{"id":16,"date":"2026-08-10T10:49:52","date_gmt":"2026-08-10T08:49:52","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/the-glorious-revolution\/?p=16"},"modified":"2026-08-10T10:58:35","modified_gmt":"2026-08-10T08:58:35","slug":"ein-glas-fuer-einen-verbotenen-koenig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/the-glorious-revolution\/2026\/08\/10\/ein-glas-fuer-einen-verbotenen-koenig\/","title":{"rendered":"Ein Glas f\u00fcr einen verbotenen K\u00f6nig?"},"content":{"rendered":"<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_16 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_16')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_16').socialSharePrivacy({\"txt_help\":\"Wenn Sie diese Felder durch einen Klick aktivieren, werden Informationen an Facebook, Twitter, Flattr, Xing, t3n, LinkedIn, Pinterest oder Google eventuell ins Ausland \\u00fcbertragen und unter Umst\\u00e4nden auch dort gespeichert. N\\u00e4heres erfahren Sie durch einen Klick auf das <em>i<\\\/em>.\",\"settings_perma\":\"Dauerhaft aktivieren und Daten\\u00fcber-tragung zustimmen:\",\"info_link\":\"http:\\\/\\\/www.heise.de\\\/ct\\\/artikel\\\/2-Klicks-fuer-mehr-Datenschutz-1333879.html\",\"uri\":\"https:\\\/\\\/blogs.uni-paderborn.de\\\/the-glorious-revolution\\\/2026\\\/08\\\/10\\\/ein-glas-fuer-einen-verbotenen-koenig\\\/\",\"post_id\":16,\"post_title_referrer_track\":\"Ein+Glas+f%C3%BCr+einen+verbotenen+K%C3%B6nig%3F\",\"display_infobox\":\"on\"});}});\n\/* ]]> *\/<\/script><\/div>\n<p class=\"is-style-text-subtitle is-style-text-subtitle--1 wp-block-paragraph\"><em>Amen Glass<\/em> (nach 1720)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\">Beitrag von Ominya Bakir und Siser\u00e1 Sis<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"775\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/the-glorious-revolution\/files\/2026\/08\/DP349569-775x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-45\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/the-glorious-revolution\/files\/2026\/08\/DP349569-775x1024.jpg 775w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/the-glorious-revolution\/files\/2026\/08\/DP349569-227x300.jpg 227w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/the-glorious-revolution\/files\/2026\/08\/DP349569-768x1015.jpg 768w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/the-glorious-revolution\/files\/2026\/08\/DP349569-1162x1536.jpg 1162w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/the-glorious-revolution\/files\/2026\/08\/DP349569-1550x2048.jpg 1550w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/the-glorious-revolution\/files\/2026\/08\/DP349569-scaled.jpg 1937w\" sizes=\"auto, (max-width: 775px) 100vw, 775px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Glas, 17,8 x 8,7 cm, The Metropolitan Museum of Art, New York, Nr. 41.164.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><em>Fotografie: <a href=\"https:\/\/www.metmuseum.org\/art\/collection\/search\/198869\">https:\/\/www.metmuseum.org\/art\/collection\/search\/198869<\/a><\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Abend im Schottland des 18. Jahrhunderts. Nach dem Essen wird Wein eingeschenkt, Gespr\u00e4che laufen, schlie\u00dflich hebt jemand sein Glas. Der Trinkspruch gilt jedoch nicht dem amtierenden K\u00f6nig, sondern einem Herrscher im Exil. Fu\u0308r Au\u00dfenstehende bleibt dieser Moment unauff\u00e4llig. Innerhalb der Gruppe ist er jedoch eindeutig: ein stilles politisches Bekenntnis.<br>Das Glas wird in diesem Moment mehr als ein Alltagsgegenstand. Es wird zum Tr\u00e4ger einer gemeinsamen Erinnerung und einer Hoffnung, die sich nicht erfu\u0308llt hat \u2013 der Ru\u0308ckkehr der Stuart-Dynastie. In ihm verdichtet sich eine Form politischer Loyalit\u00e4t, die nicht u\u0308ber Institutionen, sondern u\u0308ber Dinge und Rituale funktioniert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das <em>Amen Glass<\/em> wirkt zun\u00e4chst wie ein schlichtes, hochwertiges Trinkglas. Seine Bedeutung entsteht erst im Gebrauch. Eingravierte Trinkspru\u0308che und Segensformeln beziehen sich auf die vertriebenen Stuart-K\u00f6nige und verbinden religi\u00f6se Sprache mit politischer Hoffnung. Verwendet wurde das Glas vor allem in privaten R\u00e4umen, bei gemeinsamen Treffen und Trinksituationen. Genau dort wurde es zum Medium politischer Kommunikation \u2013 nicht offen konfrontativ, sondern eingebettet in Alltag und Geselligkeit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Zuge der \u00bbGlorious Revolution\u00ab von 1688\/89 wurde Jakob II. abgesetzt. Seine Anh\u00e4nger \u2013 die Jakobiten \u2013 erkannten die neue Herrschaft nicht an und hielten an der Legitimit\u00e4t der Stuarts fest. Ziel blieb die Ru\u0308ckkehr der Dynastie auf den britischen Thron. Das <em>Amen Glass <\/em>steht in diesem Kontext als Objekt, das diese politische Hoffnung im Alltag stabilisiert und weitergetragen hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Unterschied zu vielen anderen jakobitischen Objekten, die mit verdeckten Symbolen (\u00bbfalse loyalism\u00ab) arbeiteten, konnte das <em>Amen Glass<\/em> im privaten Raum vergleichsweise offen sprechen. Die politische Bedeutung musste hier nicht vollst\u00e4ndig verschlu\u0308sselt werden. Entscheidend ist jedoch weniger die Verschlu\u0308sselung als die Funktion: Das Glas erzeugt ein wiederkehrendes Ritual. Jeder gemeinsame Trinkspruch aktualisiert die gleiche Idee: Die Stuart-Dynastie ist nicht vergangen, sondern bleibt als Hoffnung pr\u00e4sent.