{"id":18,"date":"2026-08-10T10:49:52","date_gmt":"2026-08-10T08:49:52","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/the-glorious-revolution\/?p=18"},"modified":"2026-08-10T16:53:28","modified_gmt":"2026-08-10T14:53:28","slug":"geschichte-machen-und-deuten-als-freizeitvergnuegen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/the-glorious-revolution\/2026\/08\/10\/geschichte-machen-und-deuten-als-freizeitvergnuegen\/","title":{"rendered":"Geschichte machen und deuten als Freizeitvergn\u00fcgen"},"content":{"rendered":"<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_18 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_18')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_18').socialSharePrivacy({\"txt_help\":\"Wenn Sie diese Felder durch einen Klick aktivieren, werden Informationen an Facebook, Twitter, Flattr, Xing, t3n, LinkedIn, Pinterest oder Google eventuell ins Ausland \\u00fcbertragen und unter Umst\\u00e4nden auch dort gespeichert. 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August im Jahre 1692. Ein sch\u00f6ner, warmer Sommertag geht zu Ende und du m\u00f6chtest dir zum Abschluss deines freien Tages noch einen Gin in einem Pub genehmigen, ein Getr\u00e4nk, das in den letzten Jahren vor allem durch den neuen englischen K\u00f6nig Wilhelm II. an Beliebtheit gewonnen hat und zum Gl\u00fcck auch f\u00fcr kleines Geld zu haben ist.<sup data-fn=\"7856da9f-8258-4de6-8f29-c7ded4fbc04b\" class=\"fn\"><a href=\"#7856da9f-8258-4de6-8f29-c7ded4fbc04b\" id=\"7856da9f-8258-4de6-8f29-c7ded4fbc04b-link\">1<\/a><\/sup> Nachdem du an der Theke von dem etwas in die Jahre gekommenen Wirt dein Getr\u00e4nk erhalten hast, kommt ein junger Mann auf dich zu. Er tr\u00e4gt lange graue Wollsocken und braune Kniehosen. Seine ebenfalls braune Weste sowie das darunter befindliche, etwas schmutzige Leinenhemd und sein unrasiertes Gesicht lassen dich vermuten, dass er der Arbeiterschicht angeh\u00f6rt. Mit einem freundlichen L\u00e4cheln spricht er dich an und l\u00e4dt dich zu einer Runde Whist ein. \u00dcberrascht, aber trotzdem erfreut \u00fcber die Einladung, folgst du ihm in eine ruhigere Ecke des Pubs, wo seine zwei Freunde bereits auf euch warten. Nachdem du dir kurz die Regeln des Spiels hast erkl\u00e4ren lassen, die stark denen des heutigen Bridge-Spiels \u00e4hneln, geht es los.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zum Anfang des Spiels m\u00fcssen die Teams bestimmt werden. Daf\u00fcr zieht jeder Spieler eine Karte aus dem gesamten Deck. Als Gast darfst du beginnen und ziehst eine Karte. Sofort f\u00e4llt dir auf, dass die Karten anders gestaltet sind, als du es gewohnt bist. Nicht nur unterscheiden sich die Bilder, auch sind kleine Texte auf den Karten abgebildet. Auf dem Kreuz-Buben, den du nun in der Hand h\u00e4ltst, ist eine Flotte abgebildet, die offensichtlich auf Festland zuh\u00e4lt. Der Text unter der Karte verr\u00e4t dir: \u00bbThe French wayting an apertunity to Land in England but are prevented by the Dutch\u00ab (dt.: Die Franzosen warten auf eine Gelegenheit, in England zu landen, werden jedoch von den Niederl\u00e4ndern daran gehindert). Sofort wird dir klar, dass dieses Kartenspiel auf die \u00bbGlorious Revolution\u00ab&nbsp; anspielt, welche vor nicht allzu langer Zeit in England ausgetragen wurde. Auch die Karten, die die anderen Spieler nun auf den Tisch legen, behandeln offensichtlich die Geschehnisse der Revolution. Die beiden dir noch unbekannten M\u00e4nner haben mit der Karo-Zwei und der Karo-Drei die beiden niedrigsten Karten und bilden somit nun ein Team. Die beiden Karten zeigen einen der Anl\u00e4sse der Revolution, die Geburt des Sohnes von Jakob II., und die Reaktion Wilhelms von Oranien, der nun nach England \u00fcbersetzt, um den Thron zu \u00fcbernehmen. Der junge Mann, der dich gebeten hat mitzuspielen, legt die Karo-Acht auf den Tisch, auf der zu sehen ist, wie die niederl\u00e4ndischen Truppen in England landen. Da ihr die beiden h\u00f6chsten Karten des Spiels gezogen habt, bildet ihr nun ein Team und wechselt so die Pl\u00e4tze, dass ihr euch gegen\u00fcbersitzt. Nun bekommt jeder Spieler 13 Karten, und das Spiel beginnt richtig.