{"id":297,"date":"2021-10-06T08:00:00","date_gmt":"2021-10-06T06:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/performla\/?p=297"},"modified":"2021-11-04T10:35:09","modified_gmt":"2021-11-04T09:35:09","slug":"quereinstieg-ins-lehramt-im-licht-der-bildungsforschung-3-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/performla\/2021\/10\/06\/quereinstieg-ins-lehramt-im-licht-der-bildungsforschung-3-4\/","title":{"rendered":"Quereinstieg ins Lehramt im Licht der Bildungsforschung &#8211;  3\/4"},"content":{"rendered":"<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_297 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_297')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_297').socialSharePrivacy({\"txt_help\":\"Wenn Sie diese Felder durch einen Klick aktivieren, werden Informationen an Facebook, Twitter, Flattr, Xing, t3n, LinkedIn, Pinterest oder Google eventuell ins Ausland \\u00fcbertragen und unter Umst\\u00e4nden auch dort gespeichert. 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Anlass war ein kurzer Beitrag des Deutschlandfunks, anhand dessen zun\u00e4chst das Ausma\u00df des Ph\u00e4nomens betrachtet wurde (siehe den <a href=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/performla\/2021\/09\/21\/quereinstieg-ins-lehramt-im-licht-der-bildungsforschung-1-2\/\">ersten Teil<\/a> der Reihe). Anschlie\u00dfend wurden Studienergebnisse herangezogen, in denen die professionellen Kompetenzen von Quer- und Seiten*einsteigerinnen und Lehrkr\u00e4ften mit grundst\u00e4ndigem Lehramtsstudium sowie den Leistungen ihrer Sch\u00fcler*innen verglichen wurden (siehe den <a href=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/performla\/2021\/09\/21\/quereinstieg-ins-lehramt-im-licht-der-bildungsforschung-1-2\/\">zweiten Teil<\/a> der Reihe). Insgesamt liegen sehr wenige empirische Daten vor und wenn, dann eher f\u00fcr MINT-Lehrkr\u00e4fte. In der Tendenz k\u00f6nnen aber bisher nur wenige Unterschiede beobachtet werden. In diesem Beitrag gehen wir deshalb noch aus anderen Perspektiven der Frage nach, warum  das Thema trotzdem immer wieder so kontrovers und emotional diskutiert wird. Hierzu kehren wir zun\u00e4chst zur\u00fcck zu den Thesen, die Raphaela Porsch in ihrem aktuellen \u00dcbersichtsbeitrag diskutiert (Porsch, 2021), f\u00fcr den ich auch hier noch einmal eine Leseempfehlung geben m\u00f6chte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8222;<em>These 3: Auf die Einstellung von Quer- und Seiteneinsteiger*innen kann<br>grunds\u00e4tzlich in Deutschland nicht verzichtet werden.&#8220;<\/em> (Porsch, 2021, S. 214)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese These bezieht sich auf eine der Kernannahmen in Diskussionen zum Quereinstieg: Muss es eigentliche alternative Wege ins Lehramt geben? Reichen nicht die Lehramtsabsolvent*innen? <strong>Generell ist es ein empirisch gut beobachtetes Ph\u00e4nomen, dass die Einstellungszahlen von Lehrkr\u00e4ften in Zyklen verlaufen.<\/strong> Ist der Bedarf an Lehrkr\u00e4ften hoch, entscheiden sich mehr junge Menschen f\u00fcr eine Lehramtsausbildung. Da es allerdings zwischen f\u00fcnf bis sieben Jahren dauert, bis Lehrkr\u00e4fte vollst\u00e4ndig ausgebildet sind, kommt es im Zeitverlauf immer wieder zu \u00dcber- oder Unterdeckung des Bedarfs. Sind alle Stellen besetzt, entscheiden sich weniger Personen f\u00fcr das Studium, und in ein paar Jahren fehlen dann wieder Lehrkr\u00e4fte (insgesamt auch <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Schweinezyklus\">Schweinezyklus<\/a> genannt). Neben diesen Zyklen gibt es aber weitere Effekte, die dazu beitragen, dass Lehrkr\u00e4ftebedarf und -angebot h\u00e4ufig auseinander driften, wie z.B. Studienabbruch im Lehramt oder eine Erh\u00f6hung der Teilzeitquote unter Lehrkr\u00e4ften.