{"id":401,"date":"2013-04-22T11:16:15","date_gmt":"2013-04-22T09:16:15","guid":{"rendered":"http:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/mernst\/?page_id=401"},"modified":"2013-04-25T18:59:03","modified_gmt":"2013-04-25T16:59:03","slug":"forschendes-lehren","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/mernst\/forschendes-lehren\/","title":{"rendered":"Forschendes Lehren"},"content":{"rendered":"<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_401 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_401')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_401').socialSharePrivacy({\"txt_help\":\"Wenn Sie diese Felder durch einen Klick aktivieren, werden Informationen an Facebook, Twitter, Flattr, Xing, t3n, LinkedIn, Pinterest oder Google eventuell ins Ausland \\u00fcbertragen und unter Umst\\u00e4nden auch dort gespeichert. 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Kaum jemand kann heute durch seine Ausbildung oder ein Studium Wissen erwerben, das f\u00fcr die gesamte Besch\u00e4ftigungsdauer ausreichend ist. Eine Berufsausbildung bildet vielmehr den Einstieg in das Berufsleben. Warum sollte es in meinem zuk\u00fcnftigen Arbeitsfeld einer Lehrkraft anders sein? Da sich auch die Kultur des Lernens und Lehrens stetig ver\u00e4ndert und entwickelt, m\u00f6chte ich im Folgenden aufbauend auf diesem Verst\u00e4ndnis und unter Einbeziehung einschl\u00e4giger Literatur Stellung zum Konzept des \u201eForschenden Lehrens\u201c beziehen.<\/p>\n<p>Professionelle Praxis wurde lange Zeit nach dem \u201eModell technischer Rationalit\u00e4t\u201c rekonstruiert, welches besagt, dass qualifizierte praktische Handlung aus der Anwendung theoretischen Wissens besteht (vgl. Altrichter\/ Posch 2007, S. 321). Professionelle Lehrerarbeit ist aus meiner Sicht allerdings viel mehr als die Umsetzung theoretisch erlernter Konzepte und die Aus\u00fcbung einer Rolle durch Erf\u00fcllung zugeschriebener Aufgaben, da die institutionellen Kontexte eben nicht durch stabile Strukturen gekennzeichnet sind. Nach Sch\u00f6n zeichnet sich die berufliche Praxissituation durch Komplexit\u00e4t, Einzigartigkeit, Instabilit\u00e4t, Ungewissheit aufgrund nicht beobachtbarer Faktoren sowie Wert- und Interessenkonflikte aus (vgl. Sch\u00f6n 1983, S. 14). Gerade an beruflichen Schulen, die eine sehr heterogene Sch\u00fclerschaft aufweisen, sind solche Charakteristika stark ausgepr\u00e4gt. Hinzukommen ver\u00e4nderte Rahmenbedingungen, Schulentwicklungsaufgaben und \u00e4hnliches (vgl. Ertl\/ Kremer 2005, S. 43). Diese Betrachtung schr\u00e4nkt die Sichtweise ein, dass professionelles Handeln in der Auswahl und Anwendung wissenschaftlicher Konzepte auf berufliche Handlungssituationen besteht, da die Charakteristika beruflicher Praxis zun\u00e4chst eine Problemdefinition erforderlich machen. Daf\u00fcr ist es notwendig, die zu bew\u00e4ltigenden Probleme zu benennen und den Problemkontext zu untersuchen (vgl. Sch\u00f6n 1983, S. 39-40). In der Praxis muss das professionelle Handeln daher aus einem Zusammenspiel aus Wissen und Handeln bestehen, f\u00fcr welches sowohl eine Kompetenz zur Reflexion-in-der-Handlung, als auch eine Kompetenz zur Reflexion-\u00fcber-die-Handlung notwendig ist (vgl. Altrichter\/ Posch 2007, S. 330).<\/p>\n<p>Die Reflexion und Verbesserung des eigenen Handelns bilden einen wesentlichen Bestandteil professioneller Lehrerarbeit. Ertl und Kremer verdeutlichen mit ihrer Studie zu Innovationskompetenz von Lehrkr\u00e4ften an beruflichen Schulen, dass Innovation i.S.v. fachlichen und p\u00e4dagogischen Neuerungen zur Verbesserung der Unterrichtsarbeit eine Kernaufgabe von Lehrkr\u00e4ften darstellt (vgl. Ertl\/ Kremer 2005, S. 57) und ebenso als Anforderung gesehen werden kann, die eigene Professionalit\u00e4t weiter zu entwickeln (vgl. Ertl\/ Kremer 2005, S. 60). Auch Altrichter und Posch weisen darauf hin, dass Unterricht nicht allein dadurch besser wird, dass Standards vorgegeben werden, sondern ebenso Expertise und Entwicklungsf\u00e4higkeit der Lehrer gegeben sein m\u00fcssen (vgl. Altrichter\/ Posch 2007, S. 23). Daraus wird die Notwendigkeit zur Innovation und vorhergehenden Forschung ersichtlich.