{"id":1203,"date":"2022-05-09T14:25:06","date_gmt":"2022-05-09T12:25:06","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/performla\/?p=1203"},"modified":"2022-07-14T14:42:30","modified_gmt":"2022-07-14T12:42:30","slug":"simulationen-in-anderen-ausbildungskontexten-pilotinnen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/performla\/2022\/05\/09\/simulationen-in-anderen-ausbildungskontexten-pilotinnen\/","title":{"rendered":"Simulationen in anderen Ausbildungskontexten: Pilot*innen"},"content":{"rendered":"<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_1203 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_1203')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_1203').socialSharePrivacy({\"txt_help\":\"Wenn Sie diese Felder durch einen Klick aktivieren, werden Informationen an Facebook, Twitter, Flattr, Xing, t3n, LinkedIn, Pinterest oder Google eventuell ins Ausland \\u00fcbertragen und unter Umst\\u00e4nden auch dort gespeichert. 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Wir haben schon \u00f6fter in Vortr\u00e4gen oder Blogbeitr\u00e4gen die Medizin als Beispiel f\u00fcr ihre rollenspielbasierten Pr\u00fcfungen herangezogen und auch schon Blogbeitr\u00e4ge dazu verfasst (z.B. <a href=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/performla\/2021\/11\/23\/was-lehrkrafte-von-arzten-lernen-konnen-bzw-ihre-ausbilderinnen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">hier<\/a>). Starten m\u00f6chten wir mit einem Berufszweig der auch von Mediziner*innen gerne als Vorbild genommen wird (z.B. M\u00fcnzberg et al., 2019): <strong>Pilot*innen<\/strong>. Ein zentrales Werkzeug von Lehren und Pr\u00fcfen sind hier Flugsimulatoren!<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cdn.pixabay.com\/photo\/2018\/08\/27\/10\/14\/new-york-3634623_960_720.jpg\" alt=\"\" \/><figcaption>(c) Pixabay<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Infos zur Pilot*innenausbildung<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Die Pilot*innenausbildung kann nach Informationen der Vereinigung <em>Cockpit<\/em> (Vereinigung Cockpit e.V., 2022) auf verschiedenen Wegen ablaufen, aber ist eigentlich immer mit finanziellen Eigenanteilen verbunden \u2013 man muss also entweder die Ausbildung vollst\u00e4ndig direkt selbst bezahlen, oder durch Gehaltsk\u00fcrzungen an eine Fluggesellschaft im Rahmen seiner T\u00e4tigkeit zur\u00fcckzahlen &#8211; die Kosten liegen im Durchschnitt mindestens zwischen 70.000 von 100.000\u20ac. Die schulische Ausbildung umfasst 750 Stunden Unterricht mit Fokus auf theoretische Grundlagen <strong>und ca. 240 Flugstunden, wobei hier auch manche Ausbildungsmodelle verst\u00e4rkt auf Simulatoren zur\u00fcckgreifen<\/strong> (Vereinigung Cockpit e.V., 2022). Doch auch nach Berufseintritt spielen Simulationen eine wichtige Rolle, da Pilot*innen mehrmals im Jahr an Simulationen teilnehmen, um bestimmte Situationen zu \u00fcben (von Kopp, 2015).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\"><em>Eine kurze Geschichte der Flugsimulation<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Die Notwendigkeit der Entwicklung von Flugsimulatoren liegt darin begr\u00fcndet, <strong>dass das Auftreten von Fehlern w\u00e4hrend der T\u00e4tigkeit als Pilot*in schwerwiegende und unmittelbare Folgen f\u00fcr Leib und Leben der Flugzeuginsassen haben kann <\/strong>(Myers et al., 2018). Die ersten computerbasierten Simulatoren scheinen wohl auf das Jahr 1929 und Edwin Link zur\u00fcckzugehen, jedoch erst nach Ende des zweiten Weltkriegs und den damit einhergehenden technischen Innovationen etablierten sie sich auch in der kommerziellen Luftfahrt (Page, 2000). Solche Simulatoren basierten auf realen Flugzeugen, die mit Hilfe von anderem technischen Ger\u00e4t bewegt wurden oder durch Manipulation der Instrumente verschiedene Situationen nachstellten. Die Reliabilit\u00e4t und <em>fidelity<\/em> (=Realit\u00e4tsn\u00e4he) dieser analogen Simulatoren schwankte aber aufgrund des hohen Wartungsaufwands stark, was den Weg f\u00fcr digitale Simulatoren ebnete. Durch weitere Neuerungen durch Bewegungs- und visuelle Systeme wurden die Simulationen immer ausgefeilter (Page, 2000), wodurch man heute sogar von <em>virtual<\/em> <em>reality<\/em> sprechen k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Fidelity &nbsp;vs. authenticity<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ein sehr interessanter Gesichtspunkt unter dem Flugsimulatoren erforscht werden, ist eben schon angeklungen \u2013 <strong><em>fidelity<\/em>. Im Deutschen beschreibt der Begriff die Replikation der Realit\u00e4t einer Situation.<\/strong> Myers et al. (2018) nennen drei Elemente von <em>fidelity<\/em>: <\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li><em>Physical fidelity <\/em>\u2013 Die physische Replikation der Realit\u00e4t, z.B. Bewegung und Ger\u00e4usche beim Fliegen, aber auch die Ger\u00e4te, Kn\u00f6pfe, Lampen etc. im Cockpit.