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/performla\/files\/2021\/09\/DDS_Waxmann.jpg\" alt=\"\" width=\"235\" height=\"332\" \/><figcaption>Bildnachweis:  \u00a9 Waxmann Verlag<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Betrachtet man die Absolvent*innen des Jahrgangs 2016 l\u00e4sst sich bundesweit f\u00fcr Lehramtsstudieng\u00e4nge eine Abbruchquote von ca. 15% feststellen, die im Vergleich mit anderen Studieng\u00e4ngen relativ niedrig ausf\u00e4llt <\/strong>(Neugebauer, Heublein &amp; Daniel, 2019). Auch hier muss allerdings differenziert werden, dass betr\u00e4chtliche Unterschiede zwischen Studieng\u00e4ngen und Studienf\u00e4chern bestehen. G\u00fcldener et al. (2020) untersuchten in einer L\u00e4ngsschnittstudie bei Lehramtsstudierenden in Mecklenburg-Vorpommern den &#8222;Schwund&#8220; im Lehramtsstudium zwischendem Beginn Wintersemester 2012\/2013 und dem Sommersemesters 2019. Dabei beobachten sie einen Unterschied zwischen verschiedenen Studieng\u00e4ngen und teilweise generell hohen Schwund: &#8222;Im Lehramt an Gymnasien sind die Kohorten nach zwei Semestern um etwa 30 Prozent geschrumpft , im Lehramt an Regionalen Schulen teilweise um bis zu 40 Prozent.&#8220; (G\u00fcldener et al., 2020, S. 388) Dies ist f\u00fcr das Lehramt an Grundschulen und f\u00fcr sonderp\u00e4dagogische F\u00f6rderung deutlich anders bzw. es gibt weniger Schwund und mehr Absolvent*innen. <strong>Dies verdeutlich exemplarisch, dass meist kein genereller Lehrkr\u00e4ftemangel besteht, sondern meist ein Mangel f\u00fcr spezifische Schulformen und F\u00e4cher<\/strong> (siehe hierzu auch die Quoten f\u00fcr den Quer- und Seiteneinstieg im <a href=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/performla\/2021\/09\/21\/quereinstieg-ins-lehramt-im-licht-der-bildungsforschung-1-2\/\">ersten Beitrag<\/a>). Zusammen mit der Zunahme des Anteils von weiblichen Lehrkr\u00e4ften stieg auch historisch betrachtet der Anteil an Lehrkr\u00e4ften in Teilzeit: &#8222;Von den Lehrerinnen an den Grundschulen (die 90 Prozent der Kollegien stellen) arbeiteten in NRW im Jahr 2018\/19 46 Prozent in Teilzeit, von den Realschullehrerinnen haben 47,6 Prozent Teilzeit beantragt, von den Gymnasiallehrerinnen 50 Prozent.&#8220; (Zymek &amp; Heinemann, 2020, S. 377). Hierf\u00fcr gibt es meist nachvollziehbare Gr\u00fcnde, die hier auch nicht bewertet werden sollen. Es soll nur deutlich gemacht werden, dass auch dies ein Faktor ist, der dazu beitr\u00e4gt, dass Angebot und Bedarf h\u00e4ufig nicht \u00fcbereinstimmen. Blickt man historisch zur\u00fcck (vgl. Zymek &amp; Heinemann, 2020), so kann festgestellt werden, dass in der Tat ohne Quer- und Seiteneinstieg der Lehrkr\u00e4ftebedarf nicht vollst\u00e4ndig gedeckt werden konnte bzw. kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right wp-block-paragraph\"><em>Eine Diskussion des Mangels<\/em>&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kontroversen zum Quer- und Seiteneinstieg finden also immer vor dem Hintergrund einer eigentlich nie ausreichenden Deckung von Angebot und Bedarf statt. Entsprechend stehen aber auch gerade Entscheider*innen im System Schule immer wieder unter dem Druck, die Unterrichtsversorgung sicherzustellen bzw. den Schweinezyklus zu verwalten. Dies umso mehr, da es eben keinen allgemeinen Mangel an Lehrkr\u00e4ften, sondern prim\u00e4r einen Mangel in bestimmten Schularten und F\u00e4chern gibt. Dies ist deutlich sichtbar an den unterschiedlichen Anteilen von Neueinstellungen \u00fcber alternative Wege ins Lehramt f\u00fcr spezifische F\u00e4cher (KMK, 2021). Es prallen bei der Frage des Quer- und Seiteneinstiegs also immer wieder verschiedene Perspektiven, Ziele und Bed\u00fcrfnisse aufeinander, je nachdem, welche Stimme sich jeweils zu Wort meldet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eigentlich sind sich auf Ebene der grunds\u00e4tzlichen, abstrakten W\u00fcnsche alle am Bildungssystem Beteiligten einig, von Sch\u00fcler*innen, Eltern, Schulleitungen, Lehrkr\u00e4ften, Bildungsadministrator*innen, Lehrerbildner*innen bis hin zu Bildungsforscher*innen (h\u00e4ufig hat man davon ja mehrer Rollen inne). <strong>Alle m\u00f6chten insgesamt eine m\u00f6glichst gute Schulbildung f\u00fcr Sch\u00fcler*innen durchgef\u00fchrt durch professionell qualifizierte und f\u00e4hige Lehrkr\u00e4fte.