{"id":280,"date":"2019-01-15T17:21:57","date_gmt":"2019-01-15T16:21:57","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zeitgeschichte\/?p=280"},"modified":"2019-03-13T14:20:56","modified_gmt":"2019-03-13T13:20:56","slug":"eine-betrachtung-von-prof-peter-faessler","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zeitgeschichte\/2019\/01\/15\/eine-betrachtung-von-prof-peter-faessler\/","title":{"rendered":"Eine Buchrezension von Prof. Peter F\u00e4\u00dfler:"},"content":{"rendered":"<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_280 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_280')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_280').socialSharePrivacy({\"txt_help\":\"Wenn Sie diese Felder durch einen Klick aktivieren, werden Informationen an Facebook, Twitter, Flattr, Xing, t3n, LinkedIn, Pinterest oder Google eventuell ins Ausland \\u00fcbertragen und unter Umst\\u00e4nden auch dort gespeichert. 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In den Best\u00e4nden der Universit\u00e4tsbibliothek Paderborn finden sich auch B\u00fccher der \u201eEdition JF\u201c. Ein Problem? Vielleicht, wenn man bedenkt, dass es sich um die Buchreihe der rechten Zeitung \u201eJunge Freiheit\u201c handelt. Vielleicht aber auch nicht, wenn man die entsprechenden Machwerke mit dem notwendig kritischen Blick liest. Zum Beispiel Karlheinz Wei\u00dfmanns Brandschrift gegen `68.\u201c<\/em><br \/>\n<em>Hierzu eine Betrachtung von Prof. Peter F\u00e4\u00dfler:<\/em><!--more--><\/p>\n<p>`68 \u2013 die Zahlenkombination steht f\u00fcr Rebellion, lange Haare, \u201eSex and Drugs and Rock\u2019nRoll\u201c. Vorbei schienen die spie\u00dfig-miefig-verlogenen Adenauer-Jahre, in denen Ex-Nazis ihre braune Vergangenheit unter den Teppich und ihre f\u00fchrenden Positionen im Staat behaupten konnten. Nun dr\u00e4ngte eine junge, frische, freche Generation ins Rampenlicht, stellte unbequeme Frage, zerbrach verkrustete Lebens- und Familienentw\u00fcrfe und provozierte die Altvorderen wo immer sie konnte. Dass sie dabei hin und wieder \u00fcbers Ziel hinausschoss, dass etliche der Ideen und Visionen ein \u201eSchmarrn\u201c waren \u2013 geschenkt. Die 68er-Rebellion hat ohne Zweifel den kulturellen Wandel in der Bundesrepublik wie in weiten Teilen der westlichen Welt beschleunigt. Die nachfolgende gesellschaftliche Liberalisierung im positivsten Sinne des Wortes profitierte hiervon ungemein.<br \/>\nDas sieht auch der Autor des vorzustellenden Buches, Karlheinz Wei\u00dfmann, so. Mit einem entscheidenden Unterschied: er interpretiert diesen Wandel, diese gesellschaftliche Liberalisierung als \u201eVerfall\u201c. Wei\u00dfmann hadert mit der allgemeinen \u201esittlichen Degeneration\u201c, die er als kulturellen Bruch mit einer bis dahin geordneten, anst\u00e4ndigen Welt wahrnimmt. Einer Welt, in der Christentum und Tradition die moralische Orientierung vorgaben und die staatliche Obrigkeit f\u00fcr deren Einhaltung sorgte. Interessanterweise bem\u00fcht Wei\u00dfmann in Ans\u00e4tzen auch eine nat\u00fcrliche, biologisch begr\u00fcndete Normsetzung (z. B. in der conditio humana), etwa wenn es um Geschlechterzuschreibungen oder um sexuelle Praktiken geht.<br \/>\nDer Ursprung allen \u00dcbels, so der Autor, liegt in der Aufkl\u00e4rung begr\u00fcndet, in jener Abkehr von christlichen Moralvorstellungen bei gleichzeitiger Hinwendung zur eigenen, individuellen Urteilskraft. Diese \u201eHybris\u201c des aufkl\u00e4rerischen Geistes h\u00e4tten die politisch moralischen Katastrophen 1789 (Franz\u00f6sische Revolution), 1917 (Oktoberrevolution Russland) und 1933 (Beginn der NS-Diktatur) \u00fcberhaupt erst erm\u00f6glicht.<br \/>\nMeine Kritik an Wei\u00dfmanns Ausf\u00fchrungen zielt gar nicht einmal auf seine zahlreichen, k\u00fchnen Behauptungen im Einzelnen ab. So sei dahingestellt, ob maulende und verw\u00f6hnte Kinder, denen Eltern jeden Wunsch erf\u00fcllen, tats\u00e4chlich eine Folge des Kulturbruchs `68 ff.<br \/>\nsind. Auch Wei\u00dfmanns Lamento \u00fcber die Erosion des Krawattenzwangs auf Vorstandsetagen scheint mir jetzt nicht so dramatisch zu sein, als dass ich dar\u00fcber diskutieren m\u00f6chte.<br \/>\nMeine Kritik zielt auf sein hoffnungslos unreflektiertes Klammern an Normen, seien sie christlichen, seien sie biologischen Ursprungs, und den daraus abgeleiteten Herrschaftsstrukturen. \u201eGebote, Traditionen, Hochsch\u00e4tzungen von Askese, Dienstbereitschaft, Pflichterf\u00fcllung um ihrer selbst willen\u201c, fordert Wei\u00dfmann. Genau darin liegt das Problem. Ich m\u00f6chte schon entscheiden, welche Gebote und Traditionen zu welchem Zweck mir wichtig sind, welche Pflichten ich aus welchen Gr\u00fcnden zu erf\u00fcllen bereit bin. Denn die Alternative w\u00fcrde in Richtung \u201eKadavergehorsam\u201c weisen. Es zeugt schon von erheblicher Ignoranz, all die Fehlentwicklungen einer vor 1968 vermeintlich geordneten Gesellschaft und politischen Herrschaft nicht als solche zu benennen. Und offen gestanden lehrt die historische Erfahrung, dass in vermeintlich anst\u00e4ndigen, moralisch gefestigten Organisationen Schmutzeleien besonders verbreitet sind \u2026<br \/>\nMan kann trefflich \u00fcber Sinn und Unsinn der 68er-Bewegung streiten und differenziert urteilen. Aber die durch sie erstrittenen Freiheiten nur aus religi\u00f6s verbr\u00e4mter \u00c4ngstlichkeit zu verdammen, bleibt intellektuell unbefriedigend.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eDark literature in der UB? In den Best\u00e4nden der Universit\u00e4tsbibliothek Paderborn finden sich auch B\u00fccher der \u201eEdition JF\u201c. Ein Problem? Vielleicht, wenn man bedenkt, dass es sich um die Buchreihe der rechten Zeitung \u201eJunge Freiheit\u201c handelt. 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