{"id":1000,"date":"2022-05-20T08:38:56","date_gmt":"2022-05-20T06:38:56","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/?p=1000"},"modified":"2022-05-20T08:38:56","modified_gmt":"2022-05-20T06:38:56","slug":"oft-gesagt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/2022\/05\/20\/oft-gesagt\/","title":{"rendered":"Oft Gesagt"},"content":{"rendered":"<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_1000 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_1000')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_1000').socialSharePrivacy({\"txt_help\":\"Wenn Sie diese Felder durch einen Klick aktivieren, werden Informationen an Facebook, Twitter, Flattr, Xing, t3n, LinkedIn, Pinterest oder Google eventuell ins Ausland \\u00fcbertragen und unter Umst\\u00e4nden auch dort gespeichert. 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Bitte versuch diese Gr\u00fcnde zu verstehen und z\u00fcgle dein Urteil.\u201d Und so h\u00e4ufig ich mich in all den Jahren immer wieder dabei erwischt habe, mit dem Urteil schneller zu sein als mit der Suche nach Gr\u00fcnden, ist es sicherlich dieser Satz, der mir die Empathie eines Jesus von Nazareth, aber auch die hermeneutischen Anliegen diskursiv-komprehensiver Wissenschaftstheorien so sympathisch erscheinen l\u00e4sst.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Gedanken verliert seine Trivialit\u00e4t in dem Moment, in dem wir dar\u00fcber nachdenken, wie wir, acht Milliarden Menschen, zusammenleben wollen (und k\u00f6nnen!). Das gute Verst\u00e4ndnis f\u00fcreinander, f\u00fcr unsere Hoffnungen und \u00c4ngste, ist die Basis, von der Gerechtigkeitskonzepte aus ihren Sinn erhalten und nicht zuletzt in politischen oder wirtschaftlichen Institutionen verwurzelt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>In den letzten Jahren hat mich jedoch zunehmend ern\u00fcchtert, dass ich trotz bester Verstehensabsicht, die Welt und die Gr\u00fcnde der Menschen doch nur immer weniger zu begreifen vermag. Die Paradoxien und Widerspr\u00fcchlichkeiten unserer weltweiten Entwicklungen lassen mich immer h\u00e4ufiger stolpern \u00fcber vermeintlich gute Ziele, l\u00e4hmen meine Geduld und Ausdauer. Einerseits leben und werben wir st\u00e4ndig daf\u00fcr, die Gr\u00fcnde f\u00fcr eine bestimmte Weltdeutung oder eine Handlungsorientierung miteinander ins Gespr\u00e4ch zu bringen. Wir setzen darauf, dass die deliberative Verst\u00e4ndigung am Ende ein Minimum an Rationalit\u00e4t bei einem Maximum an Heterogenit\u00e4t in den Entscheidungsfindungsprozessen gew\u00e4hrt. Andererseits merken wir st\u00e4ndig, dass der Rationalit\u00e4tsnachweis uns nicht motiviert auch umzusetzen, was wir zuvor als das bessere, richtigere oder nachhaltigere Vorgehen bestimmt haben.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Und ja, in religi\u00f6ser und nicht-religi\u00f6ser Weisheitsliteratur ist immer wieder die Rede davon, dass genau dies unsere Menschlichkeit ausmacht: Gutes zu wollen und es \u2013 along the way \u2013 dann doch zu vergessen, zu ignorieren, zu vers\u00e4umen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Mittlerweile haben viele kluge Menschen diese beinah allt\u00e4gliche (Selbst-)Erkenntnis soziologisch ausgearbeitet, psychologisch verklammert und durch unsere kulturellen Brenngl\u00e4ser fokussiert. Nun wei\u00df ich, dass wir mit der Steigerungslogik&nbsp;&nbsp;\u00fcberfordert sind und uns deshalb lieber mit diversen Angeboten aus Internet und Medien zerstreuen, anstatt f\u00fcreinander einzustehen; nun kann ich erkl\u00e4ren, warum Ressourcenverbrauch, Ausbeutung und Naturzerst\u00f6rung st\u00e4ndig zunehmen, obwohl uns niemals klarer war, dass die planetaren Grenzen erreicht sind; nun vermag ich die riesigen Autos, festungs\u00e4hnlichen H\u00e4user und ideologischen Glasperlenspiele als \u00dcberkompensation unserer Unsicherheit und Angst zu deuten. Und dennoch: Je besser ich die Gr\u00fcnde der Menschen zu verstehen meine, umso schwerer l\u00e4sst sich der Status-quo akzeptieren.&nbsp;Sicher bin ich mit diesen Gedanken nicht alleine, denn zeitgleich nimmt die Suche nach alternativen, nachhaltigen, solidarischen Lebensformen zu. Konzepte wie&nbsp;<em>Paradising<\/em>&nbsp;oder&nbsp;<em>Postgrowth<\/em>&nbsp;ergr\u00fcnden M\u00f6glichkeiten, um das Gesollte als ein Gewolltes einholen zu k\u00f6nnen. Neben den Graswurzelbewegungen der letzten Jahre k\u00f6nnten gerade auch religi\u00f6se Gemeinschaften als Pionier*innen f\u00fcr Ver\u00e4nderungen ein sozialpolitisches Echo erzeugen, Mitmenschlichkeit nicht nur predigen, sondern lebbar machen. Und wenn uns auch hier ein ums andere Mal die Geschichte zu \u00fcberholen droht, so fordert mein Glaube mich auf, nicht zu resignieren und in meiner Zeit das zu tun, was ich tun kann. Es ist dieser Glaube, an dem sich ohne Sentimentalit\u00e4ten die Hoffnung auf eine humanere, friedlichere Zukunft entz\u00fcndet. Und nun erinnere ich wieder meine Mutter, die auf mein Murren mit einem geduldigen L\u00e4cheln mindestens ebenso oft betont hat, dass es eben diese Hoffnung ist, die sich mit kleinherzigen Gr\u00fcnden nicht zufriedengeben kann.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2022\/05\/rocks-g8e595669d_1920-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1001\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2022\/05\/rocks-g8e595669d_1920-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2022\/05\/rocks-g8e595669d_1920-300x200.jpg 300w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2022\/05\/rocks-g8e595669d_1920-768x512.jpg 768w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2022\/05\/rocks-g8e595669d_1920-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2022\/05\/rocks-g8e595669d_1920-450x300.jpg 450w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2022\/05\/rocks-g8e595669d_1920.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-blue-color has-text-color\">Dr. Anne Weber ist Stipendiatin am Graduiertenkolleg \u201eKirche in Zeiten der Ver\u00e4nderung\u201c an der Theologischen Fakult\u00e4t Paderborn.<\/p>\n\n\n\n<p>#Mutter #Hoffnung #Verstehen #Durchhalten<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Meine Mutter hat mir oft gesagt \u201cJeder Mensch hat seine Gr\u00fcnde. 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