{"id":1302,"date":"2022-11-11T17:50:29","date_gmt":"2022-11-11T16:50:29","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/performla\/?p=1302"},"modified":"2022-11-14T10:19:04","modified_gmt":"2022-11-14T09:19:04","slug":"taeuschen-schummeln-und-betruegen-an-der-hochschule-im-licht-der-bildungsforschung-5-7","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/performla\/2022\/11\/11\/taeuschen-schummeln-und-betruegen-an-der-hochschule-im-licht-der-bildungsforschung-5-7\/","title":{"rendered":"T\u00e4uschen, Schummeln und Betr\u00fcgen an der Hochschule im Licht der Bildungsforschung 5\/7"},"content":{"rendered":"<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_1302 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_1302')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_1302').socialSharePrivacy({\"txt_help\":\"Wenn Sie diese Felder durch einen Klick aktivieren, werden Informationen an Facebook, Twitter, Flattr, Xing, t3n, LinkedIn, Pinterest oder Google eventuell ins Ausland \\u00fcbertragen und unter Umst\\u00e4nden auch dort gespeichert. 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In dieser Reihe schauen wir etwas genauer auf empirische Forschungsergebnisse zu akademischem Fehlverhalten. Im <a href=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/performla\/2021\/11\/04\/tauschungen-bei-prufungen-im-licht-der-bildungsforschung-1-7\/\">ersten Beitrag<\/a> lag der Fokus auf verschiedenen Arten des Fehlverhaltens im Studium. Der <a href=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/performla\/2021\/11\/11\/taeuschen-schummeln-und-betruegen-an-der-hochschule-im-licht-der-bildungsforschung-2-7\/\">zweite Beitrag<\/a> behandelte  Methoden, dieses Verhalten auch empirisch zu erfassen. Der <a href=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/performla\/2021\/11\/26\/taeuschen-schummeln-und-betruegen-an-der-hochschule-im-licht-der-bildungsforschung-3-7\/\">dritte Beitrag<\/a> drehte sich darum, wie verbreitet verschiedene Formen akademischen Fehlverhaltens eigentlich sind, w\u00e4hrend wir im zweigeteilten vierten Beitrag (<a href=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/performla\/2022\/07\/01\/taeuschen-schummeln-und-betruegen-an-der-hochschule-im-licht-der-bildungsforschung-4-7-teil-1\/\">Teil1<\/a>, <a href=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/performla\/2022\/07\/26\/taeuschen-schummeln-und-betruegen-an-der-hochschule-im-licht-der-bildungsforschung-4-7-teil-2\/\">Teil 2<\/a>) die vielf\u00e4ltigen Forschungsergebnisse zu m\u00f6glichen Gr\u00fcnden und Ursachen dargestellt haben. <strong>In diesem Beitrag geht es nun um m\u00f6gliche Ma\u00dfnahmen, die ergriffen werden k\u00f6nnen, um akademischem Fehlverhalten zu begegnen.<\/strong> Dabei gehen wir auch der Frage nach, als wie wirksam bzw. erfolgreich sich verschiedene Ma\u00dfnahmen erwiesen haben.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/performla\/files\/2022\/11\/examen-1024x686.jpg\" alt=\"\" width=\"385\" height=\"257\" \/><figcaption><em>Bildnachweis:<\/em> \u00a9 paulabassi2, Pixabay-Lizenz <\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Was k\u00f6nnte man tun?