Dr. Janosch Schobin: Soziale Isolation

Dr. Janosch Schobin

Soziale Isolation: Ein gesellschaftliches erzeugtes Problem?

 

Manche Menschen sind nahezu immer allein, andere episodisch und einige nie. Manche ertragen die Vereinzelung als drückende Einsamkeit, andere suchen sie als erholsame Solitude und viele ignorieren sie schlicht, solange sie von kurzer Dauer ist. Unter Umständen ist soziale Isolation einfach nur ein Produkt psychischer Dispositionen und erratischer Gelegenheiten. Dagegen spricht, dass moderne Gesellschaften Kontaktchancen sehr ungleich verteilen und das Vereinsamung – verstanden als dauerhafte, negativ erlebte und unfreiwillige soziale Isolation – besondere Trägergruppen kennt: Die Alten, die Kranken, die Stigmatisierten und die Bedürftigen. Soziale Isolation ist folglich nicht nur eine soziale Tatsache, sondern mitunter auch ein gesellschaftliches Problem.

Der Grund hierfür liegt in der konstitutiven Ambivalenz sozialer Bindungen beschlossen. Nüchtern ausgedrückt: Neben ihren Freuden haben feste Beziehungen immer ihre Kosten. Zu den Freiheitsversprechen in modernen Gesellschaften gehörte daher lange die Chance auf Bindungsreduktion. Die Ökonomie des „ganzen Hauses“ (Trutz von Trotha, Otto Brunner) wird durch Lohnarbeit, freie Partnerwahl und die moderne Kernfamilie abgelöst. Der Einzelne löst sich von seiner Herkunftsgemeinschaft und wird freier in der Wahl seiner relevanten Anderen und seiner Position im gesellschaftlichen Ganzen. Früh geht damit in der Soziologie die Wahrnehmung einher (etwa in der Form der Community-Lost-Hypothese), dass der Emanzipationsprozess erhebliche negative Nebenwirkungen hat. Er erzeugt relevante Gruppierungen mit zu wenigen Bindungen. Ihr Mangel hat hohe Kosten, er macht die Betroffenen seelisch wie physisch krank. Stimmt diese Beschreibung, dann ist soziale Isolation kein beliebiges gesellschaftliches Problem. Sie ist ein zwangsläufiges Korrelat von Modernisierungs- und Individualisierungsprozesse und ihre Bearbeitung ist folglich eine der Grundoperationen moderner Gesellschaften. Diese Überlegung wirft die Frage auf: Wie steht es heute? Kippt die Balance? Wird aus der Befreiung von den fordernden Anderen mehr und mehr die Angst vor der Vereinsamung? Und wenn ja: Welche Folgen hat/hätte das für das institutionelle Arrangement moderner Gesellschaften?

 

Dr. Janosch Schobin ist Mitarbeiter des Hamburger Instituts für Sozialforschung, seine Arbeitsschwerpunkte sind Soziologie der persönlichen Beziehungen, Soziale Exklusion, Wissensoziologie und Postsozialität

www.his-online.de/ueber-uns/mitarbeiter/aktuell/person/schobin-janosch/details/

Ein Gedanke zu „Dr. Janosch Schobin: Soziale Isolation

  1. Die deutsche Gesellschaftsordnung ist krank und macht krank!

    Macht verführt zum Lügen und zum Sadismus- http://www.wiwo.de/erfolg/management/der-boss-effekt-was-macht-aus-den-menschen-macht/10261622.html/ und http://www.wissen57.de/die-macht-verandert-den-charakter-des-menschen.html.
    Die Bestenauslese erfolgt nach Heuchelqualitäten- http://www.quality.de/cms/index.php/forum/26-archiv-2003/4579-prozessmanagment-wer-koordiniert-die-prozessverantwortlichen?start=36.
    Dementsprechend wird der Bevölkerung mit Lügen, Betrug und Heuchelei nur vorgemacht, die Obrigkeit würde für edle Werte einstehen und arbeiten-http://www.neopresse.com/politik/dach/kommentar-fragwuerdige-demokratische-prozesse.
    Gerichtlichen und behördlichen Entscheidungen fehlt wegen gewollter Verdrehungsabsicht der Tatsachen und der Rechtslage zumeist eine plausible Begründung, oft sogar die Sachbezogenheit. Dieses System ist darauf angelegt, Menschen zu zerstören (vgl. http://unschuldige.homepage.t-online.de/default.html).
    In den Parlamenten wäre ein wirksamer Gegenpol aus Nichtregierungsorganisationen notwendig, weil sich diese- meist ehrenamtlich- für Bürgerrechte einsetzen. Bürgergerichte wären auch notwendig. Eine Petition dazu kann z.Zt. gefunden werden unter https://www.change.org/p/bundesjustizminister-heiko-maas-strafbarkeit-von-rechtsbeugung-wiederherstellen-b%C3%BCrgergerichte-einf%C3%BChren.
    PS: Weiterverbreitung und Verbesserungen erwünscht.

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