{"id":1304,"date":"2022-11-18T15:00:00","date_gmt":"2022-11-18T14:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/performla\/?p=1304"},"modified":"2023-09-18T16:54:33","modified_gmt":"2023-09-18T14:54:33","slug":"taeuschen-schummeln-und-betruegen-an-der-hochschule-im-licht-der-bildungsforschung-6-7","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/performla\/2022\/11\/18\/taeuschen-schummeln-und-betruegen-an-der-hochschule-im-licht-der-bildungsforschung-6-7\/","title":{"rendered":"T\u00e4uschen, Schummeln und Betr\u00fcgen an der Hochschule im Licht der Bildungsforschung 6\/7"},"content":{"rendered":"<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_1304 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_1304')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_1304').socialSharePrivacy({\"txt_help\":\"Wenn Sie diese Felder durch einen Klick aktivieren, werden Informationen an Facebook, Twitter, Flattr, Xing, t3n, LinkedIn, Pinterest oder Google eventuell ins Ausland \\u00fcbertragen und unter Umst\\u00e4nden auch dort gespeichert. 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Dabei schauen wir insbesondere, welche Ergebnisse aus Untersuchungen der empirischen Bildungsforschung hierzu vorliegen. Im Detail ging es bisher darum wie man Fehlverhalten erfassen kann (<a href=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/performla\/2021\/11\/11\/taeuschen-schummeln-und-betruegen-an-der-hochschule-im-licht-der-bildungsforschung-2-7\/\">Teil 2<\/a>), in welchem Ausma\u00df es auftritt (<a href=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/performla\/2021\/11\/26\/taeuschen-schummeln-und-betruegen-an-der-hochschule-im-licht-der-bildungsforschung-3-7\/\">Teil 3<\/a>), welche m\u00f6glichen Ursachen es gibt (<a href=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/performla\/2022\/07\/01\/taeuschen-schummeln-und-betruegen-an-der-hochschule-im-licht-der-bildungsforschung-4-7-teil-1\/\">Teil 4<\/a>) und mit welchen Ma\u00dfnahmen man ihm begegnen kann (<a href=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/performla\/2022\/11\/11\/taeuschen-schummeln-und-betruegen-an-der-hochschule-im-licht-der-bildungsforschung-5-7\/\">Teil 5<\/a>). In diesem vorletzten Beitrag kehren wir ganz zur\u00fcck an den Beginn (<a href=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/performla\/2021\/11\/04\/tauschungen-bei-prufungen-im-licht-der-bildungsforschung-1-7\/\">Teil 1<\/a>) bzw. zu dem Fall, der der Ausl\u00f6ser daf\u00fcr war, akademisches Fehlverhalten bei Pr\u00fcfungen im Blog genauer unter die Lupe zu nehmen.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/performla\/files\/2022\/11\/money-1024x682.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1671\" width=\"507\" height=\"338\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/performla\/files\/2022\/11\/money-1024x682.jpg 1024w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/performla\/files\/2022\/11\/money-300x200.jpg 300w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/performla\/files\/2022\/11\/money-768x512.jpg 768w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/performla\/files\/2022\/11\/money-624x416.jpg 624w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/performla\/files\/2022\/11\/money.jpg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 507px) 100vw, 507px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"><em>Bildnachweis:<\/em> stevenpb, Pixabay-Lizenz<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Noten gegen Geld<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Oktober 2021 wurde berichtet, dass eine Mitarbeiterin des zentralen Pr\u00fcfungsamtes  an der Universit\u00e4t Duisburg-Essen von Studierenden Geld angenommen habe und daf\u00fcr deren Noten in der in der zentralen Pr\u00fcfungsdatenbank ver\u00e4ndert habe, auf der die Abschlusszeugnisse basieren (Olbrisch, 2021). Dabei wurden als Beispielpreise 50 Euro f\u00fcr die Erh\u00f6hung