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zum Umgang mit T\u00e4uschungen bei Pr\u00fcfungen in der Hochschule existieren verschiedene Ans\u00e4tze und Ma\u00dfnahmen. Einige beziehen sich \u00fcbergreifend auf akademisches Fehlverhalten generell, w\u00e4hrend zugleich auch Ma\u00dfnahmen vorgeschlagen werden, die auf spezifische Arten des Fehlverhaltens zielen. <strong>Grunds\u00e4tzlich lassen sich Ma\u00dfnahmen aber danach unterscheiden, ob sie eher dabei unterst\u00fctzen, akademisches Fehlverhalten zu erkennen, um entsprechend darauf reagieren zu k\u00f6nnen. Oder, ob sie helfen sollen, das Aufkommen akademischen Fehlverhaltens pr\u00e4ventiv zu verhindern (vgl. Sattler et al., 2017).<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li><strong>Detektion:<\/strong> Dies umfasst Ma\u00dfnahmen, um bestehende T\u00e4uschungsversuche aufzudecken, bspw. die Nutzung von Plagiatserkennungssoftware bei Hausarbeiten (vgl. Awasthi, 2019), das Pr\u00fcfen bzw. Nachrechnen, ob Datens\u00e4tze evtl. erfunden wurden (Sattler et al., 2017) oder auch einfach das Beaufsichtigen bei Klausuren (Cizek, 1999). In Online-Pr\u00fcfungen, die auch im Zuge der Distanzlehre w\u00e4hrend der COVID-19-Pandemie vermehrt durchgef\u00fchrt wurden, kamen auch weitere Ma\u00dfnahmen zur Detektion von T\u00e4uschungsversuchen hinzu (z.B. Video\u00fcberwachung bei der Bearbeitung von Online-Klausuren, Holden et al., 2021). Das Aufdecken eines T\u00e4uschungsversuchs, mit welcher Ma\u00dfnahme auch immer, ist meistens damit verbunden, dass auch eine Konsequenz f\u00fcr die t\u00e4uschende Person folgt (in vielen Pr\u00fcfungsordnungen als minimale Folge das automatische Nicht-Bestehen einer Pr\u00fcfung).<\/li><li><strong>Pr\u00e4vention:<\/strong> Dies meint Ma\u00dfnahmen, die ergriffen werden, damit m\u00f6gliche T\u00e4uschungs- und Betrugsversuche gar nicht erst auftauchen. Hierbei lassen sich zum einen Ma\u00dfnahmen unterscheiden, die auf eine Gestaltung der Pr\u00fcfungsbedingungen fokussieren. Hierunter fallen bspw. das Herstellen von gro\u00dfen Abst\u00e4nden zwischen Pr\u00fcflingen in Klausuren, um Abschreiben zu erschweren (Yee &amp; MacKown, 2009; Cizek, 1999) oder das Einschr\u00e4nken von m\u00f6glichen Hilfsmitteln (z.B. nur einen Stift in Klausuren). Zum anderen finden sich Ma\u00dfnahmen, die eher die Studierenden selbst in den Blick nehmen, so dass diese von sich aus keine T\u00e4uschungsversuche unternehmen. Dies reicht z.B. von Ver\u00e4nderungen im Studienplan, um Pr\u00fcfungsdruck zu verringern (vgl. Parthner, 2020), \u00fcber Schulungen zum wissenschaftlichen Arbeiten (Johannes et al., 2014) bis hin zu <em>Honor Codes<\/em> (McCabe et al., 1999). Bei Letzteren handelt es sich um<em> &#8222;a community code of conduct guided by ethical principles defining the expecations for students tot act with honesty and integrity and acknowleding the sharde responsibilty of all members.&#8220;<\/em> (Tatum, 2022, 33). Ein solcher Verhaltenskodex ist mit einer expliziten Selbstverpflichtung verbunden und kann mit weiteren Ma\u00dfnahmen (z.B. Veranstaltungen zur Einf\u00fchrung in wissenschaftliches Arbeiten) einhergehen kann, muss es aber nicht. Seinen Ausdruck findet solch ein Kodex bspw. h\u00e4ufig darin, dass Studierende bei Abgaben schriftlicher Pr\u00fcfungsleistungen mit einer Unterschrift erkl\u00e4ren m\u00fcssen, eine Arbeit nach Standards akademischen Arbeitens angefertigt zu haben (in Deutschland oft so genannte Selbstst\u00e4ndigkeitserkl\u00e4rungen).