<\/p>\n<p>Kremer und Zoyke beschreiben Lehrerhandeln in diesem Sinne unter anderem als ein Zusammenspiel aus der Identifikation bestehender Probleme und Defizite in der Praxis und der Einbeziehung theoretischer Erkenntnisse zur Strukturierung der eigenen Position im Sinne handlungsleitender Instrumente (vgl. Kremer\/ Zoyke 2007, S. 5). Diese Verzahnung aus Theorie und Praxis bringt unvermeidliche Diskrepanzen mit sich, die zugleich Bestandteil des Konzeptes des \u201eForschenden Lehrens\u201c und des T\u00e4tigkeitsfeldes des Unterrichtens sind. Die von Wissenschaftlern konzipierten Modelle, die wir w\u00e4hrend unserer Lehrerausbildung kennenlernen, basieren zwar meist auf praktischen Beobachtungs- und Erfahrungswerten, machen aber zugleich gewisse Annahmen n\u00f6tig, die aufgrund der Komplexit\u00e4t von Unterrichtssituationen in konkreten F\u00e4llen lediglich beschr\u00e4nkt oder modifiziert zutreffen k\u00f6nnen. Einer solchen Aussage werden Lehrkr\u00e4fte mit praktischen Erfahrungen im Allgemeinen vermutlich zustimmen. Fraglich ist jedoch, welche Anstrengungen erbracht werden, um im Alltag eine h\u00f6here Passung zwischen Theorie und Praxis zu erzielen. Aus meiner Sicht wird an dieser Stelle nochmals die Notwendigkeit des \u201eForschenden Lehrens\u201c ersichtlich, weil erst die\u00a0Wahrnehmung bestehender Diskrepanzen und der anschlie\u00dfende Versuch einer Problembew\u00e4ltigung zu einer kontinuierlichen Verbesserung des eigenen Unterrichts beitragen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die bisherigen Ausf\u00fchrungen deuten darauf hin, dass das Konzept des \u201eForschenden Lehrens\u201c einen Professionalisierungsprozess erforderlich macht, in welchem Lehrkr\u00e4fte spezifische Kompetenzen entwickeln sollten. Voraussetzungen f\u00fcr die Entwicklung einer Innovationskompetenz sind die Bereitschaft und F\u00e4higkeit zur Verbesserung des eigenen Handelns (vgl. Ertl\/ Kremer 2005, S. 57). In dem Katalog der Standards f\u00fcr die Lehrerbildung der Kulturministerkonferenz werden die angestrebten Kompetenzen auf Grundlage der Anforderungen beruflichen Handelns im Lehramt beschrieben. Der Kompetenzbereich des Innovierens stellt dabei die Anforderung einer st\u00e4ndigen Weiterentwicklung bestehender Kompetenzen. Konkret werden F\u00e4higkeiten wie die Reflexion eigener beruflicher Kompetenzen oder die Nutzung von Ergebnissen aus der Bildungsforschung f\u00fcr eigene T\u00e4tigkeiten erwartet (vgl. KMK 2004, S. 12), die ein \u201eForschendes Lehren\u201c implizieren.<\/p>\n<p>Zusammenfassend verbirgt sich hinter dem Konzept des \u201eForschenden Lehrens\u201c aus meiner Sicht das Ziel eines Erkenntnisfortschritts, das in der Literatur auch in Bezug auf die Aktionsforschung benannt wird (vgl. Altrichter\/ Posch 2007, S. 21). Durch die Untersuchung beruflicher Situationen und die Umsetzung innovativer Strategien\/ Konzepte soll einerseits Entwicklungsarbeit f\u00fcr die Schule geleistet und andererseits das eigene Wissen sowie die berufliche Handlungskompetenz ausgebaut werden. Neben dem Professionalisierungsprozess spielt aber auch die Verbesserung der Unterrichtsqualit\u00e4t eine gro\u00dfe Rolle, da das Bestreben einer jeden Lehrkraft vordergr\u00fcndig darin liegen sollte, der Verantwortung einer m\u00f6glichst umfassenden und optimalen Kompetenzentwicklung der Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler nachzukommen. Aus meiner Perspektive bedarf Lehre bei der Wahrnehmung dieser Aufgaben wissenschaftlichen Handlungsformen, denn um es mit den Worten von Euler zu sagen: \u201eDie Lehre speist sich aus der Forschung, das Erlernen von wissenschaftlichem Denken geschieht am wirkungsvollsten durch die Teilhabe an der Forschung\u201c (Euler 2005, S. 3).