einer Notenstufe um 0,3 oder 800 Euro f\u00fcr das Eintragen einer bestandenen Klausur verlangt. Auch wenn dieser Fall nat\u00fcrlich in Zusammenhang mit Pr\u00fcfungen steht, unterscheidet er sich doch st\u00e4rker von den Formen des akademischen Fehlverhaltens, die wir bisher thematisiert haben (z.B. das &#8222;Spicken&#8220; in Klausuren, Plagiate etc.). Hier wurde nicht in der Pr\u00fcfung selbst get\u00e4uscht, sondern erst im Nachgang und zudem agieren zwei Personen gemeinsam. Sowohl die*der jeweilige Studierende, als auch die Mitarbeiterin. Dabei fand eine Geldtransaktion statt, also eine Bestechung. <strong>Auch wenn dies nat\u00fcrlich eine Form akademischen Fehlverhaltens ist, k\u00f6nnen solche F\u00e4lle eher unter dem Begriff der akademischen Korruption beschrieben werden.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right wp-block-paragraph\"><em>Korrupt ist, wer Korruptes tut<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zur Frage, was genau alles unter Korruption zu fassen ist, k\u00f6nnen verschiedene Definitionen herangezogen werden, die sich je nach Kontext auch unterscheiden k\u00f6nnen (vgl. Farrales, 2005). Die Definition des <a href=\"https:\/\/www.bka.de\/DE\/UnsereAufgaben\/Deliktsbereiche\/Korruption\/korruption_node.html\">BKA<\/a> bezieht sich bspw. &#8222;nur&#8220; auf das Verhalten von Personen mit \u00f6ffentlichen \u00c4mtern, mit politischen Mandaten oder Funktionstr\u00e4ger*innen in der Wirtschaft (Quelle). Die Organisation <a href=\"https:\/\/www.transparency.de\/ueber-uns\/was-ist-korruption\/\">Transparency International<\/a> arbeitet mit folgender allgemeiner Definition:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8222;Korruption ist der Missbrauch anvertrauter Macht zum privaten Nutzen oder Vorteil.&#8220;<\/p>\n<cite>(Transparency International, 2022)<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Rumyantseva (2005) unterscheidet f\u00fcr den Kontext von Hochschulen <strong>zwei grunds\u00e4tzliche Typen von Korruption<\/strong>: <em>&#8222;corruption that involves students as agents and has direct affect on their values, beliefs, and life chances, and corruption that does not involve students as agents and has limited direct affect on them.&#8220;<\/em> (Rumyantseva, 2005, 86). Das obige Fallbeispiel ist dabei ein Prototyp f\u00fcr ersteres (also: Geld gegen Note). Zweiteres meint z.B. das  Veruntreuen von Geldern, die einer Hochschule zur Verf\u00fcgung gestellt werden. Dies hat nat\u00fcrlich auch mittelbar negative Auswirkungen auf Studierende (z.B. wenn deshalb weniger Lehrveranstaltungen angeboten werden k\u00f6nnen), aber die Studierenden selbst m\u00fcssen keine bzw. m\u00fcssen sich nicht entscheiden eine korrupte Handlung zu begehen. Nur Korruptionshandlungen, in denen Studierende selbst handeln, werden von Rumyantseva (2005) als <em>&#8222;education-specific corruption&#8220;<\/em> (Rumyantseva, 2005, 88) bezeichnet. Sie formuliert in einer Taxonomie drei Formen der Korruption, die davon abh\u00e4ngen, mit wem die Studierenden dabei interagieren<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Studierenden-Dozierenden-Interaktion:<\/strong> Dies beinhaltet F\u00e4lle, in denen Lehrende involviert sind, also z.B. das Geben guter Noten gegen Geld durch Professor*innen oder den Verkauf von Klausurl\u00f6sungen durch Dozierende<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Studierenden-Verwaltung-Interaktion:<\/strong> Dies meint F\u00e4lle, in denen Mitarbeitende der Hochschulverwaltung in der Korruption in involviert sind, also z.B. die Annahme von Geld, damit eine Person garantiert einen Studienplatz bekommt, das Verlangen von Geld, vom Verwaltungsvorg\u00e4nge \u00fcberhaupt durchzuf\u00fchren, oder das \u00c4ndern von Noten durch Mitarbeitende in der Pr\u00fcfungsverwaltung (wie im obigen Beispiel).