<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Zuordnung der einzelnen Ma\u00dfnahmen zu den beiden Kategorien ist nicht trennscharf, da Detektionsma\u00dfnahmen nat\u00fcrlich auch pr\u00e4ventiv wirken sollen. Sie erh\u00f6hen die Entdeckungswahrscheinlichkeit von T\u00e4uschungsversuchen, womit die Hoffnung verbunden ist, dass Studierende aufgrund der erwarteten negativen Folgen nicht versuchen, zu betr\u00fcgen. Grunds\u00e4tzlich fokussiert aber jede Ma\u00dfnahme mehr oder weniger stark auf bestimmte Ursachen akademischen Fehlverhaltens bzw. steht mit verschiedenen Merkmalen der zu Pr\u00fcfenden in Verbindung (siehe hierzu auch unseren <a href=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/performla\/2022\/07\/01\/taeuschen-schummeln-und-betruegen-an-der-hochschule-im-licht-der-bildungsforschung-4-7-teil-1\/\">vierten Beitrag<\/a> in der Reihe). W\u00e4hrend Detektionsma\u00dfnahmen versuchen, negative Folgeerwartungen herzustellen, zielt die Herstellung bestimmter Testbedingungen darauf, keine Gelegenheiten f\u00fcr Fehlverhalten zuzulassen, damit Pr\u00fcflinge gar nicht erst in Versuchung kommen. Der Ansatz solcher Ma\u00dfnahmen beruht dabei eher auf einer negativen Fokussierung auf das falsche Verhalten (vgl. Lancaster, 2021). Ma\u00dfnahmen mit dem Ziel, Kompetenzen, Selbstwirksamkeitserwartungen und positive Einstellungen Studierender zu ver\u00e4ndern, werfen eher einen positiven Blick auf das richtige akademische Verhalten. <strong>Ihr Ziel ist daher die F\u00f6rderung einer akademischen Integrit\u00e4t (Bretag, 2016), also, dass Studierende f\u00fcr sich selbst die Standards guter akademischer Praxis als Norm \u00fcbernehmen und sich auch in der Lage f\u00fchlen diese umzusetzen.<\/strong> Sie haben daher auch eine moralische Komponente, die sich insbesondere in den schon erw\u00e4hnten <em>Honor Codes<\/em> ausdr\u00fcckt (vgl. Tatum, 2022).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right wp-block-paragraph\"><em>Was wird wirklich getan?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Generell sind also eine Vielzahl von Ma\u00dfnahmen zum Umgang mit akademischem Fehlverhalten m\u00f6glich. <strong>Ob diese auch ihr Ziel erreichen, h\u00e4ngt neben der Frage, welche Ma\u00dfnahmen eine Hochschule w\u00e4hlt, auch davon ab, wie diese genau implementiert werden und ob sie von Pr\u00fcfenden selbst auch wirklich umgesetzt werden (vgl. Parthner, 2020). <\/strong> Dies bezieht sich bspw. darauf, welche Sanktionen f\u00fcr Fehlverhalten durchgesetzt werden, ob \u00fcberhaupt systematisch Ma\u00dfnahmen in Studieng\u00e4ngen verankert sind oder welche Personen f\u00fcr den Umgang mit akademischem Fehlverhalten zust\u00e4ndig sind. Zur Frage, welche Ma\u00dfnahmen wie an Hochschulen implementiert werden, liegen ein paar Untersuchungen vor, die sich neben dem jeweiligen nationalen Hochschulkontext aber auch darin unterscheiden, welche Aspekte in den Fokus ger\u00fcckt werden (z.B. Organisation von Angeboten, Zust\u00e4ndigkeiten, Ma\u00dfnahmen).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Miron et al. (2021) analysierten bspw. auf Grundlage einer Befragung von N = 74 kanadischen Hochschulen, <strong>inwiefern diese <em>Tutorials<\/em> bzw. Kurse zur akademischen Integrit\u00e4t implementieren.<\/strong> Kurse zur akademischen Integrit\u00e4t werden dabei an 45 der befragten Hochschulen (60,8 %) angeboten, meist im Rahmen eines Moduls im ersten Semester, die aber meist nur einem Drittel der Studierenden zug\u00e4nglich sind (also im Studienplan). Sie umfassen <em>Tutorials <\/em>mit Gesamtumfang von unter einer Stunde bis zu vier Stunden. Diese werden von Dozierenden, aber auch oft von Mitarbeiter*innen der Bibliotheken durchgef\u00fchrt. In den Kursen waren die am drei am h\u00e4ufigsten thematisierten Inhalte das Plagiieren, Paraphrasieren und richtige Zitieren.  <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr den deutschen Kontext berichten Sattler et al. (2017), <strong>wie h\u00e4ufig zehn ausgew\u00e4hlte Ma\u00dfnahmen zur Detektion und Pr\u00e4vention akademischen Fehlverhaltens von Hochschullehrenden eingesetzt werden und welche Faktoren die Einsatzh\u00e4ufigkeit beeinflussen<\/strong>. Basis ist eine Online-Befragung mit Selbstberichten von insgesamt N = 3655 Personen an vier deutschen Universit\u00e4ten. Dabei mussten die Befragten f\u00fcr jede Ma\u00dfnahme auf einer sieben-stufigen Skala einsch\u00e4tzen, wie h\u00e4ufig sie sie einsetzten (von 0 = nie bis 6 = immer).  Zusammengefasst  ergab sich dabei die folgende Reihung der am h\u00e4ufigsten genutzten Ma\u00dfnahmen (in Klammern sind MW und SD der Skalenwerte angegeben, Sattler et al., 2017, 1131):<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Daf\u00fcr Sorge tragen, das Studierende bei Klausuren ausreichen Abstand voneinander haben (MW = 5,16 ; SD = 1,26).<\/li><li>Sicherstellen, dass bei Klausuren verbotene Hilfsmittel nicht genutzt werden(MW = 5,04 ; SD = 1,26).<\/li><li>Bei Klausuren ausreichend Aufsichtspersonal bereitstellen (MW = 4,94 ; SD = 1,47).<\/li><li>Sicherstellen, dass niemand Daten f\u00e4lscht\/fabriziert (MW = 4,49 ; SD = 1,41).<\/li><li>Vertieftes Lesen von Hausarbeiten zur Plagiatskontrolle (MW = 4,45 ; SD = 1,70).<\/li><li>Neuberechnung\/Kontrolle von Ergebnissen, die auf Daten basieren (MW = 4,21 ; SD = 1,50).<\/li><li>Einfordern einer Selbst\u00e4ndigkeitserkl\u00e4rung bei der Abgabe von Hausarbeiten (MW = 3,23 ; SD = 2,71).<\/li><li>Nutzung verschiedener Versionen einer Klausur (MW = 2,45 ; SD = 2,46).<\/li><li>Nutzung von Suchmaschinen zur Plagiatskontrolle (MW = 2,44 ; SD = 1,89).<\/li><li>Nutzung von Software zur Plagiatserkennung (MW = 1,38 ; SD = 1,99).<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In dieser Liste zeigt sich nat\u00fcrlich auch, dass bestimmte Pr\u00fcfungsformate von den Befragten h\u00e4ufiger selbst durchgef\u00fchrt werden als andere. Als wichtige Einflussfaktoren ergaben sich in Regressionsanalysen bspw. die von den Dozierenden eingesch\u00e4tzte Effektivit\u00e4t von Ma\u00dfnahmen, der eingesch\u00e4tzte Aufwand und inwiefern ein Einsatz von der Hochschuladministration erwartet wird. Moralische Orientierungen oder das Gef\u00fchl durch T\u00e4uschungen pers\u00f6nlich beleidigt zu sein, erwiesen sich als weniger wichtig<strong>. Generell ist die Haltung von Hochschullehrenden zum Umgang mit akademischem Fehlverhalten ein relevanter Faktor, der die Implementation von Ma\u00dfnahmen positiv oder negativ beeinflussen kann (vgl. De Maio &amp; Dixon, 2022; Lynch et al., 2021)<\/strong>. Dies betrifft insbesondere die Einstellungen und Motive, akademisches Fehlverhalten zu melden bzw. zu sanktionieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Was davon bringt etwas?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Zur Frage, wie wirksam bestimmte Ma\u00dfnahmen sind, also inwiefern sie dazu beitragen, dass akademisches Fehlverhalten reduziert wird, liegen vergleichsweise wenig Untersuchungen vor, die sich zudem im Forschungsansatz und im Fokus auf bestimmte Ma\u00dfnahmen unterscheiden.