{"id":177,"date":"2018-04-18T15:32:02","date_gmt":"2018-04-18T13:32:02","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zeitgeschichte\/?p=177"},"modified":"2018-04-18T15:33:06","modified_gmt":"2018-04-18T13:33:06","slug":"wie-politisch-ist-der-sport","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zeitgeschichte\/2018\/04\/18\/wie-politisch-ist-der-sport\/","title":{"rendered":"Wie politisch ist der Sport?"},"content":{"rendered":"<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_177 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_177')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_177').socialSharePrivacy({\"txt_help\":\"Wenn Sie diese Felder durch einen Klick aktivieren, werden Informationen an Facebook, Twitter, Flattr, Xing, t3n, LinkedIn, Pinterest oder Google eventuell ins Ausland \\u00fcbertragen und unter Umst\\u00e4nden auch dort gespeichert. 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Die Skripal-Aff\u00e4re, die Rolle im syrischen B\u00fcrgerkrieg oder die zahlreichen, vermutlich russischen, Hackerangriffe sind wie Wind in den Segeln der Boykottbef\u00fcrworterInnen. Schnell werden historische Vergleiche mit den olympischen Spielen 1936 in Berlin angestellt und darauf hingewiesen, dass man ein politisches Statement setzen muss. Ihnen gegen\u00fcber stehen BoykottablehnerInnen, zumeist Sportfunktion\u00e4rInnen oder SportlerInnen, die betonen, dass der Sport stets unpolitisch war und keinesfalls politisch instrumentalisiert werden sollte, da dies der sportliche Tradition widerspricht.<!--more--> Beide Lager beziehen sich auf historische Ereignisse und Entwicklungen. Grund genug einen Blick in die Sportgeschichte zu werfen und der Frage nachzugehen, wie politisch der Sport war, ist oder vielleicht sein sollte.<br \/>\nIm Gegensatz zum Turnen hatte der fr\u00fche Sport im Deutschland des ausgehenden 19.Jahrhunderts nur eine kleine gesellschaftliche und politische Bedeutung. Er war zun\u00e4chst nur eine Freizeitbesch\u00e4ftigung des wohlhabenden deutschen B\u00fcrgertums. Dies \u00e4nderte sich zur Jahrhundertwende. Der Sport und die Sportveranstaltungen gewannen zunehmen an Beliebtheit bei der Bev\u00f6lkerung. Der Adel und die Monarchie erkannten diese Entwicklung und begannen ihr Engagement im Sport auszubauen. Zum einen nahmen sie aktiv als ZuschauerInnen oder sogar SportlerInnen teil und erhofften sich damit, ihre Stellung und Macht in der Gesellschaft zu festigen und zu charismatisieren. Zum anderen wurden internationale Sportveranstaltungen, wie zum Beispiel die Sechstage-Rennen mit Elementen des Nationalismus aufgeladen, um dem Sport auch eine au\u00dfenpolitische Bedeutung zu geben. Das steigende Engagement der \u201eoberen Kreise\u201c wurde von Sportfunktion\u00e4renInnen und SportlernInnen zwar diskutiert, jedoch nahmen sie es letztendlich zu Gunsten von Gewinn- und Profitmaximierung dankend an. Unterbrochen vom Ersten Weltkrieg, steigerte sich die politische Einflussnahme auf den Sport in der Weimarer Republik bis zur v\u00f6lligen politischen Vereinnahmung im \u201eDritten Reich\u201c. Bemerkenswert hierbei ist, dass die Politik zwar Einfluss aus\u00fcbte, jedoch in der Sportgeschichtsschreibung nahezu ungepr\u00fcft angenommen wurde, dass die beabsichtigten Wirkungen auch eingetreten sind. Insbesondere das eingangs erw\u00e4hnte Beispiel der Olympischen Spiele 1936 in Berlin lieferte eine Forschungskontroverse dar\u00fcber, ob die gew\u00fcnschten Effekte der innenpolitischen Solidarisierung und des au\u00dfenpolitischen Prestigegewinns erreicht wurden.<br \/>\nAuch nach dem Zweiten Weltkrieg lassen sich politische Momente im Sport festmachen. Die Olympischen Spiele waren Teil des unabl\u00e4ssigen Vergleichs zwischen Ost und West. Das Fu\u00dfball- Freundschaftsspiel 1950 gegen die Schweiz \u00f6ffnete dem au\u00dfenpolitisch isolierten Deutschland wieder das internationale Parkett, ohne das kein \u201eWunder von Bern\u201c m\u00f6glich gewesen w\u00e4re. 1968 bekundeten der Erst- und Drittplatzierte des 200-Meter- Laufs w\u00e4hrend der Siegerehrung ihre Sympathie mit der amerikanischen B\u00fcrgerrechtsbewegung. Oder denken Sie an die feierw\u00fctigen und gut gelaunten isl\u00e4ndischen Fans, die 2016 ganz Fu\u00dfball-Europa begeisterten und durch ihre \u201eHu!\u201c-Rufe Island zumindest kurzzeitig in ein besseres Licht, als das der Bankenkrise und Korruption stellen konnten. Auch der Breitensport erfuhr ab den 1960er Jahren zunehmend biopolitische Bedeutung. Das Paradigma \u201eSport f\u00fcr alle\u201c, welches in den 1960er Jahren im Europarat verankert wurde, lie\u00df zahlreiche gesundheits- und freizeitorientierte Angebote entstehen. Darunter auch die bekannten \u201eTrimm-Dich- Pfade\u201c. Diese unvollst\u00e4ndige Aufz\u00e4hlung an Beispielen zeigt vor allem eines: Die Entwicklung des Sports im 20. und 21. Jahrhundert verlief nicht g\u00e4nzlich unpolitisch. Der Sport stand stets in einer Beziehung zu politischen Interessen unterschiedlichster Akteure. Die eingangs zitierte \u201eEigenwelt-Theorie\u201c des Sports entpuppt sich somit vielmehr als eine immer wiederkehrende \u201eLebensl\u00fcge\u201c des Sports. Doch ist dies ein Grund, die sportlichen Veranstaltungen zu boykottieren und sich ihnen entgegen zu stellen? Geh\u00f6rt die Diskussion \u00fcber den Zusammenhang von Sport und Politik nicht irgendwie sogar dazu? Pierre Bourdieu beschreibt den Sport als \u201erelativ autonomes\u201c Feld innerhalb des gesellschaftlichen Feldes. Folgt man dieser Beschreibung, so l\u00e4sst sich die Diskussion um den Sport auch als Diskussion \u00fcber die moralischen oder politischen Werte und Normen der jeweiligen Gesellschaft sehen. Ist es nicht genau das, was zivilgesellschaftlich erw\u00fcnscht und erstrebenswert ist?<\/p>\n<p>Ein Beitrag von Sven Siemon.<br \/>\nSporthistoriker und Doktorand im Arbeitsbereich Zeitgeschichte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In knapp zwei Monaten beginnt die Fu\u00dfball-Weltmeisterschaft 2018 in Russland. Die Fu\u00dfball-Fans fiebern weltweit aufmerksam dem Turnier entgegen und selbstverst\u00e4ndlich hoffen die deutschen Fans auf eine Titelverteidigung ihrer Nationalelf. 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