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Imagination soll zeigen, wie in der Zeit unmittelbar in und nach der \u00bbGlorious Revolution\u00ab Massenmedien genutzt wurden, um Politik zu betreiben. Zum einen wird klar, dass sich das Kartenspiel in dieser Zeit auch an untere Bev\u00f6lkerungsschichten richtete. Dazu trug vor allem bei, dass solche Spiele in hoher St\u00fcckzahl herzustellen waren.<sup data-fn=\"79a17b11-c02c-4ede-ad05-aaef5d43c9e7\" class=\"fn\"><a href=\"#79a17b11-c02c-4ede-ad05-aaef5d43c9e7\" id=\"79a17b11-c02c-4ede-ad05-aaef5d43c9e7-link\">2<\/a><\/sup> Dadurch konnten sie zu einem Massenmedium werden, in dem, wie vorliegenden Fall, politische Botschaften verbreitet wurden. Dabei stehen diese jedoch keineswegs im Mittelpunkt, sondern sollen beim Spielen nebenbei vermittelt werden. Zudem ist auch das Design der Karten auf eine nicht lesekundige Zielgruppe angepasst: Durch den gro\u00dfen Bildteil sind die Karten auch ohne Text verst\u00e4ndlich, der Text kann auch vorgelesen, also gemeinschaftlich rezipiert werden. Der weit verbreitete Analphetismus war also kein Rezeptionshindernis.<sup data-fn=\"6715f21e-e557-44ed-aaba-02a56d9db0fa\" class=\"fn\"><a href=\"#6715f21e-e557-44ed-aaba-02a56d9db0fa\" id=\"6715f21e-e557-44ed-aaba-02a56d9db0fa-link\">3<\/a><\/sup><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gepr\u00e4gt sind die Karten vom Umfeld Wilhelms von Oranien, das sich besonders eindrucksvoll an der Karo-Zwei zeigt (siehe Abbildung oben). Auf dieser ist im gro\u00dfen Bild ein Ehebett zu sehen und darunter folgender Satz zu lesen: \u00bbThe Queen is brought to bed of a Boy \u2013 Reported so\u00ab (dt.: Die K\u00f6nigin hat einen Jungen zur Welt gebracht \u2013 so wird berichtet). Demnach wird auf dieser Karte eine verbreitete <em><mark style=\"background-color:#FFFFFF\" class=\"has-inline-color has-accent-3-color\"><a href=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/the-glorious-revolution\/2026\/08\/10\/konfession-und-geschlecht-als-politisches-argument\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Polemik<\/a><\/mark><\/em> aufgegriffen, dass der Sohn Jakobs II. unehelich gezeugt und somit illegitim sei.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Konzept erinnert deshalb an gegenw\u00e4rtige Social Media, denn auch dort werden politische Botschaften oft nebenbei vermittelt. Denkt man an Plattformen wie Instagram findet man durchaus \u00c4hnlichkeiten zu dem Kartenspiel. Vor allem das im Mittelpunkt stehende Bild mit kleiner Bildunterschrift ist eine markante \u00dcbereinstimmung, ebenso die mehr oder weniger subtile Vermittlung politischer Botschaften in streng verknappter Form und die damit einhergehende Polarisierung \u00f6ffentlicher Meinung(en). Daher kann man sagen, dass Art und Gebrauch des Kartenspiels auf eine durchaus \u203amoderne\u2039 Medienpraxis vorausweisen.<\/p>\n\n\n<ol class=\"wp-block-footnotes has-small-font-size\"><li id=\"7856da9f-8258-4de6-8f29-c7ded4fbc04b\"><a href=\"https:\/\/www.topdrinks.de\/blog\/die-geschichte-des-gins#introductie-engeland [27.07.26]\">https:\/\/www.topdrinks.de\/blog\/die-geschichte-des-gins#introductie-engeland [27.07.26]<\/a>. <a href=\"#7856da9f-8258-4de6-8f29-c7ded4fbc04b-link\" aria-label=\"Zur Fu\u00dfnotenreferenz 1 navigieren\">\u21a9\ufe0e<\/a><\/li><li id=\"79a17b11-c02c-4ede-ad05-aaef5d43c9e7\"><a href=\"https:\/\/www.deutsche-digitale-bibliothek.de\/content\/blog\/spielkarten-von-teuflischen-gebetsbuechern-trionfi-und-regionalen-blaettern [27.07.26]. \u21a9\ufe0e\">https:\/\/www.deutsche-digitale-bibliothek.de\/content\/blog\/spielkarten-von-teuflischen-gebetsbuechern-trionfi-und-regionalen-blaettern [27.07.26].<\/a> <a href=\"#79a17b11-c02c-4ede-ad05-aaef5d43c9e7-link\" aria-label=\"Zur Fu\u00dfnotenreferenz 2 navigieren\">\u21a9\ufe0e<\/a><\/li><li id=\"6715f21e-e557-44ed-aaba-02a56d9db0fa\"><a href=\"https:\/\/pastandpresent.org.uk\/the-rabble-that-cannot-read-ordinary-peoples-literacy-in-seventeenth-century-england [27.07.26].\">https:\/\/pastandpresent.org.uk\/the-rabble-that-cannot-read-ordinary-peoples-literacy-in-seventeenth-century-england [27.07.26]. <\/a> <a href=\"#6715f21e-e557-44ed-aaba-02a56d9db0fa-link\" aria-label=\"Zur Fu\u00dfnotenreferenz 3 navigieren\">\u21a9\ufe0e<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kartenspiel (1688\/89) Beitrag von Mattis Menne Papier, Kupferstich, jeweils ca. 8,8 x 5,3 cm, The British Museum, London, Nr.\u00a01896,0501.920.1-51. 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