<\/strong> Meist wird das Plagiieren betrachtet. Die Vergleichbarkeit von Forschungsergebnissen wird zudem dadurch erschwert, dass meist nicht die Wirkung einer spezifischen Ma\u00dfnahme an sich untersucht werden kann, sondern eher die Wirkung einer konkreten Implementation in einem ganzen Programm (vgl. MacFarlane et al., 2014). Auch sind Studien, die ein experimentelles Kontrollgruppendesign verwenden (vgl. Bortz &amp; D\u00f6ring, 2016) aus ethischen Gr\u00fcnden schwierig, da man bei einer Kontrollgruppe, die keiner Ma\u00dfnahme ausgesetzt wird, nat\u00fcrlich absichtsvoll ein Verhalten mit potentiell negativen Folgen (z.B. Nicht-Bestehen) zul\u00e4sst. Nichtsdestotrotz k\u00f6nnen nat\u00fcrlich einige Ergebnisse zur Wirkung von Ma\u00dfnahmen herangezogen werden. Trivial sind Erkenntnisse, dass der Einsatz von Detektionsma\u00dfnahmen das Aufdecken von Fehlverhalten erh\u00f6ht (z.B. Awasthi, 2019 f\u00fcr Plagiatssoftware). Fehlverhalten, dass sonst nicht bekannt w\u00e4re, kann dann nat\u00fcrlich entsprechend sanktioniert werden. Interessanter sind daher Untersuchungen zur Wirksamkeit von Pr\u00e4ventionsma\u00dfnahmen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Relative gute Evidenz liegt daf\u00fcr vor, dass <em>Honor Codes<\/em> akademisches Fehlverhalten reduzieren.<\/strong> <em>&#8222;Overall, multiple studies spanning three decades have established that the presence of an honor code reduces academic misconduct and self-reported cheating and improves academic integrity in college students [&#8230;]&#8220;<\/em> (Tatum, 2022, 34), wobei es nicht auf die reine Existenz ankommt, sondern dass diese auch an verschiedenen Stellen w\u00e4hrend Studiums eingesetzt bzw. angewendet werden (z.B. bei Selbst\u00e4ndigkeitserkl\u00e4rungen) (vgl. McCabe et al., 1999). Insbesondere tragen <em>Honor Codes<\/em> dazu bei, dass Studierende selbst ein genaueres und korrektes Verst\u00e4ndnis akademischen Fehlverhaltens erhalten und sich entsprechende soziale Normen innerhalb einer Hochschule entwickeln (Tatum, 2022). <strong>Explizite Kurse zu korrektem akademischen Verhalten bzw. zum korrektem wissenschaftlichen Arbeiten wirken sich ebenfalls positiv aus<\/strong> (z.B. Djokovic et al., 2022; Perkins et al., 2020). Niedrigschwellige Ma\u00dfnahmen wie freiwillige Plagiatskontrollen bei studentischen Texten scheinen auch einen positiven Einfluss zu haben, allerdings die Einstellung zu akademischer Integrit\u00e4t nicht stark zu beeinflussen (Kohl, 2011).<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/performla\/files\/2022\/11\/examen2-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"307\" height=\"204\" \/><figcaption><em>Bildnachweis:<\/em> \u00a9 MarandaP, Pixabay-Lizenz <\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>A new hope&#8230;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Zusammenfassend l\u00e4sst sich festhalten, dass zur Reduktion akademischen Fehlverhaltens integrierte Ans\u00e4tze vielversprechend sind<\/strong>, die sowohl Studierenden wie Pr\u00fcfenden die Bedeutung akademischer Integrit\u00e4t deutlich machen und zugleich alle beteiligen Gruppen auf verschiedenen Ebenen fortbilden (vgl. De Maio &amp; Dixon, 2020; Schuh, 2014). F\u00fcr die Wirksamkeit spezifischer anderer Ma\u00dfnahmen liegen allerdings erstaunlich wenig empirische Untersuchungen vor (oder ich habe sie einfach nicht gefunden). Mit Bezug auf die Arbeit in unserer Nachwuchsforschungsgruppe ist zudem wichtig, dass auch bei performanzorientierten Pr\u00fcfungsverfahren T\u00e4uschungsversuche vorkommen