<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Studierenden-Service-Interaktion:<\/strong> Dies umfasst F\u00e4lle, in denen Mitarbeitende von zentralen Serviceeinrichtungen einer Hochschule die Korruptionspartner*innen sind, also z.B. wenn Bibliotheksmitarbeitende Geb\u00fchren f\u00fcr B\u00fccher erheben, die eigentlich kostenfrei zug\u00e4nglich sind.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Konkrete F\u00e4lle k\u00f6nnen nicht immer trennscharf einer der Kategorien zugeordnet werden, aber sie sind eine gute Heuristik, um m\u00f6gliche Korruptionshandlungen zu beschreiben. <strong>Viele Korruptionshandlungen haben dabei einen (un-)mittelbaren Bezug zu Pr\u00fcfungen.<\/strong> Anzumerken ist auch, dass Bestechung nicht immer monet\u00e4r, also mit direkten Geldzahlungen, erfolgen muss, sondern damit auch das Annehmen von Geschenken oder sonstigen Diensten gemeint ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left wp-block-paragraph\"><em>Bereitschaften zur Korruption<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Empirische Untersuchungen zur Erfassung akademischer Korruption unterliegen dabei \u00e4hnlichen Schwierigkeiten wie Untersuchungen zu anderen Formen akademischen Fehlverhaltens (siehe hierzu unseren <a href=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/performla\/2021\/11\/11\/taeuschen-schummeln-und-betruegen-an-der-hochschule-im-licht-der-bildungsforschung-2-7\/\">zweiten Teil<\/a>). Es kann sogar vermutet werden, dass es f\u00fcr Korruptionshandlungen noch schwieriger ist, valide Daten zu erhalten, weil es f\u00fcr alle Beteiligten nat\u00fcrlich noch riskanter ist, wenn derartiges Verhalten aufgedeckt oder zugegeben wird. Dies k\u00f6nnte auch ein Grund sein, warum zur akademischen Korruption <strong>im Vergleich zu anderen Formen akademischen Fehlverhaltens weniger empirische Untersuchungen<\/strong> vorliegen. Ergebnisse sind zudem um stark <strong>abh\u00e4ngig vom jeweiligen nationalen Hochschulkontext<\/strong>, in dem diese durchgef\u00fchrt wurden (vgl. Osipian, 2008). Viele Untersuchungen beziehen sich dabei auf Staaten der ehemaligen Sowjetunion (z.B. Karimli, 2022; Temple &amp; Petrov, 2004), wenige Studien auf den anglo-amerikanischen Raum (z.B. Kresse, 2017). Analysen aus dem deutschsprachigen Raum hingegen sind selten. Nichtdestotrotz kann an dieser Stelle eine kleine \u00dcbersicht zu verschiedenen untersuchten Aspekten von akademischer Korruption gegeben werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Generell ist es schwierig, dass Ausma\u00df akademischer Korruption abzusch\u00e4tzen.<\/strong> In einer Befragung von N = 260 (wobei hier im Artikel die Zahl nicht ganz klar wird) Studierenden aus Aserbaidschan bspw. gaben 67,3% in direkter Befragung an, schon einmal eine*n Dozierenden oder die Verwaltung bestochen zu haben (Sandigov, 2014). Dabei gaben zudem 70% der Studierenden an, in den letzten zw\u00f6lf Monaten <em>&#8222;demands for bribes from professors\/educators at least once&#8220;<\/em> (Sandigov, 2014, 51) erlebt zu haben, und 81.5% wie Mitstudierende Dozierenden mindestens einmal eine Bestechung angeboten haben (47,3% berichten, dass sie es st\u00e4ndig beobachteten). Shaw et al. (2015) berichten auf Basis einer Befragung von N = 1558 Studierenden aus der Ukraine ebenfalls selbst berichtete Bestechungshandlungen: 56% nannten Bestechungen f\u00fcr den Zugang zu einem Studiengang, 22% bei Klausuren, 18% f\u00fcr weitere Studienleistungen und 5% f\u00fcr Hausarbeiten. In einer Befragung im Kosovo gaben 20% der befragten Studierenden (N = 890) direkt an, dass sie Korruptionshandlungen durchf\u00fchren w\u00fcrden, um einen Job zu erhalten (Llulaku &amp; B\u00ebrxulli, 2017). F\u00fcr Hochschulen in Ghana berichten Studierende auch ebenfalls relativ h\u00e4ufiges, wahrgenommenes Korruptionsverhalten von Universit\u00e4tsmitarbeitenden (Nnodum, 2008). F\u00fcr Spanien zeigen sich niedrigere bis mittlere Bereitschaften f\u00fcr korruptives Handeln bzw. subjektive Wahrnehmung solcher Handlungen (z.B. Juli\u00e1n &amp; Bonavia, 2020; 2021; 2022), <strong>wobei Ergebnisse verschiedener Untersuchungen aufgrund der stark unterschiedlichen Erhebungsmethoden nicht  direkt vergleichbar sind.