<\/li><li><em>Cognitive fidelity <\/em>&#8211; Werden die gleichen kognitiven F\u00e4higkeiten in der Simulation verlangt wie unter realen Bedingungen?<\/li><li><em>Functional fidelity<\/em> &#8211; Inwieweit verh\u00e4lt sich die Simulation wie reales Equipment? <\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><strong>Dagegen ist <em>authenticity<\/em> nicht zwingend die objektive realit\u00e4tsnahe Replikation, <\/strong>sondern beschreibt den Effekt, den diese auf die individuelle Wahrnehmung einer Situation der einzelnen Personen hat (Bland et al., 2014).<\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt interessante Ergebnisse \u00fcber den Effekt von <em>high-fidelity<\/em> Simulationen, da oftmals davon ausgegangen wird, dass <em>fidelity <\/em>ausschlaggebend f\u00fcr den Lernerfolg ist (Myers et al. 2018). Schaut man sich aber mal ein Beispiel von <em>lower-fidelity<\/em> Simulationen an, z.B. von Dahlstrom et al. (2009), so werden auch diese von den Teilnehmenden als durchaus positiv bewertet. In der dortigen Studie sollten die Teilnehmenden auf einer Schiffsbr\u00fccke &#8211; dargestellt von nur durch Laptop, Drucker und Schreibtisch -verschiedene Situationen kommunikativ bew\u00e4ltigen. Gerade der Fokus darauf und das Au\u00dferachtlassen der realit\u00e4tstreuen Ausstattung ist von den Teilnehmenden als positiv aufgenommen worden, da sie so weniger Ablenkung erf\u00fchren w\u00fcrden und Dinge trainierten, denen sie sonst nicht begegnen w\u00fcrden (Dahlstrom et al., 2009).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\"><em>Konsequenzen f\u00fcr uns?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Was k\u00f6nnen wir nun aus diesem kleinen AusFLUG mitnehmen? Die Unterscheidung von <em>authenticity<\/em> und <em>fidelity<\/em> ist sicher etwas, was auch in unseren rollenspielbasierten Simulationen wichtig sein wird, <strong>da wir die Pr\u00fcfungen auch im Sinne einer <em>approximation of practice<\/em><\/strong> (Grossman et al., 2009) gestalten und nicht die volle Komplexit\u00e4t des Klassenraums replizieren wollen. Au\u00dferdem bleibt nat\u00fcrlich der Gedanke, dass es schon fast seit 100 Jahren Simulationen f\u00fcr Pilot*innen gibt \u2013 aber wir in der Lehramtsausbildung, was diesbez\u00fcgliche Lern- aber auch Pr\u00fcfungsformate betrifft, noch recht weit am Anfang stehen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Literatur<\/em>:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Bland, A. J., Topping, A., &amp; Tobbell, J. (2014). Time to unravel the conceptual confusion of authenticity and fidelity and their contribution to learning within simulation-based nurse education. A discussion paper. <em>Nurse education today<\/em>, <em>34<\/em>(7), 1112\u20131118. (<a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1016\/j.nedt.2014.03.009\">Online<\/a>)<\/li><li>Dahlstrom, N., Dekker, S., van Winsen, R., &amp; Nyce, J. (2009). Fidelity and validity of simulator training. <em>Theoretical Issues in Ergonomics Science<\/em>, <em>10<\/em>(4), 305\u2013314. (<a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1080\/14639220802368864\">Online<\/a>) <\/li><li>Grossman, P., Compton, C., Igra, D., Ronfeldt, M., Shahan, E., &amp; Williamson, P. W. (2009). Teaching Practie: A Cross-Professional Perspective. <em>Teachers College Record<\/em>, <em>111<\/em>(9), 2055\u20132100. (<a href=\"https:\/\/journals.sagepub.com\/doi\/abs\/10.1177\/016146810911100905\">Online<\/a>)<\/li><li>M\u00fcnzberg, M., Gr\u00fctzner, A., Seifert, J., &amp; Ekkernkamp, A. (2019). Weiterbildung 3.0: Der \u201eFlugsimulator\u201c f\u00fcr Chirurgen. <em>kma &#8211; Klinik Management aktuell<\/em>, <em>24<\/em>(01\/02), 84\u201387.  (<a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1055\/s-0036-1595647\">Online<\/a>)<\/li><li>Myers, P., Starr, A., &amp; Mullins, K. (2018). Flight Simulator Fidelity, Training Transfer, and the Role of Instructors in Optimizing Learning. <em>International Journal of Aviation, Aeronautics, and Aerospace. <\/em>5(1) (<a href=\"https:\/\/commons.erau.edu\/ijaaa\/vol5\/iss1\/6\/\">Online<\/a>)<\/li><li>Page, R. (2000). Brief history of flight simulation. <em>SimTecT 2000 proceedings<\/em>, 11-17.<\/li><li>Vereinigung Cockpit e.V. (Hrsg.) (2022). Der Weg ins Cockpit. Vereinigung Cockpit e.V. (<a href=\"https:\/\/www.vcockpit.de\/fileadmin\/dokumente\/verein\/downloads\/004_Infos_Broschueren\/Flyer_Der_Weg_ins_Cockpit.pdf\">Online<\/a>)<\/li><li>von Kopp, D. (Hrsg.). (2015). <em>Warum Piloten gl\u00fcckliche(re) Menschen sind<\/em>. Springer. (<a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1007\/978-3-662-45339-1\">Online<\/a>)<\/li><\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Copy that! 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