{"id":2335,"date":"2022-06-14T16:25:55","date_gmt":"2022-06-14T14:25:55","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/stadtschreiber\/?p=2335"},"modified":"2022-06-14T16:25:55","modified_gmt":"2022-06-14T14:25:55","slug":"inszenierte-raeume-im-freilichtmuseum-detmold","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/stadtschreiber\/2022\/06\/14\/inszenierte-raeume-im-freilichtmuseum-detmold\/","title":{"rendered":"Inszenierte R\u00e4ume im Freilichtmuseum Detmold"},"content":{"rendered":"<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_2335 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_2335')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_2335').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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Besonders spannend fand ich dabei den Sch\u00f6nhof, ein Herrenhaus im Paderborner Dorf. Die Einrichtung dieses Geb\u00e4udes hebt sich von den anderen H\u00e4usern mit zumeist b\u00e4uerlicher Ausstattung ab. Durch Literatur zur Geschichte des Museums (vgl. West\u00e4lisches Freilichtmuseum Detmold. Geschichte \u2013 Konzepte \u2013 Entwicklungen. Hg. von Stefan Baumeier und Jan Carstensen, 1996) konnte ich erfahren, dass der Sch\u00f6nhof in der Entwicklung des Sammlungsverhaltens eine Rolle spielte. Wie in vielen Freilichtmuseen \u00fcblich, fokussierte sich auch das Westf\u00e4lische Freilichtmuseum zun\u00e4chst auf b\u00e4uerliche Kultur zwischen 1500 und dem Ende des 19. Jahrhunderts, wobei m\u00f6glichst keine Exponate nach 1850 gesammelt werden sollten. Die Er\u00f6ffnung des Sch\u00f6nhofes war ein Ansto\u00df, die Konzeption des Museums zu erweitern und auch andere soziale Schichten und Wohnkulturen zu zeigen. Auch der Westm\u00fcnsterl\u00e4nder Hof er\u00f6ffnete neue \u00dcberlegungen des Ausstellens. So wurde hier erstmals in der Inneneinrichtung der Zustand in der zweiten H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts \u00fcbernommen. W\u00e4hrend man sich vorher au\u00dferdem eher auf regionaltypische Darstellungen von R\u00e4umen fokussierte, setzte man hier die individuelle Geschichte des Geb\u00e4udes und seiner Bewohner in den Vordergrund. Im Wandel der Sammlungs- und Ausstellungskonzeption des Freilichtmuseums zeigt sich auch das ver\u00e4nderte Geschichtsverst\u00e4ndnis. So geht es mittlerweile vermehrt darum, Alltagsgeschichte und Einzelschicksale darzustellen und von der Inszenierung einer romantisierenden Landidylle abzur\u00fccken.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/stadtschreiber\/files\/2022\/06\/image0-1-768x1024.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2337\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/stadtschreiber\/files\/2022\/06\/image0-1-768x1024.jpeg 768w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/stadtschreiber\/files\/2022\/06\/image0-1-225x300.jpeg 225w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/stadtschreiber\/files\/2022\/06\/image0-1-1152x1536.jpeg 1152w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/stadtschreiber\/files\/2022\/06\/image0-1-1200x1600.jpeg 1200w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/stadtschreiber\/files\/2022\/06\/image0-1.jpeg 1512w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 984px) 61vw, (max-width: 1362px) 45vw, 600px\" \/><figcaption>Der Saal im Sch\u00f6nhof zeichnet sich durch die um 1800 entstandene Wandgestaltung von Philipp Bartscher aus<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In vielen Freilichtmuseen ist das 20. Jahrhundert kaum repr\u00e4sentiert. Dies \u00e4ndert sich jedoch zusehends, wie beispielsweise im Museumsdorf Cloppenburg die Umsetzung einer Diskothek aus den 1980er Jahren zeigt. Period Rooms werden nicht mehr mit einer Ansammlung von zuf\u00e4lligen Objekten gef\u00fcllt, die eine bestimmte Epoche und Wohnkultur abbilden sollen, sondern die R\u00e4ume werden, soweit m\u00f6glich, in ihrer originalen Ausstattung gezeigt, wobei die Dokumentation des einzelnen Objektes bedeutsam ist.\u00a0Zum Nachdenken gebracht hat mich ein Anspruch, den Carstensen in der erw\u00e4hnten Literatur anspricht: Die inszenierten R\u00e4ume sollen verfremdet werden, beispielsweise durch moderne Beschriftungen, damit nicht der Eindruck entsteht, man k\u00f6nne eine authentische Lebensrealit\u00e4t der ehemaligen Bewohner abbilden. Wenn ich Museen besuche, f\u00e4llt es mir manchmal schwer, mich von meiner Perspektive als private Museumsbesucherin zu l\u00f6sen und stattdessen das Museum aus einem wissenschaftlichen Blickwinkel zu betrachten. Oft ertappe ich mich selbst dabei, wie ich insbesondere bei sehr elegant gestalteten Period Rooms genau die Haltung einnehme, die von den meisten Kuratoren nicht gew\u00fcnscht ist. Wie sinnvoll sind dann aber die inszenierten R\u00e4ume \u00fcberhaupt, wenn sie doch dazu f\u00fchren, dass man das \u201eLeben von damals\u201d aus einer romantisierenden Perspektive sieht? Wie kann eine Verfremdung der R\u00e4ume erreicht werden, ohne sie ihrer eigentlichen Konzeption zu berauben? Vielleicht werden sich in den n\u00e4chsten Wochen Antworten auf diese Fragen finden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Den Start des 9\u20ac-Tickets ausnutzend, machte ich in der ersten Juni-Woche eine lang geplante Exkursion ins Freilichtmuseum Detmold. 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