{"id":225,"date":"2021-11-23T12:00:00","date_gmt":"2021-11-23T11:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/performla\/?p=225"},"modified":"2021-11-23T09:56:48","modified_gmt":"2021-11-23T08:56:48","slug":"was-lehrkrafte-von-arzten-lernen-konnen-bzw-ihre-ausbilderinnen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/performla\/2021\/11\/23\/was-lehrkrafte-von-arzten-lernen-konnen-bzw-ihre-ausbilderinnen\/","title":{"rendered":"Was Lehrkr\u00e4fte bzw. diejenigen, die sie ausbilden, von \u00c4rzten lernen k\u00f6nnen"},"content":{"rendered":"<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_225 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_225')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_225').socialSharePrivacy({\"txt_help\":\"Wenn Sie diese Felder durch einen Klick aktivieren, werden Informationen an Facebook, Twitter, Flattr, Xing, t3n, LinkedIn, Pinterest oder Google eventuell ins Ausland \\u00fcbertragen und unter Umst\\u00e4nden auch dort gespeichert. 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Ideenkatalysatoren f\u00fcr unsere Nachwuchsforschungsgruppe war auch ein Gastbeitrag von Prof. Dr. Martin Prenzel (2017) im <a href=\"https:\/\/www.jmwiarda.de\/blog\/\">Blog<\/a> des Bildungsjournalisten Dr. Jan-Martin Wiarda, der immer wieder sehr lesenswert ist. In diesem <a href=\"https:\/\/www.jmwiarda.de\/2017\/05\/04\/gastbeitrag-nehmen-wir-die-medizin-als-ansporn\/\">Artikel<\/a> rief Martin Prenzel dazu auf, sich bei der Weiterentwicklung der Lehramtsausbildung st\u00e4rker an Ans\u00e4tzen aus der Ausbildung angehender Mediziner*innen zur orientieren. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Prenzel nennt dabei einige <strong>Merkmale der Medizinausbildung<\/strong>, die er sich in \u00e4hnlicher Weise auch f\u00fcr die Lehramtsausbildung w\u00fcnschen w\u00fcrde: Deutschlandweite Abstimmung der Ausbildung; Erprobungen von Reformstudieng\u00e4ngen, deren Elemente auch teilweise in den Regelbetrieb einflie\u00dfen; Einbezug aktueller Forschungsergebnisse in die Ausbildung. Dabei bezieht er sich vor allem auf die strukturelle Verankerung der Lehramtsausbildung an Hochschulen, erkennt bisherige Bem\u00fchungen und Erfolge an, sieht aber noch einiges Potential f\u00fcr bessere Abstimmung \u00fcber Bundeslandgrenzen hinweg. Eine konkrete Forderung w\u00e4re die nach der <strong>Entwicklung eines Masterplans f\u00fcr das Lehramtsstudium<\/strong>, analog zu vergleichbaren Pl\u00e4nen f\u00fcr das Medizinstudium, um einheitlichere Qualit\u00e4tsstandards zu etablieren bzw. eine Verst\u00e4ndigung dar\u00fcber einzuleiten. Als konkretes Beispiel f\u00fcr eine Ver\u00e4nderung des Lehramtsstudiums schl\u00e4gt Prenzel ein Ein-Fach-Lehramtsstudium vor, wobei er diesen Vorschlag auch nur als eine von verschiedenen M\u00f6glichkeiten sieht. Deutlich wird, wie wichtig ihm eine Diskussion \u00fcber die Weiterentwicklung der Ausbildung ist, weshalb er eine Orientierung an der Mediziner*innenausbildung auch schon an anderen Stellen vorgeschlagen hat (z.B. Prenzel, 2019).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Was Lehrkr\u00e4fte mit \u00c4rzten gemeinsam haben (sollten)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Man muss Prenzel in diesem konkreten Vorschlag und auch in dieser Betonung struktureller Bedingungen des Lehramtsstudiums nicht zu hundert Prozent folgen, aber sich an Ans\u00e4tzen der Mediziner*innenausbildung zu orientieren, ist ein lohnenswerter und sinnvoller Vorschlag, denn:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>&#8222;Selbstverst\u00e4ndlich muss man die unterschiedlichen f\u00f6deralen Zust\u00e4ndigkeiten anf\u00fchren, die es bei der Medizin \u2013 anders als beim Lehramt \u2013 dem Bund erm\u00f6glichen, eine koordinierende Rolle einzunehmen. Doch abgesehen von den verfassungspolitischen Gegebenheiten leuchtet es nicht ein, warum wir uns zwar einig sind, dass die Gesundheitsversorgung in Schleswig-Holstein dasselbe bedeuten sollte wie in Bayern, aber bei der Bildung unserer Kinder anscheinend an einen regionalen Qualit\u00e4tsbegriff glauben.