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Damit wird das Objekt zu einem Medium kollektiver Erinnerung, das politische Identit\u00e4t nicht behauptet, sondern immer wieder performativ herstellt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"is-style-text-subtitle is-style-text-subtitle--2 wp-block-paragraph\">Moderne Perspektive: Nostalgie als Strukturprinzip<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hier zeigt sich der eigentliche moderne Bezug des Objekts. Das <em>Amen Glass<\/em> funktioniert nicht nur politisch, sondern auch emotional: Es produziert Nostalgie. Diese Nostalgie richtet sich auf eine Ordnung, die verloren ist, aber im gemeinsamen Gebrauch des Objekts symbolisch weiterlebt. Genau darin liegt ein klarer Anschluss an moderne Formen von Erinnerungskultur.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Glas l\u00e4sst sich deshalb fast wie ein fru\u0308hes Fanobjekt lesen: Es stiftet Zugeh\u00f6rigkeit zu einer \u00bbCommunity\u00ab, den Jakobiten. Es materialisiert Loyalit\u00e4t zu einer Figur, Jakob II. und seinen Erben. Es h\u00e4lt eine gemeinsame Erz\u00e4hlung lebendig, trotz politischer Niederlage. Wie heutige Fanartikel oder Erinnerungsstu\u0308cke (Trikots, Sammlerobjekte, Symbole) erzeugt es Bindung u\u0308ber Dinge. Der Unterschied liegt weniger in der Struktur als in der politischen Intensit\u00e4t. Das Moderne liegt hier also nicht im Objekt selbst, sondern in seiner Logik: Identit\u00e4t wird u\u0308ber materielle Dinge und geteilte Rituale stabilisiert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Verbindung mit dem Objekt <em><mark style=\"background-color:#FFFFFF\" class=\"has-inline-color has-accent-3-color\"><a href=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/the-glorious-revolution\/2026\/08\/10\/ein-koenig-im-exil\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">For my Son the Prince of Wales<\/a><\/mark><\/em> zeigt sich eine doppelte Perspektive auf dieselbe dynastische Idee. W\u00e4hrend Jakobs Schrift die Hoffnung und Legitimit\u00e4t der Stuart-Linie eher aus einer innerdynastischen, famili\u00e4ren Perspektive formuliert, zeigt das <em>Amen Glass<\/em>, wie diese Hoffnung im sozialen Alltag der Anh\u00e4nger weitergetragen wird. Beide Objekte erz\u00e4hlen somit nicht unterschiedliche Geschichten, sondern zwei Ebenen derselben politischen Erinnerung: eine private-dynastische und eine soziale-rituelle.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das jakobitische <em>Amen Glass<\/em> ist kein blo\u00dfes Trinkgef\u00e4\u00df, sondern ein Ritualobjekt politischer Erinnerung. Es verbindet Alltag, Loyalit\u00e4t und Hoffnung in einer Form, die sich st\u00e4ndig im Gebrauch erneuert. Seine besondere Bedeutung liegt weniger in der Geschichte der Jakobiten selbst als in der Art, wie Geschichte hier bewahrt wird: nicht in Institutionen, sondern in Dingen, die gemeinsam benutzt werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gerade darin wird das Objekt modern. Es zeigt fru\u0308h eine Logik von Erinnerung und Zugeh\u00f6rigkeit, die bis heute existiert \u2013 als Nostalgie, als kollektive Identit\u00e4t und als fast fanartige Bindung an eine verlorene Idee.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"is-style-text-subtitle is-style-text-subtitle--3 wp-block-paragraph\">Literatur<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Cruickshanks, Eveline und Jeremy Black (Hgg.): The Jacobite Challenge. Edinburgh 1988.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Monod, Paul Kl\u00e9ber: Jacobitism and the English People, 1688\u20131788. Cambridge 1993.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Pittock, Murray: The Myth of the Jacobite Clans. The Jacobite Army in 1745. Edinburgh 2022.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Szechi, Daniel: The Jacobites. Britain and Europe, 1688\u20131788, Manchester 1996.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Amen Glass (nach 1720) Beitrag von Ominya Bakir und Siser\u00e1 Sis Glas, 17,8 x 8,7 cm, The Metropolitan Museum of Art, New York, Nr. 41.164. Fotografie: https:\/\/www.metmuseum.org\/art\/collection\/search\/198869 Ein Abend im Schottland des 18. Jahrhunderts. Nach dem Essen wird Wein eingeschenkt, Gespr\u00e4che laufen, schlie\u00dflich hebt jemand sein Glas. Der Trinkspruch gilt jedoch nicht dem amtierenden K\u00f6nig, [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":9489,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[7,4],"tags":[],"class_list":["post-16","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-erinnern","category-katalogbeitrag"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/the-glorious-revolution\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/16","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/the-glorious-revolution\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/the-glorious-revolution\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/the-glorious-revolution\/wp-json\/wp\/v2\/users\/9489"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/the-glorious-revolution\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=16"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/the-glorious-revolution\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/16\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":69,"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/the-glorious-revolution\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/16\/revisions\/69"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/the-glorious-revolution\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=16"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/the-glorious-revolution\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=16"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/the-glorious-revolution\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=16"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}