k\u00f6nnen, die sich negativ auf die Validit\u00e4t der Ergebnisse auswirken (Gortzmann et al., 2017). Dabei ist als zentrale Ma\u00dfnahme zu vermeiden, dass Testinhalte und -materialien im Vorfeld bekannt werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Neben T\u00e4uschungen bei Pr\u00fcfungen existieren allerdings noch weitere Arten akademischen Fehlverhaltens, die sich nicht unmittelbar, aber indirekt auf Pr\u00fcfungen beziehen und andere Ma\u00dfnahmen zur Pr\u00e4vention erfordern. Diese betrachten wir in unserem vorletzten Beitrag zu dieser Reihe. Er wird hier verlinkt, sobald er online ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Literatur:<\/em><\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Ali, I., Sultan, P., &amp; Aboelmaged, M. (2021). A bibliometric analysis of academic misconduct research in higher education: Current status and future research opportunities. <em>Accountability in research<\/em>, 1-22. (<a href=\"https:\/\/www.tandfonline.com\/doi\/abs\/10.1080\/08989621.2020.1836620\">Online<\/a>)<\/li><li>Awasthi, S. (2019). Plagiarism and academic misconduct: A systematic review.&nbsp;<em>DESIDOC Journal of Library &amp; Information Technology<\/em>,&nbsp;<em>39<\/em>(2). (<a href=\"https:\/\/www.researchgate.net\/profile\/Shipra-Awasthi\/publication\/332568987_Plagiarism_and_Academic_Misconduct_A_Systematic_Review\/links\/602d249c92851c4ed57abb5e\/Plagiarism-and-Academic-Misconduct-A-Systematic-Review.pdf\">Online<\/a>)<\/li><li>Bertram Gallant, T., &amp; Rettinger, D. (2022). An introduction to 30 years of research on academic integrity. <em>Journal of College and Character<\/em>, <em>23<\/em>(1), 1-5. (<a href=\"https:\/\/www.tandfonline.com\/doi\/full\/10.1080\/2194587X.2021.2017975\">Online<\/a>)<\/li><li>Bortz, J., &amp; D\u00f6ring, N. (2016). <em>Forschungsmethoden und Evaluation f\u00fcr Human-und Sozialwissenschaftler: Limitierte Sonderausgabe<\/em> (5. Aufl.). Springer. (<a href=\"https:\/\/link.springer.com\/book\/10.1007\/978-3-642-41089-5\">Online<\/a>)<\/li><li>Bretag, T. (2016).  De\ufb01ning Academic Integrity: International Perspectives \u2013 Introduction. In T. Bretag (Ed.), <em>Handbook of Academic Integrity<\/em> (pp. 3-6). Springer Nature. (<a href=\"https:\/\/link.springer.com\/referenceworkentry\/10.1007\/978-981-287-098-8_76\">Online<\/a>)<\/li><li>Cizek, G. J. (1999). <em>Cheating on tests: How to do it, detect it, and prevent it<\/em>. Routledge.<\/li><li>De Maio, C., &amp; Dixon, K. (2022). Promoting academic integrity in institutions of higher learning: What 30 years of research (1990-2020) in Australasia has taught us. <em>Journal of College and Character<\/em>, <em>23<\/em>(1), 6-20. (<a href=\"https:\/\/www.tandfonline.com\/doi\/full\/10.1080\/2194587X.2021.2017972\">Online<\/a>)<\/li><li>Djokovic, R., Janinovic, J., Pekovic, S., Vuckovic, D., &amp; Blecic, M. (2022). Relying on Technology for Countering Academic Dishonesty: The Impact of Online Tutorial on Students\u2019 Perception of Academic Misconduct. <em>Sustainability<\/em>, <em>14<\/em>(3), 1756. (<a href=\"https:\/\/www.mdpi.com\/2071-1050\/14\/3\/1756\">Online<\/a>)<\/li><li>Gotzmann, A., De Champlain, A., Homayra, F., Fotheringham, A., de Vries, I., Forgie, M., &amp; Pugh, D. (2017). Cheating in OSCEs: The impact of simulated security breaches on OSCE performance. <em>Teaching and Learning in Medicine<\/em>, <em>29<\/em>(1), 52-58. 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