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr Hochschulen in Deutschland liegen \u00e4hnliche Untersuchungen allerdings nur wenig vor (oder ich habe sie nicht gefunden, vgl. zu Korruption im \u00f6ffentlichen Dienst generell Stark, 2019). Wei\u00dfm\u00fcller &amp; De Waele (2022) untersuchten in einem quasi-experimentellen Befragungsdesign (N = 624), <strong>wie Studierende aus Deutschland, Belgien und  den Niederlanden sind, verschiedene Arten von Bestechungshandlungen beurteilen.<\/strong> Sie nutzten dazu narrative Vignetten, die beschreiben, wie ein*e Studierende*r einer*m Lehrenden verschiedene Bestechungsformen &#8222;anbietet&#8220;, damit diese*r sie in einer eigentlich nicht-bestandenen Pr\u00fcfung doch bestehen l\u00e4sst. In der Befragung wurden die Befragten in die Position dieser Studierenden versetzt und sollten angeben, wie akzeptabel sie dieses Verhalten beurteilen. Die Vignetten repr\u00e4sentierten dabei verschiedene Formen der Bestechung: zum ersten <em>white bribery<\/em>, in dem die fiktiven Studierende Versuchen ihre Lehrenden emotional zu beeinflussen (z.B. Weinen, Betteln), zum zweiten <em>grey bribery<\/em>, bei dem Studierende nicht-monet\u00e4re Dienste anbieten (z.B. eine helfende Hand) und zum dritten <em>black bribery<\/em>, was dem Angebot von Geld entspricht (konkret: 500\u20ac). In der Befragung wurden jeder Person zwei verschiedene Vignetten randomisiert zugeordnet. Generell zeigte sich dabei, dass je &#8222;dunkler&#8220; eine Korruptionshandlung ist, Studierende eine geringere Bereitschaft zur Umsetzung angaben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In einer quasi-experimentellen Befragung (N = 2287) konfrontierten Graeff et al. (2014) Studierende an ebenfalls mit narrativen Vignetten, <strong>in denen sie in eine Position als studentischer Tutor versetzt wurden, der ein Korruptionsangebot von Mitstudierenden <\/strong>erh\u00e4lt, um eine Pr\u00fcfungsnote anzupassen. Sie mussten dann auf einer 10-stufigen Skala angeben, wie stark sie das Angebot annehmen w\u00fcrden bzw. in anderen Worten, inwiefern sie ihre Position als studentische Hilfskraft ausnutzen, um pers\u00f6nliche Vorteile zu erhalten. Dabei wurden in den Vignetten die Entdeckungswahrscheinlichkeit (operationalisiert durch die Vertrauensw\u00fcrdigkeit der*des Mitstudierenden und Entdeckung durch eine \u00dcberpr\u00fcfung der Arbeit der Tutorenarbeit), die Schwere von Sanktionen als Folge (H\u00f6he einer Geldstrafe) und Vorteile der Korruptionshandlung (H\u00f6he des Geldbetrags) variiert. Zus\u00e4tzlich wurden sozialen Normen zur Korruption als weitere Variable erfasst. Zusammengefasst gaben dabei 73,5% der Befragten an, das Angebot definitiv nicht anzunehmen. Je h\u00f6her der Vorteil, geringer die Kosten und geringer die Entdeckungswahrscheinlichkeit, desto bereiter waren die Studierenden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right wp-block-paragraph\"><em>Einflussfaktoren &amp; Abhilfen<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Ein wichtiger Einflussfaktor auf korruptes Verhalten von Studierenden ist dabei, inwiefern selbst das akademische bzw. das gesellschaftliche Gesamtumfeld als insgesamt korrupt wahrnehmen.