<\/p>\n<p>Durch die Einbettung der Lehrhandlung in einen institutionellen und organisatorischen Rahmen, ist die wissenschaftliche Handlung der Lehrperson mit den Lernprozessen der Lernenden verbunden (vgl. Kremer\/ Zoyke 2007, S. 7), sodass der Lehrende als Forscher selbst Bestandteil des Forschungsgegenstandes wird. Zudem besch\u00e4ftigt sich eine forschende Lehrperson zugleich mit dem \u201eForschenden Lernen\u201c und dem \u201eForschenden Lehren\u201c, da meiner Ansicht nach eine unmittelbare Verbindung besteht. \u201eForschendes Lernen\u201c stellt ein methodisches Prinzip f\u00fcr die Gestaltung von Lehre dar (vgl. Euler 2005, S. 14), indem Theorien darauf untersucht und hinterfragt werden, ob sie Werkzeuge zur Erkl\u00e4rung und Gestaltung von Praxis darstellen (vgl. Euler 2005, S. 17). Vor diesem Hintergrund kann Lernen als Basis von Lehren angesehen werden, da eine forschende Lehrperson zun\u00e4chst theoretische Konzepte hinterfragen wird, um f\u00fcr ein praktisches Problem eine realisierbare Lehrstrategie zu finden.<\/p>\n<p>Die Kultur des Lernens und Lehrens ver\u00e4ndert und entwickelt sich stetig. Mit diesen einleitenden Worten m\u00f6chte ich meinen Beitrag auch beenden, da eine solche Sichtweise ein klares Argument daf\u00fcr ist, Forschung als Bestandteil von Lehrerhandeln anzusehen. Fraglich ist allerdings, wie viel Zeit den Lehrenden neben den Aufgaben der t\u00e4glichen Berufsarbeit f\u00fcr die Gestaltung von Schul- und Unterrichtspraxis zur Verf\u00fcgung steht. Trotz eindeutiger Argumente f\u00fcr das \u201eForschende Lehren\u201c sehe ich das Problem fehlender materieller Anreizsysteme, welche eine Mehrbelastung der Lehrenden rechtfertigen und Forschungsanstrengungen selbstverst\u00e4ndlicher machen w\u00fcrden. Dennoch sollten eine kontinuierliche Lernbereitschaft und die Reflexion des eigenen Handelns zur Verbesserung der Lehre eine Grundhaltung der Lehrenden darstellen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Literaturverzeichnis<\/p>\n<ul>\n<li>Altrichter, H.\/ Posch, P (2007): <i>Lehrerinnen und Lehrer erforschen ihren Unterricht. Unterrichtsentwicklung und Unterrichtsevaluation durch Aktionsforschung.<\/i> Bad Heilbrunn: Klinkhardt.<\/li>\n<li>Ertl, H.\/ Kremer, H.-H. (2005): <i>Innovationen im schulischen Kontext. Ansatzpunkte f\u00fcr berufsbegleitende Lernprozesse bei Lehrkr\u00e4ften. <\/i>Paderborn: Eusl-Verlagsgemeinschaft.<\/li>\n<li>Euler, D. (2005): <i>Forschendes Lernen. <\/i>In: Wunderlich, W.\/Spoun, S. (Hrsg.): Studienziel Pers\u00f6nlichkeit. Beitr\u00e4ge zum Bildungsauftrag der Universit\u00e4t heute. Frankfurt\/ New York: Campus, S. 253-272. Online: <a href=\"http:\/\/www.edudoc.ch\/static\/infopartner\/iwp_fs\/2005\/iwp27_250105.pdf\">http:\/\/www.edudoc.ch\/static\/infopartner\/iwp_fs\/2005\/iwp27_250105.pdf<\/a> (22.04.2013).<\/li>\n<li>KMK (2004): <i>Standards f\u00fcr die Lehrerbildung: Bildungswissenschaften. <\/i>Online: <a href=\"http:\/\/www.kmk.org\/fileadmin\/veroeffentlichungen_beschluesse\/2004\/2004_12_16-Standards-Lehrerbildung.pdf\">http:\/\/www.kmk.org\/fileadmin\/veroeffentlichungen_beschluesse\/2004\/2004_12_16-Standards-Lehrerbildung.pdf<\/a> (22.04.2013).<\/li>\n<li>Kremer, H.-H.\/ Zoyke, A. (2007): <i>Fachdidaktisches Praktikum als Ankerpunkt der Professionalisierung. <\/i>In: Berufs- und Wirtschaftsp\u00e4dagogik \u2013 Online. Ausgabe Nr. 12: Qualifizierung von Berufs- und Wirtschaftsp\u00e4dagogen zwischen Professionalisierung und Polyvalenz. Online: <a href=\"http:\/\/www.bwpat.de\/ausgabe12\/kremer_zoyke_bwpat12.pdf\">http:\/\/www.bwpat.de\/ausgabe12\/kremer_zoyke_bwpat12.pdf<\/a> (22.04.2013).<\/li>\n<li>Sch\u00f6n, D. A. (1983): <i>The Reflective Practitioner. How Professionals Think in Action. <\/i>USA: Basic Books.<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Positions-Post Wir leben in einer Zeit, in der fast alles im Leben einer rasanten Entwicklung und Ver\u00e4nderung unterliegt. 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