oder islamischen Religionsunterricht. Dieses komplexe Bedingungsgef\u00fcge produziert mitunter Konflikte, \u00dcberforderungen und Entt\u00e4uschungen in der Praxis \u2013 nicht zuletzt auch angesichts der sich immer wieder in den Vordergrund dr\u00e4ngenden Glaubw\u00fcrdigkeitskrisen der Religionen, Religionsgemeinschaften und der Kirchen, die als Systeme oftmals weit hinter dem zur\u00fcckbleiben, was sie selbst bezeugen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Aus Sicht der Professionstheorie befinden sich Lehrkr\u00e4fte mit ihrem schulischen Handeln in einer&nbsp;<em>strukturellen Antinomie<\/em>, einer nicht aufl\u00f6sbaren Widerspr\u00fcchlichkeit. Beispielsweise dann, wenn sie Kinder und Jugendliche zu m\u00fcndigen Menschen bilden wollen, sie zugleich aber einem System der Disziplinierung und Zensierung unterwerfen m\u00fcssen. Im Religionsunterricht treten Lehrkr\u00e4fte einerseits als von den Religionsgemeinschaften offiziell Beauftragte auf, sollen eine professionelle Rolle als Mitglied \u201aihrer\u2018 Religionsgemeinschaft einnehmen. Andererseits wird von ihnen verlangt, ihre&nbsp;<em>individuelle<\/em>&nbsp;Spiritualit\u00e4t und Positionalit\u00e4t sichtbar zu machen, mit der sie sich mitunter in gro\u00dfer Distanz zu der sie beauftragenden Religionsgemeinschaft befinden. Aus diesem Dilemma der&nbsp;<em>Selbstpositionierung<\/em>&nbsp;zwischen institutioneller Bindung einerseits und individueller religi\u00f6s-spiritueller Freiheit andererseits gibt es keinen Ausweg. Das hei\u00dft, in und mit dieser Spannung ist religi\u00f6se Bildung zu realisieren, die diese Spannung nicht verschweigt oder zu entladen versucht, sondern vielmehr zum bildenden Antrieb werden l\u00e4sst. Denn religi\u00f6se Identit\u00e4t wird nicht in der blo\u00dfen \u00dcbernahme bestehender religi\u00f6ser Formen oder Formeln gebildet, sondern in ihrer kritischen Anverwandlung. Das k\u00f6nnen Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler von einer transparenten Positionalit\u00e4t ihrer Lehrerinnen und Lehrer lernen und genau darin scheint das dynamische Profil eines konfessionellen bzw. konfessionell- oder religionskooperativen Religionsunterrichts auf.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist herausfordernd, aber auch f\u00f6rdernd, denn es l\u00e4sst sich etwas gewinnen (sofern man sich auf dieses pers\u00f6nliche Unterfangen einl\u00e4sst): Klarheit \u00fcber den eigenen Standpunkt und die eigene Perspektive des Unterrichtens, Souver\u00e4nit\u00e4t f\u00fcr das \u00fcberkonfessionelle und interreligi\u00f6se Gespr\u00e4ch, neue Impulse f\u00fcr die eigene Spiritualit\u00e4t und nicht zuletzt eine an der Mehrperspektivit\u00e4t dieses Unterrichts erprobte Freiheit zu einer\u00a0<em>kritischenIdentifikation<\/em>\u00a0mit religi\u00f6sen Traditionen und Institutionen. Religionslehrende sehen sich damit vor der spannenden und spannungsgeladenen Aufgabe, die eigene Religiosit\u00e4t und spirituelle Praxis st\u00e4ndig neu herauszufordern und herausfordern zu lassen. Sie k\u00f6nnen und sollen sich dabei ermutigt f\u00fchlen von einer gr\u00f6\u00dferen Gemeinschaft Gleichgesinnter, ihrer eigenen, aber auch im Dialog mit anderen. Sich hier und da mit den pers\u00f6nlichen, auch sperrigen existenziellen Wahrheiten sichtbar zu machen, ist eine der wertvollsten und zugleich notwendigen Aufgaben religi\u00f6ser Bildung.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"704\" height=\"591\" src=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2022\/07\/High_voltage_warning.svg_-1.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-1062\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2022\/07\/High_voltage_warning.svg_-1.png 704w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2022\/07\/High_voltage_warning.svg_-1-300x252.png 300w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2022\/07\/High_voltage_warning.svg_-1-357x300.png 357w\" sizes=\"auto, (max-width: 704px) 100vw, 704px\" \/><figcaption>Made with Sodipodi by Duesentrieb, CC BY-SA 2.5 <a href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/2.5\">https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/2.5<\/a>, via Wikimedia Commons<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-blue-color has-text-color\">Prof. Dr. Jan Woppowa ist Professor f\u00fcr Religionsdidaktik am Institut f\u00fcr Katholische Theologie an der Universit\u00e4t Paderborn.<\/p>\n\n\n\n<p>#Bildung #Religion #Unterricht #Spiritualit\u00e4t #Heterogenit\u00e4t #Positionierung #Identifikation #Reflexion #Kritik\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Spiritualit\u00e4t,&nbsp;Positionalit\u00e4t,&nbsp;Heterogenit\u00e4t: Solche Schlagworte stehen aktuell hoch im Kurs, wenn es um die Zukunft des Religionsunterrichts geht. 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