&#8220;<\/p><cite>Prenzel (2017)<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diesem Urteil schlie\u00dfe ich mich an. <strong>Warum sollten wir an die Ausbildung von Lehrkr\u00e4ften nicht die gleichen Anspr\u00fcche haben, wie an die der Ausbildung von Mediziner*innen?<\/strong> Ich vermute, dass in der Lehramtsausbildung mehr Varianz und Uneinheitlichkeit akzeptiert wird, was auch darin begr\u00fcndet liegt, dass bspw. in der Medizin die Folgen einer schlechten Ausbildung sich viel unmittelbarer zeigen, als in der Lehramtsausbildung. Wenn eine Wunde falsch behandelt wird, sieht man es direkt und es schmerzt. Werden Sch\u00fcler*innen schlecht unterrichtet, sieht man die Folgen erst viel sp\u00e4ter. Insofern stimme ich Prenzel zu, wenn er zumindest ein Bem\u00fchen darum fordert, die bestm\u00f6gliche Ausbildungsqualit\u00e4t &#8211; und zwar bundesweit &#8211; zu sichern, wenn Bildung ein ebenso hohes gesellschaftliches Ziel sein soll wie Gesundheit.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/performla\/files\/2021\/11\/pixabay_leosong-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"270\" height=\"178\" \/><figcaption>Bildnachweis: Leo Jeong Soo, Pixabay-Lizenz, <a href=\"https:\/\/pixabay.com\/de\/photos\/vortrag-instructor-h%c3%b6rsaal-zimmer-3986809\/\">Link<\/a> <\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Analogie zwischen Lehrkr\u00e4fte- und Medizinausbildung l\u00e4sst sich aber nicht nur auf die Entwicklung von Standards beziehen. Beide Studienbereiche sind professionsbezogen, sie existieren also deshalb, weil sie Personen zur Aus\u00fcbung einer bestimmten Profession bef\u00e4higen sollen, die eine gesellschaftlich wichtige Funktion erf\u00fcllen. <strong>In beiden Studieng\u00e4ngen stehen Ausbilder*innen vor der Herausforderung, ein notwendiges, aber stark theorieorientiertes Studium mit einer zielf\u00fchrenden Bef\u00e4higung zur Bew\u00e4ltigung der Berufspraxis zu kombinieren.<\/strong> \u00c4hnlich wie im Lehramt kommt es auch in der Medizin immer wieder zu Situationen, in denen zu wenig Personen ausgebildet (z.B. der so genannte &#8222;\u00c4rztemangel&#8220;) oder regional nicht gut verteilt sind (z.B. Kaduszkiewicz, 2018). In beiden Feldern wird daher versucht, Absolvent*innen zu motivieren bspw. auch an vermeintlich unattraktiven Orten zu arbeiten (z.B. Steinh\u00e4user et al., 2013; Anders, 2020). In der Medizin w\u00fcrde aber sicherlich ein so hoher Anteil Quereinsteigender in den Beruf nicht akzeptiert werden wie es im Lehramt geschieht (vgl. hierzu auch unsere Artikelreihe <a href=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/performla\/2021\/09\/21\/quereinstieg-ins-lehramt-im-licht-der-bildungsforschung-1-4\/\">hier<\/a> im Blog).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right wp-block-paragraph\"><em>Performanzorientiertes Pr\u00fcfen im Lehramt<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Detail gibt es nat\u00fcrlich immer noch betr\u00e4chtliche Unterschiede und beide Studienbereiche sind nicht genau vergleichbar, aber grunds\u00e4tzlich weist die Medizinausbildung \u00e4hnliche Herausforderungen auf wie die Lehramtsausbildung, weshalb es sich lohnt, von m\u00f6glichen L\u00f6sungsans\u00e4tzen der jeweils anderen Disziplin zu lernen. Innerhalb unserer Nachwuchsforschungsgruppe machen wir genau dies, indem wir versuchen, <em>Assessment<\/em>-Konzepte aus der Medizin (z.B. <span style=\"font-size: revert\">Harden, 1988<\/span>) in die Lehramtsausbildung zu \u00fcbertragen. Dabei werden professionstypische Handlungsanforderungen in einem standardisierten Setting mit Schauspielenden simuliert (wie