Wir sind alle eine „Bunte Bande“

Inklusion wird oftmals lediglich bei der Planung des Unterrichts bedacht, indem die Lehrkräfte das Unterrichtsmaterial besonders binnendifferenziert anfertigen oder sich besondere Möglichkeiten überlegen, wie alle Kinder durch eine methodische Vielfalt am Unterricht partizipieren können.

Aber geht da nicht noch mehr? Kann Inklusion nicht auch thematisch Teil der pädagogischen Praxis werden? Dies hat sich die „Aktion-Mensch“ zur Aufgabe gemacht und ein Unterrichtsmaterial entwickelt, welches inklusiv gestaltet ist, aber auch zugleich die Inklusion thematisiert.

Die Reihe „Die Bunte Bande“ ist für Kinder im Alter von 6-10 Jahren konzipiert und fokussiert Themen im Bereich der gesellschaftlichen Vielfalt und Inklusion (vgl. Aktion Mensch, o.D., https://www.aktion-mensch.de/inklusion/bildung/bestellservice/materialsuche/detail?id=108). Das Material ist so gestaltet, dass alle Kinder daran teilhaben können. Die Geschichte in dem Buch ist in verschiedenen Schriftrealisierungen (Alphabet-Schrift und Braille-Schrift) sowie auf verschiedenen sprachlichen Niveaustufen verfasst, sodass alle Kinder am gleichen Material unabhängig ihrer Kompetenzen und Unterstützungsbedarfe arbeiten können.

Inhaltlich handeln die Geschichten von Henry, Leo, Tessa, Tom und Jule. Die Kinder sind sehr gute Freunde und durchschreiten gemeinsam als „Bunte Bande“ viele verschiedene Abenteuer. Die dabei aufkommenden Probleme meistern sie, dank ihrer verschiedenen Stärken (vgl. Aktion Mensch, o.D., https://www.aktion-mensch.de/inklusion/bildung/impulse/inklusion-material/bunte-bande.html?gclid=CjwKCAjwt-L2BRA_EiwAacX32fYUvVkVFjcSiLua8T41I-UxTgU4WMINbVTpGq6TTr_0a92eZxU5_BoCo7oQAvD_BwE). Darüber hinaus gibt es auch viele weiterführende Materialien, wie zum Beispiel „Mal- und Bastelspaß“, „Hör- und Singspaß“ oder „Rätselspaß“. Außerdem gibt es auch Quiz-Fragen auf der Plattform Antolin.

Guckt doch selber mal!

Nele Schemel (Von Studierenden für Studierende)

Durch das Unterrichtsmaterial „Die Bunte Bande“ können die Lehrkräfte ihre Schüler*innen in kindgerechter Weise an das Themenfeld der Inklusion heranführen und die gesellschaftliche Vielfalt näherbringen. Gemeinsam mit ihrer Lehrkraft können Schüler*innen entdecken, weshalb Vielfalt im (Schul-) Alltag wichtig und bereichernd ist. Dies trägt zu einem toleranten Umgang und zu einem gleichwertigen Menschenverständnis bei.

Das Material eröffnet äußerst differenzierte Möglichkeiten, welche Themen man mit seinen Schüler*innen behandeln möchte. Zunächst könnte man zum Beispiel mit seiner Klasse beginnen, die Vielfalt der Kinder hinsichtlich der Herkunft, der Interessen, etc. zu erarbeiten. Durch Gemeinsamkeiten und Unterschieden, die hier entdeckt werden, können die Schüler*innen über ihre heterogenen Lebensformen ins Gespräch kommen und sich beispielsweise über ihre Heimatländer austauschen. Darüber hinaus lernen Schüler*innen im Umgang mit dem Textmaterial „Die Bunte Bande“, dass Schwierigkeiten am besten in Zusammenarbeit gelöst werden können und ein Zusammenhalt besonders wichtig und vorteilhaft ist. Dies kann anschließend an dem Prozess des Rezipierens mit den Schüler*innen auf die Klassen- sowie die Schulgemeinschaft übertragen werden, um herauszuarbeiten, wie wichtig ein Zusammenhalt für die Klasse und die Schule ist. Ebenfalls können die Schüler*innen ihre unterschiedlichen Stärken herausarbeiten und erkennen, dass jedes Kind einen wichtigen Beitrag zu gemeinsamen Gruppenergebnissen leisten kann.

Dadurch, dass ein Kind der „Bunten Bande“ auf einen Rollstuhl angewiesen ist, werden die Kinder auf eventuelle Probleme aufmerksam gemacht und können im Anschluss an die Geschichte mit der Lehrkraft gemeinsam überlegen, auf welche Herausforderungen die Menschen, die im Rollstuhl sitzen, im Alltag, aber auch explizit in ihrer Schule treffen können. Daran anschließend könnten die Kinder ein Selbstexperiment durchführen und selbst einmal versuchen eine gewisse Zeit mit einem Handikap den Alltag zu meistern. Anschließend könnten die Schüler*innen sich überlegen, wie die Schule barrierefreier gestaltet werden könnte.

Neben den zuvor genannten Themen wird in den Büchern „Die Bunte Bande“ auch das Thema der Kinderarmut behandelt, da sich ein Kind kein neues Fahrrad oder ein Busticket leisten kann, um in das Kinder- und Jugendzentrum zu gelangen. Die Schüler*innen werden durch die Geschichten auch mit finanzieller Benachteiligung konfrontiert und können im Klassengespräch miteinander in eine Diskussion gelangen. Die Lehrkraft kann hierbei eine Wertevermittlung anregen und gemeinsam mit ihren Schüler*innen Hilfsmöglichkeiten, wie zum Beispiel einen Spendenlauf oder eine Tauschaktion, erarbeiten.

Zusätzlich wird auch noch das Thema „Kinderrechte“ aufgegriffen. Die Mitglieder der „Bunten Bande“ setzen sich äußerst intensiv für ihre Rechte ein, welches ein Anstoß für die Lehrkräfte sein kann, die eigenen Schüler*innen anzuregen, über Kinderrechte nachzudenken und Selbstbewusstsein zu entwickeln. Darüber hinaus können Lehrkräfte gemeinsam mit ihren Schüler*innen Kinderrechte in verschiedenen Ländern vergleichen.

Aufgrund dieser o.g. Punkte finde ich persönlich, dass sich das Material und die Geschichten der „Bunten Bande“ besonders gut eignen, um Inklusion für Kinder greifbar zu machen. Die verschiedenen Realisierungsformen tragen dazu bei, dass alle Kinder teilhaben und am Unterricht partizipieren können. Ich persönlich werde dieses Material später in meiner eigenen Unterrichtspraxis verwenden, da ich ein sehr hohes Potential in dem Material sehe, die Kinder für das Thema Inklusion, Kinderrechte, Kinderarmut und Vielfalt zu sensibilisieren.

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