<\/strong> <strong>Auf der anderen Seite ist aber gerade in der Alltagsgestaltung eine zuverl\u00e4ssige Unterrichtsversorgung wichtig, bei der wenig Unterricht ausf\u00e4llt.<\/strong> Und grunds\u00e4tzlich ist die Annahme ja auch korrekt, dass Unterricht auf jeden Fall stattfinden muss, damit er \u00fcberhaupt Lernwirkungen erzeugen kann. Herrscht Lehrkr\u00e4ftemangel sind diese beiden Ziele allerdings nicht hundertprozentig vereinbar.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Strittig ist also eher, wie mit der Situation umgegangen werden soll, bzw. welche m\u00f6glichen L\u00f6sungen es f\u00fcr das Dilemma gibt und welche Vor- und Nachteile von L\u00f6sungen bestehen. Die Einstellung von Quer- und Seiteneinsteiger*innen ist eine solche L\u00f6sungsstrategie. Welche Ansichten und Argumente dabei vorgebracht werden, inwiefern Erkenntnisse der Bildungsforschung bei der Diskussion helfen k\u00f6nnen und welche Position auch ich aus Sicht von jemandem, der am Thema performanzorientierter Professionalisierung in der Lehramtsausbidung arbeitet, einnehme, wird Beitrag des n\u00e4chsten und abschlie\u00dfenden Beitrags unserer Reihe zum Quereinstieg sein. Er findet sich <a href=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/performla\/2021\/10\/19\/quereinstieg-ins-lehramt-im-licht-der-bildungsforschung-4-4\/\">hier<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es l\u00e4sst sich aber schon jetzt festhalten: An dieser Stelle verl\u00e4sst man den Boden der Bildungsforschung im engeren Sinne und es geht mehr um die Aushandlung von Strategien, also eher Fragen der Bildungspolitik.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Literatur<\/em><\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>G\u00fcldener, T., Sch\u00fcmann, N., Driesner, I. &amp; Arndt, M. (2020). Schwund im Lehramtsstudium. <em>Die Deutsche Schule,<\/em> 112(4), 381\u2013398. (<a href=\"https:\/\/www.waxmann.com\/index.php?eID=download&amp;id_artikel=ART104269&amp;uid=frei\">Online<\/a>)<\/li><li>KMK (2021). <em>Einstellung von Lehrkr\u00e4ften&nbsp;2020<\/em>. (<a href=\"https:\/\/www.kmk.org\/fileadmin\/Dateien\/pdf\/Statistik\/Dokumentationen\/Dok_228_EvL_2020.pdf\">Online<\/a>)<\/li><li>Neugebauer, M., Heublein, U., &amp; Daniel, A. (2019). Studienabbruch in Deutschland: Ausma\u00df, Ursachen, Folgen, Pr\u00e4ventionsm\u00f6glichkeiten. <em>Zeitschrift f\u00fcr Erziehungswissenschaft<\/em>, <em>22<\/em>(5), 1025-1046. (<a href=\"https:\/\/link.springer.com\/article\/10.1007\/s11618-019-00904-1\">Online<\/a>)<\/li><li>Porsch, R. (2021). Quer- und Seiteneinsteiger*innen im Lehrer*innenberuf &#8211; Thesen in der Debatte um die Einstellung nicht traditionell ausgebildeter Lehrkr\u00e4fte. In C. Reintjes, T-S. Idel, Bellenberg, G., &amp; Th\u00f6nes, K. V. (Hrsg.). <em>Schulpraktische Studien und Professionalisierung: Koh\u00e4renzambitionen und alternative Zug\u00e4nge zum Lehrberuf<\/em> (S. 207-228). M\u00fcnster: Waxmann. (<a href=\"https:\/\/www.waxmann.com\/index.php?eID=download&amp;buchnr=4433\">Online<\/a>)<\/li><li>Zymek, B. &amp; Heinemann, U. (2020). Konjunkturen des Lehrerarbeitsmarkts und der Besch\u00e4ftigungschancen von Frauen vom 19.&nbsp; Jahrhundert bis heute. <em>Die Deutsche Schule<\/em>, 112(4), 364\u2013380. (<a href=\"https:\/\/www.waxmann.com\/index.php?eID=download&amp;id_artikel=ART104268&amp;uid=frei\">Online<\/a>)<\/li><\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Lehrer kann doch jeder, man war schlie\u00dflich lange genug in der Schule. Da wei\u00df man wie der Hase zu laufen hat!&#8220; In einer kleinen Artikelreihe betrachten wir den Quer- oder Seiteneinstieg ins Lehramt aus der Perspektive der Ergebnisse und Diskussionen der Bildungsforschung. 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