z.B. Anamnese-Gespr\u00e4che). Diese Szenarien k\u00f6nnen bzw. werden sogar als Pr\u00fcfungsverfahren im Medizinstudium eingesetzt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Unser Ziel ist es, solche Pr\u00fcfungsszenarien auch f\u00fcr das Lehramtsstudium (bei uns: im Fach Englisch, im Fach Physik und in den Bildungswissenschaften) zu entwickeln und zu erproben. <\/strong>Dabei arbeiten wir nat\u00fcrlich nicht im &#8222;luftleeren&#8220; Raum, sondern orientieren uns an \u00e4hnlichen Vorarbeiten (vgl. Dotger et al., 2010), die wir in diesem Blog auch noch n\u00e4her vorstellen werden. Damit unsere Verfahren als Pr\u00fcfungsformate auch wirklich implementiert werden k\u00f6nnen, m\u00fcssen die Besonderheiten des Lehrer*innenberufs ber\u00fccksichtigt und die Szenarien erprobt und hinreichend validiert werden. Folgend werden sie dann (hoffentlich) auch von Studierenden und Lehrenden akzeptiert werden k\u00f6nnen. Wir sind aber optimistisch und werden hier immer wieder von unserer Forschungsarbeit berichten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Literatur<\/em><\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Anders, F. (2020). <em>Anreize f\u00fcr Lehrkr\u00e4fte in unbeliebten Regionen<\/em>. Das Deutsche Schulportal, 29. Januar 2020. (<a href=\"https:\/\/deutsches-schulportal.de\/bildungswesen\/anreize-fuer-lehrkraefte-in-unbeliebten-regionen\/\">Online<\/a>)<\/li><li>Dotger, B. H., Dotger, S. C., &amp; Maher, M. J. (2010). From medicine to teaching: The evolution of the simulated interaction model.&nbsp;<em>Innovative Higher Education<\/em>,&nbsp;<em>35<\/em>(3), 129-141. (<a href=\"https:\/\/link.springer.com\/article\/10.1007\/s10755-009-9128-x\">Online<\/a>)<\/li><li>Harden, R. M. (1988). What is an OSCE?.&nbsp;<em>Medical teacher<\/em>,&nbsp;<em>10<\/em>(1), 19-22. (<a href=\"https:\/\/www.tandfonline.com\/doi\/pdf\/10.3109\/01421598809019321\">Online<\/a>)<\/li><li>Kaduszkiewicz, H., Teichert, U., &amp; van den Bussche, H. (2018). \u00c4rztemangel in der haus\u00e4rztlichen Versorgung auf dem Lande und im \u00d6ffentlichen Gesundheitsdienst. <em>Bundesgesundheitsblatt-Gesundheitsforschung-Gesundheitsschutz<\/em>, <em>61<\/em>(2), 187-194. (<a href=\"https:\/\/link.springer.com\/article\/10.1007\/s00103-017-2671-1\">Online<\/a>)<\/li><li>Prenzel, M. (2019). <em>Die Lehrerbildung in Deutschland \u2013 und was die Qualit\u00e4tsoffensive zu ihrer Weiterentwicklung beitragen kann<\/em>. Vortrag am Bayerischen Staatsinstitut f\u00fcr Hochschulforschung und Hochschulplanung M\u00fcnchen, 8. Juli 2019. (<a href=\"https:\/\/www.ihf.bayern.de\/fileadmin\/user_upload\/IHF\/Veranstaltungen\/Hochschulforschung_im_Dialog\/Prenzel_Lehrerbildung_072019.pdf\">Online<\/a>)<\/li><li>Prenzel, M. (2017). <em>&#8222;Nehmen wir die Medizin als Ansporn!&#8220;<\/em>. jmwiarda.de ,04. November 2017. (<a href=\"https:\/\/www.jmwiarda.de\/2017\/05\/04\/gastbeitrag-nehmen-wir-die-medizin-als-ansporn\/\">Online<\/a>)<\/li><li>Steinh\u00e4user, J., Joos, S., Szecsenyi, J., &amp; G\u00f6tz, K. (2013). Welche Faktoren f\u00f6rdern die Vorstellung sich im l\u00e4ndlichen Raum niederzulassen. <em>Zeitschrift f\u00fcr Allgemeinmedizin<\/em>, <em>89<\/em>(1), 10-15. (<a href=\"https:\/\/www.online-zfa.de\/fileadmin\/user_upload\/Heftarchiv\/ZFA\/article\/2013\/01\/787ECA7D-5266-458B-BC5E-CDF35A73A91F\/787ECA7D5266458BBC5ECDF35A73A91F_steinhaeuser_laendlicher_raum_1_original.pdf\">Online<\/a>)<\/li><\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Analogien zwischen Lehrer*innen- und Mediziner*innenausbildung Einer der Anst\u00f6\u00dfe bzw. Ideenkatalysatoren f\u00fcr unsere Nachwuchsforschungsgruppe war auch ein Gastbeitrag von Prof. Dr. Martin Prenzel (2017) im Blog des Bildungsjournalisten Dr. Jan-Martin Wiarda, der immer wieder sehr lesenswert ist. 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