<\/strong> Je st\u00e4rker Studierende dies als korrupt wahrnehmen, desto eher berichten sie auch selbst, solche Handlungen durchzuf\u00fchren oder dazu bereit zu sein, da es ja prinzipiell dazugeh\u00f6re (Shaw et al., 2015; Sandigov, 2014). Dies ist dabei nicht auf L\u00e4nder der ehemaligen Sowjetunion beschr\u00e4nkt, sondern zeigt sich z.B. auch in einer Untersuchung in Italien (Tomo et al., 2018), und wird auch in qualitativen Analysen im Rahmen von Interviewstudien deutlich (Zaloznaya, 2012). Dabei bleit nat\u00fcrlich die Frage, inwieweit die Entscheidung zu Korruptionshandlung auf rein individuellen Entscheidungen basiert, oder ob sich die Involvierten eher den &#8222;Regeln eines Systems&#8220; folgen. <strong>Andere Einflussfaktoren auf individueller Ebene sind die Einstellungen und Orientierungen von Studierenden<\/strong> (z.B. ob sie Bestechung als kriminelle Handlung verstehen, Shaw et al., 2015; wie stark sie selbst Bestechung als soziale Norm ablehnen, vgl. Graeff et al., 2014; wie riskant sie ein Aufdecken empfinden oder inwiefern sie das Verhalten rechtfertigen k\u00f6nnen, Juli\u00e1n &amp; Bonavia, 2021; ). Wei\u00dfm\u00fcller &amp; De Waele (2022) beobachteten auch einen Interaktionseffekt zwischen studiumsbezogenem Burnout und der Akzeptanz von &#8222;grauer&#8220; Bestechung, der sich allerdings nicht in der Sub-Stichprobe f\u00fcr Deutschland zeigte. <strong>Eine h\u00f6here Bereitschaft zu eigenen Korruptionshandlungen steht dabei mit einer niedrigeren Bereitschaft in Zusammenhang, beobachtetes Korruptionshandeln Anderer zu melden<\/strong> (Juli\u00e1n &amp; Bonavia, 2022).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Zu m\u00f6glichen Ma\u00dfnahmen akademische Korruption von Studierenden zu verringern bzw. zu verhindern <\/strong>(siehe hierzu auch unseren <a href=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/performla\/2022\/11\/11\/taeuschen-schummeln-und-betruegen-an-der-hochschule-im-licht-der-bildungsforschung-5-7\/\">f\u00fcnften Teil<\/a> der Beitragsreihe) liegen hingegen wenig Erkenntnisse vor. Bspw. untersuchten Denisova-Schmidt et al. (2021) in einer experimentellen Befragung den kurzfristigen Einfluss verschiedener Informationsmaterialien zur Korruption und damit verbundener negativer Folgen auf die Einstellungen und Orientierungen Studierender in Russland zur Korruption (N = 2003). Dabei wurden die folgenden Materialien unterschieden: eine offizielle Brosch\u00fcre zur Korruptions-<em>awareness<\/em>, eine Brosch\u00fcre auf Basis von Materialien von <em>Transparency International Russia<\/em> und zwei verschiedene Videos von <em>Transparency International<\/em> <em>Russia<\/em>. Diese Materialien wurden den Studierenden im Rahmen eines Interviews gezeigt, bevor sie nach ihren Einstellungen zur Korruption befragt wurden. Eine weitere Gruppe Studierender erhielt als Kontrollgruppe kein <em>Treatment<\/em>. Die Befragten wurden zuf\u00e4llig den einzelnen Ma\u00dfnahmen zugeordnet (W\u00fcrfelwurf). Die Autor*innen fassen ihre Ergebnisse folgenderma\u00dfen zusammen: <em>&#8222;Concerning the effectiveness of the interventions, we do not \ufb01nd any important impacts in the full sample, but some indication of heterogeneous effects across sub-samples de\ufb01ned by students\u2019 inclination to plagiarize when writing papers. One result is that some of the brochures or videos might promote awareness of the negative consequences of corruption among students who frequently plagiarize, but at the same time appear to induce more tolerant views on corruption among students who plagiarize less often&#8220;<\/em> (Denisova-Schmidt et al., 2021, 1663). <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Das wird Folgen haben&#8230;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Zusammenfassend l\u00e4sst sich festhalten, dass bisher relativ wenig Ergebnisse empirischer Untersuchungen zur akademischen Korruption von Studierenden vorliegen<\/strong> und die vorliegenden Analysen nur eingeschr\u00e4nkt vergleichbar sind. Dies ist insofern etwas problematisch, da akademische Korruption nat\u00fcrlich eine Reihe negativer Folgen mit sich bringt. Neben generellen gesellschaftlichen Folgen (z.B. gerechter Zugang zu Abschl\u00fcssen, z.B. Rumyantseva, 2005) h\u00e4ngt die Akzeptanz von Korruption im Beruf auch mit der Bereitschaft zusammen, im Studium selbst akademisches Fehlverhalten zu zeigen (Alva et al., 2020; Teixeira, 2013). Die Folgen akademischen Fehlverhaltens (und dann wieder mit einem st\u00e4rkeren Fokus auf das T\u00e4uschen, Schummeln und Betr\u00fcgen) werden wir aber in unserem letzten Beitrag zu dieser Reihe genauer betrachten. Er wird an dieser Stelle verlinkt, sobald er online ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Literatur:<\/em><\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Alva, E., Vivas, V., &amp; Urcia, M. (2021). Tolerance of Future Professionals Towards Corruption. Analysis Through the Attitudes of Students of Lima\u2019s Universities Regarding Situations Related to Ethics and Morals.&nbsp;<em>Journal of Academic Ethics<\/em>,&nbsp;<em>19<\/em>(2), 211-227. (<a href=\"https:\/\/link.springer.com\/article\/10.1007\/s10805-019-09351-3\">Online<\/a>)<\/li>\n\n\n\n<li>BKA (Bundeskriminalamt) (Hrsg.). <em>Korruption<\/em>. URL: https:\/\/www.bka.de\/DE\/UnsereAufgaben\/Deliktsbereiche\/Korruption\/korruption_node.html (16.11.2022). (<a href=\"https:\/\/www.bka.de\/DE\/UnsereAufgaben\/Deliktsbereiche\/Korruption\/korruption_node.html\">Online<\/a>)<\/li>\n\n\n\n<li>Denisova-Schmidt, E., Huber, M., Leontyeva, E., &amp; Solovyeva, A. (2021). Combining experimental evidence with machine learning to assess anti-corruption educational campaigns among Russian university students.&nbsp;<em>Empirical Economics<\/em>,&nbsp;<em>60<\/em>(4), 1661-1684. (<a href=\"https:\/\/link.springer.com\/article\/10.1007\/s00181-020-01827-1\">Online<\/a>)<\/li>\n\n\n\n<li>Farrales, M. J. (2005). What is corruption?: A history of corruption studies and the great definitions debate.&nbsp;<em>A History of Corruption Studies and the Great Definitions Debate (June 2005)<\/em>. Verf\u00fcgbar auf SSRN. <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/ssrn.com\/abstract=1739962\" target=\"_blank\">(Online)<\/a><\/li>\n\n\n\n<li>Graeff, P., Sattler, S., Mehlkop, G., &amp; Sauer, C. (2014). Incentives and inhibitors of abusing academic positions: Analysing university students\u2019 decisions about bribing academic staff.&nbsp;<em>European Sociological Review<\/em>,&nbsp;<em>30<\/em>(2), 230-241. (<a href=\"https:\/\/academic.oup.com\/esr\/article-abstract\/30\/2\/230\/500418\">Online<\/a>)<\/li>\n\n\n\n<li>Juli\u00e1n, M., &amp; Bonavia, T. (2022). Students&#8216; Perceptions of University Corruption in a Spanish Public University: A Path Analysis.&nbsp;<em>Frontiers in psychology<\/em>,&nbsp;<em>13<\/em>, 842345-842345. (<a href=\"https:\/\/europepmc.org\/article\/pmc\/pmc9066151\">Online<\/a>)<\/li>\n\n\n\n<li>Juli\u00e1n, M., &amp; Bonavia, T. (2021). Understanding unethical behaviors at the university level: A multiple regression analysis.&nbsp;<em>Ethics &amp; Behavior<\/em>,&nbsp;<em>31<\/em>(4), 257-269. (<a href=\"https:\/\/www.tandfonline.com\/doi\/full\/10.1080\/10508422.2020.1723101\">Online<\/a>)<\/li>\n\n\n\n<li>Juli\u00e1n, M., &amp; Bonavia, T. (2020). Determinants of Students\u2019 Willingness to Engage in Corruption in an Academic Setting: an Empirical Study.&nbsp;<em>Journal of Academic Ethics<\/em>,&nbsp;<em>18<\/em>(4), 363-375. (<a href=\"https:\/\/link.springer.com\/article\/10.1007\/s10805-020-09362-5\">Online<\/a>)<\/li>\n\n\n\n<li>Karimli, R. (2022). <em>Bribery in Higher Education in Former Soviet Countries: A Systematic Review<\/em>. The University of Western Ontario (Dissertation).  (<a href=\"https:\/\/ir.lib.uwo.ca\/etd\/8691\/\">Online<\/a>)<\/li>\n\n\n\n<li>Kresse, W. 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(<a href=\"https:\/\/link.springer.com\/article\/10.1007\/s10611-012-9386-x\">Online<\/a>)<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gegen Korruption gibt es nur ein Mittel: Geld, viel Geld. In einer Beitragsreihe besch\u00e4ftigen wir uns mit dem T\u00e4uschen und Betr\u00fcgen im Studium, also allgemeiner gesprochen mit akademischem Fehlverhalten von Studierenden. Dabei schauen wir insbesondere, welche Ergebnisse aus Untersuchungen der empirischen Bildungsforschung hierzu vorliegen. 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